Bericht

Schule einmal ganz anders - Keine Hausaufgaben nach Schulschluss

20.07.2009

ZEUS-Award 2009 in der Kategorie „Bester Text / Beste Recherche“


Feierliche Ehrung der Preisträger
Feierliche Ehrung der Preisträger
Die feierliche Verleihung der ZEUS-Awards 2009 im GOP Varieté-Theater in Essen war der krönende Abschluss zweier erfolgreicher Projektrunden von "ZEUS - Zeitung und Schule" in Nordrhein-Westfalen. Die Beiträge der jungen  Nachwuchsreporter wurden in den Kategorien "Bester Text / Beste Recherche“, „Bestes Foto“, „Beste Zeus-Aktion“ und „Bester Beitrag einer Förderschule“ sowie erstmals mit dem Sonderpreis „Zeus-auf-Schalke“ ausgezeichnet. Mitglieder der Chefredaktionen von WAZ, NRZ, WR und WP überreichten die Preise.
Wir veröffentlichen die prämierten Texte der Kategorie „Bester Text / Beste Recherche“ von Felix Piontek aus der Klasse 10d des Gymnasium Petrinium in Brilon. In zwei Beiträgen berichtete Felix in der Westfalenpost Brilon über seinen Gastaufenthalt am Wargentins-Gymnasium in Östersund im nordschwedischen Jämtland.

Teil 1: Schule einmal ganz anders
Zwei Wochen Ferien - herrlich! Und ich gehe zur Schule - freiwillig! Als Gastschüler drücke ich die Schulbank in Östersund im nordschwedischen
Jämtland. Mein erster Ferientag ist auch mein erster Schultag - am schwedischen Wargentins-Gymnasium. Gleich zu Beginn treffe ich eine der drei (!) Schulleiterinnen. Alle übrigens ziemlich jung. Mia Kvist begrüßt mich im Foyer. Ein wenig nervös bin ich, aber dank des unkomplizierten Empfangs löst sich meine Aufregung in Luft auf. Da ich gar kein Schwedisch spreche, wird die Verständigung für die nächsten zwei Wochen auf Englisch oder mit Händen und Füßen laufen.
Mit Max Brumée, der mir vorher in einer E-Mail angekündigt hat, dass er sich um mich kümmern wird, geht es gleich in meine neue Klasse. Für zwei Wochen bin ich jetzt Teil der SPO8b, das wäre bei uns die elfte Klasse.
Der Unterricht findet teilweise in einem Gebäudekomplex statt, der sich NEU nennt. Das hat nichts mit unserem Wort „neu” zu tun, sondern heißt „Närings Livsintegrerad Ekonomi Utbildning”. Was das allerdings genau heißt, habe ich während meines Aufenthaltes nicht hundertprozentig herausbekommen. Eins ist aber klar: In diesem Gebäude haben die Schüler Unterricht, die sich für den sozial-ökonomischen „Pfad” entschieden haben.

Meine erste Stunde ist Mathe. Hier erlebe ich die erste Überraschung: Anstatt - wie befürchtet - den selben schweren Stoff wie in Deutschlandzu üben, lernen wir ein Thema, das in meiner Briloner Klasse schon vor zwei oder drei Jahren an der Reihe war. Schön!!! Zu meiner Überraschung dauert die Mathestunde nicht die in Deutschland typisch-hektischen 45 Minuten, sondern 65 Minuten. Genug Zeit, um alles zu verstehen - sogar in Mathe! In den anderen Fächern dauern die Stunden mal 40 Minuten, manchmal 160 Minuten.

Kostenloses Mittagessen
Nach Mathe gibt’s Naturkunde. Das Thema kenne ich schon aus der siebten Klasse - „Ökologie”. Danach heißt es: eine Stunde Mittagspause. Neuland erwartet mich. Es gibt jeden Tag frisch gekochtes Essen aus der schuleigenen Küche.
Zum Glück bekomme ich direkt eine Magnetkarte, mit der ich in den Speisesaal komme. Das Essen ist nicht nur kostenlos, es ist auch - jedenfalls meistens - sehr lecker.
Wer nach dem Essen Lust auf Süßes hat, kann sich in der Cafeteria, die sehr chic wie eine Strandbar aussieht, etwas zu essen oder trinken kaufen - hier ist auch genug Platz zum Sitzen und Quatschen.

