Schülertext

„Schreiben ist für mich die pure Lust“

31.01.2011

Nachwuchsjournalistinnen interviewten Cornelia Funke


„Ich war so aufgeregt“, berichtet Kim, 16 Jahre. „Cornelia Funke hat mich mein ganzes Leben lang begleitet. Von den Wilden Hühnern bis zu Tintenherz - ich habe alles gelesen.“ Sieben junge Redakteurinnen des Online-Literaturmagazins „Die blaue Seite“ hatten die einmalige Gelegenheit, ein ausführliches Gespräch mit der Bestseller-Autorin Cornelia Funke zu führen. Das Treffen fand im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten statt. Dafür reisten die jungen Lübeckerinnen extra mit der Bahn an. „Im Zug stieg die Anspannung immer weiter an“, erzählt Marie, 15. „Wir fragten uns die ganze Zeit, was für ein Mensch Frau Funke wohl sein würde.“ „Meine größte Sorge war, dass wir nicht genug Fragen gehabt hätten“, ergänzt Bona-Katharina, 17. Die Minuten vor dem Interview waren wohl die aufregendsten, doch die Sorgen der Jugendlichen waren unbegründet: Während des gesamten Gespräches zeigte sich Frau Funke offen und sympathisch. Eine halbe Stunde lang konnten die Nachwuchsjournalistinnen sie mit den unterschiedlichsten Fragen löchern: von Reckless, Cornelia Funkes neustes Buch, bis hin zu ihrer Lieblingsmarmelade. Auf die Frage, woher sie ihre Schreibdisziplin nehme, antwortete Frau Funke:„ Das ist dasselbe, als wenn du mich fragen würdest: Warum essen Sie jeden Tag Schokolade? Schreiben ist für mich die pure Lust. Ich brauche keine Disziplin zum Schreiben. Bei mir ist es eher so, dass ich mich permanent vom Schreiben abhalten muss. Ich würde gerne immer schreiben. Diese unglaubliche Lust am Geschichtenerzählen wird stärker, je länger ich es mache.“

Das Interview mit Cornelia Funke kann auf der „Blauen Seite“ unter www.die-blaue-seite.de nachgelesen werden.
Wir veröffentlichen nachfolgend einen Bericht von Marie Bender, 15.

Making-of und Bericht zum Interview mit Cornelia Funke
Wenn man die Worte „Kristen Stewart“ und „Interview“ bei Google eingibt, stößt man so manches Mal auf die Frage nach ihrer „Beziehung“ zu Robert Pattinson. Man kann es dem armen Mädchen wirklich nicht verdenken, dass es immer ein wenig genervt dreinschaut, denn diese Frage musste sie bestimmt schon an die hundert Mal beantworten. Und nicht nur die! Wenn man zwei Interviews mit ihr gelesen hat, hat man das Gefühl einen Großteil der Fragen beim dritten schon alleine beantworten zu können. Dabei möchte der Leser doch etwas Neues, Spannendes über sie erfahren und nicht zum Beispiel schon wieder hören: „Nein, wir sind nur gute Freunde“, oder „Ich würde mich für Edward entscheiden.“

Deshalb ist es die Aufgabe des Interviewers nachzuhaken, in die Tiefe zu gehen und dem Gegenüber geschickt die Informationen zu entlocken. Wie schwer das eigentlich ist, wird einem erst bewusst, wenn man es selbst mal ausprobiert. Wir von der „Blauen Seite“ haben ja nun öfter die Gelegenheit dazu, wenn wir Autoren interviewen dürfen. Ich persönlich hatte bis vor ein paar Wochen noch nie ein Interview geführt, weil ich noch nicht so lange bei der „Blauen Seite“ dabei bin und die Gelegenheit sich noch nicht ergeben hatte... bis uns angekündigt wurde, dass wir die Möglichkeit bekommen würden, mit Cornelia Funke am 24. September ein Interview über ihr neues Buch „Reckless – Steinernes Fleisch“ zu führen, während sie in Hamburg ist.

Welcher Bücherwurm träumt nicht davon, einmal einer so berühmten Autorin wie Cornelia Funke gegenüber zu sitzen? Ich bin auch noch ein großer Funke-Fan und so war für mich schnell klar, dass ich dieses Interview führen wollte. Zum Glück hatte die Redaktion der „Blauen Seite“ kurz zuvor die Möglichkeit bekommen bei Harriet Heise ein Nachmittagsseminar zum Thema „Interviews“ zu machen. Harriet Heise ist Moderatorin beim NDR und sie interviewt ständig berühmte Persönlichkeiten, vor allem Politiker. Sie erklärte uns, worauf es beim Interview ankommt.

