Schülertext

Pfade ins Revier – Pfade im Revier

08.12.2008

Essener Jugendliche beschreiben ihre Lebenswege


Buchpremiere am 18. November 2008 in Essen
Buchpremiere am 18. November 2008 in Essen
Fotos: Fred Hey


Im Rahmen eines Schreibwettbewerbs reichten Essener Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren Texte zum Thema „Pfade ins Revier – Pfade im Revier“ ein. Entstanden ist ein Lesebuch mit 86 Beiträgen von beachtlicher literarische Qualität. In aller Offenheit berichten die jungen Autorinnen und Autoren über ihre Lebenswege und setzen sich mit ihren alltäglichen Erfahrungen auseinander. Die folgende Auswahl mit Texten von Julia Iwaschenko, Tom Kupetz, Derya Dülger, Christina Giese, Fatih Basaran, Hanaa Hajjam, Nils Hartmann und Jacqueline Mika soll einen kleinen Eindruck davon vermitteln, wie junge Menschen die Pfade, die sie gehen und gehen wollen, beschreiben.

mein weg
mein weg ist eine treppe
bis zur sonne
ich werde zielstrebig
zu diesem ziel gehen
etwas überirdisches
gleich einem regenbogen
füllt mein leben
mit verschiedenen farben
manchmal sind sie
dunkler als die nacht
und manchmal sind sie
ganz hell
sie vermischen sich
und haben dabei
die macht
mich zu ändern
ich habe mir
meine welt ausgedacht
die in mir lebt
gehend verteile ich
meine gefühle
gedanken und kenntnisse
die sich in dieser welt
sammeln
an die menschen
die mir wichtig sind
und an die
die in meinem leben
eine rolle spielen
diese menschen
geben mir
ein zuhause wo immer
freie plätze sind
da fühle ich mich
sicher
dies gibt mir kraft
weiterzugehen
ich habe meinen weg
gefunden
und auf diesem weg
will ich
etwas neues in mir
finden

Julia Iwaschenko, 18 Jahre

Meine Heimat
Ich lebe im Ruhrgebiet. Fast mein ganzes Leben lang schon. Meine Eltern kamen kurz nach meiner Geburt in den Pott. Nicht aus einem fernen Land, sondern einfach nur aus einem anderen. Aus dem anderen Deutschland nämlich. Meine Großeltern haben das Ruhrgebiet verlassen und lange „in der Fremde“ gelebt. Sie vergaßen jedoch ihre Heimat, ihr Zuhause, nicht und kehrten wieder zurück. Waren glücklich.
Meine Eltern wiederum, die das Ruhrgebiet nicht kannten, verließen ihre Heimat, um hier ein besseres Leben zu führen. Jetzt zieht es sie dahin zurück, wo sie einst herkamen. Zwei Generationen, zwei verschiedene Male Heimat. Und doch gehören sie beide zu mir.
Ich selber fühle mich hin- und hergezogen bei so viel Heimat. Viel unterschiedlicher können sie gar nicht sein. Die eine pulsiert, ist voller Energie und Ereignisse. Die andere ist ruhig und gibt mir die Kraft, was geschieht, überhaupt wahrzunehmen.
Ich bin immer am liebsten in der Heimat, in der ich gerade nicht bin. Die eine kann ohne die andere nicht existieren. Heimat ist nie Plural, heißt es. Für mich zählt das nicht.

Tom Kupetz, 19 Jahre

Avrupa (türkisch)
Attik kendimizi yollara
Biraktik köyde ailemezi
para ugruna
Kirmak istedik
kisir döngüsünü fakirligin
Biraktik memleketi o yüzden
Avrupayi gördük
ama kendimizi unutmadik
Namazimizi kildik,
bayramlarimizi bildik
Anavatanda olanlarin
aynisini yasiyamasakta
yabanci bir ülkede yasamaya
caba gösterdik
Gelenegimizi, görenegimizi
cocuklarimiza torunlarimiza
da ögrettik
Europa (deutsche Übersetzung)
wir sind losgezogen
um Geld zu verdienen
wir mussten unsere Familien zurücklassen
um uns aus dem Teufelskreis
von Armut zu lösen
deshalb mussten wir unser Vaterland verlassen
wir haben die moderne Welt gesehen
aber haben unsere alte Vergangenheit
nicht vergessen
wir haben gebetet und
unsere Feste gefeiert
zwar konnten wir alles nicht so erleben
wie in unserem Vaterland
doch haben wir uns bemüht
in einem fremden Land zu leben
wir haben die Tradition auch an unsere
Kinder und Enkelkinder weitergegeben

