Bericht

Fachwissen für erwachsene Leseanfänger

25.02.2010

Leicht verständliche Texte informieren über die „Rechte Szene“


Titelseite des Themenheftes
Titelseite des Themenheftes
© BVAG e.V.
Für Jugendliche, die beim Lesen und Schreiben Schwierigkeiten haben, ist die Auswahl an geeigneten, ansprechenden, verständlichen und leicht lesbaren Materialien sehr gering. Diese Angebotslücke will das Projekt „a³ - Alphabetisierung, Arbeitswelt, Ausbildung“ schließen und Materialien für Lernende und Lehrende erstellen, die einerseits den Jugendlichen helfen, ihren (Berufs-)Alltag besser zu meistern und ihre Schriftsprachkompetenzen zu verbessern und andererseits den Pädagogen helfen, Themen für diese spezielle Zielgruppe aufzubereiten und in die Praxis einzubinden. Im Projektzeitraum bis Dezember 2011 werden Materialien zu den Themen „Arbeit und Beruf“, „Politik und Geschichte“, „Gesundheit“ sowie „Freizeit und Hobbies“ ausgearbeitet. Alle Themenhefte sowie die dazu passenden pädagogischen Handreichungen werden auf der Internetseite des Projektes Chancen erarbeiten – a³ zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt.
Im folgenden Beitrag erläutern die Verfasser der Materialien Einsatzmöglichkeiten der Themenhefte und pädagogischen Handreichungen und geben einen Überblick über den Inhalt des Themenheftes „Rechte Szene“.

Materialien für Lernende der Lernniveaustufe 2
Die Themenhefte sind sowohl für das Lernen in der Gruppe als auch zum individuellen Lernen konzipiert.
Jugendliche in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen, ausbildungsbegleitenden Hilfen, in Schulklassen, Jugendverbänden und Alphabetisierungskursen können mit den Materialien lernen und arbeiten.
Die Themenhefte sind geeignet für Lernende, die mindestens auf der Lernniveaustufe zwei sind. Mehr Information zu den Lernniveaustufen finden Sie auch im „Orientierungsrahmen Alphabetisierung und Grundbildung“ des Deutscher Volkshochschul-Verbandes.

Fachwissen, Denkanstöße und handlungsorientierte Aufgaben
Die Themenhefte vermitteln Fachwissen und liefern weiterführende Denk- und Diskussionsanstöße. Zudem haben wir einige handlungsorientierte Aufgaben für junge Erwachsene formuliert.
Sie können das Heft vielseitig nutzen: Entweder die Themen und Fragen von oben bis unten durcharbeiten oder gezielt einzelne Kapitel, Themen und Aufgaben für die Lernenden auswählen und ausdrucken.
Wir haben für den Text bewusst viele Fragen und Aufgaben entwickelt, damit Sie und Ihre Jugendlichen gezielt geeignete Übungen aussuchen können. Wir bieten Ihnen in den Themenheften unterschiedlich schwierige Aufgaben und Methoden an, um Ihnen die pädagogische Binnendifferenzierung etwas zu erleichtern. Als Orientierungshilfe dienen Punkte (eins bis drei) für den Schwierigkeitsgrad und den Arbeitsaufwand neben den Aufgaben. Die einzelnen Methoden und Aufgaben sind von Heft zu Heft unterschiedlich. Eine Übersicht finden Sie in den jeweiligen Handreichungen für Lehrende zu den jeweiligen Themenheften. Neben vielen Methoden- und Aufgabenvorschlägen bietet die pädagogische Handreichung weiterführende Informationen zu dem jeweiligen Thema, wie zum Beispiel Literatur- oder Internethinweise.

Vielseitig einsetzbare Materialien
Die Themenhefte sind erweiterbar und anpassungsfähig, so dass Sie es auf Ihren individuellen Bedarf zuschneiden und ergänzen können. Gegenüber einem klassischen Buch bieten wir Ihnen die erweiterte Funktionalität durch Querverweise, die wir als Hyperlinks innerhalb des Dokuments kenntlich gemacht haben. Zudem können Sie und Ihre Lernenden viele weiterführende Links nutzen. Wir haben Ihnen viele Videos und Fotos als Auseinandersetzungs- und Anschauungsmaterial zusammengestellt.
Sie können das Heft ausdrucken, die multimedialen Zugänge gemeinsam über einen Beamer nutzen oder die Kursteilnehmer am PC arbeiten lassen. Durch das aktive pdf-Format kann der Lernende die Aufgaben am PC ausfüllen und zur Kontrolle oder zur Archivierung ausdrucken.

