Bericht

1. Berliner Bücherinseln

24.06.2009

Ein Literaturprojekt für Grundschüler





Peter Nieländer in der Humboldt-Bibliothek in Berlin Tegel
Peter Nieländer in der Humboldt-Bibliothek in Berlin Tegel
Ein Buch wird geboren, aber wie geht das? 600 Schülerinnen und Schüler aus 29 Schulklassen wissen jetzt, wie das funktioniert. Die Veranstaltungsreihe Berliner Bücherinseln unter der Schirmherrschaft des Kinderbuchautors Paul Maar bot 16 Autoren und Illustratoren, 3 Verlage, 5 Buchhandlungen sowie 5 Bibliotheken auf, damit Kinder lernen, wie Bücher entstehen und verbreitet werden. Alle wichtigen Stationen auf dem Weg der Herstellung und Verbreitung eines Buches wurden erklärt und erlebbar gemacht. Und der Andrang Berliner Schulen war groß. "Wir mussten vielen absagen, die starke Resonanz zeigt aber, dass ein sehr großer Bedarf an Projekten besteht, die sich mit Leseförderung und Literaturvermittlung befassen. Darauf müssen wir reagieren", sagte Ulrike Nickel, die mit ihrer Agentur kulturkind das Projekt entwickelt und durchgeführt hat.

Kinder entdecken Bücher
Vom 21. April bis zum 17. Juni 2009 konnten Berliner Grundschulkinder ganz aus der Nähe beobachten, wie Bücher entstehen. Sie durften Kinderbuch-Illustratoren über die Schulter schauen und sich erklären lassen, wie Ideen, Skizzen und schließlich farbige Bilder entstehen. Sie sprachen mit Autoren darüber, wie man Gedanken in Worte fasst und wie aus Worten Geschichten entstehen. Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken öffneten ihre Türen und gaben Auskunft darüber, welche Rolle sie bei der Herstellung und Verbreitung von Büchern spielen. Und natürlich wurde viel gelesen.
Ganz bewusst richtete sich dieses kostenfreie Angebot an Schulen, denn an diesem Ort ist es Kindern möglich, unabhängig von sozialer Herkunft, kulturpädagogische Angebote ohne Hemmungen zu nutzen.

Viele Menschen konnten für die Idee der Berliner Bücherinseln begeistert werden, allen voran Paul Maar, der die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat. Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren engagierten sich mit zum Teil sehr persönlichen Beiträgen. Bibliotheken, Kinderbuchhandlungen, Schulen und Verlage unterstützten das Projekt durch die Bereitstellung finanzieller, personeller und räumlicher Ressourcen. So konnte das Projektziel, bei Kindern die Leselust zu wecken und ihnen zu zeigen, welcher Reichtum in Büchern steckt, in der ersten Etappe der Veranstaltungsreihe erreicht werden. Es folgen einige Reaktionen auf die Berliner Bücherinseln 2009.

Lesen fördert die emotionale Intelligenz
"Dass Lesen die Fantasie von Kindern fördert, wurde schon so oft gesagt, dass man kaum noch wagt, dies zu wiederholen. Es gibt aber einen zweiten Aspekt des Lesens: Es fördert die emotionale Intelligenz. Beim Lesen fühlen sich Kinder in die Buchfiguren ein, leiden, ärgern und freuen sich mit ihnen. Sie erspüren die Gefühle anderer Menschen und sie lernen in Büchern neue Welten, andere Welt- und Lebensentwürfe kennen. Schon deshalb ist es wichtig, Kinder früh mit Büchern vertraut zu machen und ihnen die Freude daran zu vermitteln. Denn Kinder, die schon in jungen Jahren zu lesen beginnen und erkennen, welcher Reichtum in Büchern steckt, werden auch als Erwachsene die Lust am Lesen nicht verlieren. Aus diesen Gründen begrüße und unterstütze ich das Projekt Berliner Bücherinseln, bei dem Berliner Grundschulkinder die Gelegenheit haben werden, mit Büchern vertraut zu werden, an verschiedenen Orten zu entdecken, wie Bücher entstehen, dabei Schriftsteller und Illustratoren zu treffen, und zu erfahren, wie aus einer Idee ein Buch wird, wie aus Geschichten Bilder entstehen."

