Bericht

Mein Papa liest vor!

11.06.2010

Ein Projekt für familienfreundliche Unternehmen





Projektflyer
Projektflyer
© Stiftung Lesen 2010
Neugierig und offen, tolerant und aufgeschlossen – solche und ähnliche Eigenschaften wünschen sich die meisten Eltern für ihre Kinder. Damit Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen können, brauchen sie Eltern, die sie in diesem Entwicklungsprozess unterstützen. Bücher und Geschichten spielen dabei im Familienalltag eine große Rolle, denn sie eröffnen Kindern neue Welten und fremde Kulturen, sind Schlüssel zu Fantasie, Bildung und Kommunikationsfähigkeit.

Die aktuellen Vorlesestudien der Stiftung Lesen haben ergeben, dass Väter in diesem Lebens- und Lernbereich präsenter sein könnten, sie treten als Vorleser und vorlesende Vorbilder für ihre Kinder deutlich weniger in Erscheinung als Mütter. Damit verpassen sie eine wichtige Chance, positiven Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder, vor allem ihrer Söhne, zu nehmen.

Aus diesem Grund haben die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ und die Stiftung Lesen das Projekt „Mein Papa liest vor“ ins Leben gerufen. Dabei können Unternehmen ihren beschäftigten Familienvätern Geschichten und Praxistipps zum Vorlesen als Downloadmöglichkeiten im Intranet zur Verfügung stellen und sie so motivieren, einen aktiven Part in der Familienarbeit zu übernehmen.

Die Zusammenarbeit der beiden Stiftungen ermöglicht es, neue Wege zu gehen, um vor allem Väter zu animieren, sich auf das Abenteuer Vorlesen einzulassen. Die Studien und die Leseförderungskompetenz der Stiftung Lesen auf der einen Seite und das aktivierende Zugehen der „hessenstiftung - familie hat zukunft“ auf berufstätige Familienväter auf der anderen haben ein innovatives Produkt ermöglicht, das mindestens zwei Zielgruppen zu Gewinnern macht: Kinder und ihre Väter.

Staatssekretärin Petra Müller-Klepper, Vorstandsvorsitzende der „hessenstiftung – familie hat zukunft“, und Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, sind überzeugt, dass jedes Unternehmen gewinnt, das den Vorleseservice anbietet.

Vorteile einer familienfreundlichen Unternehmenskultur
Von einem familienfreundlichen Unternehmen profitieren alle: die Arbeitnehmer, weil zufriedene Eltern effektiver und konzentrierter arbeiten, die Unternehmen, weil so gute Arbeitskräfte gewonnen und gehalten werden können und nicht zuletzt die Gesellschaft, weil Kinder die beste Investition in die Zukunft sind.

Viele Firmen haben längst die Vorteile einer familienfreundlichen Unternehmenskultur erkannt und setzen diese innovativ um. Um die Familienfreundlichkeit als integrierten Bestandteil der Personalpolitik weiter zu etablieren und dabei vor allem die Väter in den Fokus zu rücken, bietet das Projekt die Chance, den beschäftigten Vätern ein einzigartiges Service-Angebot zur Verfügung zu stellen.

Deshalb haben die „hessenstiftung – familie hat zukunft“ und Stiftung Lesen für hessische Unternehmen einen kostenlosen Vorleseservice für Väter am Arbeitsplatz in Form von Beiträgen für das Firmen-Intranet entwickelt. Mit der Teilnahme an „Mein Papa liest vor“ ermöglichen die Betriebe ihren Angestellten, das eigene Engagement innerhalb der Familie nachhaltig zu erhöhen. Gleichzeitig helfen die Unternehmen, die Bildungschancen der Kinder ihrer Mitarbeiter zu verbessern. Als familienfreundliche Unternehmen motivieren sie ihre männlichen Mitarbeiter, als lesende Vorbilder für ihre Kinder stärker in Erscheinung zu treten und ihre Rolle als prägende (Lese-)Förderer ihrer Kinder wahrzunehmen.

