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Bericht

„Sag’ mal was“. Sprachliche Bildung in der frühen Kindheit

24.04.2020

Ein Programm der Baden-Württemberg Stiftung




© Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
© Baden-Württemberg Stiftung gGmbH
Die Baden-Württemberg Stiftung führt seit 2003 das erfolgreiche Programm „Sag' mal was“ durch und hat in dessen Rahmen zahlreiche Projekte zur Sprachbildung und -förderung von (Klein-)Kindern realisiert. Das neueste Projekt „Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit in Kinder- und Familienzentren stärken“ hat in vier Kindertagesstätten zur Bildung von Familienzentren beigetragen, die mit einer engeren Bildungspartnerschaft mit den Eltern einhergehen. Im Oktober 2020 findet die Abschlussveranstaltung des Programms statt.

Die Sprache des Landes, in dem man lebt, zu verstehen und sich gut ausdrücken zu können, sind zentrale Voraussetzungen für den Bildungserfolg von Kindern. Mit dem Programm „Sag' mal was“ verfolgt die Baden-Württemberg Stiftung das Ziel, die sprachliche Bildung und den Spracherwerb schon im Kleinkindalter zu stärken, um zu mehr Bildungsgerechtigkeit beizutragen. Mehrsprachigkeit spielt im Rahmen der zum Programm gehörigen Projekte zwar eine besondere Rolle, es profitieren aber sowohl Kinder mit Deutsch als Zweitsprache als auch Kinder mit Deutsch als Muttersprache.

Projekte im Rahmen des Programms „Sag' mal was“
Heute weiß man, dass Mehrsprachigkeit für Kinder keine Überforderung darstellt, sondern sich unterstützend auf die geistige Entwicklung und beschleunigend auf den Erwerb weiterer Sprachen im Bildungsverlauf auswirkt. Beim Zweitspracherwerb sind Kinder jedoch auf sprachförderliche Rahmenbedingungen angewiesen, wie Sprachvorbilder und/oder eine sprachlich anregende Umgebung. Neben den Eltern spielt deshalb die Kindertagesstätte bei der Unterstützung des kindlichen Spracherwerbsprozesses eine wichtige Rolle. Das Programm „Sag’ mal was“ der Baden-Württemberg Stiftung hat in den vergangenen 17 Jahren, basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der Praxis, zahlreiche Initiativen und Projekte zur sprachlichen Bildung von Kindern entwickelt bzw. weiterentwickelt und ist dabei über sein ursprüngliches Ziel hinaus - Sprachförderung im Vorschulbereich anzubieten - aktiv geworden.

Begonnen hat das Programm im Jahr 2003 mit dem Projekt „Sag' mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder“, das über einen Zeitraum von sieben Jahren (2003-2010) Maßnahmen zur intensiven Sprachförderung von Vorschulkindern anbot. Als eines der ersten flächendeckenden Sprachförderprogramme in Deutschland unterstützte es die Träger von Kindertageseinrichtungen dabei, Kinder im Vorschulalter, die aufgrund eines intensiven Förderbedarfs besondere Unterstützung benötigen, beim Erwerb der deutschen Sprache zu fördern. Mit dem Programm wurden fast 90.000 Kinder in über 2.000 Kindertageseinrichtungen erreicht. Seit 2010 werden die Maßnahmen zur Sprachförderung für Vorschulkinder vom Land Baden-Württemberg durchgeführt. Zunächst im Programm „SPATZ - Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf“ und jetzt mit der neuen Gesamtkonzeption „Kompetenzen verlässlich voranbringen“ (Kolibri), die auch Elemente des Projekts „Schulreifes Kind“ (SRK) integriert.