Derya Dülger, 18 Jahre


Gegensätze ziehen sich an
Ich wohne seit meiner Geburt in der Stadt Essen. Alle meine Verwandten sind aus Deutschland. Meine beiden besten Freundinnen wurden auch in Deutschland geboren. Allerdings kommen ihre Verwandten nicht aus Europa, sie kommen aus Asien. Eine der beiden heißt Purathani, sie ist tamilischer Abstammung. Die andere heißt Rashmi und hat indische Wurzeln.
Für mich ist es selbstverständlich, Neues kennen zu lernen. Es ist normal, sich wenigstens ab und zu mit seinen Freunden zu treffen. Mit meinen Freundinnen kann dieses Treffen aber zu einem riesigen Problem werden. Erstens haben die beiden kaum Zeit, da sie beispielsweise noch in die tamilische Schule oder zum Gesangs- oder Musikunterricht müssen. Oder aber es findet mal wieder eine der vielen Hochzeiten in dieser Riesenfamilie statt. Gehen wir dann mal shoppen, haben wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von Mode etc.. Kommt eine der beiden einmal zu Besuch, kann man nur bestimmte Dinge kochen, da ihre Religion ihnen vieles verbietet. Zum Beispiel dürfen sie kein Rind essen. So kann man noch nicht einmal Spaghetti Bolognese machen. Aber etwas lieben wir alle: Thunfischpizza.
Einmal wurden meine Mutter und ich zu einem tamilischen Fest eingeladen. Wir wurden herzlich empfangen, und uns wurden sogar Plätze in der ersten Reihe angeboten. Uns war alles jedoch so fremd, dass wir uns ziemlich nach hinten verkrümelt haben. Wir waren die einzigen Deutschen, und es kam uns so vor, als ob wir in einem anderen Land wären. Erstens wussten wir nicht, wie wir uns verhalten sollten, zweitens waren wir ganz anders gekleidet, und drittens fiel durch unseren sehr blassen Teint auch noch auf, dass wir woanders herkamen.
Als uns dann eine sensationelle Show mit tamilischen Tänzen, der Hymne usw., geboten wurde, bot uns der Vater meiner Freundin etwas zu essen und zu trinken an. Wir konnten natürlich nicht Nein sagen, und so kam er kurze Zeit später mit zwei vollgeladenen Tellern und zwei Cola-Dosen wieder. Meine Mutter fragte erst einmal völlig verdutzt nach Besteck, doch der Vater sagte, dass es normal in ihrem Land sei, mit den Fingern zu essen. Also aßen wir auch mit den Fingern. Es war schon eine Überwindung, dies zu tun, da man es in Deutschland als Unsitte ansieht. Außerdem war das Essen für uns etwas ganz Neues. Der Geschmack war ganz anders, als wir es gewohnt waren. Und die vielen unbekannten Gewürze machten das Essen unglaublich scharf, so dass wir die uns bekannte Cola komplett leerten.
Nach diesem außergewöhnlichen Tag konnten sich meine Mutter und ich zum ersten Mal vorstellen, wie man sich wohl als Ausländer fühlen musste.
Mein Traum ist es, einmal nach Indien oder nach Sri Lanka zu fliegen, um das Verhalten und die Lebensweise meiner Freundinnen besser nachvollziehen zu können.
Ich glaube, dass wir so gut befreundet sind, weil wir so unterschiedlich sind. Denn Gegensätze ziehen sich bekanntlich an.

