Bericht

Schlüsselkompetenzen durch Lesementoring

29.04.2010

Grundschüler und Jugendliche profitieren voneinander


In Hannover helfen ältere Schülerinnen und Schüler Grundschulkindern beim Lesenüben, motivieren sie, selbst zu lesen und bringen ihnen bei, interessant und spannend vorzulesen. Auch Lese- und Bewegungsspiele sowie gemeinsame Bibliotheksbesuche gehören zum Mentoringprogramm, das seit 2004 erfolgreich durchgeführt wird. Erfahrene Fachkräfte aus Bibliotheken und Kultureinrichtungen bilden die jugendlichen Mentorinnen und Mentoren aus und unterstützen sie bei ihrer Arbeit mit den Mentees, wie die Grundschüler im Projekt genannt werden. Zwei Mentoren kümmern sich einmal in der Woche jeweils um sechs Mentees.
Der Kern der Idee ist, dass Jugendliche, die selbst gerne lesen und Spaß daran haben, mit Kindern umzugehen, Grundschüler mit ihrer eigenen Lesefreude anstecken und in Gruppenstunden spielerisch zum Lesen motivieren. Davon profitieren auch die Jugendlichen. Das freiwillige Engagement und die qualifizierte Ausbildung stärken ihre sozialen Kompetenzen und fördern ihre Persönlichkeitsentwicklung.

Zentrale Projektkoordination - dezentrale Durchführung
Das Projekt wird zwar zentral geleitet und koordiniert, findet aber dezentral - in den Stadtteilen – meistens an den Grundschulen, gelegentlich auch in Räumen der Bibliothek oder der Kultureinrichtung statt. Jeweils eine Fachkraft aus einer Bibliothek oder aus einer Kultureinrichtung bzw. einer außerschulischen Bildungseinrichtung des Stadtteils werden für die Durchführung des Projektes speziell qualifiziert und bilden das dezentrale Projektmangement. Sie nehmen Kontakt zu einer Grundschule oder zu Horteinrichtungen und einer weiterführenden Schule in einem Stadtteil auf.
Die weiterführende Schule (Realschule, IGS oder Gymnasium) wirbt Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 9 und 10 für dieses – freiwillige- Projekt, sogenannte Mentorinnen und Mentoren. Die Grundschule oder Horteinrichtung benennt Kinder, sogenannte Mentees, aus den Jahrgängen 2 bis 4, die freiwillig am Lesementoring teilnehmen möchten.

Ausbildung und Beratung der Mentorinnen und Mentoren
Die Mentorinnen und Mentoren werden von eigens geschulten Fachkräften aus Bibliotheken und Kultureinrichtungen auf ihre Aufgabe in einem zweitägigen Seminar vorbereitet. Dafür werden sie von der Schule freigestellt. Während des Projektes besuchen die Fachkräfte einige Male die Gruppenstunden, beraten die Mentorinnen und Mentoren und moderieren den Erfahrungsaustausch untereinander.

Arbeit in den Lesementoring-Gruppen
Jeweils zwei Mentoren übernehmen eine Gruppe von sechs Kindern für ein halbes Jahr. Sie treffen sich einmal wöchentlich für ca. 1,5 Stunden, meistens in der Grundschule. Die Mentoren zeigen den Mentees interessante Kinderbücher, lesen und spielen mit ihnen, gehen mit ihnen in die Bibliothek und veranstalten mit ihnen Lesenächte oder Lesefeste. Die Lesementoring-Stunden werden nach einem erprobten und bewährten Rhythmus spielerisch von den Jugendlichen gestaltet. Sie bringen hier viel eigene Kreativität und auch die nötige Portion Coolness ein, die das Lesen für die Kinder ebenfalls zu einer „coolen“ Angelegenheit werden lässt.
Zu den Mentoring-Tools gehören eine Fächermappe mit vielen nützlichen Hilfen für die Lesementoring-Arbeit, praktischen Anleitungen zu Übungen, Lese- und Bewegungsspielen; Armbänder für Mentees und MentorInnen; ein 6 m langes Springseil, das für viele Aktivitäten nutzbar ist, nicht nur zum Seilspringen und eine coole Tasche, in der man auch Leihbücher verstauen kann.

Urkunden für die Mentees, Zertifikat für die Mentoren
Die Mentees bekommen von ihren Mentoren am Ende des Projektes, in der Regel nach einem halben Jahr, eine Urkunde für ihre Mitarbeit in der Gruppe. Den Mentoren wird der Kompetenznachweis Kultur bei einer Feierstunde im Rathaus überreicht. Dieser Bildungspass bescheinigt Jugendlichen ab 12 Jahren die aktive Teilnahme an künstlerischen und kulturpädagogischen Angeboten und dokumentiert Schlüsselkompetenzen, die sie sich dabei erworben bzw. weiterentwickelt haben.

Nachmachen erwünscht: Fortbildungsangebot
Das Projekt wird zurzeit in sechs Stadtteilen in Hannover und in einem Schulzentrum im Großraum Hannover durchgeführt. Jährlich nehmen so ca. 150 Jugendliche und ca. 500 Kinder mit viel Spaß am Lesementoring teil. Da aus mehreren Städten Interesse bekundet wurde, dieses Projekt ebenfalls etablieren zu wollen, wird in Zusammenarbeit mit der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung und der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Nds. ein Fortbildungsprogramm angeboten, in dem Multiplikatoren und Projektmanagern das erforderliche Know-How vermittelt wird.
Gemeinsam mit der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Niedersachsen und der Stadt Hannover wird das Projekt derzeit an sechs Pilotstandorte in Niedersachsen übertragen: „LesementoRing Niedersachsen“. Weitere Einrichtungen können sich beteiligen.
Das Projektkonzept, sämtliche Organisationshilfen, didaktisch-methodische Materialien, Spiel- und Lesematerialien für die Mentoren und die Mentees sowie die Lizenz zur Vergabe des Kompetenznachweises Kultur werden in der Fortbildungsreihe „LesementoRing“ vermittelt.
Informationen und Anmeldung unter: www.aewb-nds.de

Kontakt:
Ulrike Knoch-Ehlers
Projektleitung Lesementoring
Stadtbibliothek Hannover
Hildesheimer Str. 12
30169 Hannover
Tel: (0511) 168-41985
E-Mail: ulrike.knoch-ehlers@hannoverstadt.de


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