Bericht

Erfolgreiche Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen

19.11.2009

Ein Handbuch definiert Standards und künftige Aufgabenfelder


Titelseite des Handbuchs
Titelseite des Handbuchs
© Bock + Herchen, Bad Honnef
Erstmals liegt ein umfassendes Nachschlagewerk zur Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen vor. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis werden Entwicklung, Stand und Zukunftsperspektiven einer erfolgreichen Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland aufgezeigt sowie Standards und künftige Aufgabenfelder definiert. Die Publikation stellt darüber hinaus 16 Best-Practice-Beispiele aus deutschen Bibliotheken vor, die zur Nachahmung anregen sollen.
Ein umfangreicher Anhang mit weiterführenden Informationsmitteln, Adressen und Ansprechpartnern sowie zahlreiche, teils farbige Fotos bereichern dieses Werk.
Herausgegeben wurde das Handbuch von Prof. Kerstin Keller-Loibl im Auftrag der Expertengruppe Kinder- und Jugendbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. Wir veröffentlichen nachfolgend mit freundlicher Genehmigung das Vorwort der Autorin.

Vorwort
In den letzten beiden Jahrzehnten, vor allem aber nach den Ergebnissen der PISA-Studie 2000, erfuhr die Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland größere Aufmerksamkeit und gewann an Bedeutung. Die letzte umfassendere Publikation zum Thema „Bibliotheksarbeit mit Kindern“ stammt aus dem Jahr 1997 und wurde als Positionspapier vom Deutschen Bibliotheksinstitut herausgegeben. Seitdem hat sich die Bibliotheksarbeit mit dieser Zielgruppe weiter entwickelt, unter anderem bedingt durch die wachsende Bedeutung neuer Medien in der Kinder- und Jugendkultur wie auch durch neue Erkenntnisse in der frühkindlichen Sprach- und Leseförderung und auf dem Gebiet der Bibliothekspädagogik, sodass eine aktuelle Publikation zum Thema dringend geboten ist.
Zur Bibliotheksarbeit mit Jugendlichen steht schon lange eine zusammenfassende Darstellung der Grundlagen wie auch aktueller Entwicklungen und Tendenzen aus. Das vorliegende Handbuch erfüllt den Wunsch nach einer umfassenden und zusammenhängenden Darstellung des Themas „Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen“.

Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland mittlerweile eine große gesellschaftliche und bildungspolitische Bedeutung. Häufiger und kontinuierlicher als jede andere Bevölkerungsgruppe besuchen Kinder und Jugendliche Öffentliche Bibliotheken. Eine zentrale Aufgabe ist die Vermittlung von Basiskompetenzen in enger Zusammenarbeit mit primären Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten und Schulen. Sprachförderung, Leseförderung und die Vermittlung von Medien- und Informationskompetenz gehören zu den Kernaufgaben von Kinder- und Jugendbibliotheken. Mit dem sukzessiven Erwerb dieser Kompetenzen in Kindheit und Jugend werden die Voraussetzungen für ein lebenslanges Lernen geschaffen.

Trotz gemeinsamer Kernaufgaben hat die Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen ganz spezifische, den Lebensabschnitten Kindheit und Adoleszenz angepasste Aufgaben sowie Formen und Methoden der Literatur- und Medienvermittlung. Jugendliche grenzen sich ganz bewusst vom Kindsein ab. Für sie müssen ansprechende Jugendbibliotheken oder -zonen in Öffentlichen Bibliotheken eingerichtet werden. Deshalb wird in dieser Publikation konsequent zwischen einer „Bibliotheksarbeit für Kinder“ und einer „Bibliotheksarbeit für Jugendliche“ unterschieden.

