Bericht

Vorlesen, Lesen, Radio hören, Schreiben ...

27.03.2020

Die Zeit zu Hause sinnvoll nutzen


Man sollte das Positive an der Situation sehen und die Zeit sinnvoll nutzen, rät der russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow. Nach anderthalb Jahren Hausarrest hat der Leiter des Moskauer Gogol-Centers Erfahrung mit heimischer Isolation. Angesichts der Corona-Pandemie gibt er in einem Video Tipps für die Zeit der Ausgangssperren und Kontaktverbote. Jetzt könne man Dinge tun, für die man zuvor nicht genug Zeit hatte: Tagebuch schreiben, Sport treiben, kreativ werden, eine Sprache lernen, alte Bekanntschaften anrufen und natürlich: lesen, am besten dicke Wälzer. Zurzeit gibt es viele Angebote, die zur Umsetzung dieser Tipps ermuntern. Bibliotheken, Verlage, Buchhandlungen, Radiosender, Autorinnen und Autoren u. v. a. m. haben sich auf die besondere Situation eingestellt und Aktionen gestartet, die insbesondere Schülerinnen und Schüler, Familien und Lehrkräfte bei der Meisterung der Herausforderungen unterstützen sollen. Wir haben eine Auswahl für Sie zusammengestellt.

Bibliotheken sichern die Grundversorgung mit Lesestoff digital
Wer schon alle dicken Wälzer gelesen hat und neuen Lesestoff braucht, sollte auf der Website seiner Bibliothek nachschauen. Denn auch wenn diese für den Publikumsverkehr schließen musste, stehen digitale Angebote wie E-Books, digitale Zeitschriften und Zeitungen, Hörbücher, E-Learning-Formate, Film- und Musikstreamings sowie Online-Datenbanken weiterhin online zur Verfügung. Damit auch Bürgerinnen und Bürger, die bisher noch nicht in der Bibliothek angemeldet waren, diese Dienste nutzen können, bieten einige Öffentliche Bibliotheken den Bewohnerinnen und Bewohnern ihrer Region an, sich unkompliziert online anzumelden, z.T. sogar für eine begrenzte Zeit kostenlos. Bei Fragen geben die Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter telefonisch oder per E-Mail Auskunft.
Weitere Informationen: https://bibliotheksportal.de/spotlight-corona/

Geschlossene Buchhandlungen liefern weiter aus
Auch wenn der Lieblingsbuchladen geschlossen ist, können Bücher und Hörbücher telefonisch oder online bestellt werden. Viele Buchhandlungen haben eigene Websites und einige liefern das Bestellte in der Nachbarschaft sogar persönlich aus. Nutzen Sie diese Möglichkeit und unterstützen Sie die Buchhandlung in Ihrer Nachbarschaft! „Es muss nicht bei dem Konzern bestellt werden, der hierzulande keine Steuern zahlt“, schreibt Cornelia Geißler in der Berliner Zeitung.

Kinderreime und Fingerspiele auf www.buchstart-hamburg.de
Besonders die ganz Kleinen wollen beschäftigt werden. Reime, Lieder und Fingerspiele kommen immer gut an. Kinder freuen sich über Wortspiele und einfache Melodien, wollen sie immer wieder hören, die Bewegungen nachmachen und mit den Händen den Takt schlagen. Als „Turbo-Dünger“ für die Sprachentwicklung werden die Fingerspiele auf der Buchstart-Website bezeichnet. Zum Gucken und Nachsprechen sind einige als Videos abrufbar. Außerdem gibt es eine Sammlung mit Reimen, Liedern und Fingerspielen aus aller Welt in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch, Romanes, Russisch und Türkisch.
Weitere Informationen: www.buchstart-hamburg.de/kinderreime-international

(Vor-)Lesen, Spielen und Lernen in Zeiten von Corona
Für Eltern und Lehrkräfte hat die Stiftung Lesen digitale Vorlesegeschichten, (Vor-)Lese-Apps, Buchempfehlungen, Bastel- und Aktionsideen sowie Infos und Unterrichtsmaterial auf einer eigens dafür eingerichteten Website zusammengestellt. Damit möchte die Stiftung helfen, die Herausforderungen der aktuellen Situation zu meistern. Das Angebot wird laufend aktualisiert.
Weitere Informationen: www.stiftunglesen.de/aktionen/vorlesen-corona

Lesungen, Hörspiele und Podcasts im Radio
Das gute alte Radio kann in der aktuellen Situation enorm helfen, eine stabile Tagesstruktur einzuhalten. Zu festen Sendezeiten werden von Montag bis Freitag Romane vorgelesen, z. B. in der Lesezeit und bei der Klassikerlesung im MDR Kultur und bei der Lesung im rbbKultur.
Radiogeschichten für kleine Leute sendet jeden Abend der Ohrenbär im radioBERLIN 88,8, und im Bayerischen Rundfunk gibt es ein Betthupferl.
Kakadu
, das Kinderprogramm im Deutschlandfunk Kultur, beginnt sonntags und feiertags um 7.30 Uhr mit Geschichten für Frühaufsteher, es folgt ein Kinderhörspiel um 8.05 Uhr und ab 9.05 Uhr das Kakadu-Magazin. Außerdem werden wöchentlich drei Kinderpodcasts produziert, in denen jeweils eine Frage von einer Expertin oder einem Experten und einem Kind beantwortet wird.
Viel Stoff zum Hören und zum Lesen bietet auch Mikado, das Kinderradio des NDR Info, jetzt nicht nur sonntags und an Feiertagen, sondern zusätzlich montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr. Wochentags um 16 Uhr streamen NDR und SWR eine Lesestunde live mit Kinderbuchautorinnen auf der Website des NDR und auf dem YouTube-Kanal SWR Kindernetz.
Bücher für junge Leser werden jeden Samstag von 16.05 bis 16.30 Uhr im Deutschlandfunk vorgestellt und jeweils am ersten Sonntag im Monat in der Sendung Bücherwurm im NDR Info.
Auf aktuelle Sendetermine verweisen wir in der rechten Spalte unter Kalender.

