Bericht

Schüler profitieren von Lehrkräften mit Migrationshintergrund

27.11.2020

Studie des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung




© RWI
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Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund haben einen positiven Einfluss auf die Sprachfähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler. Die Lesefertigkeiten der Schulkinder entwickeln sich bei ihnen besser als bei anderen Lehrkräften. Davon profitieren vor allem Schulkinder, die selbst aus einem Haushalt mit Migrationsgeschichte kommen. Besonders groß ist der Effekt bei Lehrkräften mit zwei Muttersprachen – sie steigern auch die Lesefertigkeiten von Schulkindern ohne Migrationshintergrund deutlich. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie „Speaking the Same Language – The Effect of Foreign Origin Teachers on Students’ Language Skills“ des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Die RWI-Wissenschaftlerin Dr. Lisa Sofie Höckel untersuchte im Rahmen der Studie die Wirkung von Lehrkräften mit und ohne Migrationshintergrund auf die Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler. Dafür wurden Daten der Sekundarstufe I (Klasse 5-9) des Nationalen Bildungspanels (NEPS) genutzt und die Lesefertigkeit von 4 724 Schülerinnen und Schülern untersucht. Die Längsschnittstruktur der Daten ermöglichte eine Analyse des Leistungszuwachses der Schulkinder mit einer Lehrkraft mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schulkindern mit einer Lehrkraft ohne Migrationshintergrund.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Lesefertigkeit der Schulkinder signifikant verbessert, wenn sie von Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund unterrichtet werden.

Der positive Effekt ist bei Schulkindern mit Migrationshintergrund am stärksten. Auf die Lesefertigkeit von Kindern ohne Migrationshintergrund konnte kein signifikanter Einfluss durch Lehrkräfte mit Migrationshintergrund festgestellt werden.

Verglichen mit anderen Einflussfaktoren auf die Lesefertigkeit, die im Rahmen der Studie kontrolliert wurden, wie Geschlecht, Alter und Haushaltsgröße, ist der Effekt einer Lehrkraft mit Migrationshintergrund beachtlich: Er ist beispielsweise doppelt so groß wie der Geschlechtereffekt – also der durchschnittliche Vorsprung von Mädchen gegenüber Jungen – und deutlich größer als der Unterschied in der Lesefertigkeit zwischen Schulkindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Im Rahmen der RWI-Studie wurden auch mögliche Gründe für diesen Effekt untersucht: Die Ergebnisse legen nahe, dass Lehrkräfte mit Migrationshintergrund eine Vorbildfunktion für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund haben. Dies zeige sich u. a. darin, so die Autorin der Studie, dass Lehrkräfte mit Migrationshintergrund bei Fragen wie „Mein Lehrer versucht meinen Standpunkt zu verstehen“ oder „Mein Lehrer hat die Klasse unter Kontrolle“ von ihren Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund positiver bewertet werden als von ihren Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund.

Auffällig ist zudem der positive Einfluss von zweisprachigen Lehrkräften: Hier zeigen die Daten eine signifikante Steigerung der Lesefertigkeit bei allen Schulkindern – insbesondere auch bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Angesichts ihrer eigenen Erfahrung im Sprachenlernen scheinen bilinguale Lehrkräfte für den Sprachunterricht besonders geeignet zu sein.


Kontakt:
Dr. Lisa Sofie Höckel
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
Hohenzollernstraße 1-3
45128 Essen
Tel.: (0201) 81 49-338
E-Mail: lisa.hoeckel@rwi-essen.de
www.rwi-essen.de/lisa-sofie-hockel
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de