Bericht

Deutscher Lesepreis 2018

26.11.2018

Auszeichnungen für herausragendes Engagement in der Leseförderung


„Papa-Zeit“, „Bücherleiter“, „bookbike nrw“ und „Auf dem Weg zum Buch“ heißen einige der innovativen und bewährten Projekte, die am 21. November 2018 im Berliner Humboldt Carré mit dem Deutschen Lesepreis 2018 ausgezeichnet wurden. Der Preis wurde in sechs Kategorien vergeben: individuelles Engagement, kommunales Engagement, Sprach- und Leseförderung in Kitas, Leseförderung an Schulen, Leseförderung mit digitalen Medien und Sonderpreis für prominentes Engagement. Initiatoren des Deutschen Lesepreises sind die Stiftung Lesen und die Commerzbank-Stiftung, unterstützt von engagierten Partnern. Schirmherrin Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, lobte das Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger: „Jede Idee, wie wir junge Menschen fürs Lesen begeistern können, ist willkommen und wichtig. Ob im ländlichen oder urbanen Raum, für Familien oder Schulklassen, gedruckt oder digital: Die Mehrstimmigkeit der heute ausgezeichneten Projekte zeigt, wie abwechslungsreich die Leseförderung hierzulande ist. Diese Vielfalt ist der richtige Weg, um die Neugier eines jeden Kindes auf Geschichten und auch für Literatur zu wecken – ganz gleich, wo es herkommt und was es bereits kann. Lesekompetenz ist zudem Voraussetzung für die erfolgreiche Entwicklung von Medienkompetenz. Der souveräne Umgang mit Medien aller Art ermöglicht aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen und ist Garant für persönliche und berufliche Entwicklungschancen. Neben der Leseförderung ist mir daher auch die Einübung von Medienkompetenz ein echtes Herzensanliegen.“

Herausragendes individuelles Engagement
Mit dem Preis für herausragendes individuelles Engagement, gestiftet von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, werden Personen auszeichnet, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Leseförderung verdient gemacht haben. Dies kann aktives ehrenamtliches Engagement ebenso sein, wie die Initiierung und Umsetzung eigener Ideen zur Förderung der Lesefreude und der Lesekompetenz für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Papa-Zeit
Christian Meyn-Schwarze, Hilden
Gemeinsame Vorlese- und Erlebniszeit für Väter und ihre Kinder zwischen 4 und 8 Jahren, die zeigt, dass Lesen auch „Männersache“ ist.
Weitere Informationen: www.leseoase.wordpress.com/2016/12/17/

2. Preis: Auf dem Weg zum Buch – Leseförderung an Schulen und Kitas
Dorlis Lehr, Braunschweig
Seit 14 Jahren koordiniert Dorlis Lehr ehrenamtlich 170 Lesepaten an Grundschulen und Kitas und organisiert Fortbildungen, Vorträge, Bilderbuchkinos und vieles mehr.
Weitere Informationen: www.buergerstiftungbraunschweig.de/projekte

3. Preis: Bücherleiter
Lucia Häcker, Oberriexingen
Jährliches Büchereiprojekt, bei dem Kinder mit jedem gelesenen Buch eine symbolische Leiter erklimmen und für ihre Lektüre belohnt werden.
Weitere Informationen: www.swp.de

Herausragendes kommunales Engagement
In dieser Kategorie, gefördert von der Fachgemeinschaft buch.netz im Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V., werden Kindertagesstätten, Bibliotheken, Vereine, Unternehmen, Universitäten sowie Organisationen und kommunale Träger ausgezeichnet, die sich in außergewöhnlicher Art und Weise für die Leseförderung vor Ort verdient gemacht haben. Die Bildung lokaler Netzwerke im Sinne einer institutionsübergreifenden und sich wechselseitig ergänzenden Projektzusammenarbeit wurde bei der Auswahl der Preisträger besonders berücksichtigt. Drei Preisträger erhalten ein Preisgeld von insgesamt 4.500 € (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Mit HIPPY fit für die Schule
Impuls Deutschland Stiftung e. V., Bremen
Hausbesuchsprogramm für Eltern mit Kindern ab 4 Jahren, um sie mit Büchern und Übungsheften auf die Schule vorzubereiten.
Weitere Informationen: www.impuls-familienbildung.de/programme/#Hippy

2. Preis: bookbike nrw – wir kommen!
jugendstil – kinder- und jugendliteraturzentrum nrw, Dortmund
Ein mit Büchern bestücktes Fahrrad, das öffentliche Orte, vorzugsweise in sozialen Brennpunkten, anfährt.
Weitere Informationen: www.jugendstil-nrw.de/bookbike-nrw