Kostenlose barrierefreie Materialien der Aktion Mensch für das Lernen zu Hause
Mit der Kinderbuchreihe „Die Bunte Bande“, herausgegeben von der Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit dem Carlsen Verlag, können Sechs- bis Zehnjährige auf kindgerechte Weise an die Themen gesellschaftliche Vielfalt und Inklusion herangeführt werden. Die Geschichten eignen sich zum Trainieren des Textverständnisses und der Aussprache, können selbstständig erarbeitet oder vorgelesen werden. Begleitmaterialien zum Malen, Rätseln und Lernen, Impulse für den Unterricht sowie alle Bücher der Reihe stehen im barrierefreien PDF-Format, auch in Leichter Sprache, und als Hörbücher zum kostenlosen Download zur Verfügung: www.aktion-mensch.de

Abiturvorbereitung: Vortrag von Prof. Dr. Albert Meier über Goethes Faust
Für Oberstufenschülerinnen und -schüler stellt die Goethe Gesellschaft Kiel einen Mitschnitt des Vortrags „Grenzüberschreitungen – Johann Wolfgang von Goethe, Faust. Der Tragödie 1. Teil (1808)“ zur Verfügung. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) hatte die Goethe-Gesellschaft Kiel den Germanisten und Goethe-Experten Prof. Dr. Albert Meier im Februar 2019 dafür gewinnen können, die unterrichtliche Beschäftigung mit Goethes Text durch einen wissenschaftlichen Vortrag zu vertiefen. Mit seinem spannenden Vortrag, der immer wieder durch ausgewählte Ausschnitte aus Peter Steins Faust-Inszenierung (2000) veranschaulicht wurde, gelang es Professor Meier, die Schülerinnen und Schüler für das Thema zu begeistern.
Zum Video: www.youtube.com/watch?v=m68xNVvKlK0

Virtuelle Schreibwerkstatt mit Jutta Reichelt
Mit kleinen Lockerungsübungen begann die Bremer Autorin Jutta Reichelt am 20. März auf ihrem Blog eine virtuelle Schreibwerkstatt – kostenlos und unverbindlich für alle, für die das Schreiben vielleicht eine willkommene Ablenkung sein könnte oder vielleicht sogar die Möglichkeit, dem notwendigen Rückzug etwas Positives abzugewinnen. In den kommenden Wochen postet die Schriftstellerin an jedem Werktag eine kleine Schreibanregung oder einen Tipp und beantwortet Fragen zum Schreiben unter: www.juttareichelt.com

Schreibaufruf: Und jetzt? Wie Kinder und Jugendliche sich in dieser Zeit fühlen
Spontan haben der Geest-Verlag, der Verein Kultur lebt e. V. und die Initiative Partnerschaft für Demokratie diesen Schreibwettbewerb für 10- bis 18-Jährige ausgerufen. Die Organisatoren wollen jungen Menschen die Möglichkeit bieten, ihre Gedanken und Gefühle, Hoffnungen und Ängste angesichts der Corona-Pandemie in Geschichten und Gedichten zum Ausdruck zu bringen. Die beeindruckendsten Zuschriften sollen in einer Anthologie und online veröffentlicht werden. Eingereicht werden können maximal drei Gedichte oder eine Erzählung, ein Theaterstück, eine Kurzgeschichte, ein Slam, ein Brief, eine Tagebuchnotiz oder was auch immer im Umfang von höchstens 7500 Zeichen (mit Leerzeichen). Nur bisher unveröffentlichte Texte werden berücksichtigt. Einsendeschluss ist am 30.04.2020.
Weitere Informationen: www.geest-verlag.de

Applaus für die Beschäftigten in der ersten Reihe
Man könne die Zeit auch nutzen, um sich bei guten Menschen zu bedanken, schlägt Kirill Serebrennikow in seinem Video vor. Eine originelle Möglichkeit, das zu tun, ist das in vielen Orten Europas praktizierte abendliche Applaudieren aus Fenstern und auf Balkonen. Eine Geste der Anerkennung und des Respekts für all jene, die unter erschwerten Bedingungen an vorderster Front ihren Dienst tun: Helferinnen und Helfer, die gegen eine weitere Ausbreitung des Virus kämpfen, Kranke betreuen und die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs aufrechterhalten.

19 Uhr #Balkonsingen
Was kann man noch tun, um hoffentlich gut durch diese Zeit zu kommen? Singen, empfiehlt die Evangelische Kirche, denn es verbindet und kann ermutigen. Deshalb lädt die EKD alle Menschen dazu ein, täglich um 19 Uhr auf dem Balkon, am Fenster oder im Garten „Der Mond ist aufgegangen“ zu singen. Der Liedtext von Matthias Claudius (1740-1815) sei voller Zuversicht und Vertrauen und gebe Hoffnung, heißt es auf der Website der EKD. Diese Welt, die guten Seiten des Miteinanders, auch die unfreiwillige Entschleunigung, die Kreativität an vielen Stellen seien und blieben schön, so wie der Mond, der doch rund und schön ist, auch, wenn er nur halb zu sehen ist. Der Text steht zum Download zur Verfügung: www.ekd.de

Christine Schuster

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de