Das Programm „Sag' mal was - Sprachförderung für Vorschulkinder“ hatte gezeigt, dass Sprachförderung möglichst früh beginnen sollte und dass über die Qualifizierung von pädagogischem Fachpersonal auf die Qualität der Sprachförderung positiv Einfluss genommen werden kann. Darauf aufbauend entwickelte die Stiftung deshalb das Projekt „Sprachliche Bildung für Kleinkinder“, mit dem sie seit 2008 die Handlungskompetenz von Erzieherinnen und Erziehern bei ihrer sprachpädagogischen Arbeit mit Kleinkindern, insbesondere im Alter von zwei bis drei Jahren, stärkte. Ebenso qualifizierte sie mit dem Projekt „Sprache macht Spaß“ Tagespflegepersonen zur Gestaltung von alltagsintegrierten Sprachangeboten für Kinder unter drei Jahren. Anschließend hat sie zusammen mit der Stiftung Haus der kleinen Forscher und der Siemens Stiftung das Projekt EASI Science-L (Early Steps Into Science and Literacy) gefördert, das die Interaktionen zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern an der Schnittstelle sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit - naturwissenschaftliche Bildung in den Blick nahm. Auch das Verfahren LiSe-DaZ Linguistische Sprachstandserhebung - Deutsch als Zweitsprache ist im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung von Prof. Dr. Rosemarie Tracy, Universität Mannheim, und Prof. Dr. Petra Schulz, Universität Frankfurt/Main, entwickelt worden. Mit dem Verfahren ist es erstmals möglich, den individuellen Sprachentwicklungsstand von Kindern mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) und Deutsch als Muttersprache (DaM) differenziert zu erfassen und den Sprachförderbedarf abzuleiten sowie individuelle Fortschritte durch Wiederholungsmessungen zu erfassen.

Für die Begleitung des Programms „Sag' mal was“ hat die Baden-Württemberg Stiftung 2012 einen wissenschaftlichen Beirat mit renommierten Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen einberufen, der die Stiftung bei der strategischen und inhaltlichen Weiterentwicklung ihrer Arbeit zur frühkindlichen Sprachbildung und Sprachförderung berät. Gleichzeitig unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis und lädt zu regelmäßigen Treffen des Netzwerks Sprache ein.

„Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit in Kinder- und Familienzentren stärken“
Im Mittelpunkt des neuesten Projekts „Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit in Kinder- und Familienzentren stärken“ standen von 2016 bis 2019 mehrsprachig aufwachsende Kinder und ihre Familien. In dieser Projektinitiative hat die Baden-Württemberg Stiftung das Programm „Sag` mal was“ auf Grundlage der Erkenntnisse aus den vorangegangenen Projekten konsequent weiterentwickelt. An dem dreijährigen Projekt nahmen vier Kindertageseinrichtungen teil, die zu Kinder- und Familienzentren weiterentwickelt wurden, was sich als sehr gewinnbringend für eine niederschwellige Einbindung von Eltern und Familien erwies. Die Eltern konnten unabhängig von ihrer Herkunft, Sprache, Bildung und ihrem sozialen Status auf ihren Bedarf abgestimmte Angebote wahrnehmen und mitgestalten. Außerdem konnten durch die vernetzenden Strukturen in den Kinder- und Familienzentren die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit den Eltern verbessert sowie der Aufbau eines aktiven Sprachfördernetzes insbesondere unter dem Aspekt der Mehrsprachigkeit mit vielfältigen Beteiligten wie pädagogischen Fachkräften, Kinderärztinnen und Kinderärzten, Logopädinnen und Logopäden etc. ausgebaut werden. Dabei wurden die Einrichtungen von der Pädagogischen Hochschule Weingarten unter der Leitung von Prof. Dr. Roux wissenschaftlich begleitet. Zentrale Ergebnisse und Erkenntnisse des Projekts werden in einer 2020 erscheinenden praxisorientierten Buchpublikation veröffentlicht.

Abschlussveranstaltung zu „Sag' mal was“ im Oktober 2020
Für Oktober 2020 hat die Baden-Württemberg Stiftung das Programmende von „Sag' mal was“ angekündigt. In Kooperation mit dem Kultusministerium richtet sie dann eine Tagung mit Vorträgen und Workshops im Haus der Wirtschaft aus, auf der sie gemeinsam mit vielen Expertinnen, Experten und Projektbeteiligten auf 17 Jahre erfolgreiche Initiativen in der frühkindlichen Sprachbildung zurückblicken kann.


Autorin: Petra Schraml
Der Artikel erschien am 13.02.2020 im Online-Magazin Bildung + Innovation
Kontakt: bildung-plus-innovation@dipf.de
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Redaktionskontakt: schuster@dipf.de