Kostenloser Vorleseservice für Väter am Arbeitsplatz
Den teilnehmenden Unternehmen wird einmalig ein umfassendes Vorlese-Dossier mit Hintergründen und Tipps zum Vorlesen als Download-Möglichkeit für das Intranet zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus erhalten alle Firmen regelmäßig neue Vorlese-Geschichten, ebenfalls als Download-Möglichkeit für das Intranet. Bei den Vorlese-Geschichten werden die unterschiedlichen Interessen von Jungen und Mädchen sowie die verschiedenen Altersgruppen berücksichtigt.

So haben Väter die Möglichkeit, sich Dossier und Vorlesegeschichte am Arbeitsplatz auszudrucken und ihren Kindern abends oder am Wochenende die jeweils neue Geschichte vorzulesen. Auf diese Weise ist das Thema „Vorlesen“ für die Väter präsent und sie haben einen Anreiz, ihren Kindern vorzulesen!

Die Unternehmen haben mit „Mein Papa liest vor“ die einzigartige Möglichkeit, ihren männlichen Mitarbeitern ein gesellschaftlich relevantes und nachhaltiges Thema über das Firmenintranet nahezubringen und so positiven Einfluss auf die Familienkultur ihrer Mitarbeiter zu nehmen.

Moderne Vaterschaft
Der Vater als Ernährer der Familie? Dieses Rollenbild hat sich deutlich verändert. Moderne Väter wollen aktiv und ernsthaft am Leben ihrer Kinder teilhaben und ihr Aufwachsen begleiten. Sie sehen sich nicht länger nur in der Versorgerrolle, sondern bringen sich zunehmend in die Familienarbeit ein. Die Studie „Männer in Bewegung“ der beiden großen Kirchen und des BMFSFJ1 zeigt eine eindrucksvoll gestiegene Bereitschaft moderner Väter, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und so die Vater-Kind-Beziehung positiv zu gestalten.

Auch in Hessen ist deutlich zu beobachten, dass die Lebensvorstellungen von Männern im Umbruch sind. So nehmen mittlerweile 19 Prozent aller Väter in Hessen Elternzeit und 70 Prozent geben an, nicht nur Ernährer ihrer Familie sein zu wollen.

Diese Trendwende wird von Müttern und Vätern als bereichernd wahrgenommen, und gerade Väter empfinden die mit den Kindern verbrachte Zeit als einen Zuwachs an Lebensqualität. Wie wichtig der Beitrag der Väter zu einem gelingenden Entwicklungsverlauf ihrer Kinder ist, wird deutlich in den Langzeitstudien von Dr. Karin Grossmann und Prof. Klaus Grossmann2. Dort zeigt sich, dass der Input von Vätern Einfluss auf wichtige Kompetenzen im Jugend- und Erwachsenenalter hat, z. B. soziale Kompetenz. Deren Entwicklung steht laut Grossmann in Bezug zu einer hohen Feinfühligkeit des Vaters beim Spielen mit dem Kind.

Diese ermutigenden Entwicklungen, die Bereitschaft der Väter zur emotionalen Investition in ihre Kinder und die gesellschaftliche Akzeptanz einer neuen Vätergeneration sind Grundlage für das Projekt „Mein Papa liest vor“. Sicherlich wollen zukunftsorientierte und familienfreundliche Unternehmen diese Tendenzen unterstützen.

Väter und Vorlesen
Trotz dieser positiven Entwicklungen gibt es jedoch nach wie vor Bereiche des Familienlebens, an denen Väter wenig teilhaben. Dazu gehört auch einer der zentralen Aspekte der Sprach- und Leseförderung: das familiäre Vorlesen. Kinder, die mit Büchern aufwachsen, werden vielfältig gefördert, z. B. in der auditiven und visuellen Wahrnehmung, der Sprachentwicklung, der Fantasie und der Konzentration. Darüber hinaus trainiert regelmäßiges Vorlesen Empathie, vermittelt Lesefreude und langfristig bessere Bildungschancen. Vorlesen ist der maßgebliche Baustein in der familiären Lesesozialisation. Dabei sind Väter wichtige Vorbilder, gerade für Jungen. Fallen sie als Vorleser weg, kann sich dies ungünstig auf ihre Lesesozialisation auswirken.