Band aus Deutschland
Laut Stundenplan steht am nächsten Tag Schwedisch an. Eigentlich gar nicht so schwer, klingt wie eine Mischung aus Englisch und Deutsch. Doch statt der Schwedischstunde erwartet mich ein Frühstück einiger Klassen und im Anschluss daran eine Art Wettbewerb. Die Fenster des NEU-Hauses müssen gezählt und das Bild eines Wikingers muss besorgt werden. Meine Gruppe löst das im Handumdrehen, indem wir in der Bibliothek aus demInternet ein Wikingerbild ausdrucken.
Die Aktion ist extrem lustig und lockert den Schulalltag auf. Als Highlight spielt später in der Aula noch eine Blues-Band - man höre und staune - aus Deutschland.
Danach geht der Unterricht weiter. Dienstags gibt es so eine Art Mentorenstunde. Hier können Schüler über Probleme sprechen. Auf dem Speiseplan in der Schulmensa stand an diesem Tag ein typisch schwedisches Essen: Köttbullar (Hackfleischbällchen, IKEA lässt grüßen!), Preiselbeeren, Kartoffelpüree und braune Soße; Vitamine inklusive vom Salatbuffet.
Dann lerne ich ein neues Fach kennen: Ökonomie, ein Mix aus Sozialkunde und BWL. Ist sicher interessant, wenn man Schwedisch verstehen würde... Ich rate dann mal fröhlich vor mich hin.

Teil 2: Keine Hausaufgaben nach Schulschluss
Auf ein Neues: Französisch-Unterricht in Schweden. Da meine schwedische Klasse erst seit den Sommerferien Französisch lernt, ist der Unterricht für mich nach dem Abschalten im Schwedisch-Unterricht beim letzten Mal leicht.
Dann folgt das lang ersehnte Fach: Deutsch. Juhu!!!!! Heimatgefühl! Endlich Gelegenheit mal wieder meine Muttersprache zu sprechen. Meine Deutschlehrerin bemerkt mich zunächst gar nicht, erst als sie sieht, dass ich kein Namensschild vor mir stehen habe, fragt sie mich - zum Glück zur Abwechslung mal auf Deutsch -, was ich hier mache. Dieses Mal kann ich mich auf Deutsch vorstellen - nach so viel Englisch eine schöne Sache.

Kommt mir bekannt vor
Ich werde gleich in den Unterricht eingebunden - wirklich flexibel diese Schweden! Meine Mitschüler sollen Fragen an mich richten. Aber wie Jugendliche in meinem Alter nun mal sind, trauen sie sich nicht, in einer fremden Sprache zu fragen. Kommt mir bekannt vor. Ich sage nur: Schwedisch-Unterricht. Mein nächster Einsatz ist dann bei den Vokabeln: Ich soll vorlesen, damit die anderen die korrekte Aussprache lernen. Schon irgendwie seltsam, Worte vorzulesen als seien sie komplizierte Fremdsprachenbegriffe, obwohl man sie aus dem Alltag kennt.

Nach dieser sehr interessanten Deutschstunde habe ich Erdkunde und Sport. In Erdkunde erlebe ich wieder eine Überraschung. Meine schwedische Klasse behandelt genau das gleiche Thema wie meine Briloner, nämlich das Thema „Klima”. Aber hier in Östersund ist das Thema interessanter verpackt: Wir unternehmen eine Klima-Reise von Jokkmokk - welche Ironie, dieser Ort kam bei uns in Deutschland in einem Erdkundetest vor - bis nach Südafrika; das Ganze wird als Powerpoint-Präsentation gezeigt. Denn im NEU-Haus gibt es gleich zwei Computerräume, bestens ausgestattet. Ich weiß jetzt übrigens auch, wie der Unterrichtszweig heißt, von dem ich im ersten Teil berichtet habe, den deutsche Schüler nicht kennen: „Lebensintegrierte ökologische Ausbildung”.
Szenenwechsel: Nach einer kurzen Mittagspause sind zwei Stunden Erdkunde dran. Dann haben wir schulfrei. Und das Beste im Vergleich zum deutschen Schulsystem ist, dass es keine Hausaufgaben gibt. Schule findet eben nur in der Schule statt!