Paul Maar, Schirmherr der Berliner Bücherinseln

"Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."
"Ein Satz von Erich Kästner. Auf die Initiative Berliner Bücherinseln trifft er voll und ganz zu. Überall wird bemängelt, dass heutzutage zu wenig gelesen wird. Nach jeder Pisa-Studie neu. Nur ändert sich leider nicht sehr viel. Umso begrüßenswerter, wenn es nun in Berlin eine weitere Initiative gibt, die versucht, diesen Trend aufzuhalten. Man kann nur hoffen, dass sich immer mehr Mitstreiter finden."

Klaus Kordon, Autor

Direkter Kontakt zu Büchern und Machern ist sehr sinnvoll
"Es ist einfach wichtig, gleichzeitig wunderbar, dass es die Agentur kulturkind gibt, die Kinder an die Bücher und zu den SchriftstellInnen und BuchhändlerInnen bringt, die den Kindern vorlesen und vermitteln, wie Geschichten - und letztendlich die Bücher - entstehen. So ein direkter Kontakt zu Büchern und Machern - rund ums Buch - ist sehr sinnvoll - man sieht es ja auch an den Kindern, wie interessiert sie sind, hört es an ihren Fragen, dass sie Lust bekommen, selbst zu lesen, Hintergründe zu betrachten, kritisch dem Gehörten gegenüber treten, was ja Voraussetzungen für selbständiges Denken ist."

Beate Dölling, Autorin

Kompetente Antworten auf kluge Fragen
"Die Berliner Bücherinseln bringen Kindern nicht nur den Inhalt eines Buches nahe, sondern auch den Entstehungsprozess von der ersten Idee über die Illustrationen und den Druck bis zum Kauf in der Buchhandlung oder dem Ausleihen in der Bibliothek. So gesehen sind diese Veranstaltungen ganzheitlich im besten Sinne! Bei den Lesungen in der Zentral- und Landes-bibliothek war das Interesse der Kinder an den echten Autoren in den vielen klugen und interessierten Fragen spürbar. Wir unterstützen die Berliner Bücherinseln, damit auch zukünftig möglichst viele dieser Fragen kompetent beantwortet werden können."

Benjamin Scheffler, Leiter der Kinder- und Jugendbibliothek in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Der Name Aljoscha Blau bleibt in Erinnerung
"Wir, die Kinder und ich, bedanken uns ganz herzlich für diesen gelungenen Vormittag. Die Kinder waren begeistert, auf diese Weise die Entstehung eines Buches verstehen zu lernen. Die anschließende Nachbereitung im Unterricht 'Wie entsteht ein Buch' zeigte, dass die Kinder die Veranstaltung voller Interesse verfolgt hatten. Mit den Wörtern wie Illustrator, Lektor, Buchbinder usw. konnten sie durch diese anschauliche Veranstaltung umgehen. Der Name Aljoscha Blau bleibt ihnen in Erinnerung."

Monika Köppen, Bernhard-Rose-Schule

Begegnung mit einem Klassiker der Weltliteratur
"Insgesamt war die Veranstaltung 'Wilhelm Tell' mit Barbara Kindermann ein ungewöhnliches Erlebnis für die Kinder und mich und eine geglückte erste Begegnung mit einem Klassiker der Weltliteratur. Weitere Begegnungen werden folgen, denn für unsere Schulbücherei stehen bereits mehrere Klassiker aus dem Kindermann Verlag auf der Wunschliste. Über eine Fortsetzung des Projekts würden wir uns freuen und selbstverständlich auch gern wieder daran teilnehmen."

