Bericht

Bücherbaby-Aktion in der Stadtbibliothek Bremen

29.07.2009

Rückenwind für die Lesestart-Kampagne


Ein Biderbuch vom Kinderarzt
Ein Biderbuch vom Kinderarzt
Um junge Familien zum regelmäßigen Vorlesen zu motivieren, verteilen Kinderärzte im Rahmen der bundesweiten Kampagne "Lesestart - Die Lese-Initiative für Deutschland" bei der U6-Untersuchung Lesestart-Sets mit Bilderbüchern, Elternratgebern, Mitmach-Tagebüchern und Buchempfehlungen. Die Stadtbibliothek Bremen unterstützt die zweite Runde dieser zukunftsweisenden Initiative zur frühkindlichen Leseförderung. Vorlese-Lätzchen, Gutscheine für eine kostenlose SchnupperBibCard für Mama oder Papa und ein Lese-Rezeptblock für die beteiligten Kinderärzte sollen die Aktion für junge Familien zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Sita Freihold, Koordinatorin für Leseförderung an der Stadtbibliothek Bremen, erzählt, warum der kleine Leon so gern in die Bibliothek kommt.

Krabbel-Pool und Wickeltisch in der Bibliothek
Den ersten Kontakt mit der Stadtbibliothek Bremen hatte Leon (2,5 Jahre) vor gut einem Jahr beim Kinderarzt. Bei der Vorsorgeuntersuchung U6 bekam er vom „Onkel Doktor“ eine kleine Tasche mit spannenden Lese-Schätzen: ein Pappbilderbuch, Informationsbroschüren für die Eltern sowie ein buntes Vorlese-Lätzchen mit einem lustigen Bild des Bibliotheksraben Kessi drauf. Beigelegt war auch ein Gutschein über eine BibliotheksSchnupperCard, mit der Mama oder Papa 6 Monate lang das Angebot der Stadtbibliothek kostenlos nutzen konnten. Simone (38), Leons Mutter, nahm dieses Angebot gern an und ist sehr erfreut über das umfangreiche Angebot für junge Familien: „Da gibt es eine extra Abteilung nur für Eltern, mit Erziehungsratgebern und Beschäftigungsbüchern und so weiter. Da bekommt man auch viele Anregungen, wie man das Kind optimal fördern kann.“ Für Leon waren die Besuche in der Stadtbibliothek von Anfang an etwas Besonderes, denn während Mama sich bei den Eltern-Kind-Ratgebern umschaut, kann er im angrenzenden Krabbel-Pool unzählige Pappbilderbücher mit allen Sinnen „begreifen“. Natürlich gibt es genug Platz für Kinderwagen und auch der Wickeltisch ist nicht weit.

Angehende Leser im Kinderbuch-Figurentheater
Seit seinem 2. Geburtstag darf Leon am wöchentlichen Bilderbuchkino teilnehmen. Auch wenn er die Geschichten noch nicht bis ins letzte Detail versteht, ist er jedes Mal begeistert dabei und genießt es sichtlich, zwischen vielen großen Kindergartenkindern den Geschichten zu lauschen und die an die Wand projizierten Bilder zu betrachten. Danach spielt er meistens noch mit ein paar anderen Kindern im Kinderbuch-Figurentheater. „Dadurch kennt Leon schon Pippi Langstrumpf, das Urmel und andere Helden aus Kinderbuchklassikern. „Ich wette, später will er die Bücher dann unbedingt mal selbst lesen“ sagt sein Vater Markus (43). Durch das regelmäßige Bilderbuchprogramm und die Beschäftigung mit den Kinderbuchfiguren hat die Lust auf Bücher und Geschichten bei Leon stark zugenommen, so dass seine Eltern beschlossen, dass jetzt ein guter Zeitpunkt wäre, eine eigene kostenlose BibCard für Leon anfertigen zu lassen. Bei der Anmeldung erwartete Leon eine Überraschung: Neben der bunten BibCard erhält er ein Minibuch, in dem der Bibliotheksrabe erklärt, wie die Bibliothek funktioniert. Und auf der Rückseite gibt es eine Treuestempelaktion - für vier Stempel gibt es ein kleines Geschenk. „Seitdem ist Leon ganz heiß darauf, dass wir jede Woche in die Bibliothek gehen. Es macht ihm so viel Spaß, sich einen Stempel bei der netten Bibliothekarin abzuholen.“ berichtet Simone lachend. „Wir unterstützen das gern, weil er dadurch schon ganz früh die Liebe zu Büchern entwickelt.“

