Bericht

Schmökern in der Baumhausbibliothek

16.06.2009

Erfolgreiche Lesetage an der Holzhausenschule in Frankfurt am Main


Plakat für die Lesetage
Plakat für die Lesetage
Die Lesetage der Holzhausenschule vom 18. bis zum 20. Mai 2009 waren ein großer Erfolg. Wie ein Funke ist die Leselust auf die Schulkinder übergesprungen. „Wird es wieder Lesetage geben?“, fragen begeisterte Schüler und Lehrer. Die FAZ titelte zur dreitägigen Veranstaltungsreihe an der Frankfurter Grundschule: „Es ist gar nicht so schwer, Kinder fürs Lesen zu begeistern. Man muss es nur richtig anstellen.“
In über 30 Veranstaltungen rund um die Themen Lesen und Buch begegneten die Grundschüler Autorinnen, Illustratorinnen und Geschichtenerzählern. Sie nahmen an verschiedenen Vorleseaktionen teil und konnten im schuleigenen Baumhaus in der magischen Baumhausbibliothek schmökern. Andere besuchten Stadtteilbibliotheken, Buchhandlungen oder Museen. Spontan kündigte sich der Leseclub einer benachbarten Realschule an und las Erstklässlern vor. Einige Klassen nutzten das gute Wetter für spontane Leseaktionen im Park.
Die Ziele der Lesetage lauteten: die Leselust fördern, die Neugierde auf Bücher und Autoren wecken und die Fantasie anregen. All diese Ziele wurden erreicht. Für eine nachhaltigere Leseförderung sorgten verschiedene Rahmenaktionen. So durfte bei der gemeinsam mit der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle veranstalteten Aktion „Liest du schon oder suchst du noch aus?“ eine Klasse mit eigenem Budget Bücher für die Schulbücherei kaufen. Die Titel werden derzeit in den Bestand eingearbeitet und am Ende des Schuljahres in einer Ausstellung präsentiert. Ferner gab es ein Projekt mit dem Hessischen Rundfunk. Kinderreporter interviewten die Autorinnen Dagmar Chidolue und Maja Nielsen für die Büchersendung Lesezeichen. Andere durften hierfür Bücher besprechen (Sendetermine: 6. Juni und 4. Juli 2009).
Schließlich ertönte bereits im März der Startschuss für den „Lesebaum“ der Schule. Jedes Kind darf hier auf einem Leseblatt ein Buch notieren, das es vollständig allein gelesen hat. Aus dem Bäumchen, das mit 50 Blättern begann, ist inzwischen ein ausgewachsener Baum mit vielen Buchtipps geworden.

Lesewettbewerb, Lesekarussell und eine Raumfahrt mit Juri Gagarin
Dagmar Chidolue eröffnete die Lesetage mit einer Lesung aus „Millie in Moskau“ für die zweite und dritte Jahrgangsstufe. Für die vierten Klassen fand ein Lesewettbewerb statt. Die Illustratorin Anke Kuhl zeigte Kindern der ersten Klassen anhand ihres Buches „Cowboy will nicht reiten“, wie ein Bilderbuch entsteht (von der Skizze übers Storyboard und die Reinzeichnung bis hin zur Bearbeitung am Bildschirm). Bei den „Lesestationen international: Freunde – amici – friends – amis – arkadaş“ lasen Lesemütter aus einem mehrsprachigen Bilderbuch von Helme Heine die Geschichte auf deutsch und in den Fremdsprachen vor. Dieses experimentelle Lesekarussell kam bei den Kindern der ersten und zweiten Klasse sehr gut an. Außerdem stand permanent ein Bilderbuchkino für die Klassen bereit. Ein besonderes Highlight war die magische Baumhausbibliothek. Sie befand sich im zweistöckigen Baumhaus der Schule. Hier konnten die Schüler in Kleingruppen in einer beliebten Kinderbuchreihe lesen. Sachbücher ergänzten die Reihe thematisch. Das Areal ums Baumhaus war mit Liegestühlchen und Hängematte bestückt. Daneben hatten die Kinder die Gelegenheit, den Geschichtenerzähler Claus Claussen, Clemens Greve alias Schlosskater Ferdinand, den italienischen Schauspieler Daniele Grievel, die Ratekrimi-Autorin Corinna Harder und die Sachbuchautorin Maja Nielsen in Aktion zu erleben. Letztere ließ Schüler der dritten und vierten Klassen sehr mitreißend an einer Raumfahrt mit Juri Gagarin teilhaben.

