Bericht

Transferstelle alphabund

19.05.2009

Forschung zur Alphabetisierung und Grundbildung von Erwachsenen


Erwachsene erlernen das Lesen und Schreiben
Erwachsene erlernen das Lesen und Schreiben
Der Tatsache, dass Analphabetismus kein Problem ist, das nur Entwicklungsländer betrifft, trägt zurzeit der Förderschwerpunkt „Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung“ Rechnung, für den das Bundesministerium für Bildung und Forschung 30 Milionen Euro zur Verfügung stellt. Diese Initiative ist ein deutscher Beitrag zur Alphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen, die im Jahr 2003 begann.
Schätzungsweise 4 Millionen Erwachsene in Deutschland beherrschen das Lesen und Schreiben nicht in dem Maße, wie es der heutige Alltag für eine umfassende Teilhabe erfordert. Sie sind funktionale Analphabeten und das, obwohl sie durchaus die Schule besucht haben. Die Möglichkeit der Erhebung exakter Zahlen wird durch eines der Forschungsvorhaben evaluiert. Eine Schwierigkeit ist, dass Betroffene aus Angst vor Ausgrenzung die Anonymität bevorzugen.

Grundlagenforschung und Entwicklung praxisnaher Konzepte
Derzeit sind 94 einzelne Projekte in 21 Verbünden damit befasst, die festgestellte Problematik zu erforschen und praxisnahe Konzepte zu entwickeln. Einige der Teilprojekte, wie z.B. iCHANCE, wurden bereits bei „Lesen in Deutschland“ vorgestellt. Die Herausforderungen an die Projekte sind vielfältig und auf unterschiedliche Aspekte des Themas bezogen. Neben umfangreicher Grundlagenforschung wird an effektiver Beratung sowie Verfahren zur Professionalisierung der Lehrenden gearbeitet. Ein Schwerpunktbereich der Förderinitiative beschäftigt sich zudem mit den Grundbildungsanforderungen in der modernen Arbeitswelt. Ziel ist es unter anderem, Verfahren und Module zur arbeitsweltbezogenen Grundbildung zu entwickeln und fundierte Empfehlungen für die betriebliche Bildungsarbeit zusammenzustellen.

Ergebnistransfer und Vernetzungsarbeit
Den Überblick über alle Ergebnisse der Projekte behält die Transferstelle alphabund, die am UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen in Hamburg angesiedelt ist. Ihre Aufgaben lassen sich in vier Transfer-Domänen zusammenfassen:

  • Vernetzung der Projektverbünde
  • Aufbau von Kooperationen zwischen Projekten und potenziellen Nutzern
  • Sensibilisierung gesellschaftlicher Akteure und der Öffentlichkeit
  • Aufbau nationaler und internationaler Querverbindungen

alphabund - eine gemeinsame Identität aller Akteure
Die Transferstelle gab der Forschungsinitiative mit alphabund den Namen, der gemeinsam mit dem Logo für eine gemeinsame Identität aller Akteure im Förderschwerpunkt steht. Auf der Website www.alphabund.de werden regelmäßig Neuigkeiten aus der Initiative sowie dem Themenfeld Alphabetisierung berichtet. Einmal jährlich findet eine Statuskonferenz statt, auf der sich alle Beteiligten über den Stand ihrer Ergebnisse austauschen. Zudem wird in übergreifenden Fachgruppen gearbeitet. Damit von den Fördermitteln ein Maximum an Ergebnissen bei der Zielgruppe ankommt, soll u.a. auf diese Weise Doppelarbeit von vornherein vermieden werden. Außerdem ist geplant, über die Projektlaufzeiten hinaus eine stabile Verortung für Alphabetisierung und Grundbildung im Sinne einer Sicherung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse und der Projektprodukte zu erreichen. Die Herstellung von Zukunftsfähigkeit ist damit eine der Kernleistungen des Ergebnistransfers.

Erfolgreiche Förderung
Seit dem Beginn der Projekte konnten im Rahmen des Förderschwerpunktes bereits einige Erfolge erzielt werden. Der Kreis derer, die sich mit der Alphabetisierung Erwachsener befassen, hat sich von der praktischen Arbeit, vor allem an Volkshochschulen, ausgeweitet zu Forschung, Entwicklung und sozialräumlicher Arbeit an Instituten, Verbänden, Universitäten und Unternehmen. Damit hat sich zugleich eine erhöhte Vernetzung zwischen allen Akteuren in der Alphabetisierungsarbeit ergeben. Das Thema Alphabetisierung Erwachsener in Deutschland hat durch diverse Veranstaltungen, auf denen der Förderschwerpunkt repräsentiert wurde, bereits eine stärkere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit gefunden.

Einige konkrete Ergebnisse sind etwa der Beginn eines Masterstudiengangs für Alphabetisierungs- und Grundbildungspädagogik im Jahr 2009 an der Hochschule Weingarten. Außerdem sind neue Netzwerke in der sozialräumlichen Arbeit geschaffen worden. Viele Projekte haben Kontakte zu Wirtschaftsunternehmen und bauen Kooperationen auf. Studien zum Qualifizierungsbedarf Lehrender in der Alphabetisierung und zu Bildungsanforderungen an Arbeitnehmer/innen in geringqualifizierten Tätigkeiten sowie zu weiteren Themen sind bereits erschienen oder stehen kurz vor ihrer Veröffentlichung. Ein jährliches vornehmlich quantitatives Monitoring der Angebote in Alphabetisierung und Grundbildung befindet sich in der Pilotphase. Es soll dauerhaft eingerichtet werden und als Grundlage für Wissenschaft, Praxis und bildungspolitische Entscheidungsfindung dienen.

Aufsatzsammlung zur Theorie der Alphabetisierung und Grundbildung
Als weitere Produkte sollen – neben Publikationen zu den einzelnen Projekten – mehrere Bände der Ergebnisse in zwei Reihen (als journalistisch aufbereitete Information über Teilergebnisse und als wissenschaftliche Aufsatzsammlung im Sinne einer Theorie der Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland) herausgegeben werden. Zielgruppen sind alle potenziellen Nutzer der Ergebnisse, Fach- und interessierte Öffentlichkeit,Vertreter der Bildungspolitik, in- und ausländische Forscher, Kursleitende und Berater an den unterschiedlichsten Institutionen, wie z.B. an den Jobcentern.

Autor:
Björn Otte
UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen
Transferstelle „alphabund“
Feldbrunnenstr. 58
20148 Hamburg
Tel.: (040) 44 80 41 – 837
E-Mail: b.otte@unesco.org


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de