Kontakt:
Sita Freihold
Stadtbibliothek Bremen
Am Wall 201
28195 Bremen
Tel: (0421) 361 59 125
E-Mail: sita.freihold@stadtbibliothek.bremen.de

Rückenwind für die Lesestart-Kampagne
Seit Mai 2008 haben mehr als 250.000 Eltern und ihre einjährigen Kinder im Rahmen der kinderärztlichen U6-Vorsorgeuntersuchung kostenlose Informationsmaterialien zum Thema Vorlesen erhalten. Am 5. Juni 2009 begann die zweite bundesweite Verteilungswelle mit weiteren 250.000 Lesestart-Sets. Im zweijährigen Projektzeitraum profitiert somit ein Drittel aller Eltern mit einjährigen Kindern von diesem Angebot zur Lese- und Sprachförderung für Kleinkinder, das die Stiftung Lesen zusammen mit zahlreichen Unternehmen der Druck- und Papierbranche, Verlagen, Sozial- und Bibliotheksverbänden durchführt. Großen Zuspruch findet die Maßnahme nicht nur bei der Zielgruppe. Auch Politiker landauf – landab, allen voran Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, halten die Lesestart-Initiative für eine wichtige frühkindliche Bildungsmaßnahme, die über die teilnehmenden Kinder- und Jugendärzte, allen Familien, egal welcher Herkunft, zugute kommt.

Lesestart-Aktion mit der Bremer Senatorin Ingelore Rosenkötter
Das Konzept der Lesestart-Kampagne überzeugt auch Ingelore Rosenkötter, die Bremer Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales, Ausrichterin der diesjährigen „Jugend- und Familienministerkonferenz“.

Vorlesestunde in der Stadtbibliothek
Vorlesestunde in der Stadtbibliothek
© Stiftung Lesen
Gemeinsam mit vier Amtskolleginnen und -kollegen aus anderen Bundesländern stand sie nach dem offiziellen Konferenzende am 5. Juni 2009 für eine besondere Lesestart-Aktion zur Verfügung: In verschiedenen Ecken und Nischen der Kinderbuchabteilung der Bremer Stadtbibliothek lasen sie und der Hamburger Senator für Soziales und Familie, Dietrich Wersich, der Bildungsminister Holger Rupprecht aus Brandenburg, die Sozialministerinnen Manuela Schwesig aus Mecklenburg-Vorpommern und Dr. Gerlinde Kuppe aus Sachsen-Anhalt rund 50 Bremer Kindergarten- und Grundschulkindern vor.
„Es ist eine zentrale Aufgabe der Familienpolitik, alle Kinder ans Lesen heranzuführen und ihnen somit Zugang zu einer unverzichtbaren Schlüsselqualifikation der modernen Wissensgesellschaft zu ermöglichen“, so Rosenkötter, „die Lesestart-Initiative liefert dafür ein schlüssiges Konzept und hilft, die Infrastruktur in der frühkindlichen Sprach- und Leseerziehung in allen Bevölkerungsgruppen, insbesondere in bildungsfernen Schichten und Familien mit Migrationshintergrund, nachhaltig zu verbessern.“

