Schülertext

Bücher des Monats im LESEFORUM BAYERN

20.08.2008

Leseempfehlungen von Schülerinnen und Schülern



In der Rubrik „Bücher des Monats - von Schülern empfohlen“ werden seit Dezember 2006 im LESEFORUM BAYERN Leseempfehlungen von Schülerinnen und Schülern veröffentlicht, die im Unterricht, in schulischen Leseclubs oder anderen schulischen Zusammenhängen entstanden sind. Die Aktion bietet Schülern die Möglichkeit, sich einer breiten Öffentlichkeit als kompetente Leser und Rezensenten vorzustellen. Die betreuende Lehrkraft wählt die besten Rezensionen aus und schickt sie an die Gutachter des LESEFORUM BAYERN, die dann die überzeugendsten Einsendungen an die Redaktion des Leseforums weiterleiten.
Wir veröffentlichen fünf Buchempfehlungen von Schülerinnen und Schülern der Klasse 8d des Welfen-Gymnasiums Schongau, die unter der Leitung von Studienrätin Gudrun Windisch erarbeitet wurden. Die Schüler hatten die Aufgabe, Bücher vorzustellen, die als Klassenlektüre geeignet sind. Das Buch „Die Kinder aus Theresienstadt“ von Kathy Kacer wurde bereits im Unterricht behandelt und von mehreren Schülern gemeinsam rezensiert.

Klaus Kordon: Wie Spucke im Sand
Gulliver Taschenbuch 1997, 388 S., 9,50 €
Die 13-jährige Inderin Munli lebt mit ihren fünf Geschwistern und ihren Eltern in einem kleinen Dorf nahe der Berge. Sie besitzt, wie alle Kinder in der Umgebung, keine schulische Bildung, ist aber dennoch mit ihrem harten Alltag zufrieden. Eines Tages erfährt sie, dass sie mit dem brutalen Adoor Ram verheiratet werden soll. Munli und ihre beste Freundin Lata beschließen zu fliehen. Lata ist unglücklich in Munlis großen Bruder Birri verliebt, kann ihn aber aus diversen Gründen nicht heiraten. Die zwei „Schwestern“ machen sich auf den Weg, um sich den Gesetzlosen in den Bergen anzuschließen. Das Besondere an der Bande ist, dass sie von einer Frau angeführt wird: Meera, Mutter der Wölfe. Bei den „Wölfen“ leben Menschen verschiedenster Kasten zusammen und so werden die zwei Mädchen von der dicken Prostituierten Kamla aufgenommen.
Für Munli beginnt eine glückliche Zeit in Freiheit, trotzdem wird sie von Gewissenskonflikten geplagt. Das Mädchen verliebt sich in Ketaki, einen Angehörigen der untersten Kaste, einen Harijan, den sie nicht anfassen darf, „ohne sich zu beschmutzen“. Ketaki ist der Anführerin Meera treu ergeben. Durch den Monsun wird das Hab und Gut der „Wölfe“ weggeschwemmt, und Meera beschließt, reiche Landbesitzer zu überfallen und deren Söhne zu kidnappen. Bei diesem Überfall wird sie getötet. Das Lager ist sehr traurig und Ketaki beschließt, Meeras Asche bei der Stadt Allahabad im Ganges den Göttern zu übergeben. Munli will ihm folgen, doch da wird das Lager von Polizisten überfallen. Ketaki kann entkommen, doch Lata stirbt. Die Überlebenden werden von dem zerstörten Lager auf einem langen Gewaltmarsch zu einem wartenden Zug gebracht. Kamla ermöglicht jedoch Munli die Flucht. Sie macht sich auf den Weg nach Allahabad, um ihren geliebten Ketaki zu suchen ...
„Wie Spucke im Sand“ gefällt mir sehr gut, denn es ist einfach geschrieben und erzählt uns eine Geschichte, wie man sie nur selten liest. Es ist faszinierend, wie die kleine Munli beschließt, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und schließlich zur Frau wird. Auch ist es interessant, mehr über die Inder, ihre Bräuche und Sitten zu erfahren. Wer wissen will, wie die Geschichte der kleinen Munli ausgeht, sollte sich das Buch besorgen.
Der heute 65-jährige Autor Klaus Kordon, früh Vollwaise und aufgewachsen in der damaligen DDR, studierte Volkswirtschaft. Er bereiste viele Länder und Kontinente, um für seine Bücher zu recherchieren. 1973 übersiedelte er nach einjähriger Haft von der DDR in die BRD. 1980 begann er freiberuflich, Bücher zu schreiben. Viele von Kordons Bücher wurden mit nationalen und internationalen Literaturpreisen ausgezeichnet.

