Bericht

Mit Worten wachsen! Sprache durch Bilderbücher entdecken

26.04.2017

Sprach-Kitas und Büchereien in guter Partnerschaft


Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein startete am 20. März 2017, dem Weltgeschichtentag, in der Stadtbibliothek Flensburg ein Projekt, das die Zusammenarbeit von Büchereien, Kindertagesstätten und Eltern bei der Förderung der frühkindlichen Sprachentwicklung unterstützen soll. Ziel des landesweiten Projekts „Mit Worten wachsen! Sprache durch Bilderbücher entdecken“ ist es, Kinder in allen Lebensbereichen gezielt in ihrer Sprachentwicklung zu fördern. Das Vorhaben begleitet das Programm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, das von 2016 bis 2020 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird und sich an Kindertageseinrichtungen richtet, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem Bedarf an sprachlicher Bildung und Förderung besucht werden. Deutschlandweit konnten sich Kindertagesstätten für dieses Programm bewerben. Allein in Schleswig-Holstein gibt es mehr als 100 teilnehmende „Sprach-Kitas“ an über 40 Orten in allen Regionen des Landes (Siehe: www.schwerpunkt-kitas.de).

Mit Worten wachsen – in guter Gemeinschaft und nachhaltig
Das Projekt „Mit Worten wachsen“ wird vom Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein gefördert. Es orientiert sich an den Zielen des Bundesprogramms Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist. Eine Kultur, die soziale Vielfalt wertschätzt und die Teilhabe aller unterstützt, ist die Grundlage für Lern- und Bildungsprozesse und Bestandteil einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Bundesprogramm hat vor diesem Hintergrund drei Zielbereiche besonders im Blick: die alltagsintegrierte sprachliche Bildung, die inklusive Bildung und die Zusammenarbeit mit den Familien. Im Folgenden wird erläutert, mit welchen Medien die Arbeit in den drei Zielbereichen unterstützt werden kann.

1. Alltagsintegrierte sprachliche Bildung
Hier geht es darum, Kinder in allen Alltagsbereichen gezielt in ihrer Sprachentwicklung anzuregen und zu fördern. Sprachförderung ist dabei in bedeutungsvolles Handeln eingebettet, durch feinfühlige Beziehungsarbeit begleitet und findet in allen Situationen des Einrichtungsalltags ihre praktische Umsetzung. Sprachliche Bildung geschieht in alltäglich wiederkehrenden Situationen (z.B. Mahlzeiten), freien Spielsituationen (z.B. Rollenspiel) und gezielten Angeboten etwa beim Entdecken von Natur und Umwelt.

Für die Medienauswahl bedeutet das: Bilderbücher beinhalten eine große Vielfalt an Themen, Sprachen und Erzählweisen, die sich unmittelbar in den Alltag integrieren lassen. Mehrsprachiges aus aller Welt gehört ebenso dazu wie Bücher ohne Worte, Anregungen zum Singen und für Fingerspiele, kleine Geschichten und Bilderfolgen, die besonders das dialogische Vorlesen und Erzählen fördern und das Entdecken in der Natur anregen. Immer spielt dabei die Beziehungsqualität im Dialog und in der Interaktion eine besondere Rolle! Für Gruppensituationen wird besonders im bildgestützten Erzählen mit Kamishibai ein gutes Potenzial für dialogische Bilderbuchbetrachtungen gesehen.

2. Inklusive Bildung
Mit Vielfalt umgehen und eigene Stärken entdecken – dieser Ansatz enthält ein großes Potenzial für Sprachanlässe und trägt so zu einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung bei: Kinder werden ermutigt, ihre eigene Identität zu entdecken, Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen und gemeinsame Regeln zu vereinbaren. Im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung können Kinder dabei erleben, wie Aufgaben in heterogenen Gruppen kommuniziert und gemeinsam konstruktiv gelöst werden können. Durch den globalen Horizont ergibt sich dabei ein enger Bezug zu den Themen Migration, Diversität und Gerechtigkeit.

Für die Medienauswahl bedeutet das: Bei Büchern und Geschichten werden inklusive Aspekte wie Diversität und Gerechtigkeit in Text und Bildersprache mit bedacht. Eine gute Hilfe hierfür bietet z.B. das Auswahlverzeichnis der Büchereizentrale Schleswig-Holstein mit Bilderbüchern für Vor- und Grundschulkinder zu den Themen Diversität und Inklusion: Anders...als du denkst!.