Schnell hatten sich die jungen Zuhörer in der Zentralen Kinderbibliothek in Kleingruppen aufgeteilt, um gemeinsam mit den fünf ungewöhnlichen Vorlesern in fantastische Buchabenteuer einzutauchen.
„Ich finde es echt gut, dass sich Politiker auch einmal für so etwas Zeit nehmen“, erklärte Max (9 Jahre), der die Grundschule an der Karl-Lerbs-Straße besucht. Sein Lehrer Stefan Dirschauer, der mit seiner Klasse regelmäßig Buchaktionen durchführt, ist überzeugt: „Vorlesen ist ein ganz einfaches und gleichzeitig wirksames Mittel, um Kinder an die spannende Welt der Bücher heranzuführen.“
Sita Freihold, die Koordinatorin für Leseförderung an der Stadtbibliothek Bremen, Sabine Bonewitz von der Stiftung Lesen, sowie die Erzieherin Birgit Ocko, die mit Kindern der Kita Kinderinsel Sonnenschein zur Lesestart-Vorlesestunde gekommen war, sind sich einig, dass das Vorlesen gerade für kleine Kinder eine große Hilfe bei der Sprachentwicklung darstellt, mit der man gar nicht früh genug beginnen kann. „Bibliothekspädagogische Programme wie diese finden bei uns regelmäßig statt und stellen auf spielerische Weise Kinder- und Jugendbücher in den Mittelpunkt“, berichtete Sita Freihold.

Positive Zeichen aus Sachsen und Bayern
Bis Mai 2010 läuft die Lesestart-Kampagne. Zurzeit versucht die Stiftung Lesen intensiv eine flächendeckende Projektfortsetzung anzustoßen, die zusammen mit den vielen regionalen Lesestart-Netzwerken weiterlaufen kann. Bislang wird die Initiative überwiegend von der Privatwirtschaft, vor allem von Unternehmen aus dem Maschinenbau getragen. „Wir hoffen sehr, dass unser Lesestart-Konzept nun Schützenhilfe von den Ländern, Kommunen und dem Bund erhält und mit deren Unterstützung fortgeführt werden kann“, erklärten Dr. Markus Heering, VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik, einer der Hauptsponsoren des Projekts und Kai Büntemeyer, Geschäftsführer der Kolbus GmbH & Co.KG.
„Positive Zeichen in diese Richtung haben bislang das sächsische Sozialministerium mit der Finanzierung des Lesestart-Modellprojektes und das Bayerische Familienministerium mit der regionalen Aufstockung im ersten Projektjahr gesetzt. Wenn diese beispielhaften Initiativen Schule machen und alle Bundesländer zur Finanzierung einer Lesestart-Vollversorgung beitragen, kann „Lesestart“ auf lange Sicht ein nachhaltiges Bildungsangebot sein, von dem alle jungen Familien profitieren“, ergänzte Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen.

Die Lesestart-Initiatoren:
Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V., Amazon.de GmbH, Bertelsmann AG, drupa-Messe Düsseldorf GmbH, Frankfurter Buchmesse, Gruner + Jahr AG & Co KG, Heidelberger Druckmaschinen AG, Koenig& Bauer AG, KOLBUS GmbH & Co. KG, L.N.Schaffrath DruckMedien GmbH & Co. KG, manroland AG, Papierfabrik Albbruck/Myllykoski, Polar Mohr Maschinenvertriebsgesellschaft GmbH & Co. KG, PrintPromotion, Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH, Stiftung Lesen, Verband der Druckfarbenindustrie im Verband der Mineralfarbenindustrie e. V., Voith AG

Die Sozialpartner:
Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.
Bundeselternrat
Der PARITÄTISCHE Gesamtverband e. V.

Ideelle Partner:
Bundesverband Druck und Medien e. V.
Die Bibliotheksverbände

Projektleitung:
Sabine Bonewitz
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
Tel.: (06131) 28890 – 39
E-Mail: Sabine.bonewitz@stiftunglesen.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de