Landesporträt

Thüringen: Lust auf Lesen

Projekte und Initiativen zur Leseförderung




Märchenerzähler fasziniert Kinder und Erwachsene
Märchenerzähler fasziniert Kinder und Erwachsene
© Lese-Zeichen e.V. Jena
Lesen bildet nicht nur, sondern soll auch Spaß machen. Deshalb wird der systematischen Förderung von Lesekompetenz in Thüringer Bildungseinrichtungen große Aufmerksamkeit beigemessen. Diese systematische Föderung beginnt bereits im Bereich der frühkindlichen Bildung und ist später Bestandteil des Unterrichts in allen Schularten. Sowohl der „Thüringer Bildungsplan für Kinder bis 18 Jahre“ als auch die weiterentwickelten Thüringer Lehrpläne für alle Schularten beschreiben Lese- und Medienkompetenz als grundlegende Voraussetzungen für individuelle Lernerfolge und betonen damit deren Schlüsselfunktion.

Leseförderung in Schulen
Thüringen beteiligte sich mit zwei Verbünden an der Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (2013- 2019). Schwerpunkte der Arbeit bildeten für den Primarbereich die systematische Leseförderung und für den Sekundarbereich I der sprachsensible Fachunterricht. Die Arbeit an diesen Schwerpunkten führt Thüringen in BiSS-Transfer (2020- 2025), der gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Länder, fort. Koordiniert vom Thüringer Landesinstitut und dem für schulische Bildung verantwortlichen Ministerium arbeiten insgesamt ca. 30 Schulen in zwei Verbünden zu den genannten Schwerpunkten. Ziel ist es, schulische Sprachbildungskonzepte zu entwickeln bzw. in Hinblick auf die Schwerpunktthemen zu überarbeiten und damit wissenschaftsbasierte Ansätze zur Sprachbildung und -förderung in der Schule zu verankern, die von der gesamten Schule getragen werden. Mit einer weiteren Gruppe allgemein bildender weiterführender Schulen ist Thüringen im BiSS-Transfer Forschungsvorhaben „Sprachsensibler Mathematikunterricht in der Sekundarstufe I“ aktiv.

Alle Grundschulen in Thüringen erhalten für ihre zukünftigen ersten Klassen die Möglichkeit eines Buchgeschenkes durch die Stiftung Lesen in Kooperation mit dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen. Die Schulen erhalten die Buchpakete mit einer Elterninformation zu Beginn des neuen Schuljahres. Es werden unterschiedliche Leseniveaus der Kinder beachtet. Die Bildertexte, Gedichte, Comics und Sachinfos eignen sich zum Vorlesen und gemeinsamen Lesen. Ziel der Initiative ist es, Kinder beim Lernen zu unterstützen, Lehrkräften gutes Unterrichtsmaterial anzubieten und Eltern zu ermuntern, ihre Kinder beim Lesenlernen zu begleiten.

Der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e. V. (FBK) bietet zahlreiche Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche an. Unter dem Motto „Meine Sprache, deine Sprache“ werden beispielsweise Lese- und Schreibworkshops in Kooperation mit Schulen und anderen Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen, durchgeführt. In diesem Projekt wird ein lese- und schreibfördernder Raum geschaffen, in dem Kinder- und Jugendliche zusammen mit einem erfahrenen Autor oder einer Autorin sich und ihren Sprachen, aber auch Dialekten und Soziolekten, begegnen. Sie sollen sich kennenlernen und voneinander profitieren. Gerade der Austausch und das Erklären der eigenen Sprache, Situation, Tradition und Verhaltensweisen hilft, sich umfassend zu akzeptieren. Weiterhin bietet der FBK Autorenlesungen für Kinder, Jugendliche und Schulen an.

Während der "Woche des Lesens", aber nicht nur dann, sind alle Thüringer Schulen aufgefordert, besondere Aktivitäten zur Leseförderung zu entfalten, um die Auseinandersetzung mit der Kulturtechnik Lesen an der Schule zu intensivieren. Die Woche wird bewusst in den März gelegt, um die vielfältigen Synergieeffekte zur Leipziger Buchmesse zu nutzen. Schulklassen erhalten die Möglichkeit, Themen der Buchmesse im Unterricht zu behandeln oder die Messe zu besuchen und an einigen der Veranstaltungen teilzunehmen. Seit 2006 bietet die Erfurter Kinder-Universität in dieser Zeit Seminare rund um das Buch an. An der „Woche des Lesens“ beteiligen sich auch zahlreiche Thüringer Bibliotheken, der Lese-Zeichen e.V., der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. und die Literarische Gesellschaft Weimar mit vielfältigen Veranstaltungen wie Lesewettbewerben, Autorenlesungen oder Theateraufführungen, um Schüler*innen an Literatur heranzuführen.