Ein Quiz als Lernkontrolle
Nicht zuletzt haben wir ein Glossar für zentrale Begriffe und schwierige Wörter in leicht verständlicher Sprache formuliert.
Zudem gib es in jedem Themenheft ein Quiz nach dem Vorbild von „Wer wird Millionär“. Es kann als Lernkontrolle genutzt werden, zu Beginn der Themeneinheit als Anreiz dienen oder einfach zum Spaß gespielt werden.
Die Schriftart SemikolonPlus wird in den vorliegenden Themenheften verwendet. Sie zeichnet sich durch reduzierte und eindeutige Buchstabenformen für leichteres Lesen aus. Erwachsenengerecht gestaltet zielt SemikolonPlus darauf ab, das Verwechslungsrisiko ähnlicher Zeichen zu minimieren und leistet so einen Beitrag dazu, Leseanfänger in der Erwachsenenbildung zu motivieren und das Lernen zu fördern. Weitere Informationen unter typo.signic.de.

Aufbau des Themenheftes „Rechte Szene“
Wir haben das Themenheft in neun verschiedene Bereiche aufgeteilt.
Nach einem Vorwort, das den Lernenden sowohl Einblick in die Struktur gibt als auch auf die Inhalte neugierig machen soll, beschäftigt sich das erste Kapitel mit grundlegenden Begriffserläuterungen, der historischen Einordnung des Phänomens sowie einem Überblick über rechte Strukturen in Deutschland und ihre Ausprägung. Hier soll auch ersten, oft gängigen Vorurteilen entgegengewirkt werden (z.B. dem Vorurteil, dass rechte Tendenzen sich vorwiegend auf die neuen Bundesländer beschränken oder dem Vorurteil, dass sich die rechte Szene ausschließlich aus Männern zusammensetzt).

Das zweite Kapitel behandelt aktuelle Vorstellungen und Denkweisen der rechten Szene. Hier werden Inhalte rechten Denkens gebündelt und anhand einzelner Fragmente dargestellt. Diese Fragmente können zusammengenommen als Kern-Ideologie der rechten Szene verstanden werden.

Im dritten Kapitel geht es um die handlungsorientierten Ausformungen der rechten Szene. Sowohl die Außenorientierung der Rechten als auch Besonderheiten der rechten Subkultur werden dabei herausgestellt. Dem Kapitel liegt die Annahme zugrunde, dass die Lernenden die meisten Berührungspunkte mit rechter Ideologie über Medien wie Musik oder Internet erfahren bzw. direkten Werbe- oder Einschüchterungsmaßnahmen im Zuge von Demonstrationen, Flugblättern oder direkter Gewalt ausgesetzt sind oder sein werden. Wir empfehlen Ihnen das abschließende Kapitel, in dem die aktuellen Werbe- und Köder-Strategien der rechten Szene, die gezielt versucht, verschiedene Jugendsubkulturen anzusprechen, offen gelegt werden.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit den Merkmalen der rechten Szene. Hierbei wird mit Vorstellungen und Vorurteilen über das Erscheinungsbild von Rechten aufgeräumt. Es werden drei „Typen“ aktueller rechter Erscheinungsbilder entgegengesetzt. Im Anschluss möchten wir durch die detaillierte Auflistung rechter Kleidungsmarken, Symbole und Codes, (numerische) Abkürzungen sowie Parolen dem „Versteckspiel“ der rechten Szene entgegen wirken.