Christina Giese, 15 Jahre


Worum es geht
Ich bin am 12. Juli 1991 in Essen geboren worden. Alles lief bis 1993 gut. Aber dann hat meine Mutter entschieden, mit mir in die Türkei zu ziehen. Das war ein trauriger Weg für mich. Damit fing alles an. Als erstes musste ich mich an die Türkei gewöhnen. Das war nicht leicht für mich. Danach bin ich eingeschult worden. Im ersten Halbjahr waren meine Noten schlecht, im zweiten habe ich meine Noten verbessert. Dann war alles ganz gut in der Türkei, und ich wollte gar nicht mehr weg.
Ein paar Jahre später ist mein Vater für einen Monat in die Türkei gekommen. Ich habe ihn gar nicht wiedererkannt. Er hat mir gesagt, dass er mich mit nach Deutschland nehmen will. Ich war schockiert. Ich wollte nicht. Meine Mutter wollte auch nicht, dass ich nach Deutschland gehe. Aber irgendwie hat mich mein Vater überredet. Es ging ganz schnell.
Im Jahr 2002 bin ich wieder nach Deutschland gekommen. Das Land war gar nicht so, wie es mir mein Vater erzählt hatte. Da habe ich verstanden, dass ich einen großen Fehler gemacht hatte. Ich hatte den falschen Weg genommen. Aber es war zu spät.
Ich kam in Deutschland in die Schule. Meine Noten im Deutschkurs waren sehr schlecht, weil ich oft keine Lust zum Üben hatte. Dann bin ich in die fünfte Klasse gegangen. Am Anfang waren meine Noten schlecht, weil ich nie Lust auf Schule hatte. Erst in der siebten Klasse habe ich verstanden, worum es geht. Jetzt bin ich in der neunten Klasse, und meine Noten sind gut.

Fatih Basaran, 16 Jahre


Falsch gedacht
Mein Name ist Hamrouni H., und ich bin 71 Jahre alt. Seit 1970 lebe ich in Deutschland, seit 1971 schon in Essen. Gekommen bin ich, weil ich mir hier in der Stadt ein besseres Leben ermöglichen wollte, weit weg von dem Elend, das ich in meiner Heimat sah.
Mein Name ist Meriem H., und ich bin 46 Jahre alt. Ich lebe seit 1989 hier in Essen. Ich kam eigentlich nur, um meine Schwester zu besuchen; jedoch lernte ich meinen jetzigen Ehemann kennen, heiratete ihn und lebe bis heute mit ihm und meinen beiden Töchtern in Essen.
Mein Name ist Riam H., und ich bin 7 Jahre alt. Ich gehe zur Schule und weiß nur, dass ich hier in Essen auf die Welt gekommen bin. Wieso, weshalb, warum – das interessiert mich nicht wirklich.
Und ich?
Ich bin Darja H., 17 Jahre alt und lebe schon immer in dieser Stadt. Dass ich hier lebe, finde ich nicht so schlimm. Es ist halt so, wie es ist. Ich bin geborene Tunesierin. Natürlich stelle ich mir vor, wie es wäre, hätte mich meine Mutter in Tunesien auf die Welt gebracht. Wäre es schön? Wäre ich dadurch ein anderer Mensch? Egal, wie es ist – es ist so gut, wie es ist.
Denn die Hauptsache ist doch, dass man gesund ist. Oder?
Mein Weg nach Deutschland muss einen Grund gehabt haben. Ich denke mir, dass alle Menschen ein bestimmtes Schicksal haben und dass Gott sich schon etwas dabei denkt, uns gewisse Lebenswege zu führen. Letztendlich ist es doch unsere Sache, was wir aus uns und aus unserem Leben machen. Man kann überall etwas sein: eine Persönlichkeit, eine Autorität oder einfach eine Person mit Verstand. Und überall kann man auch absinken, obdachlos oder dumm oder unsicher werden.
Ich höre sehr oft: Deine Familie ist eine Familie mit Immigrationshintergrund. Ich verabscheue dieses Wort „Immigration“. Ja und jetzt? Sind wir deswegen schlechte Menschen? Heißt es deswegen, dass ich sowieso nichts werde? Falsch gedacht! Ich will mein Abitur machen und studieren. Ich habe Ziele vor meinen Augen. Und die werde ich immer haben, egal, ob hier in Essen, in einer anderen Stadt oder sonst wo. Denn meine Ziele geben meinem Leben einen Sinn!
(Die Namen wurden geändert.)