Autor: Felix Piontek, Klasse 10 d, Gymnasium Petrinum, Brilon

 

Alle Gewinner der ZEUS-Awards 2009

Bester Text / Beste Recherche:
Felix Piontek, Klasse 10d, Gymnasium Petrinium, Brilon
"Schule einmal ganz anders" und "Keine Hausaufgaben nach Schulschluss"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der Westfalenpost Brilon, verantwortliche ZEUS-Projektredakteurin: Kerstin Eigendorf.

Karoline Bott, Klasse 8c, B.M.V.-Schule, Essen
"Hilfe in schwersten Zeiten"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der NRZ Essen, verantwortliche ZEUS-Projektredaktion: Stephan Hermsen, Philipp Ortmann

Jenny Büchler, Simon Büngener und Joel Duhme, Klasse 9a, Konrad-Adenauer-Hauptschule, Meschede-Freienohl
"Berühmter Hauptschüler"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der Westfalenpost Meschede, verantwortliche ZEUS-Projektredakteurin: Ute Tolksdorf

Bestes Foto
Maren Mucks, Klasse 8a, Gesamtschule Schwerte
Bebilderung des Beitrags "Ruhig bleiben und Hände waschen"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der WR Schwerte, verantwortliche ZEUS-Projektredaktion: Theo Körner, Tim Rahmann

Beste Aktion
Karina Sauer, Sophie Blöcker, Nadine Kadura, Klasse 8d, Gymnasium Essen-Nord-Ost, Essen
"Schimpfe für Schwangere"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der NRZ Essen, verantwortliche ZEUS-Projektredaktion: Stephan Hermsen, Philipp Ortmann

Bester Beitrag einer Förderschule
Patrick Ehlich, Klasse 10, Schule am Bomberg, Marsberg
"Suche nach den Wurzeln"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der Westfalenpost Brilon, verantwortliche ZEUS-Projektredakteurin: Kerstin Eigendorf

Sonderpreis "Zeus-auf-Schalke"
Taifun Karakulak und Max Klein, Klasse 9b, Franz-Stock-Gymnasium, Arnsberg
"Ich hatte wochenlang Todesangst"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der Westfalenpost Arnsberg, verantwortliche ZEUS-Projektredakteurin: Kerstin Figge

Yesim Ergin und Patricia Haimann, Klasse 8a, Josef-Albers-Gymnasium, Bottrop
"Sieben Stunden Action"
Erschienen auf der ZEUS-Seite der WAZ Bottrop, verantwortliche ZEUS-Projektredaktion: Marie-Luise Schmand, Ellen Andresen

 

Das Projekt ZEUS Zeitung und Schule
Die Journalistenschule Ruhr, Aus- und Weiterbildungseinrichtung der WAZ-Mediengruppe, entwickelte 1997 das medienpädagogische Projekt ZEUS Zeitung und Schule. Es richtet sich an die Klassen 8 bis 13 aller Schulformen, von der Förderschule bis zum Gymnasium. Seitdem lesen allein in NRW jedes Jahr 50.000 Schülerinnen und Schüler sieben Wochen lang ihre eigene Tageszeitung. Sie recherchieren, führen Interviews und schreiben über ihre Themen auf den ZEUS-Seiten in den Lokalteilen. Betreut von Redakteuren blicken sie hinter die Kulissen des Redaktionsalltags und erfahren, was Journalismus bewirken kann.
Einmal im Jahr werden die besten Beiträge der jungen Reporter von einer Jury in den Kategorien „Bester Text“, „Bestes Bild“, „Beste ZEUS-Aktion“ und „Bester Beitrag der teilnehmenden Förderschulen“ mit dem ZEUS-Award prämiert.
Das ZEUS-Team der Journalistenschule Ruhr arbeitet in NRW mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der Neuen Rhein/Ruhr-Zeitung (NRZ), der Westfälischen Rundschau (WR), der Westfalenpost (WP) und dem Iserlohner Kreisanzeiger (IKZ) zusammen.

Kontakt:
Harald Heuer
ZEUS Zeitung und Schule
Journalistenschule Ruhr
E-Mail: h.heuer@journalistenschule-ruhr.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de