Meldung

Wie lernen Grundschulkinder in Deutschland am besten Lesen und Schreiben?

07.12.2018

Neuer Faktencheck des Mercator-Instituts




Titelseite des Faktenchecks
Titelseite des Faktenchecks
Mercator-Institut
Immer wieder fhren Eltern, Lehrkrfte und Bildungspolitiker eine emotional aufgeladene Debatte darber, wie Grundschulkinder am besten Lesen und Schreiben lernen. Dabei geht es oft darum, welche Anstze die
richtigen sind und ob einzelne Methoden verboten werden sollten. Das Mercator-Institut fr Sprachfrderung und Deutsch als Zweitsprache der Universitt zu Kln liefert in diesem Faktencheck wissenschaftlich fundierte Antworten auf diese Fragen:
Stimmt es, dass Schlerinnen und Schler immer schlechter lesen und schreiben knnen, dass einzelne Methoden besser geeignet sind, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen, als andere und dass die Methode Lesen durch Schreiben zu schlechten Rechtschreibleistungen fhrt?
Ist es sinnvoll, die Methode Lesen durch Schreiben zu verbieten?
Worauf sollten Lehrkrfte im Anfangsunterricht achten?

In deutschen Klassenzimmern werden viele unterschiedliche Methoden eingesetzt, um den Kindern das Lesen und Schreiben zu vermitteln. Es gibt keine eindeutigen Forschungsergebnisse, mit welchen Methoden dies am besten gelingt. Aus verschiedenen empirischen Studien geht jedoch hervor, dass leistungsstrkere Schlerinnen und Schler das Lesen und Schreiben weitgehend unabhngig von der Methode erfolgreich erlernen. Fr schwchere Kinder ist hingegen ein strukturierter Unterricht hilfreich, in dem die Lehrkraft den Kindern die Systematik der Schrift erklrt. „Die eine richtige Methode fr das Lesen- und Schreibenlernen fr alle Kinder und alle Lehrkrfte gibt es nicht“, betont Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts fr Sprachfrderung und Deutsch als Zweitsprache.

Ob die viel diskutierte Methode Lesen durch Schreiben, die im ffentlichen Diskurs auch Schreiben nach Gehr genannt wird, dazu fhrt, dass Schler schlechte Rechtschreibleistungen haben, ist aus verschiedenen Grnden unklar: Zum
einen ist anzunehmen, dass Lehrkrfte Lesen durch Schreiben oftmals nicht in der konzeptionell reinen Form anwenden. Dies wrde bedeuten, dass Rechtschreibung zu keinem Zeitpunkt im Unterricht thematisiert wird. Lehrkrfte ergnzen
Methoden jedoch hufig um andere Elemente und vermitteln Rechtschreibung – bedingt durch Lehrplne und Bildungsstandards – zu einem recht frhen Zeitpunkt in der Grundschule. Zum anderen zeigen Studien, die das Lesen und Schreiben in Abhngigkeit von verschiedenen Methoden untersucht haben, dass keine klar berlegen ist. „Es macht keinen Sinn, die Frage, wie Grundschler am besten Lesen und Schreiben lernen, auf die Methode zu reduzieren und einzelne Konzepte zu verbieten. Viel wichtiger ist, dass Lehrkrfte den Unterricht auf ihre Schler abstimmen. Die Vermittlung von Rechtschreibung erfordert umfassende didaktische Konzepte. Dafr mssen Lehrkrfte aus- und fortgebildet werden“, fordert Michael Becker-Mrotzek.

Der Faktencheck gibt auch Hinweise, worauf Lehrkrfte in den ersten Schuljahren achten sollten. Kinder lernen die Rechtschreibung nicht als Selbstzweck, sondern, damit sie Texte lesen und selbst verfassen knnen. „Es ist wichtig,
dass Lehrkrfte das Interesse und die Neugier der Kinder am Lesen und Schreiben wecken und erhalten“, betont Dr. Simone Jambor-Fahlen, Autorin des Faktenchecks und stellvertretende Abteilungsleiterin am Mercator-Institut. Jedoch
lernt nicht jedes Kind auf die gleiche Art und Weise. Fr einige Schler ist entscheidend, dass Lehrkrfte ihnen die Regeln explizit vermitteln und begrnden. Andere mssen Wrter selbst lesen oder schreiben und sich die zugrunde
liegenden Regeln erschlieen. „Lehrkrfte mssen sich aber auch selbst in der Anwendung der Methode sicher fhlen. Denn aus der Forschung wissen wir, dass die Lehrkraft zentral fr den Lernerfolg der Schler ist.“

Faktencheck „Lesen und Schreiben lernen in der Grundschule“

Videointerview mit der Autorin Dr. Simone Jambor-Fahlen

Das Mercator-Institut hat in einem weiteren Faktencheck im Juni 2018 die Ergebnisse der groen Bildungsvergleichsstudien zu Lese- und Schreibleistungen analysiert: Faktencheck „Entwicklung der Lese- und Schreibleistungen“

Das Mercator-Institut fr Sprachfrderung und Deutsch als Zweitsprache ist ein von der Stiftung Mercator initiiertes und gefrdertes Institut der Universitt zu Kln. Es will sprachliche Bildung verbessern. Um dieses Ziel zu erreichen, erforscht und entwickelt es innovative Konzepte, Manahmen und Instrumente fr sprachliche Bildung. Es bildet regional Lehramtsstudierende aus sowie bundesweit Pdagoginnen und Pdagogen in Kitas, Schulen und der Erwachsenenbildung fort und bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt fr Entscheidungstrger in Bildungspolitik und -verwaltung sowie Bildungspraxis auf. Mit seiner Forschung und seinen wissenschaftlichen Serviceleistungen zu sprachlicher Bildung in einer mehrsprachigen Gesellschaft trgt das Mercator-Institut zu mehr Chancengleichheit im Bildungssystem bei. Weitere Informationen unter:
www.mercator-institut-sprachfoerderung.de

Kontakt:
Dr. Simone Jambor-Fahlen
Mercator-Institut fr Sprachfrderung und Deutsch als Zweitsprache
Universitt zu Kln Triforum
Albertus-Magnus-Platz
50923 Kln
Tel.: (0221) 470-7718
E-Mail: simone.jambor-fahlen@mercator.uni-koeln.de
www.mercator-institut-sprachfoerderung.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de