Laut den Vorlesestudien 2008 und 2009 der ZEIT, der Deutschen Bahn und der Stiftung Lesen3 geben nur 8 Prozent der befragten Kinder an, meistens von ihrem Vater vorgelesen zu bekommen. Umso erstaunlicher ist, dass 76 Prozent der befragten Väter das Vorlesen wichtig für die Entwicklung eines Kindes halten. Wie also entsteht diese Diskrepanz?

Als Hauptgrund für ihr geringes Vorleseengagement nennen Väter
a) dass ihnen die Zeit zum Vorlesen fehle (55 Prozent)
b) dass es genüge, wenn ein Elternteil vorlese und dies die Mutter erledige (55 Prozent).

Deutlich wird: Die modernen Väter wollen, dass ihren Kindern vorgelesen wird, tun dies aber aufgrund von Zeitmangel und bestehenden Rollenverteilungen selten selber. Das ist nicht nur für Väter und Kinder bedauerlich, auch der Großteil der Frauen wünscht sich einen Partner, der sich für die Bildung der Kinder engagiert.

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Mein Papa liest vor“, mit dem Mitarbeiter motiviert werden können, aktiv Sprachkompetenz und Lesefreude bei ihren Kindern zu fördern, an.

Kostenlose und unverbindliche Anmeldung im Projektbüro
Unternehmen, die die Bewusstseinsbildung ihrer Mitarbeiter als lesende Rollenvorbilder ihrer Kinder befürworten und proaktiv dazu beitragen möchten, die Bildungschancen der Kinder ihrer Mitarbeiter zu verbessern, sind bei „Mein Papa liest vor“ genau richtig. Unternehmen, die sich für diese Bildungsmaßnahme anmelden, erhalten einmalig das Vorlese-Dossier sowie wöchentlich eine neue, von der Stiftung Lesen ausgewählte, Vorlesegeschichte – beides als Download-Versionen – für ihr Intranet.

Projektbüro:
Irina Wartenpfuhl
Stiftung Lesen
Referat Familie und Kindertagesstätte
Tel.: (06131) 288 90 40
Fax: (06131) 28890 49
E-Mail: irina.wartenpfuhl@stiftunglesen.de

Herausgeber:
hessenstiftung – familie hat zukunft
Dr. Ulrich Kuther
Darmstädter Straße 100
64625 Bensheim
Tel.: (06251) 7005-31
E-Mail: u.kuther@hessenstiftung.de
Internet: www.hessenstiftung.de

Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Internet: www.stiftunglesen.de

Quellenangaben:
1 „Männer in Bewegung – zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland“ ein Forschungsprojekt der Gemeinschaft der Katholischen Männer Deutschlands und der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2009

2 Grossmann, K., Grossmann, K.E., Kindler, H., & Zimmermann, P., “A wider view of attachment and exploration: The influence of mothers and fathers on the development of psychological security from infancy to young adulthood”. In J. Cassidy & P. R. Shaver (Eds.), Handbook of attachment: Theory, research, and clinical applications. 2nd Ed., Chapter 36 (pp. 857-879). New York: Guilford Press, 2008

3 Vorlesestudie „Mama wird’s schon richten – Warum Männer nicht vorlesen“ der Deutschen Bahn AG, der ZEIT und der Stiftung Lesen, 2009
Vorlesestudie „Vorlesen im Kinderalltag“ der Deutschen Bahn AG, der ZEIT und der Stiftung Lesen, 2008

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