Meldung

«Who’s on the line? Call for free!» Telefonate werden zu Kurzgeschichten

07.06.2007

Bundesweites LitCam-Projekt zum Thema Migration


Kulturprojekt im Wohnwagen «Who’s on the line? Call for free!»
Kulturprojekt im Wohnwagen «Who’s on the line? Call for free!»
Quelle: Frankfurter Buchmesse


„Hier können Sie 10 Minuten kostenlos telefonieren! Mit wem Sie wollen, egal in welches Land!” So lädt das öffentliche Kulturprojekt „Who’s on the line? Call for free!“, das am 7. Juni in Köln startet, die Bewohner in deutschen Städten mit hohem Migrantenanteil zur Teilnahme ein. Diese müssen lediglich die Bereitschaft mitbringen, sich im Anschluss an ihr Telefonat mit einem Schriftsteller auszutauschen, der das Gespräch zu einer Kurzgeschichte verarbeitet. Das Projekt des katalanischen Künstlers Josep-Maria Martín an der Schnittstelle von Kunst im öffentlichen Raum, Literatur und kulturellem Austausch veranstaltet die Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit dem Verband Incult Iniciativas Culturales aus Barcelona. Die Aktion findet im Rahmen der Frankfurt Book Fair Literacy Campaign (LitCam) statt, die Teil des Buchmesse-Schwerpunktes „Zukunft Bildung“ ist. Das Kulturprojekt soll die Bewohner multikultureller Stadtteile und städtischer Brennpunkte, Migranten und Deutsche sowie deutsche Autoren und Schriftsteller mit Migrationshintergrund zu einem interkulturellen Dialog anregen. Die daraus entstandenen Kurzgeschichten erscheinen als Abschluss des Projekts im Münchner Verlag blumenbar als Buch, das auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober im Rahmen einer Sonderveranstaltung vorgestellt wird.

Austausch zwischen Autoren und Anrufern im Wohnwagen
Das Projekt findet in einem Wohnwagen mit zwei Telefonkabinen statt, der als eine Art mobile Telefonzelle vom 7. bis 28. Juni in den Städten Köln, Hamburg, Berlin und Stuttgart Station macht. In dem Wohnwagen werden nicht nur die Telefonate geführt – hier findet auch der Austausch der Autoren mit den Anrufern über deren persönliche Erfahrungen, über ihr Leben in Deutschland und das Zusammenleben in einer multikulturellen Gesellschaft statt, aber auch über den Grund und den Inhalt des Anrufes. Fragmente dieser wahren Geschichten und die Eindrücke des Geschehens, das sich im und um den Wohnwagen entwickelt, dienen den täglich wechselnden Schriftstellern als Ausgangspunkte für ihre Kurzgeschichten. Unter den Autorinnen und Autoren sind so bekannte Namen wie Thomas von Steinaecker oder Feridun Zaimoğlu.

Ziel des Projekts
„Who’s on the line? Call for free!“ ist eine Plattform, die den interkulturellen Dialog fördert und bei der echte, persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Vorstellungen von Migranten bzw. den in multikulturellen Stadtteilen lebenden Deutschen aufeinander prallen. Urbane Spannungen und soziale Dysfunktionen innerhalb der Gesellschaft werden aufgedeckt und finden durch die Schriftsteller ihren Ausdruck. Um den Wohnwagen herum entstehen Gespräche zwischen Zugezogenen und ihren deutschen Nachbarn, den oft nicht untereinander kommunizierenden Ethnien der Migranten, den Anrufern und Schriftstellern. Der Künstler Josep-Maria Martín gibt mit seinem Projekt einen Impuls für weitergehende Schritte im Integrationsprozess, im Abbau von Vorurteilen und in der Überwindung von Sprachhürden und Berührungsängsten.

Organisation
“Who’s on the line? Call for free!“ wird in Deutschland als transnationales Großprojekt unter der Teilnahme zahlreicher öffentlicher Institutionen sowie gemeinnütziger Initiativen stattfinden. Sowohl die Aktion selbst, als auch die in den Städten geplanten Sonderveranstaltungen wie Lesungen und Schreibwerkstätten sowie die Projekt-, Film- und Buchpräsentation im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2007 dienen den lokalen und bundesweiten Kooperationspartnern als Plattform zur Darstellung ihres Engagements und zum Aufbau eines bleibenden Netzwerks. Die mehrwöchige Tour wird medial begleitet, um die breite Öffentlichkeit über den Fortgang des Projekts informiert zu halten.