Das fünfte Kapitel setzt sich mit dem Zusammenhang der rechten Szene und unserer Gesellschaft auseinander. Dahinter steht die Annahme, dass die rechte Szene, um erfolgreich werben zu können, auf Anknüpfungspunkte im Denken der Bürger zurückgreift. Diese Anknüpfungspunkte und rechtspopulistische Ansätze in der Bevölkerung stehen hier im konkreten Vergleich zu den rechten Ideologien. Das Ziel ist, den Lernenden bestimmte „Gefährdungsbereiche“ des eigenen Denkens sowie verbreiteter, vorurteilsbehafteter Annahmen deutlich zu machen. Dabei wollen wir die gefährliche Nähe zum rechten Gedankengut offen legen.
Wir möchten die Leser anregen, zu prüfen, wie man mit rechten Parolen und Sprüchen umgeht. Komme ich zum Beispiel schnell zu dem Schluss: Das sind extreme Rechte, die so was sagen und mit denen habe ich nichts zu tun? Dies wäre kontraproduktiv, da es insbesondere Jugendliche in der falschen Sicherheit wähnt, rechten Denkweisen in ihrem alltäglichen Umfeld nicht zu begegnen, da es sich um extreme, gesellschaftlich geächtete ideologische Ausformungen handle. Da die Lernenden aber durchaus Ansätzen rechter Ideologie im täglichen Leben ausgesetzt sind, ist es wichtig, diese zu erkennen und zu benennen. Dabei soll dieses Kapitel unterstützen.

Im sechsten Kapitel geht es um die Ursachen rechter Tendenzen. Hier werden falsche Vorstellungen und Vereinfachungen zum Thema aufgegriffen und überprüft sowie nach wissenschaftlichem Forschungsstand aktuelle Zusammenhänge dargelegt. Im Anschluss daran stellen wir dar, wie die rechte Szene die „Anfälligkeit“ bestimmter Gruppen auszunutzen sucht.
Pädagogen können dieses Kapitel mit besonderer Aufmerksamkeit behandeln, da die empirischen Werte schnell als allgemeingültige Aussagen verstanden werden können. Es gilt hier, in Bezug auf rechte Tendenzen gefährdete Gruppen der Bevölkerung zu erkennen, aber nicht, sie zu stigmatisieren.

Ab dem siebten Kapitel beschäftigt sich das Themenheft verstärkt mit Ideen und Hinweisen für das Engagement gegen Rechts. Hierbei möchten wir die Lernenden zunächst im Umgang mit rechten „Stammtischparolen“ und gängigen rechten Vorurteilen unterstützen, damit sie aktiver auf rechte Äußerungen reagieren können. Der Hintergrund ist, dass sich rechte Rhetorik meist auf bestimmte Bereiche beschränkt. Parolen werden gebetsmühlenartig wiederholt. Oft machen sie aufgrund ihres Populismus oder wegen des Schock-Effekts sprachlos. Um solche Vorfälle zu vermeiden, sollten die Jugendlichen Kenntnis über rechte Rhetorik und gängige Inhalte erlangen sowie Tipps und Gegenargumente bekommen. So können sie gut informiert dagegen halten.
Im weiteren Verlauf des Kapitels liefern wir den Lernenden Anregungen und Vorschläge für die Auseinandersetzung mit der rechten Szene. Hierbei handelt es sich um konkrete Ideen und Anleitungen. Jugendliche können sie in ihrem alltäglichen Umfeld der Schule, des Kurses oder Arbeitsplatzes umsetzen. Diese beginnen im Kleinen, wie z.B. mit dem Aktiv-werden gegen rechte Profile auf Internetseiten wie dem Schüler-Verzeichnis, weisen aber auch darüber hinaus den Weg zu komplexeren Aktionen, bei denen das eigene Umfeld, die Schule o.ä. aktiviert werden können (siehe das Projekt „Schule ohne Rassismus“). Wir weisen auch auf Gefahren hin, wenn man sich gegen Rechts engagiert. Denn es drohen verbale und körperliche Gefahren seitens dieser Szene. Besonders hier ist es wichtig, eigene Ressourcen einschätzen zu können und das Vorgehen in Bedrohungssituationen zu verfestigen. Hierfür dient der letzte Abschnitt des Kapitels mit konkreten Tipps in gefährlichen Situationen.

Im achten Kapitel werden verschiedene Projekte gegen Rechts vorgestellt. Ziel ist es, den Lernenden sowohl die große Bandbreite des Engagements gegen Rechts vorzustellen, als sie auch zu eigenen Ideen, Aktivitäten und Projekten zu motivieren.

