Welttag der Alphabetisierung |
08.09.2009 |
Grundbildung in Deutschland sichern
Millionen Menschen weltweit können nicht lesen und schreiben. Daran erinnert die UNESCO jedes Jahr am 8. September. Für viele Entwicklungsländer ist dies bekannt. Doch womit keiner rechnet: Analphabetismus ist auch ein Problem in Deutschland.
„Nach unseren Schätzungen leben hierzulande vier Millionen funktionale Analphabeten, die trotz Erfüllung der Schulpflicht nur so gut lesen und schreiben können wie Kinder in der ersten oder zweiten Klasse“, so Peter Hubertus, Geschäftsführer des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung.
Die Folgen des funktionalen Analphabetismus sind für Betroffene gravierend. Aus Scham verheimlichen sie ihr Problem und nehmen viel zu selten Lernangebote wahr. Wer heute die Schule verlässt, ohne über ausreichende Lese- und Schreibfähigkeiten zu verfügen, hat aber fast keine Chance, einen Ausbildungsplatz zu finden. Ebenso ungünstig sind die Beschäftigungsmöglichkeiten für gering qualifizierte Erwachsene, die kaum lesen, schreiben und rechnen können. Viele sind arbeitslos. Erwerbstätige mit Grundbildungsdefiziten müssen sich zumeist mit einfachen und schlecht bezahlten Tätigkeiten abfinden.
„Der Standortvorteil durch qualifizierte Fachkräfte, den Deutschland im internationalen Wettbewerb behaupten muss, lässt sich nur aufrechterhalten, wenn es dem Schulsystem gelingt, alle Schüler so zu fördern, dass sie mindestens mit der Ausbildungsreife die Schule verlassen. Und nur mit der Sicherung von Grundbildung lässt sich die Entstehung von funktionalem Analphabetismus langfristig verhindern“, betont Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, anlässlich des Weltalphabetisierungstags am 8. September 2009 in Berlin.
Entwicklungs- und Forschungsprojekt „Chancen erarbeiten“
Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln beteiligen sich zusammen mit der Universität Bielefeld und dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Regionalbüro Darmstadt, an dem Entwicklungs- und Forschungsprojekt „Chancen erarbeiten“. Dieses Verbundvorhaben hat unter anderem das Ziel, Handlungs- und Bildungskompetenzen funktionaler Analphabeten zu ermitteln, Grundbildungsanforderungen aus betrieblicher Sicht an Schulabsolventen wie auch an berufstätige Erwachsene zu bestimmen. Ebenso sollen arbeitsplatzbezogene Fördermaßnahmen entwickelt werden, um die beruflichen Integrationsmöglichkeiten von Geringqualifizierten mit mangelnden Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern. Die Finanzierung dieses Projektes wie auch von weiteren 26 Forschungsverbünden erfolgt über das Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Zentrale Veranstaltung zum Weltalphabetisierungstag in Berlin
In Deutschland findet die zentrale Veranstaltung zum Weltalphabetisierungstag am 8. September 2009 in Berlin statt. Veranstalter ist die Transferstelle alphabund im UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. und dem Deutschen Volkshochschul-Verband. Schwerpunkt des diesjährigen Programms sind die Themen Alphabetisierung und Grundbildung im Kontext von Wirtschaft und Arbeit. Es werden Erfahrungen internationaler und nationaler Unternehmen und Bildungseinrichtungen vorgestellt, Lernende, Unternehmer und Projektmitarbeiter erhalten die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen und der Bundesverband wird in bewährter Tradition Botschafter für Alphabetisierung und Grundbildung auszeichnen.
Kontakt:
Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Peter Hubertus, Geschäftsführer
Tel.: (0251) 49 09 96-0
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Helmut E. Klein, Projektleiter Alphabetisierung und Grundbildung
Tel.: (0221) 49 81-7 69
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de