Schülertext

Heaven Hell & Pardise

24.06.2010

Ein Buch von Schülern der Schiller-Volksschule Augsburg-Lechhausen





Buchtitel, © Wißner-Verlag
Buchtitel, © Wißner-Verlag
Zwei Jahre lang haben die Schüler der Klasse 9a der Schiller-Volksschule Augsburg-Lechhausen unter Anleitung der Lehrerin und Autorin Heidemarie Brosche an ihrem Buch gearbeitet. Entstanden ist ein Sammelband mit Texten, in denen die jungen Leute von ihren Ängsten und Sorgen, von ihren Hoffnungen und Sehnsüchten erzählen. Das nötige Rüstzeug für das Buchprojekt konnten sich die Schülerinnen und Schüler in Workshops, wie z.B. „Wortsport“ im Literaturhaus München und „Grafik, Layout und Covergestaltung“ in der Medienstelle Augsburg, erwerben. Ausstellungs-, Museums- und Büchereibesuche waren weitere wichtige Stationen des Projekts, bei dem die Jugendlichen nicht nur für die Texte und Bilder zuständig waren, sondern auch für Grafik und Layout, Werbung und Marketing. In den Geschichten geht es u.a. um die schönen Seiten des Lebens, darum, was an der Schule nervt und auch um Gedichte - „Jandl re-covered“ z.B.
Als Leseprobe veröffentlichen wir aus dem Kapitel „Welcome to Paradise“ die Wunschvorstellungen von Denis, Seyhan, Gabriel, Eugen, Sara und Zühal.

Welcome to Paradise - Wunschvorstellungen

Denis
In meinem Paradies sollte es ruhig sein, man sollte alle Sorgen vergessen. Am liebsten würd ich mit meinen Freunden und mit meiner Familie sein. In meinem Paradies wird es Wasserpfeifen geben mit jedem Geschmack. Dieses Paradies gibt es nicht. Es sollten alle Sorgen und alles Negative verschwinden, man sollte eigentlich nur abschalten. Dieses Paradies ist wichtig, eben weil man dort alles vergisst und einfach man selbst sein kann. In diesem Paradies wird keiner landen, weil es sowas nicht gibt. Mein Paradies sollte irgendwo auf einer Insel sein, wo man immer wieder rein und raus kann. Es spielt Musik, leise, aber auch Musik, die anderen gefällt, auf jeden Fall verschiedene Musik und Musik, bei der man abschalten kann. Essen und Trinken gibt es auch, aber was, darf jeder selbst entscheiden. Jeder darf das fühlen, was er will, nur keinen Stress. Mein Paradies ist einfach nur zum Abschalten da.

Seyhan
Für mich lebe ich schon in einem Paradies, denn ich habe alles, was ich brauche: meine Familie, meine Freunde, etwas zum Essen und Trinken. Immer wenn ich an die Menschen, insbesondere an die Kinder in Afrika bzw. auch in anderen armen Ländern, denke, stelle ich mir vor, wie gut ich es eigentlich habe. Ich kann mir etwas leisten, ich kann essen und trinken, was ich will. Und die Kinder in Entwicklungsländern? Sie haben fast nie etwas zum Essen oder Trinken. Sie sterben sogar aus Hungersnot. Die Menschen dort würden alles dafür tun, um so zu leben wie wir. Und wir sind nicht einmal dankbar dafür. Sie würden alles dafür tun, um nur so zu leben wie wir, deshalb denke ich, wir sollten auch mal an diese Menschen denken und wirklich dankbar sein für das, was wir haben. Wegen Kleinigkeiten regen wir uns so auf, weil wir vielleicht mal etwas nicht bekommen oder weil wir manchmal Probleme haben, oder weil wir nicht in die Schule gehen wollen, aber müssen. Wenn man an die Kinder in solchen Ländern denkt: Sie wollen freiwillig in die Schule, aber sie können nicht, sie wollen sich weiterbilden, aber haben nicht die Möglichkeiten. Anstatt froh zu sein, dass wir in die Schule gehen können, regen wir uns auf. Wir machen einen Aufstand, weil wir gerade mal nicht die Markensachen tragen können, die wir wollen, doch die Menschen dort haben nicht einmal etwas Gescheites zum Anziehen. Deshalb, wenn ich an solche Menschen denke und solche Menschen sehe, denke ich, dass ich schon in einem Paradies lebe.
Hier aber dennoch mein persönliches Paradies: Ich habe einen Super-Job, wo ich gut verdiene. Eine Familie, also einen Lebensgefährten, mit dem ich mich gut verstehe, Kinder, die glücklich sind. Ein Haus in der Nähe von einem Wald, also frische Luft und auch Grünes um uns herum. In diesem Paradies wäre für mich auf jeden Fall Frieden wichtig. Wo es wirklich keinen Streit und keine Gewalt gibt. Paradies kann auch auf Erden sein, man muss es nur wollen. Paradies ist nicht nur in Fantasien. Für jeden heißt Paradies was anderes. Für mich ist dieses sehr wichtig, man muss sich immer wieder überlegen, was man in der Vergangenheit und in der Gegenwart erlebt hat, und was man aus seiner Zukunft machen will, zumindest ändern will. In meinem Paradies sollte es so sein, dass wirklich alle in meinem Leben zufrieden sind. Ich glaube, ich könnte sogar in diesem Paradies landen, wenn ich es nur will. In meinem Paradies kann es natürlich nicht nur Gutes geben, denn man lernt aus Fehlern, und Fehler kann man und sollte man auch machen. Man fühlt in meinem Paradies nur gute Sachen. Furcht oder Angst wird nicht existieren. Ich hoffe, dass ich mein Paradies eines Tages erreiche.