Im neunten Kapitel wird der Lernende über das staatliche Vorgehen gegen Rechts informiert. Abschließend wird in einem abrundenden Überblick über die rechte Szene der Kreis zu den anfangs gestellten Fragen geschlossen und ein Ausblick auf aktuelle und zu erwartende Entwicklungen gegeben.

Im zehnten Kapitel befindet sich ein Quiz im Stil von „Wer wird Millionär“ mit 37 Fragen.
Nach diesem Kapitel schließt das Glossar an.

Unterstützung für lese- und schreibungeübte junge Erwachsene
Viele junge Menschen haben große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Sie können die Schrift im Alltag kaum anwenden und nur sehr unleserlich und mit vielen Rechtschreibfehlern schreiben. Manche von ihnen kennen die Buchstaben, können aber nicht lesen. Andere verstehen leichte Texte, haben jedoch massive Probleme beim Schreiben.
Jährlich verlassen etwa 75.000 Jugendliche in Deutschland die Schule ohne Abschluss. Etwa 23% der befragten Jugendlichen erreichten bei der PISA-Studie maximal die unterste Lesekompetenzstufe.
Nach statistischen Schätzungen des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. können vier Millionen Erwachsene in Deutschland nicht richtig lesen und schreiben. Für sie bleiben Texte ein Buch mit sieben Siegeln. Aushänge geben ihnen Rätsel auf. Bücher lesen? Briefe oder Berichtsheft schreiben? Undenkbar! Sie gelten als funktionale Analphabeten und beherrschen die Schrift bestenfalls wie ein Drittklässler.
Es stellen sich eine Menge Herausforderungen für Jugendliche und Erwachsene, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e. V. mit Sitz in Münster setzt sich für die Förderung des Lesens und Schreibens in der Erwachsenenbildung ein und unterstützt lese- und schreibungeübte Menschen.

Das Projekt „Chancen erarbeiten – a³
a³ steht für Alphabetisierung, Arbeitswelt und Ausbildung.
Das Projekt a³ recherchiert den Bestand an gelingenden arbeitsweltorientierten Alphabetisierungs- und Grundbildungskonzepten im In- und Ausland. Die Mitarbeiter entwickeln sowohl Fördermodelle als auch Lehr- und Lernkonzepte zum Übergang in Arbeit und Ausbildung und setzen diese bei Bildungsträgern modellhaft um. Die Ergebnisse werden mit Bildungsträgern, Wirtschaft und Wissenschaft abgestimmt. Das Team entwickelt und erprobt Sensibilisierungs- und Fortbildungskonzepte für Multiplikatoren.
Das Projekt a³ ist ein Projektbereich des Verbundprojekts „Chancen erarbeiten“. Dies ist ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit im Kontext von Wirtschaft und Arbeit für Erwachsene.
Grundbildung ist die Basis für berufsfachliche Qualifizierung. Um einem Mangel an Fachkräften in der deutschen Wirtschaft entgegen zu wirken, sind nachschulische Alphabetisierung und Grundbildung von Jugendlichen und Erwachsenen mit gescheiterten Bildungskarrieren und berufsbegleitende Lernangebote für gering qualifizierte Arbeitnehmer unabdingbar.
Vor diesem Hintergrund zielt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundvorhaben „Chancen erarbeiten“ darauf ab, die Teilhabe am Arbeitsmarkt gering Qualifizierter zu verbessern und Weiterbildungsträgern und Unternehmen entsprechende Konzepte zur Verfügung zu stellen. Zum Erreichen dieser Zielsetzungen werden im Projektverlauf Bedingungen erforscht, Konzepte entwickelt, erprobt und evaluiert, unter denen die Ansprache, der Übergang und der Verbleib gering Qualifizierter in Arbeit und Beruf verbessert werden kann. Dabei soll die zielgerichtete Unterstützung sowohl von Unternehmen als auch von Bildungspartnern erfolgen.


Kontakt:
Andreas Brinkmann
Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Projekt „Chancen erarbeiten – a³“
Berliner Platz 8-10
48143 Münster
Tel.: (02 51) 49 09 96-0
Mail: brinkmann@chancen-erarbeiten.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de