Fort- und Weiterbildungen für Lehrkräfte
Um den steigenden Anforderungen an das Lesen in schulischen und außerschulischen Kontexten gerecht zu werden, wird die nachhaltige Entwicklung von Lesekompetenz in Thüringen verstärkt. Das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) unterstützt diesen Prozess mit der Durchführung verschiedener Fortbildungsreihen. Diese berücksichtigen die Lesekompetenz nach PISA, sprachliches Lernen zur Entfaltung von Lesekompetenz, die Leseförderung in der Vorschulphase und in der Grundschule, fächerübergreifende Leseförderung als Element der Schulentwicklung, Diagnose und Bewertung von Leseleistungen, Leseförderung der Risikogruppen, Lesestrategien und -techniken sowie die Lesekompetenz als Bestandteil von Unterrichts- und Schulentwicklung.
In „In–House–Schulungen“ zur Entwicklung der Lesekompetenz in Kindergarten und Grundschule erfahren Erzieher*innen sowie Lehrkräfte, welche Möglichkeiten es gibt, verschiedene Lern-, Spiel- und Bewegungsangebote kindgerecht und zielgerichtet einzusetzen. Damit sollen in Kindergarten und Schule Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Konzentration, Kommunikation und Sozialverhalten als Voraussetzung zum Erlernen des Lesens und Schreibens gefördert und weiterentwickelt werden. Dabei wird die Lese- und Schreiblust von Schulanfänger*innen bzw. künftigen Schulanfänger*innen in unterschiedlichen lebensnahen Alltagszusammenhängen gefördert.

Außerschulische Angebote zur Leseförderung
Um die Lesebegeisterung anzufachen, wird in Thüringen die Durchführung von Projekten der Stiftung Lesen und ihrer Partner wie „Drei Meilensteine für das Lesen“ oder „Ich schenk dir eine Geschichte“ anlässlich des alljährlichen Welttags des Buches und des bundesweiten Vorlesetags unterstützt. Im Projekt „Literaturland Thüringen“ initiiert und realisiert der Thüringer Literaturrat gemeinsam mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, dem MDR Figaro, seinen Mitgliedern und weiteren Partnern seit 2014 literarische Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche. So finden z. B. unter dem Motto „Thüringen liest“ thüringenweit zahlreiche Lesungen für Kinder und Jugendliche in Bibliotheken statt.

Weitere literarische Höhepunkte sind die „Thüringer Literatur- und Autorentage“ im Juni auf Burg Ranis, die „Weimarer Lyriknacht“, die „Erfurter Herbstlese“, der „Jenaer Lesemarathon“ und das „Thüringer Märchen- und Sagenfest“ im Herbst. Schreibprojekte und -wettbewerbe sollen die Lese- und Schreiblust junger Thüringer*innen wecken: der „Thüringer Buchlöwe“, der „Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb“, das „Junge Literaturforum Hessen/Thüringen“ und der „Thüringer Schülerzeitungswettbewerb“.

Die starke Rolle der Öffentlichen Bibliotheken
Traditionell sind Öffentliche Bibliotheken wichtige Orte der Leseförderung und Kooperationspartner für vielfältige Projekte und Aktivitäten. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zum Thema „Schule und Bibliothek“ am 26.2.2005 haben das Thüringer Kultusministerium und der Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband das Fundament für eine noch intensivere Zusammenarbeit gelegt. Ziel ist es, durch intensive Bibliotheksbenutzung, Unterstützung von Projekttagen und Unterricht in Bibliotheken die Lese-, Medien- und Informationskompetenzen der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln und zu fördern. Insbesondere in der „Woche des Lesens“, aber auch das ganze Jahr hindurch haben die Thüringer Bibliotheken eine Menge zu bieten: Medienboxen, Unterricht in der Bibliothek, Einführungen in die Bibliotheksbenutzung, Bilderbuchkinos und Bücherrallyes gehören ebenso zum Programm wie Autorenlesungen, Bibliotheksnächte, Vorlesewettbewerbe und Elternabende.

Die Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken als zentrale Planungs-, Beratungs- und Fördereinrichtung des Freistaates Thüringen unterstützt den fachgerechten Auf- und Ausbau öffentlicher Bibliotheken. Sie steht Unterhaltsträgern, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen in allen Fachfragen zur Verfügung und hält ein breites Spektrum an Angeboten und Anregungen zur Leseförderung sowie zur Mediennutzung bereit. Dazu gehören thematische Ausstellungen und Medienkoffer, Medienpakete zu ausgewählten Kinder- und Jugendbüchern, Kniebücher für Vor- und Grundschule und Beratungen beim Bestandsaufbau, zu Fortbildungsthemen und zu neuen Projekten im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule zum Aufbau von Büchereien.


Beliebte Orte der Literatur
Für Literaturliebhaber*innen gibt es in Thüringen - neben den bekannten Orten der Weimarer Klassik, z.B. dem Goethehaus und dem Schillerhaus in Weimar und dem Wielandgut in Oßmannstedt - besondere Orte wie das Literaturmuseum Theodor Storm in Heiligenstadt oder die Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode. Die Museen unterbreiten vielfältige museumspädagogische Angebote für Kinder, Jugendliche und Schulen.

Hinweis:
Das Landesporträt wurde im Oktober 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Thüringen erstellt. Zuletzt wurde es im April 2022 aktualisiert.



Redaktionskontakt: anda@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 18.10.2007

Zuletzt aktualisiert am: 04.05.2022