Bericht

Am Fluss entlang schreiben

22.08.2014

Ein Roman von Jugendlichen aus dem Ruhrgebiet


„Hör gefälligst auf zu schreien!“, brüllte er.
„Du warst doch derjenige, der angefangen hat!“, erwiderte sie.
Nicht auszuhalten, dass seine Eltern dauernd streiten, findet der sechzehnjährige Felix und haut kurzerhand ab. Aber kann er seine beste Freundin Ella zurücklassen? Und den Goldfisch Henry, der bei den streitenden Eltern sicherlich verhungert? Henry wird kurzerhand in die Freiheit entlassen: Felix wirft ihn an seinem Lieblingsplatz in Dortmund in die Emscher. Denn dort ist der Fluss, vormals Abwasserkanal des Ruhrgebiets, schon wieder sauber und natürlich. Ella lässt sich nicht so schnell abschütteln. Dickköpfig beharrt sie darauf, Felix auf seiner Flucht zu begleiten. So brechen die beiden zu zweit auf – entlang der Emscher.
Roman Malakoff, Privatdetektiv, ist ihnen dicht auf den Fersen. Auch Henry setzt verzweifelt alles daran „seinen“ Menschen zu finden. Und dann ist da noch die geheimnisvolle Lucy, die sich ebenfalls aufmacht, Felix und Ella zu folgen: Welches Geheimnis verbirgt sie?

Das Projekt
Am Schreibprojekt „Am Fluss entlang schreiben“ beteiligten sich im Frühjahr 2013 70 Jugendliche zwischen 13 und 16 Jahren aus sieben Städten entlang der Emscher. Schülerinnen und Schüler aller weiterführenden Schultypen (von Hauptschule bis Gymnasium) waren vertreten. Gemeinsam verfassten sie einen Roman, der im Herbst 2013 unter dem Titel „Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie“ erschien.

Woche um Woche wurde der Roman in die nächste Stadt weitergereicht: von Dortmund über Castrop-Rauxel, Herten, Gelsenkirchen, Bottrop und Oberhausen bis Duisburg. In jeder Stadt schrieben je rund zehn Jugendliche unterstützt von den Werkstattleitern Inge Meyer-Dietrich, Sascha Pranschke und Projektleiterin Sarah Meyer-Dietrich, eine Woche lang an dem gemeinsamen Werk.

Inspiriert wurden sie durch Exkursionen an die Emscher, geleitet von Prof. Dr. Martina Oldengott (Emschergenossenschaft). Dabei lernten die Jugendlichen spannende Fakten über den Fluss: seine industrielle Vergangenheit, den Emscher-Umbau samt Renaturierung sowie Fakten über Natur, Technik und Kunst rund um den Wasserlauf. Auf diese Weise entdeckten sie die Region, in der sie selbst leben, und banden ihre Eindrücke und Erlebnisse in die Romanhandlung ein.

„Es hat uns allen großen Spaß gemacht ...“
„Zunächst konnte man sich nicht vorstellen, wie die rund 70 Jugendlichen ein einziges Buch schreiben können, das zusammen einen Sinn ergibt, doch hinterher hat es sich perfekt aneinander gefügt. Es hat uns allen großen Spaß gemacht und die meisten wollen jetzt auch mit dem Schreiben weiter machen oder erst richtig anfangen. Man hat Freundschaften geschlossen und Wissen gesammelt und welcher Jugendlicher kann sonst einfach so sagen: Ich habe ein Buch herausgebracht?“
Annika, Castrop-Rauxel

„Das Projekt brachte verschiedene Leute näher zusammen und man verstand sich, jeder brachte gute Ideen ein und es machte einfach Spaß mit allen zu arbeiten. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es so gut laufen könnte und das Ergebnis unseres Projektes begeisterte mich: Dass so etwas Kompaktes herauskommen kann, wenn so viele verschiedene Personen daran arbeiten und sich noch nie vorher gesehen haben, hätte ich vorher nicht gedacht. Ich war einfach begeistert und auch darüber, dass man nicht vergessen wurde, nachdem man sein Kapitel geschrieben, dass man immer auf den neusten Stand gebracht wurde.“
Justin, Gelsenkirchen

Das Buch
Entstanden ist ein Roman, der die Leserinnen und Leser quer durch das Ruhrgebiet führt, immer am Fluss entlang. „Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie“ eignet sich auch als Schullektüre.

Inge Meyer-Dietrich, Sascha Pranschke, Sarah Meyer-Dietrich (Hrsg.)
Stromabwärts. Ein Emscher-Roadmovie
160 Seiten, 9,95 €, Klartext Verlag, ISBN: 978-3-8375-1049-2

Organisatoren & Förderer
Das Projekt wurde möglich durch Sonderprojektmittel des Landes Nordrhein-Westfalen, der Emschergenossenschaft und durch ein Preisgeld für den Kooperationspreis Ruhr des Initiativkreises Ruhr.
Projektträger ist jugendstil, das kinder- und jugendliteraturzentrum nrw, in Kooperation mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis NRW e.V., der Emschergenossenschaft und dem Verein Emscher-Freunde.
Unterstützt wurde das außerschulische Projekt von Schulpartnern in den sieben Städten.

Nachfolgeprojekte
Im Herbst 2013 startete das Nachfolgeprojekt „Quer durch die Städte schreiben“. Es folgte außerdem das Schreibprojekt „Picknick im Park“, aus dem eine gemeinsame Erzählung entstand.
Im Herbst 2014 folgt das Krimi-Projekt „Mord in der Hellweg-Bahn“.
Weitere Projekte (Erzählungen, Romane, Theaterstücke) sind in Planung.

Kontakt:
Dr. Sarah Meyer-Dietrich
Friedrich-Bödecker-Kreis NRW e.V.
Sauerbreystr. 31
42697 Solingen
Tel.: (0212) 23063352
E-Mail: smeyer-dietrich@kulturserver-nrw.de
Internet: www.boedecker-kreis-nrw.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de