Bericht

„Es war krass und hammer!“

18.11.2010

Kopfweide. Junge Literaturtage im Düsseldorfer Schloss Benrath




Im Workshop: Flaschenpost und Briefgeheimnis
Im Workshop: Flaschenpost und Briefgeheimnis
© Joachim Schmidt-Dominé

Zum fünften Mal trafen auf Einladung des Literaturbüros NRW in den Herbstferien schreib- und lesebegeisterte Kinder und Jugendliche aus Düsseldorf und den umliegenden Städten und Dörfern zur „Kopfweide“ zusammen. Ein vielfältiges Programm rund um Sprache und Jugendliteratur in Nordrhein-Westfalen mit Schreibworkshops, Buchbinderei, Lesungen und einer Buch- und Informationsausstellung erwartete sie im Schloss Benrath.
Ziel der Veranstaltung, die seit 2006 in verschiedenen Schlössern und Herrenhäusern Düsseldorfs stattfindet, ist es, den Teilnehmern Einblicke in Ideenfindung und Techniken des Geschichtenerfindens und des Dichtens zu vermitteln. Die Freude am Spiel mit der Sprache und anderen Gestaltungsmaterialien, wie Zeichnungen, Drucktechniken, Collagen, Fotografien oder Buchgestaltung steht dabei immer im Vordergrund. Handfeste Schreibtipps und Anregungen, mit denen viele der Kinder auch nach den Veranstaltungstagen weiter an ihren Geschichten arbeiten, liefern die erfahrenen AutorInnen und KünstlerInnen, die die Workshops leiten, natürlich mit. Die besondere Umgebung des Schosses – auf Einladung der Stiftung Schloss und Park Benrath seit 2009 Veranstaltungsort der „Kopfweide“ –, seine Geheimgänge, prachtvollen Museumsräume und der riesige Park mit alten Bäumen, Gärten und Weihern bieten dabei Inspirationen für die Geschichten.

Die Workshops
„Es war krass und hammer!“ – Das war wohl das dickste Lob, das Projektleiterin Heike Funcke aus der Postbox angeln konnte, die die Veranstalter vom Literaturbüro NRW aufgestellt hatten. Sechzig Kinder und Jugendliche trafen an den beiden ersten Herbstferientagen, am 11. und 12. Oktober, im Düsseldorfer Schloss Benrath zusammen. Sie hatten sich frühzeitig angemeldet, um an einem der fünf Workshops teilnehmen zu können.
Im Workshop „Flora und Faunus“ für die jüngsten NachwuchsschreiberInnen (8 bis 10 Jahre) ging es zurück in die Entstehungszeit des Schlosses. Ein Geschichtenbeginn führte die Kinder mit dem Geschwisterpaar Flora und Faunus ins 18. Jahrhundert. Die beiden verlaufen sich während eines großen Festes nachts im Park – und was geschieht dann ...? Bei Exkursionen in Schloss und Park, sowie aus Bildbänden und über Musik sammelten die Workshopteilnehmerinnen und -teilnehmer Eindrücke des damaligen Lebens im Schloss und spannen dann die Geschichte weiter. Sie illustrierten sie mit Bleisatz-Druckbuchstaben, Zeichnungen und Collagen aus bunten Pappen und Stoffen. So entstand für jedes Kind ein origineller, großformatiger Leporello.
Auch in den anderen vier Workshops nahmen die Kinder und Jugendlichen neben den Erlebnissen und Schreibtipps auch ihre gestalteten Texte mit nach Hause. Dabei ging es um Briefe aller Arten (Flaschenpost und Briefgeheimnis), Krimigeschichten (Täter, Tote, Tatortworte), ums Comiczeichnen und -texten (Comic) und ums Schreiben von Treatments und Drehbuchszenen (Literatur trifft Kino).

Lesung mit Bart Moeyaert
Am ersten Abend schloss sich an die Workshops eine Lesung an. Zu Gast war der belgische Schriftsteller Bart Moeyaert – das war für das Publikum, viele der Workshopteilnehmer/-innen, begleitet von Eltern und Geschwistern – ein besonderes Erlebnis. Bart Moeyaert erzählte sehr lebendig davon, wie er Erzähler und Schriftsteller wurde, las eine Geschichte aus seinem neusten Buch „Du bist da, du bist fort“ vor und beantwortete alle Fragen der Kinder, die in einer langen Schlange zum Signieren der Bücher und Autogrammkarten anstanden.

Abschlusspräsentation im Festsaal
Der zweite Abend gehörte den Kindern und Jugendlichen zur Vorstellung ihrer eigenen Arbeiten. Sie berichteten aus ihrer Workshoparbeit, lasen Geschichten, Briefe und Szenen vor, stellten Comic-Zeichnungen, Leporelli und bunt gestaltete Briefboxen aus. So konnten die Workshop-Teilnehmer/-innen der jeweils anderen Kurse, die versammelten Eltern und Geschwister hören und sehen, was an den beiden intensiven Tagen auf der „Kopfweide“ alles gewachsen ist.

Einhelliges Fazit der Kinder, der Eltern und der Veranstalter: „Kopfweide“ ist klasse! Viele der Nachwuchsschreiber haben auch konkrete Wünsche für die Zukunft geäußert: Fantasy-Geschichten oder Foto-Stories schreiben wurden zum Beispiel als Workshopthemen vorgeschlagen, und ein Wunsch kam häufiger vor: „Macht die Kopfweide länger als zwei Tage.“
Klar ist: Es wird auf jeden Fall 2011 eine neue „Kopfweide“ geben; dank der Unterstützung des Kulturministeriums NRW, der Stadt Düsseldorf, des Competence Center Begabtenförderung und dank der Kooperation mit der Stiftung Schloss und Park Benrath.

Lesungen und Kurz-Workshops für Schulklassen
Zum Programm gehören neben den zweitägigen Ferienworkshops auch drei Schulklassen-Veranstaltungen. Am 2. November trafen diesmal drei Grundschulklassen auf je eine Autorin, bzw. einen Autor. Ruth Löbner („Papa, Jonas und der Tausch-Sonntag“), Claudia Schreiber („Unten Himmel, oben Gras“) und Manfred Theisen („Der kleine Astronaut“) gestalteten den Vormittag mit Lesungen, Gesprächen über den Schriftstellerberuf und Schreibaufträgen für die Schüler/-innen. Mit dem Vorlesen der eigenen Texte und der Besprechung endete der Vormittag.

So erreicht die „Kopfweide“ über die oft lesehungrigen und schreibbegeisterten Workshop-Teilnehmer/-innen hinaus auch Kinder, die erst noch für dieses – in so vieler Hinsicht wichtige – Feld gewonnen werden wollen.

Kontakt:
Heike Funcke
Literaturbüro NRW e.V.
Bilker Straße 5
40213 Düsseldorf
Tel.: (0211) 8284590
Internet: www.literaturbuero-nrw.de


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