Hanaa Hajjam, 17 Jahre


Und so kommt es

Meine Oma wurde 1934 in Schlesien geboren. Sie hatte drei Geschwister: zwei Schwestern und einen Bruder. Eine ihrer Schwestern wurde 1936, die andere 1938 geboren. Ihr Bruder kam 1939 zur Welt. Sie lebten in der Zeit des zweiten Weltkriegs, und zwar zusammen mit ihrer Mutter und ihren Großeltern. Der Vater war damals im Krieg.
Im Winter 1945, genau am 21. Januar, mussten die Familien aus Schlesien fliehen. Zum einen wegen des Krieges, zum anderen, weil die deutsche Kriegsführung die Brücke über die Oder sprengen wollte, damit die Russen nicht über den Fluss kommen konnten. Das machten sie damals mit vielen wichtigen Brücken in Deutschland. Also mussten meine Oma und ihre Familie sich schnell warme Sachen anziehen und ihr Hab und Gut einpacken. Mit einem Bollerwagen sind sie dann mit vielen anderen Zivilisten ( so nannte man die Menschen, die nicht in den Krieg zogen ) in die Tschechoslowakei geflohen.
Auf dem Weg dorthin brannten Nachbarorte, man hörte den Kanonendonner, und der Himmel war rot. Abends klopften die Mütter an fremde Haustüren, um einen Schlafplatz zu erbitten. Die meisten Leute sagten: „Nein!“ Auch um Essen mussten die Familien betteln. Manchmal konnten sie sich auf Bauernhöfen morgens an einer Pumpe waschen. Nach einiger Zeit kamen sie nach Brüx, einer Stadt in der Tschechoslowakei. Dort blieben sie bis zum Kriegsende, obwohl sie dort sehr unbeliebt waren.
Ein paar Tage später gingen alle Familien zurück nach Schlesien. Jeder freute sich darauf, die Väter wiederzusehen. Doch der Vater meiner Oma kam nicht. Es dauerte einige Jahre, bis sie vom Roten Kreuz erfuhren, dass er in Frankreich gestorben war. Er hatte dort als Autoschlosser gearbeitet und war gegen Ende des Krieges festgenommen worden. Er wurde in einem Lastwagen weggefahren. Partisanen schossen eine Bombe auf den Wagen, und dabei ist der Vater meiner Oma, mein Urgroßvater, umgekommen.
Nach dem Krieg wurde Deutschland von den Siegermächten USA, England, Frankreich und Russland in Zonen aufgeteilt. Meine Oma lebte ja in Schlesien, also im Osten bei den Polen und den Russen. Die Schlesier wurden 1947 von den Polen ausgewiesen. Und so mussten meine Oma und ihre Familie erneut ihre Heimat verlassen. Ihre restliche Kindheit und ihre Jugend hat sie in Ostwestfalen verbracht, das hat sie mir erzählt.
Danach hat meine Oma in Soest eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht. Nach ihrem Examen ist sie auf Wunsch ihrer Mutter nach Langenfeld im Rheinland gezogen. Sie sollte durch ihre Anwesenheit ihre jüngere Schwester unterstützen, die dort gerade eine Ausbildung machte und fürchterliches Heimweh nach ihrer Familie hatte. In Langenfeld hat meine Oma meinen Opa kennen gelernt, einen gebürtigen Rheinländer. Einige Jahre später heirateten sie, und meine Mutter wurde geboren. Bis zu ihrem Abitur lebte meine Mutter mit meiner Oma und meinem Opa in Langenfeld. Danach zog sie nach Essen ins Ruhrgebiet, um zu studieren. Hier lernte sie meinen Vater kennen und heiratete ihn. Und so kommt es, dass mein persönlicher Weg genau in Essen beginnt.

Nils Hartmann, 12 Jahre


Zukunft
Sonnenaufgang. Warm und hell wie an jedem Tag. Sonnenaufgang. Er erinnert mich an vergangene Tage, an Tage, die nie wieder dieselben sein werden.
Ich lernte Laufen, und die Natur faszinierte mich, erschien mir wie mein eigenes Zuhause so friedlich, so freundlich – Eindrücke, die so wichtig, aber vergessen sind.
Ich kam in die Schule und nahm meine Umwelt positiv wahr. Doch verändert. Schien die Sonne zwar noch wie an meinem ersten Lebenstag, erhellte sie jedoch nun eine moderne Welt, orientiert an Unterhaltungselektronik. Für ein Kind eine begehrte Erfahrung. Wichtig? Oder einfach nur eine Übergangsphase, bis größere Aufgaben warten?
Viele Geburtstage später öffnete ich meine Augen und staunte, was ich nun erblickte: Ernsthaftigkeit, Regeln, unergründliche Boshaftigkeit unter den Menschen. War es meine Sicht der Dinge oder hatte sich die Natur mit meinem Wachstum verändert?
Neugierig war ich auf die vielen Welten, die mich erwarteten. Wo einst blühende Felder standen, berührte ich nun Hochhäuser. Wo zu meinen jüngsten Tagen Kinder spielten, saßen nun rauchende Teenager. War es Blindheit, die mich so plötzlich in einer grauen Welt erwachen ließ? Oder hatte ich wirklich verpasst, wie viel um mich herum geschah?
Mit meinem Abschlusszeugnis in der Hand betrachte ich in der warmen Sommersonne schnelle Züge, unfallträchtige Autos, alte und einsame Menschen. Hatte sich mein Zuhause so schnell verändert? Konnte ich hier nicht noch vor wenigen Jahren lachend einem rollenden Ball auf die Straße folgen?
Heute plagen mich Zukunftssorgen. Erhellt die Sonne nun den Horizont? Erwarten mich wieder neue Herausforderungen? Zentralabitur? Beschäftigungslosigkeit? Verantwortung für jeden Schritt? Wichtige Herausforderungen, die mich wachsen lassen.
Sonnenaufgang. Ein Erlebnis noch wie am ersten Tag. Steter Sonnenaufgang, der die Wichtigkeit der nahen Zukunft unterstreicht. Denn ich bin die Zukunft. Wie wichtig aber bin ich nun dieser Welt?