Autorin: Miriam Hedrich

Reinhold Ziegler: Perfekt geklont
Ueberreuter 2005, 251 S., geb., 14,95 €
In einer Welt, in der die Menschen ausgestorben sind, gibt es nur noch kleinwüchsige Klone, die geschlechtsneutral sind und menschliche Eigenschaften wie Neugier, Leidenschaft und Angst nicht kennen. In den Überresten der menschlichen Zivilisation leben sie vor sich hin. Sie tragen Kleidung, die sie finden, und wohnen in den Wohnungen, die einst von Menschen bewohnt wurden. Fällt ein Haus zusammen, suchen sie einfach ein neues.
Aurun ist jedoch anders als die anderen – es verfügt über eine „hormonelle Mutation“ und wird deshalb in eine Art Gemeinschaftsunterkunft für Klone gebracht, die ähnliche Unregelmäßigkeiten aufweisen. Bald wird Aurun klar, dass dieses Haus ein Gefängnis ist, aus dem „es“ nie wieder entlassen wird, denn „es“ ist tatsächlich anders.
Auruns Körper verändert sich und bekommt weibliche Formen. Aurun wird also Mädchen. Neugierig ist sie außerdem und will sich nicht mit ihrem Schicksal als Gefangene abfinden. Sie lernt schnell und flieht mit Hilfe anderer rebellischer Klone. Gemeinsam mit Mexan, einem Klon, das zu einem männlichen mutiert ist, will sie um jeden Preis herausfinden, was vor 200 Jahren (im Jahr 2010 menschlicher Zeitrechnung) mit den Menschen geschehen ist. Die Spur führt sie in eine verlassene Stadt an der Küste, wo sie Schreckliches entdecken ...
Fasziniert hat mich in diesem Buch die bis ins Detail durchdachte Welt der Klone: die ver-schiedenen Klassen, die sich anhand der Haarfarben und bestimmter Eigenschaften und Talente unterscheiden lassen. Ich fand auch gut beschrieben, wie die beiden Klone nach und nach die menschlichen Gefühle wie Liebe und Hass, Aggression und Leidenschaft, Trauer und Eifersucht, Schmerz und grenzenlose Freude an sich entdecken.
Wie sie lernen, diese Gefühle zu benennen und zu fühlen, beschreibt Ziegler unaufdringlich, sehr einfühlsam und mit viel Humor. Schritt für Schritt begleitet man Aurun und Mexan auf diesem Weg, fühlt mit ihnen und bangt um sie. Das Buch ist so spannend geschrieben, dass man es nicht aus der Hand legen möchte. Es ist zwar erst ab 14 Jahren empfohlen, aber auch Jüngeren kann es durchaus gefallen. Also: Nicht vom langweiligen Titel abschrecken lassen! Zieglers Roman ist ein intelligentes und spannendes Buch mit einer in sich schlüssigen und erschreckend realistisch gezeichneten Zukunftswelt mit wunderbaren Figuren.

Autorin: Luisa Achmüller

Henning Mankell: Das Geheimnis des Feuers
Oetinger 1997, 160 S., geb., 10,90 €
Die zwölfjährige Sofia lebt in Mosambik. Das ist eines der ärmsten Länder auf der Welt und liegt an der afrikanischen Ostküste. Weil dort Krieg herrscht, müssen Sofia, ihre Mama Lydia und ihre Geschwister Alfredo und Maria fliehen. Ihr Vater und die Zauberin sind bereits ums Leben gekommen. Nach einer sehr langen Reise finden sie ein Dorf, in dem sie leben möchten, und die Schwestern dürfen sogar zur Schule gehen.
Doch eines Tages wird bekannt, dass sich überall außerhalb der Pfade Minen befinden. Bei einem Spiel tritt Sofia aus Versehen auf eine Mine, die unter der Erde verborgen ist, und Maria stirbt dabei. Sofia verliert beide Beine und muss mit zwei Plastikbeinen erst wieder laufen lernen. Als sie nach langer Zeit ins Dorf zurückkommt, hat ihre Mutter einen neuen Mann, der Sofia wegen ihrer Behinderung verspottet.
Henning Mankell, der am 3. Februar 1948 in Stockholm geboren wurde und Theaterregisseur und Schriftsteller ist, schrieb das Jugendbuch in einer einfachen Sprache. Daher ist es für Kinder geeignet, aber auch Erwachsene können es wegen des mitreißenden Themas lesen. Sofia, deren Geschichte in Wirklichkeit passiert ist, ist sehr stark, denn es gehört viel Kraft dazu, nachdem man auf eine Mine getreten ist, zu überleben. Als sie ihren Stiefvater kennengelernt hat, geht sie den weiten Weg zurück in die Stadt. Dort hat sie in einem Nähatelier gearbeitet. Später wird sie von einem alten Mann im Dorf, der aufgrund seiner schwachen Augen nicht mehr nähen kann, aufgefordert, seine Nähmaschine zu übernehmen.
„Das Geheimnis des Feuers“, zu dem es noch zwei Fortsetzungen gibt – „Das Rätsel des Feuers“ und „Der Zorn des Feuers“ –, wurde 1999 mit dem katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