Zum einen muss sich der Interviewte wohlfühlen. Wenn man ihm feindselig gegenüber tritt, ist er nicht bereit, Informationen preiszugeben und genau die möchte man als Interviewer ja bekommen. Man muss geschickte Fragen stellen, sodass man etwas Neues über den Menschen erfährt, und nicht die üblichen Antworten aufgetischt bekommt. Und man muss spontan nachhaken können, wenn man auf ein interessantes Thema gestoßen ist, und nicht einfach seine Fragen weiter abarbeiten. Dabei ist es nicht leicht, den Grad zwischen dem, was angemessen und dem, was unhöflich ist, zu finden. Der Interviewte darf sich nicht bedrängt fühlen, aber er muss dazu gebracht werden, möglichst viel von sich preis zu geben. Dieses Wissen haben wir versucht in die Vorbereitungen für das Interview mit Cornelia Funke einfließen zu lassen.

Anfangs hatten wir einige Schwierigkeiten, „neue Fragen“ zu finden, da Cornelia Funke einfach schon wahnsinnig viele Interviews gegeben hat. Aber nach einiger Zeit kamen die Ideen wie von selbst und zum Schluss hatten wir dreißig Fragen, viele davon zu ihrem neuen Buch, aber auch einige persönliche. Nachdem die Fragen feststanden, ging ich ziemlich locker an die ganze Sache heran. Auf der Zugfahrt nach Hamburg, die wir zu siebt mit Martin antraten, denn obwohl nur drei von uns interviewten, hatten wir die Fragen zusammen vorbereitet und so bekamen die anderen die Möglichkeit, Frau Funke zumindest zu treffen, war ich noch völlig ruhig.

Und im Vier Jahreszeiten, wo das Interview stattfand, war ich erstmal viel zu beschäftigt damit, mich staunend umzusehen, als dass ich hätte nervös werden können. Ich kam mir schon ein wenig fehl am Platz vor, als wir in einen Salon geführt wurden, in dem alte Damen in türkisfarbenen Kostümen mit abgespreizten kleinen Fingern Tee tranken und einem sofort der Geruch nach extrem treurem Parfüm in die Nase stieg. In Gedanken fragte ich mich, ob der Palast der Queen wohl ähnlich prächtig wie das Vier Jahreszeiten ist. Für normal Sterbliche ist dieses Hotel auf jeden Fall nicht gedacht. Sogar die Toiletten hatten etwas Einschüchterndes.

Wir mussten eine Zeit lang auf Frau Funke warten, wie sich das für einen Promi gehört, denn der Zeitplan hatte sich im Laufe des Tages etwas verschoben. Wir bekamen Nüsse und stilles Wasser und ich begann ein wenig zu schwitzen, weil es in diesem Salon wirklich richtig heiß war, vermutlich weil alten Damen immer kalt ist. Dann machte ich mir darüber Sorgen, ob meine Hände wohl schwitzig sein würden, falls Cornelia Funke sie schütteln würde. Während ich darüber nachdachte, spürte ich ein leises Kribbeln im Bauch, eine Mischung aus Vorfreude und nun doch etwas Nervosität.

Doch bevor diese Nervosität sich steigern konnte, war Frau Funke da, nahm einfach neben uns Platz und lächelte uns an. Wie eine alte Bekannte. Ohne Händeschütteln, was mich ziemlich erleichterte. Sie sah so nett aus, dass ich wieder ganz ruhig wurde. Wir stellten uns kurz vor und legten einfach los. Es war ganz leicht. Sie erzählte bereitwillig von allem, scherzte und rief zwischendurch immer wieder „Oh mein Gott“, wie es man es in Amerika wahrscheinlich als erstes beigebracht bekommt. Während des ganzen Interviews wirkte sie ganz natürlich, kein bisschen abgehoben. Ich hätte noch Stunden weitermachen können und den anderen ging es genauso. Am faszinierendsten fand ich, wie abenteuerlustig Cornelia Funke wirkte, sie scheint die Welt tatsächlich noch durch Kinderaugen zu sehen. Sie träumt davon, nach Hawaii zu ziehen und einen Pilotenschein zu machen. Sie trägt Feenkleider und will mit ihrem Sohn Fallschirmspringen gehen.

Ich denke diese Neugier auf alles und die Abenteuerlust sind der Grund, warum sie so eine erfolgreiche Autorin ist. Als wir das Vier Jahreszeiten verließen, brannten mir noch hundert Fragen auf der Zunge und der Geruch nach Alte-Damen-Parfüm in der Nase. Ich hätte mich am liebsten umgedreht und wäre zurückgelaufen, um wenigstens noch ein, zwei wichtige Dinge loszuwerden, aber das ging natürlich nicht. Sobald wir wieder vor dem Hotel standen, war es so, als hätten wir ihre Welt bereits verlassen und wären wieder in die normale, unsere zurückgekehrt. Bleibt mir nur noch zu hoffen, dass es stimmt, dass man sich immer zweimal im Leben begegnet!

Autorin: Marie Bender, 15


Die blaue Seite
Das Online-Literaturmagazin „Die blaue Seite“ ist ein Projekt der Bücherpiraten e. V. und wird von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet. Es wurde 2010 mit der „Goldenen Göre“ des Kinderhilfswerkes ausgezeichnet. Jeden Monat lesen zwischen 3000 und 4000 Besucher die neusten Nachrichten, Buchbesprechungen und Interviews aus der Welt der Literatur unter www.die-blaue-seite.de.

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