Jacqueline Mika, 18 Jahre


Über die Anthologie
Ein Pfad ist bekanntlich ein schmaler Weg ohne viele Abzweigungen. Nur schwer ist er im Gelände zu sehen, von Menschen kann er deshalb zumeist nur hintereinander begangen werden. Doch Pfade gibt es überall. Auch in der Medizin und in der Computertechnik. Einmal fassen sie optimale Behandlungswege zusammen, einmal bezeichnen sie eine bestimmte Abfolge von Verzeichnissen, um an eine bestimmte Stelle eines Dateiensystems zu gelangen. Es gibt Trampelpfade, schmale Pfade, ausgetretene aber auch krumme. Also ein vielseitiges Spektrum von Bedeutungsvarianten, für die der Begriff steht. Pfade. Wege. Wanderwege. Und … und … und … Der Begriff passt zum Ruhrgebiet und zu den Menschen, die dort hingezogen sind, um ihr Glück zu suchen.
Woher kommen diese Menschen? Warum? Welche Wege sind sie gegangen, um ins Ruhrgebiet zu kommen? Wohin genau wollen sie? Was nehmen sie dabei auf sich? Was wollen sie wirklich? Und ihre Kinder? Auch da jagen sich die Fragen. Es geht um Integration, darum, wie diejenigen, die ins Ruhrgebiet kommen, mit denen zusammen leben, die schon da sind. Wie können sie, so unterschiedlich sie von ihrer Herkunft sind, eine gemeinsame Zukunft gewinnen? Wie kann das geschehen? Was ist zu tun?
Und diejenigen, die schon immer im Ruhrgebiet leben? Die dort ihre Heimat gefunden haben? Was ist mit ihnen? Ist ihre Wanderschaft zu Ende? Oder geht sie jetzt erst richtig los? Auch hier ist nach den Kindern zu fragen.
Die jetzt herausgekommene Anthologie "Pfade ins Revier – Pfade im Revier" kann auf alle diese Fragen Antworten geben. Direkt und indirekt. Essener Kinder und Jugendliche haben diese Texte im Frühsommer 2008 verfasst. Wie schon bei den drei Vorgängerprojekten Fremd und doch daheim?!, Dann kam ein neuer Morgen und Heute ist Zeit für deine Träume wurden Tausende von Flyern verteilt, wo immer Kinder und Jugendliche in Essen waren und zu Hause sind. Sie haben sich dieser neuen Herausforderung gestellt, und zwar auf bemerkenswerte Weise. Ihre Texte lassen sich als Standortbestimmung verstehen, als Zustandsbeschreibung. Sie sind zudem von einer beeindruckenden literarischen Qualität.

Alfred Büngen, Geest-Verlag

Pfade ins Revier – Pfade im Revier
Andreas Klink, Artur Nickel (Hg.)
Ein Lesebuch
(mit zahlreichen S/W-Fotos von Andreas Klink)
Geest-Verlag 2008
ISBN 978-3-86685-148-1
252 Seiten, 12 Euro

Kooperationspartner
Jugendbibliothek Essen, Jugendhilfe Netzwerk der AWO Essen, Lernwelt Essen, Essener Lesebündnis e. V., Grend-Kulturzentrum Essen, VHS Essen


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de