Autorin: Theresia Haack

Ann Brashares: Eine für vier
Cbt 2005, 320 S., TB, 7,90 €
Die vier Freundinnen Carmen, Tibby, Bridget und Lena sind so verschieden, wie es nur sein kann, und trotzdem sind sie von klein auf befreundet. Wahrscheinlich auch wegen ihrer Mütter, die alle vier in den gleichen Schwangerschaftskurs gegangen sind. Aber seit dem Tod von Bridgets Mutter gehen sie sich aus dem Weg.
Bisher haben die vier Freundinnen immer den Sommer zusammen verbracht, doch dieses Jahr soll es anders werden. Carmen wird den Sommer mit ihrem Vater verbringen, Lena besucht das erste Mal ihre Großeltern in Griechenland und Bridget fährt in ein Fußballcamp. Nur Tibby bleibt zu Hause und arbeitet in einem Supermarkt.
Als sie den letzten Abend gemeinsam verbringen, entdeckt Tibby auf einmal eine Jeans, die komischerweise allen vier Mädchen passt, obwohl sie so verschieden sind. Also beschließen die Freundinnen diese Jeans im Sommer von einer zur anderen zu schicken. Als erste bekommt sie Lena. Bei ihren Großeltern in Griechenland lernt sie den Jungen Kostos kennen, mit dem ihre Großmutter sie zusammenbringen möchte. Doch Lena hält nicht viel von ihm. Als er sie dann zufällig beim Nacktbaden erwischt, führt das zu vielen Missverständnissen und einem Streit zwischen den beiden Familien.
Lena schickt die Jeans zu Tibby, bei der es nicht ganz so spannend ist. Sie arbeitet in einem Supermarkt und hat einen Chef, der nervt. Sie trifft auf Bailey, die sie zuerst ziemlich anstrengend findet, doch es stellt sich heraus, dass Bailey Leukämie hat und wahrscheinlich nur noch einen Sommer zu leben hat. Tibby beschließt, mit ihr einen Film zu drehen.
Die Jeans reist weiter zu Carmen, die sich den Sommer mit ihrem Vater ganz anders vorgestellt hat. Dieser hat eine neue Familie, in der sich Carmen überhaupt nicht wohlfühlt. Dazu kommt, dass ihr Vater nur wenig Zeit für sie hat, weil er in den Vorbereitungen für seine Hochzeit steckt.
Jedes Mädchen hat seine Erlebnisse mit der Jeans. Ann Bashares, die in Washington DC geboren wurde, erzählt in ihrem Buch einfühlsam und in einer leicht verständlichen Sprache von den Erfahrungen der Mädchen, während die Jeans bei ihnen ist. Sie schreibt humorvoll und lockert die Geschichten mit Sprichwörtern und Briefen der Freundinnen auf. Das Buch war auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2003.

Autorin: Theresa Zwerschke

Frank Cottrell Boyce: Millionen
Carlsen 2006, 256 S., geb., 14,40 €
„Vor kurzem sind wir umgezogen. Die Schutzheilige für Umzüge ist die heilige Anna (1. Jh. n. Chr.). Wenn man zu ihr betet, dann wacht sie über einen, aber direkt beim Umzug hilft sie nicht.“
Für fast alles gibt es einen Schutzheiligen. Und das weiß keiner besser als Damian. Er geht in die 5. Klasse und ist vor kurzem mit seinem älteren Bruder Antony und seinem Vater umgezogen. Die beiden Brüder sind sehr unterschiedlich: Antony interessiert sich eher für irdische Dinge. Immobilien und Geld sind das, was ihn beeindruckt. Doch Damian bedeuten solche Dinge nichts. Seit seine Mutter tot ist, schwärmt er für Heilige. Aber nicht nur das: „Viele Heilige haben in seltsamen Behausungen gelebt“, denkt er sich und baut an einem nahegelegenen Bahngleis eine Eremitage aus Umzugskartons.
Eines Nachts, als Damian gerade in der Eremitage betet, wird diese von einer riesigen Tasche, die bis zum Rand mit Geld gefüllt ist, zerstört. Die Brüder besitzen nun 229.000 Pfund. Es gibt nur ein Problem: Das Geld wird in 17 Tagen wertlos, weil dann der Euro als neue Währung eingeführt wird. Damian und Antony geben sich alle Mühe, das Geld auszugeben. Aber jeder versucht es auf seine Weise. Antony kauft alles, was es nur zu kaufen gibt, und Damian sucht Arme, denen er helfen kann. Als in seiner Schule eine Wohltätigkeitsveranstaltung stattfindet, spendet Damian viel. Nach Antonys Meinung zu viel! Natürlich weiß Antony schon längst, wo das Geld herkommt. Er klärt seinen Bruder auf.
Frank Cottrell Boyce beschreibt in seinem Roman, wie sich das Leben der beiden Jungen durch das viele Geld verändert. Man erlebt die Geschichte aus der Sicht Damians, was sie zugleich witzig, traurig und spannend macht. Mir gefällt das Buch gut, da es leicht verständlich geschrieben und, wie ich denke, nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene zu empfehlen ist.

