Bericht

„Enchanted Ireland“ - Irische Kinder- und Jugendbuchwochen

27.06.2012

Zweisprachige Lesungen für Kölner Kinder


Elf irische Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren, Illustratorinnen und Illustratoren waren während der Irischen Kinder- und Jugendbuchwochen vom 2. bis 17. Juni in Köln zu Gast und haben ca. 2000 Schülerinnen und Schüler in 47 Lesungen und Workshops begeistert. Parallel dazu wurden eine Ausstellung mit Illustrationen von Marie-Louise Fitzpatrick, PJ Lynch und Niamh Sharkey, das Puppentheaterstück „Clann Lir“ und ein Filmprogramm gezeigt. Zum Abschluss der diesjährigen Internationalen Kinder- und Jugendbuchwochen gaben die Veranstalter, die SK Stiftung Kultur, das Kulturamt der Stadt Köln, die StadtBibliothek Köln, die Katholischen Öffentlichen Büchereien im Erzbistum Köln und das jfc medienzentrum den Schwerpunkt der nächsten Buchwochen bekannt: In 2013 wird Brasilien im Mittelpunkt stehen.

Begonnen hatte das diesjährige Festival mit der Eröffnung einer Ausstellung von Illustrationen und einer Puppentheateraufführung der Gruppe Branar, zum Abschluss las die Schauspielerin Carolin Schreiber aus Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“.

Zweisprachige Lesungen für Schulklassen
Herzstück der Kinder- und Jugendbuchwochen waren, wie jedes Jahr, die zweisprachigen Lesungen, in denen die Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren auf ein bis drei Schulklassen pro Lesung trafen: Sie lasen auf Englisch aus ihren Büchern vor und anschließend las eine Dolmetscherin den Text auf Deutsch, sodass die Schülerinnen und Schüler, falls ihre Englischkenntnisse nicht ausreichten, den Inhalt erfassen und anschließend Fragen zum Text und zum Schriftsteller- oder Illustratorenberuf stellen konnten. Auch diese Gespräche werden bei den Kinder- und Jugendbuchwochen grundsätzlich übersetzt. Der Clou in diesem Jahr: Viele Schüler konnten ihr bereits gelerntes Englisch ausprobieren und brauchten nur teilweise Hilfen der Dolmetscherinnen. Ganz besonders kreativ gingen die Schülerinnen und Schüler mit der englischen Sprache um, die in den Workshops mit dem Lyriker Terry McDonagh eigene Geschichten und Gedichte entwickelten. Da in Irland sowohl Englisch als auch Irisch gesprochen und geschrieben wird, gaben einige der Gäste, z. B. Malachy Doyle und Siobhán Parkinson, auch kleine Kostproben auf Irisch. So kam manche Schulklasse in den Genuss, dieser uns so fremden Sprache zu lauschen.

Workshops für Grundschulkinder
Besonders spannend waren auch dieses Jahr wieder die Einblicke in den Arbeitsalltag und den Werdegang der Künstler: Die Schüler erfuhren nicht nur, wie Bücher entstehen und dass grundsätzlich jeder, der gerne schreibt oder zeichnet, dieses mit viel Übung auch beruflich machen kann, sondern sie hörten auch, wie viel Geduld es oft braucht, bis ein Buch tatsächlich in einem Verlagsprogramm erscheint und im Idealfall auch in anderen Ländern übersetzt wird. Die in der Ausstellung vertretenen Illustratoren Niamh Sharkey, Marie-Louise Fitzpatrick und PJ Lynch machten in ihren Workshops sogar Grundschüler zu Kollegen und gaben ihnen Gelegenheit, mit ihnen zusammen zu zeichnen. Erkenntnis eines Zweitklässlers: „Vorher dachte ich, ich könne nicht zeichnen, aber jetzt weiß ich, dass ich es kann!“ Seine Lehrerin, Inken Heuss, bucht immer wieder gerne die Lesungen für ihre Schulklassen. Sie bereitet, wie andere Kollegen auch, mit ihrer Klasse eine solche Begegnung gut vor, denn es ist ihr wichtig, dass die Kinder das Lesen erleben und die Menschen, die Bücher machen, schätzen lernen. Das Vorbereitungsseminar im Vorfeld nutzt sie jedes Jahr, um in puncto Kinderliteratur ihren Horizont zu erweitern und für ihre Schüler Lektüren jenseits der Klassiker und des Mainstreams zu entdecken.

Autogramme vom Autor und von der Bibliothekarin
Für die beteiligten Bibliotheken waren die Kinder- und Jugendbuchwochen wieder ein Anlass, für den Ausbau des Bücherbestands einen Blick über den Tellerrand zu werfen und Kontakte zu den umliegenden Schulen zu pflegen und zu intensivieren. Und so kam eine Porzer Bibliothekarin nach der Lesung von Oisín McGann zu der unerwarteten Ehre, auch selbst um Autogramme gebeten zu werden!
Die Autorinnen und Autoren, die größtenteils zum ersten Mal gedolmetschte Lesungen hielten, zeigten sich angenehm überrascht, wie selbstverständlich und geduldig die Kinder und Jugendlichen sich auf die sprachliche Situation einstellten. Sie freuten sich darüber, dass sie von den Schülern so herzlich und interessiert empfangen wurden.

2013 steht Brasilien im Mittelpunkt
Auf diesen Empfang können sich im nächsten Jahr sicher auch die dann eingeladenen Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren aus Brasilien freuen. Das Gastland der 18. Kinder- und Jugendbuchwochen hat aufgrund seiner ethnischen Vielfalt und seiner geographischen Größe eine sehr vielfältige Kinder- und Jugendliteraturwelt, in die die Kölner Schulklassen werden eintauchen können.

* Das Foto zeigt die Illustratorin Niamh Sharkey, die bei der Eröffnung der Ausstellung „Enchanted Ireland“ am 2.6.2012 im Alten Pfandhaus Köln gemeinsam mit den Besuchern zeichnete. Niamh Sharkey erhielt 2012 die höchste nationale Auszeichnung Irlands für Kinderbuchautoren: „Laureate na nÓg“.

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