Die vorliegende Publikation, die im Auftrag der Expertengruppe Kinder- und Jugendbibliotheken des DBV entstand, richtet sich in erster Linie an Bibliotheksmitarbeiter1 in der Praxis, Entscheidungsträger im Kultur- und Bildungsbereich und an Auszubildende und Studenten. Sie beschreibt die Entwicklung, den Stand und die Zukunftsperspektiven einer erfolgreichen Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland.
Weitgehend vernachlässigt wird das Thema „Schulbibliotheken in Deutschland“, da die Darstellung der Entwicklung der Schulbibliothekslandschaft wie auch gegenwärtiger Aufgaben und künftiger Entwicklungschancen eine eigene Publikation wert wäre.

Um heutige Konzepte der Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen zu verstehen, Innovationen zu würdigen und Defizite zu erkennen, ist eine Betrachtung wesentlicher Zäsuren in der Geschichte der Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland unerlässlich. Das Verständnis für die Entwicklung der Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit verlangt die Einbettung in den sozialen und historischen Wandel von Familie und Kindheit und den damit verbundenen Erziehungsvorstellungen in Deutschland. Gleichwohl kann in dieser Publikation keine umfassende Darstellung der Geschichte der Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit geleistet werden. Sie will jedoch auf wesentliche Zäsuren aufmerksam machen, die neue oder modifizierte Bibliothekskonzepte hervorgebracht haben. Eine quellenkundliche Aufarbeitung der Geschichte der Kinder- und Jugendbibliotheken von den Anfängen bis in die Gegenwart steht noch aus.
Die Darstellung der Theorien und Konzepte der Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen reicht bis in die unmittelbare Gegenwart. Es wird nachgewiesen, dass mit Beginn des 21. Jahrhunderts eine verstärkte Profilierung der Kinder- und Jugendbibliothek als Bildungseinrichtung erfolgt. Kapitel 1 skizziert wichtige Wegmarken dieser Entwicklung, benennt Defizite und zukünftige Aufgaben.

In Kapitel 2 und 3 werden theoretische Grundlagen und Standards der Bibliotheksarbeit mit Kindern und Jugendlichen in getrennten Kapiteln dargestellt. Um Gemeinsamkeiten und Unterschiede erkennbar werden zu lassen, wurden in beiden Kapiteln weitgehend analoge inhaltliche Aspekte bearbeitet. Auch hier ist keine Vollständigkeit angestrebt. Vielmehr galt es, den Ist-Stand der Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit in Deutschland zu beschreiben, Standards zu definieren und auf zukünftige Entwicklungen zu verweisen, soweit sich diese aus der gegenwärtigen Bibliotheksarbeit durch Innovationen abzeichnen oder durch Anregungen aus der internationalen Bibliotheksarbeit ableiten lassen.

Viele Modellvorhaben im deutschen Bibliothekswesen sind vorzeigbare Glanzlichter, aber ihre Nachhaltigkeit ist begrenzt. Für die vorliegende Publikation wurden deshalb Projektbeispiele und Praxisprojekte ausgewählt, die entweder durch ihre konsequente Weiterentwicklung und Fortsetzung oder durch ihre Breitenwirkung und Erprobung der Übertragbarkeit überzeugen und damit Nachhaltigkeit erzielen. Kapitel 4 stellt innovative Projekte und Bibliothekskonzepte deutscher Kinder- und Jugendbibliotheken vor, die zur Nachahmung anregen sollen.
Eine „Infothek“ mit Adressen von Organisationen und Institutionen, weiterführenden Informationsmitteln und wichtigen Ansprechpartnern sowie ein Literaturverzeichnis und ein Register vervollständigen das Handbuch.

Autorin:
Prof. Kerstin Keller-Loibl
Fakultät Medien
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Publikation:
Keller-Loibl, Kerstin
Handbuch Kinder- und Jugendbibliotheksarbeit
Im Auftr. der Expertengruppe Kinder- und Jugendbibliotheken des Deutschen Bibliotheksverbandes e.V. hrsg.
Bad Honnef : BOCK + HERCHEN, 2009.
326 S. Ill. ISBN 978-3-883-47268-3

Anmerkung:
1Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für beiderlei Geschlecht.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de