3. Preis: Berufsgruppen lesen vor
Leseohren e. V., Stuttgart
Veranstaltungsreihe in Bibliotheken, bei der Polizisten, Feuerwehrmänner und andere in ihrer Arbeitskleidung vorlesen, um Kinder für das Lesen zu begeistern.
Weitere Informationen: www.leseohren-aufgeklappt.de

Herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas
Mit dem Preis für herausragende Sprach- und Leseförderung in Kitas, gestiftet von FRÖBEL e. V., werden Kindertagesstätten ausgezeichnet, die der Vermittlung von Freude an Geschichten und dem Interesse am Lesenlernenwollen in ihrer pädagogischen Arbeit breiten Raum geben. Dazu zählen die Ausstattung der Kindertageseinrichtungen mit Vorlesematerial und Vorleseorten, der alltägliche Umgang mit Geschichten und Büchern, regelmäßige dialogische Vorleseangebote sowie der aktive Austausch der pädagogischen Fachkräfte mit den Kindern und ihren Eltern. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Katholische Tageseinrichtung für Kinder Mariae Heimsuchung
Mainz
Kindertageseinrichtung, die Bilderbücher in das Zentrum ihrer Arbeit stellt und mit Bewegung, Musik, Kunst und Naturwissenschaft verknüpft.
Weitere Informationen: www.kita-mainz-laubenheim.de

2. Preis: Haus für Familien
Mengkofen
Kita mit vielfältigem Sprach- und Leseförderprogramm: Beschäftigung mit Zeitungen und Zeitschriften, Märchenstunden, Kinderparlament, Erzählkino, Vorlesestunden mit Senioren.
Weitere Informationen: www.mengkofen.kreuzschwestern.de

3. Preis: IB Südwest gGmbH in Kooperation mit dem ERV Frankfurt am Main Kinder- und Familienzentrum Griesheim Frankfurt am Main
Kinder- und Familienzentrum, in dem sich Kita und Familienbildung unter einem Dach finden und mit offenen Angeboten wie dem „Plappertaschentreff“ die Sprachbildungsprozesse bei Kindern und ihren Eltern fördert.
Weitere Informationen: www.internationaler-bund.de/standort/210624/

Herausragende Leseförderung an Schulen
In dieser Preiskategorie wird schulisches Engagement ausgezeichnet, das die Lesemotivation und Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern mit einem systematisch aufeinander aufbauenden Programm zum Schwerpunkt „Lesen“ entwickelt und stärkt. Dazu gehören fächerübergreifende Maßnahmen in und außerhalb des Unterrichts, die infrastrukturelle Ausstattung der Schulen mit Lesematerial und eigenen Leseorten, der aktive Einbezug der Elternschaft sowie außerschulische Kooperationen. Der Preis wird von der Arnulf Betzold GmbH, Lehrmittelverlag/Schulversand gefördert. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Friedrich-Dessauer-Gymnasium Aschaffenburg
Strategisches Leseförderprogramm, das sich auf Unterstufenschülerinnen und -schüler aus bildungsfernen Familien fokussiert, um ihnen eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen.
Weitere Informationen: www.fdg-ab.de

2. Preis: Zeppelin-Grundschule Potsdam
Kreative Leseförderung im und außerhalb des Unterrichts: Projektwochen, „Lese-Challenges“ und Ausflüge in die Stadtbibliothek.
Weitere Informationen: www.zeppelin-grundschule.de

3. Preis: Grundschule „Am Stollen“ Ilmenau
Grundschule mit besonderem Leseförderschwerpunkt: differenzierte Gruppenübungen, Hörspiel-AG, Vorlese- und Gedichtwettbewerb.
Weitere Informationen: www.grundschuleamstollen.de

Herausragende Leseförderung mit digitalen Medien
Mit dem Preis für herausragende Leseförderung mit digitalen Medien, gestiftet von der MELO Group GmbH & Co. KG und der Stiftung Kinder fördern – Zukunft stiften, werden Einzelpersonen, Bildungseinrichtungen und weitere Institutionen ausgezeichnet, die die Stärken digitaler Medien und ihren Einfluss auf das Leseverhalten und die Aneignung von Information nutzen, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen (neue) Zugänge zum Lesen zu eröffnen. Digitale Leseförderangebote können verschiedene Apps und unterschiedliche Lesegeräte (Smartphone, Tablet, Computer) einbeziehen und eigenständig oder betreut genutzt werden. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Grundschule St. Johannes Erpel
Unsere multimediale Lesenacht oder „Die Rettung des Wals um Mitternacht“
Multimediale Lesenacht rund um das Kinderbuch „Sams Wal“, bei der Viertklässler den Einsatz digitaler Hilfsmittel erproben.
Weitere Informationen: www.bildung-rp.de

2. Preis: Dr. Dr. Hans-Joachim Jürgens, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Germanistisches Institut
Die Schlossplatzbande. Systematische Leseförderung in der digitalen Welt
Angebot interaktiver Online-Krimis für Kinder, entwickelt auf Grundlagen der Lesedidaktik.
Weitere Informationen: www.uni-muenster.de/schlossplatzbande

