Bericht

Lesesozialisation in der Familie

09.10.2009

Langzeitstudie belegt: lesefreudige Kinder haben Startvorteile




Wer liest, hat Erfolg in der Schule
Wer liest, hat Erfolg in der Schule
Stiftung Lesen
"Wer viel liest, kann viel gewinnen", sagt Bundesministerin Ursula von der Leyen. Die Langzeitstudie "Lesesozialisation von Kindern in der Familie" belegt, dass Kinder, die gerne lesen, in der Schule Startvorteile haben. Die Untersuchungsergebnisse zeigen aber auch deutlich: Lesefreude ist nur bei wenigen Eltern ein Erziehungsziel. "Der Unterricht fllt leicht", sagen berdurchschnittlich viele Kinder aus ganz verschiedenen Elternhusern, die nur eines gemeinsam haben: Sie lesen gerne. Dabei zeigen sich die lesebegeisterten Kinder aus sozial benachteiligten Elternhusern sogar deutlich selbstbewusster als ihre wohlhabenderen Mitschler: 45 Prozent von ihnen betonen, dass der Unterricht kein Problem sei. Bei den jungen Lesefans aus gehobenen sozialen Schichten sagen das dagegen nur 39 Prozent.

Fakten zur Studie:
  • Die Studie „Lesesozialisaton von Kindern in der Famile“ wurde gefrdert vom Bundesministerium fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Datenerhebung erfolgte durch das Institut fr Demoskopie Allensbach im Auftrag der Stiftung Lesen Mainz.
  • Befragt wurden rund 3.000 neun bis 13 Jahre alte Schlerinnen und Schler und ihre Eltern.
  • Es ist die grte und umfangreichste Untersuchung zur familiren Lese- und Mediensozialisation in Deutschland seit 21 Jahren. (Die Daten, welche sich auf 1988 beziehen, entstammen der Studie „Familie und Lesen“ von Renate Kcher, die im Auftrag des BMFSFJ durchgefhrt wurde. Diese Zahlen beziehen sich dabei nur auf Westdeutschland.)
  • Untersucht wurde die Lesesozialisation von Kindern in der Familie. Im Mittelpunkt der Betrachtung standen die Entwicklung des Lesens in der Gesellschaft, der Stellenwert, der dem kindlichen Lesen beigemessen wird, die Lesekultur und Lesefrderung in den Elternhusern und ihre Rckwirkung auf die Lesefreude von Kindern.
  • Die Ergebnisse der Studie werden im Rahmen der Schriftenreihe der Stiftung Lesen voraussichtlich im Januar 2010 (Band 8) verffentlicht.
Mehrstufiges Forschungsdesign
  • Stufe 1: qualitative Interviews mit Experten und Eltern
  • Stufe 2: quantitativ reprsentative Bevlkerungsumfrage bei 1.960 Befragten ab 16 Jahren unter anderem zur gesellschaftlichen Wertschtzung des Lesens und der Entwicklung der Lesekultur
  • Stufe 3: quantitative Eltern-Befragung (686 Befragte mit Kindern bis 12 Jahren) zur Lese- und Mediensozialisation im Elternhaus
  • Stufe 4: quantitative Befragung von 316 Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren

Eltern sind die wichtigsten Vorbilder ihrer Kinder
"Lesen macht Spa und stt Tore auf, damit sich die Phantasie der Kinder entfalten kann. Lesen ist aber auch wie kein anderes Mittel geeignet, Nachteile von Kindern aus bildungsrmeren Schichten wettzumachen. Es sprengt den Teufelskreis von innen, dass sich Bildungsarmut von einer auf die nchste Generation vererbt", sagt Ursula von der Leyen, Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend. "Die Eltern sind die wichtigsten Vorbilder ihrer Kinder und haben selbst den grten Einfluss darauf, wie sehr sich ihre Kinder fr Bcher interessieren. Vorlesen von klein auf ist deswegen enorm wichtig. Ist die Lust am Lesen erst einmal geweckt, dann entwickelt sich die Lesekompetenz von ganz alleine. Dieser Vorsprung, das zeigt die Studie, hlt ein ganzes Leben."

Diesem Urteil stimmen laut "Lesesozialisation von Kindern in der Familie" so viele Deutsche wie nie zuvor zu: 84 Prozent der Eltern erklrten, dass es fr die Entwicklung eines Kindes wichtig sei, dass es viel lese. Im Rahmen einer Untersuchung im Jahr 1988 hatten dies nur 55 Prozent gesagt. Weshalb gerade das Lesen so wichtig ist, davon hat die berwiegende Mehrheit eine sehr klare Vorstellung: "Lesen frdert das selbststndige Denken", erklren 63 Prozent der Befragten, vor 20 Jahren gaben dies lediglich 50 Prozent an. Und der Aussage: "Lesen hilft dabei, Zusammenhnge zu erkennen", stimmen inzwischen sogar drei Viertel der Befragten zu, 1988 waren es nur zwei Drittel. Doch ausgerechnet bei den Eltern stagniert diese positive Entwicklung. 1988 bezeichneten 45 Prozent von ihnen Lesefreude als wichtiges Erziehungsziel, 20 Jahre spter sind es nur drei Prozent mehr.
"Bei den unter dreiighrigen Eltern zeichnet sich sogar eine Leseerziehungs-Skepsis ab", erklrt Heinrich Kreibich, Geschftsfhrer der Stiftung Lesen, die Ergebnisse. "Nur 42 Prozent dieser Eltern sagen, dass man Lesefreude bei Kindern beeinflussen kann. Bei den ber Dreiigjhrigen ist es aber noch die Mehrheit."

Zentrale Aussagen der Studie
  • Wer liest, macht Karriere in der Schule.
  • Das heit: Der Bildungsimpuls „Lesefreude“ berwindet Schicht-Grenzen.
  • So viele Eltern wie nie zuvor sagen: Lesen ist wichtig fr die kindliche Entwicklung.
  • Vielen Eltern ist bewusst: Lesen frdert die verschiedensten Fhigkeiten.
  • Aber: Skepsis bei jungen Eltern: Nur 42 Prozent der Unter-Dreiigjhrigen Eltern glauben, dass Lesefreude beeinflussbar sei.

Eine Publikation mit den zentralen Ergebnissen der Familienstudie kann bei der Stiftung Lesen bestellt werden unter:
www.stiftunglesen.de/forschung/leseempfehlungen/39.

Kontakt:
Stiftung Lesen
Christoph Schfer
Pressesprecher Bildung Politik Forschung
Rmerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 2 88 90-28
Internet: www.StiftungLesen.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de