Meldung

Folgelandschaften – Literaturpfade in der Region Bitterfeld

13.11.2007

16. Landesliteraturtage in Sachsen-Anhalt 2007





Logo der 16. Landesliteraturtage Sachsen-Anhalt
Logo der 16. Landesliteraturtage Sachsen-Anhalt


Das Motto der 16. Landesliteraturtage, die vom 14. bis 17. November 2007 in Wolfen und Bitterfeld stattfinden, drückt den Wandel im ökologischen Erscheinungsbild und die Besinnung auf kulturelle Traditionen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld aus, dessen reichhaltige kulturelle Geschichte lange ein Stiefkind in der öffentlichen Wahrnehmung war. Dabei gibt es einiges neu zu entdecken:

Literaturpfad zur Literaturgeschichte der Region
Dichter und Schriftsteller wie Victor Blüthgen aus Zörbig oder Hermann Conradi aus Jeßnitz wurden hier geboren und beeinflussten das literarische Schaffen ihrer Zeit. Johann Gottfried Schnabel, auch bekannt als „Gisander“, am 7. November 1692 in Sandersdorf geboren, schrieb mit der „Insel Felsenburg“ eine Robinsonade voll heftiger Kritik an den Zuständen in Europa zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die als ein Hauptwerk der Frühaufklärung in Deutschland gelten darf. Phillip von Zesen, geboren im 17. Jahrhundert in Priorau, wurde nach einem Besuch bei Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen zur Jahreswende 1648/49 in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen, die sich der Bewahrung der deutschen Sprache verschrieb und den Einfluss von Fremdwörtern vermeiden wollte. Zesen erfand für zahlreiche Fremdwörter Eindeutschungen, beispielsweise Abstand (Distanz), Bücherei (Bibliothek) oder Stelldichein (Rendezvous).
Mit den Veranstaltungen auf dem „Literaturpfad“, Vorträgen und Lesungen zur Literaturgeschichte jeweils ergänzt durch szenische Lesungen wird am Samstag dieser Teil der Kulturgeschichte der Region um Bitterfeld-Wolfen wieder aufleben.

Kinder sollen für das aktive Lesen begeistert werden
Zur Eröffnung der 16. Landesliteraturtage am 14.11.2007 wird um 10:00 Uhr im Kulturhaus Wolfen die Kinderoper „Die Felsenburg“ nach Motiven von Johann Gottfried Schnabel, genannt Gisander, aufgeführt. Schülerinnen und Schüler der Kreismusikschule Bitterfeld spielen unter der Leitung von Frau Dr. Toaspern und der Regie von Monika Vorndran nach der Musik von Hanns H. F. Schmidt aus Magdeburg.
Die Aufführung der Kinderoper lenkt das Augenmerk schon in dieser Eröffnungsveranstaltung auf eine Besonderheit: Lesen bedeutet Aktivität, nicht Passivität. Die Literaturtage des Landes sollen zum Lesen, zu eigener Kreativität, zum aktiv werden anregen und nicht nur Rezeption, also Aufnahme von Gehörtem bedeuten. Kinder sollen für das aktive Lesen begeistert werden, in die Literatur einbezogen werden und durch die Opernaufführung ist das schon gelungen. Denn an der Uraufführung am Mittwochvormittag werden viele Kinder aus Bitterfeld-Wolfener Schulen teilnehmen.
Gleich im Anschluss an den offiziellen Teil der Eröffnung haben Autorinnen und Autoren jedes Alters Gelegenheit, sich in einer „Poetensprechstunde“ bei zwei erfahrenen Schriftstellern, Jürgen Jankofsky und Peter Hoffmann, Rat zu holen und unter Anleitung an ihren Texten zu arbeiten.
Die meisten der insgesamt 87 Veranstaltungen an den vier Literaturtagen finden in Schulen aller Schulformen, in Grund- und Förderschulen, in Sekundarschulen, Gymnasien und Berufsschulen, statt. Neben Erzählungen, Kurzgeschichten, Heiterem und Sachbezogenem sind besonders die Programme zu empfehlen, an denen Schülerinnen und Schüler selbst mitwirken.

Eine Fülle von Angeboten für Erwachsene
Neben den Lesungen sachsen-anhaltischer Autoren und niedersächsischer Gastautoren für Schülerinnen und Schüler gibt es auch für erwachsenene Literaturfreunde eine Fülle von Lesungen jeder Gattung: Prosa oder Lyrik, Lesungen mit musikalischer Begleitung, Neuerscheinungen sachsen-anhaltischer und niedersächsischer Gastautoren. Veranstaltungsorte sind Büchereien, um beim Wortvorschlag von Phillip von Zesen zu bleiben, Kulturvereine, Museen, eine Galerie, kirchliche oder karitative Einrichtungen, Jugendeinrichtungen oder Freizeit- und Erlebnisstätten.

Ein neuer Bitterfelder Weg
Der Name „Bitterfeld“ ist in der Literaturgeschichte untrennbar mit der Bezeichnung „Bitterfeld Weg“ verbunden, einer Episode in der Literaturgeschichte der DDR, die vielen mit den Worten „Greif zur Feder, Kumpel – die sozialistische deutsche Nationalkultur braucht Dich“ bekannt ist. Künstler wurden gegen Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts dazu angehalten, mehr sozialistischen Produktionsalltag in ihre Werke einfließen zu lassen. Arbeiterinnen und Arbeiter dagegen wurden ermutigt, selbst künstlerisch in Schreibzirkeln tätig zu werden. Die Arbeitswelt sollte verstärkt in die Literatur Eingang finden, Ziel war die Verschränkung von Kunst und politischer Ideologie. Der „Bitterfelder Weg“ ist gescheitert. Ist er gescheitert? Wenn ja, woran? Was lässt ihn trotzdem auf die heutige Zeit ausstrahlen? Eine Diskussion zu diesem Thema mit namhaften Wissenschaftlern, Publizisten und Autoren findet am 17. November 2007 ab 16 Uhr im Ratssaal des Rathauses Bitterfeld statt. Schauspieler werden aus dem Roman „Rummelplatz“ von Werner Bräunig, Erfinder des eben genannten Werbespruches „Greif zur Feder, Kumpel“, lesen und eine Publikation zum Bitterfelder Kulturpalast, den Bitterfelder Konferenzen und deren Nachhall wird vorgestellt.

Kontakt:
Anja Krämer
Landkreis Anhalt-Bitterfeld
Mittelstraße 20
06749 Bitterfeld
Zimmer 019 
E-Mail: anja.kraemer@landkreis-bitterfeld.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de