3. Preis: Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Tablets im Unterricht – Pilotklassen im Projekt „Meine Zeitung – Schüler lesen die F.A.Z.“, Frankfurt am Main
Crossmediales Zeitungsprojekt, das Schülerinnen und Schülern der Stufen 6 bis 10 Lese- und Medienkompetenz durch den kreativen Einsatz der F.A.Z.-Digitalausgabe auf Tablets vermittelt.
Weitere Informationen: www.sptg.de/projekte/unsere-themen/bildung

Sonderpreis für prominentes Engagement für Bülent Celyan
Leseförderung benötigt Aufmerksamkeit, um ins öffentliche Bewusstsein zu dringen und Unterstützung zu erhalten. Deshalb zeichnet die Commerzbank-Stiftung mit dem Sonderpreis für prominentes Engagement Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die zu Leseförderung, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe beitragen. Der Sonderpreis würdigt das Engagement Prominenter, die mit ihren Aktionen Menschen für das Lesen gewinnen oder mit Hilfe des Lesens auf gesellschaftlich relevante Themen hinweisen. Über das Thema Lesen und Leseförderung bereichern sie das Zusammenleben von Menschen und helfen, unsere Gesellschaft zukunftsfähig zu machen. Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 2.500 Euro, mit dessen Hilfe ein ausgesuchtes vorbildhaftes Projekt der Leseförderung nachhaltig unterstützt wird.

Mit dem Sonderpreis für prominentes Engagement wurde der Mannheimer Comedian Bülent Celyan ausgezeichnet. Mit seiner Stiftung „Bülent Ceylan für Kinder“ unterstützt er Institutionen, die sich für die Förderung und Bildung von Kindern stark machen. Seit 2013 ist Bülent Celyan Lesebotschafter der Stiftung Lesen. Er wirbt mit unterschiedlichen Aktionen – von Schülerlesungen über die Unterstützung des Bundesweiten Vorlesetags bis hin zu Charityauftritten im Fernsehen und auf der Bühne – für das Lesen und ermutigt junge Familien, ihren Kindern früh und regelmäßig vorzulesen.
Weitere Informationen: www.stiftunglesen.de

Sehr zur Nachahmung empfohlen!
Auf der Festveranstaltung mit rund 240 geladenen Gästen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Kultur im Berliner Humboldt Carré betonte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen Dr. Jörg F. Maas: „Lesen ist der Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und erfolgreichen Bildungsbiographien. Die Weichen dafür werden in der Kindheit gestellt. Kindern, die gut und gerne lesen, fällt das Lernen und Konzentrieren oft leichter als ihren Altersgenossen mit geringen Lesekenntnissen. Ich gratuliere und danke den Preisträgern des Deutschen Lesepreises für ihre vorbildhaften Projekte. Sie zeigen neue Wege auf, um junge Menschen für das Lesen zu gewinnen. Sehr zur Nachahmung empfohlen!“

Astrid Kießling-Taşkın, Vorstand des Initiativpartners Commerzbank-Stiftung, ergänzte: „Leseförderung braucht prominente Fürsprecher, die glaubhaft sind. Und das ist Bülent Ceylan. Er nutzt seine Bekanntheit, um für das Lesen zu begeistern. Er trifft den richtigen Ton, wenn er mit den Kindern und Jugendlichen spricht. Er holt sie in ihrem Alltag ab und nimmt sie mit in die Lese-Welt. Wir freuen uns, dass er unser erster prominenter Preisträger ist.“

Hintergründe zum Deutschen Lesepreis
Lesekompetenz ist die entscheidende Grundlage für den Bildungserfolg und den weiteren Lebensweg von Kindern und Jugendlichen. Allerdings zeigen PISA-, IGLU- und die Vorlesestudien der Stiftung Lesen sowie OECD-Berichte für die Lesekompetenz von Kindern in Deutschland seit Jahren große Defizite auf: Rund 3 Millionen Kinder und Jugendliche sind lesebenachteiligt, da ihnen kaum oder wenig vorgelesen wird und sie in der Folge nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz verfügen. Darüber hinaus sind rund 7,5 Millionen Erwachsene hierzulande laut LEO-Studie 2011 funktionale Analphabeten. Für eine funktionierende Gesellschaft bedarf es jedoch der Lesekompetenz all ihrer Mitglieder. Daher ist Leseförderung unabdingbar: überregional ebenso wie vor Ort. Flächendeckend lässt sich dies jedoch nur mit einem breiten gesellschaftlichen und individuellen Engagement umsetzen.

Kontakt:
Thomas Kleinebrink
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
E-Mail: thomas.kleinebrink@stiftunglesen.de
Tel.: (06131) 28890-17
Internet: www.deutscher-lesepreis.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de