Barbara Patha, Erpelgrund-Schule

Neugier und Interesse an Literatur wecken
"Die Berliner Bücherinseln sind ein großartiges und vor allen Dingen breites Angebot für Kinder, um Neugier und Interesse an Literatur zu wecken. Dass Verlage, insbesondere Kinderbuchverlage, Bibliotheken, Schulen etc. diese Initiative gerne unterstützen, versteht sich von selbst. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr davon, und Frau Nickel von der Agentur kulturkind wünsche ich weiterhin viel Erfolg für ihre Leseförderungsinitiative."

Heike Clemens, Programmleitung Bilderbuch/Aufbau Verlag

Das Schönste war, mit den Kindern zu zeichnen
"Es einfach schön, als Illustrator und Autor auch mal seinen Schreibtisch zu verlassen und den Kindern erzählen zu können, wie und wo ein Buch entsteht! Das steht nämlich im krassen Gegensatz zu der eigentlichen Arbeit, die relativ einsam und zeitraubend ist... umso schöner ein Podium zu haben, auf dem man erklären kann, das ein Buch nicht im Computer entsteht und man irgendwelche Knöpfe drückt und schon sind die Bilder da, sondern zunächst im Kopf und dann mit der Hand gearbeitet wird ... das Schönste war, mit den Kindern zu zeichnen und ihre Unbefangenheit zu sehen. Das gibt Kraft und echte Inspiration für die nächsten Projekte!"

Peter Nieländer, Autor und Illustrator

Werkstattbericht mit dem Autor und Illustrator Peter Nieländer
"Dem Ravensburger Buchverlag ist es seit jeher ein besonderes Anliegen, dass Kinder Wissen und Lesen als Schlüsselqualifikation dazu entdecken. Darum unterstützen wir immer gern Institutionen, die - wie die Initiative Berliner Bücherinseln - spielerisch Wissen weitergeben und Kinder so auf die spannende Reise in die Welt der Bücher mitnehmen. Bei dem Werkstattbericht mit dem Ravensburger Autor und Illustrator Peter Nieländer hatten drei Berliner Grundschulklassen die seltene Möglichkeit, den Entstehungsprozess eines Buches kennen zu lernen. Sie erlebten einen Autor zum Anfassen und blickten staunend in die Welt hinter dem fertigen Buch. Am Ende schlüpften sie selbst in die Rolle kleiner Illustratoren. Dass unsere drei Veranstaltungen innerhalb kürzester Zeit vergeben waren, zeigt, wie groß das Interesse von Kindern an Buchthemen ist. Was uns natürlich sehr freut."

Ravensburger Buchverlag

BÖRSENBLATT
"Zur Nachahmung empfohlen!"

Fortsetzung im Mai 2010
Die nächsten Berliner Bücherinseln starten im Mai 2010. Angesichts der starken Nachfrage plant Ulrike Nickel eine Erweiterung des Programms: "Wir werden Buchdruckereien und Buchbindereien einbeziehen, Übersetzer und Hörbuchsprecher einladen. Auch Illustratoren und Autoren, die nicht aus Berlin kommen, werden zu Gast sein." Die Umsetzung der für Schüler kostenfreien Veranstaltungsreihe sei nur mit finanzieller Beihilfe des Berliner Senats möglich. Ulrike Nickel hofft auf das erneute Votum des Berliner Senats und des Abgeordnetenhauses für den Kulturprojektfonds, der Kooperationsprojekten wie den Berliner Bücherinseln finanziell hilft. Gut investiertes Geld, meint Nickel: "Lesen ist die Quelle geistiger Entwicklung. Es fördert Kreativität, Phantasie und Reflexionsfähigkeit wie kein anderes Medium."

Kontakt:
Ulrike Nickel
Agentur kulturkind
Platenhofer Weg 82
13503 Berlin
Tel.: (030) 43 66 83 85
E-Mail: kulturkind-berlin@gmx.de
Internet: www.kulturkind-berlin.de


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