Lesen in allen Winkeln und Ecken des Schulhofs
Unter dem Motto „Märchen – 1001 Nacht“ hörten einige Schüler in Kleingruppen an zwei Lesestationen Märchen von Hans Christian Andersen und aus „Tausendundeine Nacht“. Beide Lesungen fanden im Freien statt. Die Station „Andersen“ war mit Lesethron und Biedermeier-Tischchen ausgestattet, während die Kinder Scheherazades Erzählungen vor einem kleinen orientalischen Zelt lauschen konnten. In der „Experimentierküche“ lasen die Schüler der zweiten Jahrgangsstufe über Experimente wie die „Gurkenbatterie“ und führten sie dann durch. Einen rauschhaften Zustand erlebte die Schule mit der Eröffnung des Bücherflohmarkts am letzten Tag. Wie Bienen sammelten sich die Schüler um den Verkaufsstand, um zu Taschengeldpreisen makulierte und von Eltern gespendete Bücher zu erwerben. Danach wurde gelesen, was das Zeug hielt. Auf dem ganzen Schulhof, in allen Winkeln und Ecken saßen Kinder mit Büchern. Sie lasen, betrachteten ihre Neuerwerbungen, blätterten darin, unterhielten sich darüber. Ihren krönenden Abschluss fanden die Lesetage mit einem Konzert des Musikers und Rezitators Oliver Steller. Es war ein besonders ergreifender Moment, als Steller ein Gedicht rezitierte und eine ganze Klasse voller Inbrunst mitsprach: frei und ungezwungen drückte sich hier die kindliche Lust an der Literatur aus.

Hintergrund und Konzept
Die Holzhausenschule ist eine öffentliche Grundschule mit über 400 Schülern mitten in Frankfurt. Sie hat eine Eingangsstufe und bilinguale Klassen. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die musikalische Grundschule.
Die Schulbücherei wird ehrenamtlich von Müttern geführt. Sie ist an den städtischen Verbund der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (sba) angeschlossen. Hierüber bezieht sie Mittel für Neuanschaffungen und erhält professionelle Beratung. Auch die Einarbeitung der Titel in den Onlinekatalog der Schulbüchereien läuft über die sba.
Auf Initiative der Schulbücherei wurde ein Konzept für die Lesetage erstellt. Um die Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten, wurden die Lesetage nicht als klassische Projektwoche organisiert, sondern als Angebote für die einzelnen Klassen konzipiert. Die Klassen blieben in ihrem Verband und hatten über ihre Lehrerin oder ihren Lehrer die Möglichkeit, sich für die Dauer der Lesetage unterschiedliche Projekte mit entsprechend unterschiedlichem Zeitaufwand auszusuchen. So entschied jede Klasse individuell, wie viel Zeit sie für die Lesetage investieren wollte. Das Konzept der Lesetage beruhte auf drei Säulen:

  1. Außenangebote: Führungen in Büchereien und Museen sowie Besuche von Buchhandlungen
  2. Lesungen und Veranstaltungen
  3. Der Ideenpool: eine fächerübergreifende Sammlung von Ideen, Anregungen und Aktionen zu den Themen Lesen und Buch, die dem Kollegium als Kompendium zur Verfügung gestellt wurde

Der Zeitaufwand für die angebotenen Aktionen war unterschiedlich groß, wodurch sie den individuellen Bedürfnissen und Interessen der Klassen entsprechen konnten.

Optimale Voraussetzungen
Die Ausgangsbedingungen für die Lesetage waren optimal: Neben der professionellen Konzeption und Organisation gab es eine ideale Verzahnung von Schulleitung, dem Kollegium allgemein und der für die Schulbibliothek zuständigen Lehrerin im Besonderen, es gab engagierte Eltern und einen finanziell gut aufgestellten Förderverein. Zudem konnten Drittmittel in einem nennenswerten Umfang eingeworben werden, was es ermöglichte, die Lesetage in dieser Form stattfinden zu lassen.

Konzept und Organisation:
Swantje Marschhäuser

Kontakt:
Holzhausenschule – Grundschule mit Eingangsstufe und bilingualen Klassen
Bremer Str. 23
60323 Frankfurt
Tel.: (069) 21235256
E-Mail: poststelle@holzhausenschule.frankfurt.schulverwaltung.hessen.de


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