Autorin: Marina Haberstock

Kathy Kacer: Die Kinder aus Theresienstadt
Ravensburger 2003, 224 S., TB, 6,95 €
Eine Kinderoper spendet Trost
Der kanadischen Psychologin Kathy Kacer liegt viel daran, die Themen Zweiter Weltkrieg und Holocaust Kindern und Jugendlichen nahezubringen. „Ich möchte den Kindern nicht die Hoffnung nehmen – ganz im Gegenteil: Sie sollen erfahren, dass in der Vergangenheit schlimme Dinge geschehen sind, aber auch sehen, dass es immer einen Weg gibt, Schlimmes zu ändern und zu verbessern“, beschreibt die Autorin und Mutter von zwei Kindern ihr Anliegen. Mit „Die Kinder aus Theresienstadt“ hat sie ein wunderschönes, aber auch trauriges Kinderbuch geschrieben, das den Leser fesselt.
Die 13-jährige Clara wohnt mit ihrer jüdischen Familie in Prag, wo ihr Vater als angesehener Arzt arbeitet und sie mit ihrem Bruder Peter eine glückliche Kindheit erlebt. Nach dem Einmarsch der Nazis werden sie und ihre Familie 1943 in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. In diesem Getto werden sie komplett getrennt und jeder muss auf sich allein gestellt den rauen Alltag von Terezin bewältigen, der von Krankheit und Hunger bestimmt wird. Gleich zu Beginn trifft Clara ihre Freundin Hanna, die auch deportiert wurde, und sie lernt Jakob kennen, mit dem sie bald enge Freundschaft schließt.
Mehr und mehr gelingt es Clara neben dem Schmutz und der Angst, in eines der im Osten liegenden Todeslager deportiert zu werden, schöne Dinge in ihrem neuen Leben zu entdecken. Sie bekommt eine der Hauptrollen in der Kinderoper „Brundibar“ und wird davon mitgerissen – plötzlich scheint das Leben in Theresienstadt viel weniger schlimm zu sein.
Doch dann kündigt sich ein Kontrollbesuch des Roten Kreuzes an, und die Lagerleitung versucht mit allen Mitteln, der Delegation eine heile Welt vorzugaukeln. Das Lager wird komplett aufgeräumt und gesäubert, es werden Blumen angepflanzt und Spielplätze angelegt, und die Essensrationen sind auf einmal doppelt so groß, um die Gefangenen ein wenig aufzupäppeln. Auch die Oper der „glücklichen“ Kinder soll zur Täuschung der Hilfsorganisation beitragen. Als sie davon erfahren, setzen Clara und ihre Freunde alles daran, der Delegation das wahre Gesicht des Konzentrationslagers zu offenbaren, doch der Versuch scheitert.
Auf die Geschichte der Oper „Brundibar“ wurde die Autorin aufmerksam, als ihre eigene Tochter bei einer Inszenierung als Sängerin auftrat. Bei der Recherche lernte Kacer den Juden John Freund kennen, der sowohl Terezin als auch Auschwitz überlebt hatte und der ihr mit vielen geschichtlichen Details und persönlichen Erfahrungen helfen konnte. Illustriert ist die Geschichte mit Bildern von Helga Weissova, die ebenfalls in Theresienstadt interniert war.

Autoren: Schüler der Klasse 8d des Welfen-Gymnasiums Schongau

Kontakt:
StD Hermann Ruch
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB)
Ref. Leseförderung und Schulbibliotheken
E-Mail: hermann.ruch@isb.bayern.de


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