Bericht

Schenk mir Geschichten!

08.12.2011

Eltern-Kind-Abend in der Schulbibliothek




 Stadtbcherei Frankfurt a. M./sba
Stadtbcherei Frankfurt a. M./sba


Der Frankfurter Eltern-Kind-Abend „Schenk mir Geschichten!“ rckt die Bedeutung der Schulbibliothek im Schul- und Kinderalltag ins Bewusstsein von Eltern und Schlern und bezieht die Eltern aktiv in den Lesefrderprozess ein. Fr ihre Aktion „Eltern-Kind-Abend: Schenk mir Geschichten!“ wurde die Stadtbcherei Frankfurt am Main am 7. Oktober 2011 in der Kinderoper Kln mit dem Deutschen Vorlesepreis in der Kategorie „Frderpreis fr Integration“ ausgezeichnet.

Hilfe und Frderung beim Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz sind Kernauftrag von Bibliotheken: Ziel ist es, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg in die multimediale Gesellschaft zu begleiten. Schulbibliotheken stellen fr viele Kinder und Jugendliche den Einstieg in Bibliotheken dar.
Eine Frankfurter Besonderheit ist die Multikulturalitt der Stadt. In Frankfurt am Main hat jedes zweite Kind einen mehrsprachigen Hintergrund, die am hufigsten festgestellte Entwicklungsstrung betrifft Sprachaufflligkeiten. Hier sind die Bibliotheken gefordert: Vorlesen ist und bleibt dabei eine Sule der Bibliothekspdagogik.

Integration
Der (Vor)Lesetag transportiert das Lesen aus dem schulischen Bereich in den familiren Rahmen.

 Stadtbcherei Frankfurt/sba
Stadtbcherei Frankfurt/sba

ber die Einbindung in den schulischen Kontext erreicht der Eltern-Kind-Abend auch Kinder und Eltern aus buchfernen Haushalten. Das Lesen wird als familires Erlebnis positioniert, die Eltern werden fr die Bedeutung des Vorlesens als familires Ritual sensibilisiert. Dabei spricht die Aktion auch ganz bewusst Vter an, als mnnliches Vorbild fr ihr Kind im Leseprozess aktiv zu werden.

Der Leseabend
Die Aktion „Eltern-Kind-Abend: Schenk mir Geschichten!“ basiert auf einer engen Kooperation zwischen Schule und Schulbibliothek.

 Stadtbcherei Frankfurt/sba
Stadtbcherei Frankfurt/sba

Die aktive Einbindung des Elternhauses ist zentraler Bestandteil der Aktion. Whrend bei den Zweitklssern der Lesespa im Vordergrund steht, soll den Eltern die Bedeutung der Kulturtechnik Lesen und ihre eigene Rolle als Lesevorbild nahe gebracht werden.
Der Eltern-Kind-Abend nutzt das Vorlesen bewusst als Element der Integration. Hier treffen Kinder und ihre Eltern aus verschiedensten Nationalitten zusammen, um ein gemeinsames Erlebnis zu gestalten.
Der Vorleseakt findet in der persnlichen Situation zwischen Elternteil und Kind statt, so dass sich auch Kinder und Eltern mit geringen Deutsch- oder Vorlesekompetenzen sicher fhlen knnen. Die anschlieenden getrennten Aktivitten in Schler- und Elterngruppen machen deutlich, dass den beiden Zielgruppen unterschiedliche Botschaften vermittelt werden: Kinder sollen Spa am Lesen entdecken, Eltern fr die Bedeutung des Lesens und den Medienkonsum ihrer Kinder sensibilisiert werden.

Kooperationspartner Schule
Die Aktion zur Lesefrderung wurde ganz bewusst in einer Schule initiiert, die einen hohen Anteil an Schlerinnen und Schlern mit Migrationshintergrund (ber 80%) aufweist. ber die Schule werden auch die Eltern erreicht, die keine Affinitt zum Buch und zum (Vor-)Lesen entwickelt haben. Die Bibliotheksbesichtigung, bei der die Kinder ihren Eltern die Schulbibliothek zeigen, emotionalisiert die „Bildungseinrichtung“, das anschlieende Lesen zeigt, dass Bibliotheken auch Orte des persnlichen Erlebens und der individuellen Entwicklung sind. Die Lesefrderaktion integriert somit nicht nur die Kinder, sondern spricht auch ihre Eltern an, die wenig bis kaum Deutschkenntnisse haben. Sie werden ermutigt, sich strker in den Lese- und somit Lernprozess ihrer Kinder einzubringen.

Fazit
Wenn Kinder und Eltern sich „Geschichten und Aufmerksamkeit schenken“ dann weben sie immer auch an ihrer gemeinsamen Geschichte. Denn: Im Schenken zeigen wir dem anderen unsere Wertschtzung und unterstreichen unsere Bindung. Nach Georg Simmel ist dieses Nehmen und Geben ein soziales Netz, das unsere Gesellschaft zusammenhlt.

Autorin:
Hanke Shl
Stadtbcherei Frankfurt am Main
Schulbibliothekarische Arbeitsstelle (sba)
Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main
E-Mail: hanke.suehl@stadt-frankfurt.de
Internet: www.stadtbuecherei.frankfurt.de/sba

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de