Tour durch Deutschland
Köln:      7. bis 10. Juni 2007
Hamburg:  13. bis 16. Juni 2007
Berlin:        23. bis 26. Juni 2007
Stuttgart:   27. Juni bis 1. Juli 2007

Bei den Abschlussveranstaltungen am 12. und 13. Oktober 2007 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Künstler Josep-Maria Martín, beteiligten Schriftstellern und Anrufern, Partnern des Projektes und dem Münchner Verlag blumenbar wird das Buch mit den Kurzgeschichten aus dem Projekt präsentiert.

Josep-Maria Martín
Der Künstler lebt in Barcelona. In seiner Arbeit befasst er sich mit den zwischenmenschlichen Beziehungen. Er arbeitet in seinen Werken mit anderen Künstlern, Schriftstellern, Architekten, Sozialarbeitern, Designern und Psychologen zusammen. Martín war mit diversen Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, Süd- und Nordamerika und Asien zu sehen und entwarf dort dauerhafte Installationen und Projekte im öffentlichen Raum.

Literacy Campaign (LitCam)
Die Frankfurter Buchmesse hat „Who’s on the line? Call for free!“ als außergewöhnliches Projekt zur Förderung des interkulturellen Dialogs in die Literacy Campaign (LitCam) des 2006 etablierten Schwerpunkts “Zukunft Bildung” aufgenommen. Mit dem Schwerpunkt trägt die Frankfurter Buchmesse der wachsenden Bedeutung von Bildung in der globalisierten Wissensgesellschaft Rechnung. Eines der Hauptanliegen ist dabei die Vernetzung und Förderung des internationalen Austausches, er soll den grenzüberschreitenden Dialog über Entwicklungen und Strategien zur Wissensvermittlung ermöglichen. Die LitCam, die gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V., dem Deutschen Volkshochschulverband und dem Unesco Institute for Lifelong Learning gestartet wurde, will auf die Probleme des funktionalen Analphabetismus aufmerksam machen, zur Verbesserung der Grundbildung beitragen und neue Netzwerke schaffen.

Incult Iniciativas Culturales
Das Projekt „Who’s on the line? Call for free!“ wurde von Incult Iniciativas Culturales als besonders wertvoller Beitrag aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst zum Thema Migration ausgewählt und die bundesweite Tour unter Berücksichtigung der aktuellen Situation in Deutschland konzipiert. Die Projektkonzeption für Deutschland hat Stefanie Klinge, stellvertretende Direktorin von Incult Iniciativas Culturales, entwickelt. Im Sinne der gesellschaftlichen Durchdringung sieht Incult die Einbindung der diversen lokalen, bundesweiten und internationalen Partner – aus den Bereichen der zeitgenössischen Kunst, der Literatur, der Stadtteilkultur, des kulturellen Austauschs und den Institutionen und Vereinen aus dem Umfeld der Integrationsarbeit – bereits während der Vorbereitungsphase, aber auch während der Durchführung des Projekts als essentiellen Bestandteil von Kulturarbeit.

Kooperationspartner
DEUTSCHLAND
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Projekt in das offizielle Programm des Jahres der Geisteswissenschaften 2007 aufgenommen und mit beworben.
Die Kulturstiftung des Bundes gewährt Fördergelder.
Der Blumenbar Verlag, München, gibt die aus dem Projekt hervorgehenden 28 Geschichten als Buch heraus und organisiert Buchvorstellungen in Absprache mit den Literaturhäusern und weiteren lokalen Partnern der beteiligten Städte.

SPANIEN:
Ministerio de Cultura (Spanisches Kulturministerium)
Institut de Cultura de Barcelona (Kulturdezernat der Stadt Barcelona)
Institut Ramon Llull (Katalanisches Kulturinstitut)

Weitere Kooperationspartner in Köln, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Frankfurt unterstützen das Projekt auf lokaler Ebene.

Kontakt
Frankfurter Buchmesse
Caroline Vogel 
E-Mail: press@book-fair.com 

Incult Iniciativa Culturales
Barcelona
E-Mail: nfo@incult.es
Internet: www.incult.es


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de