Gabriel
Mein Paradies war im Burger-King. In meinem Paradies war ich der Einzige drin. Ich hatte eine freie Auswahl, weil Tausende von Burgern fertig gegrillt waren. Besonders wichtig war, dass ich der Einzige war. Auf keinen Fall durfte jemand anderer drin sein, es war ja mein Paradies. Anstatt dass ich mit Geld rumspielte, spielte ich mit Essen. Das Paradies ist mir wichtig, weil es dort meine Lieblingsburger gibt. In der Woche besuche ich mein Paradies zwei- bis dreimal. In meinem Paradies sieht man Tausende von Burgern, und es riecht nach Ketchup, Senf und Barbecue. Man hört den Grill, die fertigen Pommes. Zum Trinken gibt es auch verschiedene Sorten, z. B. Cola, Fanta, Schorle, Wasser. Heute nach der Schule besuche ich wieder mein Paradies.

Eugen
Die meisten Menschen verbinden das Paradies mit dem Himmel, ich dagegen finde, dass wir schon das eigentliche Paradies leben dürfen. Denn wo sonst, wenn nicht auf der Erde, könnte es einem Menschen besser gehen? Nur würde es in meinem persönlichen Paradies weniger Leiden geben, weil der Mensch sich in seinem besten Alter befinden würde. Es würde keine Krankheiten geben, der Himmel würde immer blau sein. Es würde keinen Tag und keine Nacht geben, keine Gewalt und kein Verbrechen. Jeder Mensch würde mit seinem Leben zufrieden sein.

Sara
So stelle ich mir mein Paradies vor: an einer Insel mit klarem türkis-blauen Meer, mit vielen schönen großen Muscheln. Man sollte nur das Geräusch vom Meer hören, es sollte nach Blumen duften und es sollten viele verschiedene Blumen sein. Mit einer Kuschelecke, wo ich mit meinen Freunden alleine chillen kann. Es sollte mit vielen verschiedenen Cocktail-Getränken, Lieblingstorten und Essen sein. An diesem Strand sollte es sehr heiß sein, wo wir dann den ganzen Tag nur schwimmen können. An diesem Strand sollte es auch ein kleines Schiff geben mit einer Tanzfläche und meiner Lieblingsmusik, damit wir dort tanzen und einfach nur unseren Spaß haben können. Damit wir uns einfach nur ausruhen können ohne Stress.

Zühal
Ein Paradies für mich ist, wenn ich alleine bin und über alles, was ich so erlebt habe, nachdenken kann – ohne dass mich jemand dabei stören kann. Klar gehören zum Paradies auch Menschen, die ich liebe. Ich mag es dennoch gerne, alleine zu sein, da ich es liebe, in meine Gedanken versunken zu sein. Rundherum muss alles friedlich laufen.

Über das Projekt:
Das Buch Heaven „Hell & Pardise“ ist das Ergebnis eines Projektes, welches durch die Förderung des Programms „STÄRKEN vor Ort“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ermöglicht wurde. Dieses Programm wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union kofinanziert.

Das Buch:
HEAVEN HELL & PARADISE
Wißner-Verlag 2010
ISBN: 978-3-89639-753-9
EUR 6,50

Kontakt:
Heidemarie Brosche
E-Mail: email@h-brosche.de
Internet: www.h-brosche.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de