3. Zusammenarbeit mit den Familien
Die Familie ist ein wichtiger Bildungsort für Kinder. Eltern erhalten im Rahmen des Projekts vielfältige Anregungen, wie sie auch zu Hause ein sprachanregendes Umfeld schaffen können. Dabei sind Familien aller Kulturen willkommen und bedeuten für die sprachliche Vielfalt eine große Bereicherung.

Für die Medienauswahl bedeutet das: Kitas und Büchereien tragen gemeinsam dazu bei, dass Bücher als Sprachanlässe einen Platz in den Familien finden, z.B. durch Kita-Besuche in der Bücherei, durch kleine „Bücher-Rucksäcke“, mit denen Kinder Bücher aus Kita oder Bücherei in die Familien tragen, durch zweisprachige Bilderbuch-Ausgaben zur Pflege der Herkunftssprache ... oder ... oder ... Es gibt viele Möglichkeiten, um Kommunikation, Teilhabe und Diversität in den Familien zu unterstützen!

Kooperationen zwischen Büchereien und Sprach-Kitas – wie geht das?
Den mehr als 100 Sprach-Kitas in Schleswig-Holstein stehen die öffentlichen Bibliotheken in ihrer Nähe als nachbarschaftliche Partner bei der Sprachförderung mit vielfältigen Medien und Kooperationsangeboten zur Seite. Um die Zusammenarbeit zu unterstützen, hat die Büchereizentrale in Abstimmung mit der Fachberatung des Bundesprogramms „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ die Medienboxen „Mit Worten wachsen“ entwickelt. Insgesamt 20 Boxen in zwei Varianten sowie ergänzend 20 Rahmen für das Kamishibai-Erzähltheater können landesweit über die öffentlichen Büchereien kostenfrei an örtliche Sprach-Kitas entliehen werden.

Inhalte der Medienboxen „Mit Worten wachsen“
Die Medienboxen enthalten vor allem Bilderbücher und Geschichten, die das interaktive und dialogische Sprechen über verschiedene sinnliche, musische und kreative Zugänge anregen. Zusammengestellt wurde die pro Medienbox etwa 15 Titel umfassende Auswahl vom Lektorat der Büchereizentrale unter Berücksichtigung von Erfahrungen und Empfehlungen der Sprach-Fachberaterinnen und der Zielbereiche des Bundesprogramms. Damit Bilderbücher im Rahmen des Projekts unkompliziert in die Familien gelangen können, liegen in den Medienboxen auch kleine „Wochenendrucksäcke“, mit denen Kinder ein oder zwei Bücher zum gemeinsamen Vorlesen, Erzählen und Entdecken mit nach Hause nehmen können.
Medienauswahl der Sprach-Kita-Boxen

Gute Zusammenarbeit und Netzwerkbildung
Die Sprachfachkräfte begleiten die Kitas in den drei Zielbereichen. Sie unterstützen das Team mit Anregungen, Ideen und Projekten für sprachliche Bildung. Das Medium Buch wird so eingesetzt, dass es die Sprachförderung optimal ergänzt. An jedem Tag wird erzählt und diskutiert, werden Fragen gestellt und Spielregeln ausgehandelt, wird gereimt, gerätselt und Geschichten gelauscht, werden Welt und Natur erkundet. Im Austausch und in Kooperation mit den Sprachfachkräften vor Ort können Medienangebote auf die Anliegen des Förderprogramms abgestimmt, gemeinsame Projekte geplant und spezielle Materialien wie z. B. Kamishibai-Erzähltheater durch die Bücherei vor Ort bereitgestellt werden. Praxisideen für Bibliotheken, Kitas und Familien werden ergänzend in einem Weblog der Büchereizentrale online bereitgestellt: www.bz-sh-medienvermittlung.de

Kontakt:
Susanne Brandt
Büchereizentrale Schleswig-Holstein
Lektorat
Postfach 1361
24903 Flensburg
Tel.: (0461) 8606 167
E-Mail: brandt@bz-sh.de
www.bz-sh.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de