Bericht

„Schulbibliothek – hier kannst du was erleben!“

17.11.2008

Erfolgreiche Aktionswoche in Frankfurt am Main




Eröffnung der Aktionswoche mit Bürgermeisterin Jutta Ebeling und einem literarischen Buffet
Eröffnung der Aktionswoche mit Bürgermeisterin Jutta Ebeling und einem literarischen Buffet


Gleich zwei Anlässe gab es für die „Aktionswoche Schulbibliothek“ der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle (sba) der Stadtbücherei Frankfurt am Main: Der Oktober wird international - ob in Schweden oder Brasilien, in Indien oder Australien - als Monat der Schulbibliothek begangen und in Deutschland rückten sich unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler eine ganze Woche lang erstmals Bibliotheken in den öffentlichen und politischen Fokus.

Engagement der Stadt Frankfurt seit 35 Jahren
Für Frankfurt war es nach 2003 die zweite Aktionswoche. Unter der Schirmherrschaft der Bürgermeisterin und Bildungsdezernentin präsentierten sich vom 27. bis 31. Oktober 2008 42 Schulbibliotheken der Öffentlichkeit.
In ihrer Eröffnungsrede in der Schulbibliothek der Georg-August-Zinn-Schule schlug Bürgermeisterin Jutta Ebeling mit dem Goethe-Zitat „Man fühlt sich beim Beschauen einer Bibliothek wie in der Gegenwart eines großen Kapitals, das geräuschlos unberechenbare Zinsen spendet“ einen Bogen zu den aktuellen Krisen und Herausforderungen. Sie betonte das Engagement der Stadt Frankfurt, die Schulbibliotheken schon seit 35 Jahren systematisch unterstützt.
Für den Erfolg der Schulbibliotheksarbeit nannte sie mehrere Voraussetzungen:

  • kontinuierliche finanzielle Unterstützung durch die Stadt,
  • die Einrichtung einer kompetenten Arbeitsstelle, die die Schulen entlastet und immer wieder neue Impulse gibt,
  • engagierte Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer
  • sowie zahlreiche Ehrenamtliche, die die Arbeit in den Schulbibliotheken aktiv unterstützen.

Schulbibliothekarische Arbeitsstelle in Aktion
Seit fast 35 Jahren organisiert die sba den Aufbau von Schulbibliotheken und bietet darüber hinaus Unterstützung durch vielfältige Angebote zur Leseförderung und zur Förderung der Medienkompetenz. Ob Medienbestellung oder Lesenacht, immer wird dabei eng mit Lehrerinnen, Lehrern und vielen Ehrenamtlichen zusammengearbeitet. Besonders erfreulich: Nicht nur die Zahl der Schulbibliotheken hat sich seit dem Jahr 2000 um fast 80% auf 68 erhöht, sondern auch die Zahl der für Schulbibliotheken Engagierten wächst dabei stetig: Sie ist seit dem Jahr 2000 von 30 auf 250 angestiegen!

Vor diesem Hintergrund verfolgte die Aktionswoche Schulbibliothek 2008 mehrere Ziele:

  • Präsentation der vielfältigen Funktionen einer modernen Schulbibliothek im Schulalltag,
  • Darstellung des Einsatzes vieler Engagierter in den Schulbibliotheken in der Öffentlichkeit und
  • Anregung und Förderung des Austauschs.

Bibliotheken spielen heute an vielen Frankfurter Schulen eine wichtige, zentrale Rolle. Sie sind fest in den Unterricht integriert und bieten auch Leseanregungen für die Freizeit. Medien- und Informationskompetenz wird auf vielfältige und anregende Art und Weise aktiv vermittelt und gefördert. Das, was sonst „im Verborgenen“ in der einzelnen Schule passiert, sollte während der Aktionswoche sichtbar gemacht werden. Dabei ging es nicht nur um besondere Highlights, sondern um den ganz normalen Alltag. Denn an keinem anderen Ort bietet sich die Chance, Kinder und Jugendliche so unaufgeregt, verlässlich und unabhängig vom Bildungshintergrund ihres Elternhauses zu erreichen.

82 originelle Veranstaltungen in 42 Schulen
So reichte das Programm von einer deutsch-türkischen Lesung mit Yücel Feyzioglu, dem Übersetzer von Hexe Lilli und Lesungen mit Jochen Till, dem Vorlesetag mit Anwälten einer renommierten internationalen Kanzlei bis hin zur – schon bewährten - Aktion „Liest du schon oder suchst du noch aus?“, bei der Schüler für ihre Schulbibliothek einkaufen gehen. Bewerten von Medien stand auch bei den Zehntklässlern der Carl-von-Weinberg-Schule auf dem Programm: „Renner oder Penner? Die Klasse 10b macht Literaturkritik“ war die Aktion überschrieben.

In der Münzenbergerschule stand das Programm im Zeichen Mexikos. Unter dem Motto „Feste in anderen Ländern: Das tanzende Skelett in Mexiko“ wurde in der Schulbibliothek vorgelesen, gebastelt und vor dem eigens aufgebauten mexikanischen Kultaltar ein gemeinsames Fest gefeiert. Auch stetig stattfindende Veranstaltungen, wie „Männer lesen für Jungen“ in der Bonifatiusschule, in denen coole, sportliche und „vorbildliche“ Männer lesen oder „klassische“ Veranstaltungen wie Bilderbuchkino oder Bibliotheksrallye fanden in der Aktionswoche besondere Aufmerksamkeit.

Der multikulturelle Zuschnitt Frankfurts wurde an vielen Programmpunkten deutlich, so lasen Eltern unter dem Titel „Bücher international“ Geschichten aus aller Welt in vielen Sprachen oder es wurden internationale Märchen präsentiert.

Die Verbindung zwischen Kreativem und Lesen stand zum Beispiel in der Fröbelschule bei der Veranstaltung „Auf Traumreise mit Kolja: Vorlesestunde mit kreativer Umsetzung“ oder bei der Gestaltung von Lesetagebüchern und der Verfremdung von Büchern in der Otto-Hahn-Schule auf dem Programm. In der Elisabethenschule haben Schülerinnen und Schüler „Regalkunst“ entwickelt, kreativ gestaltete Stellklötze für jede Mediensachgruppe.

Besonders originell war die Veranstaltung in der Heinrich-Kraft-Schule, in der Schülerinnen und Schüler das Ergebnis ihrer regelmäßigen Schreibwerkstattarbeit vorstellten: Ein eigenes Buch mit dem Titel „Der grüne Affe lebt“, erschienen in der „Edition Junge Feder Fechenheim“.

An Oberstufenschüler richtete sich der Poetry Slam mit Dirk Hülstrunk, eine aktionspoetische Performance für Körper, Stimmbänder und Elektronik sowie die Comicausstellung „Sieben Jahre mit Garg“ mit Werkstattgespräch im Friedrich-Dessauer-Gymnasium. Texter Asp und Zeichner Ingo Römling standen den Interessierten Rede und Antwort.

Öffentlichkeit durch Programmheft und Pressetexte
Dies alles und noch vieles mehr fand sich im umfangreichen Programmheft wieder, dem Kernstück der Aktionswoche. 82 Veranstaltungen in 42 Schulen sowie die drei zentralen sba-Fortbildungsangebote wurden hier zusammengestellt und dokumentierten die beeindruckende inhaltliche Fülle der Aktionswoche. Das Heft wurde überall in der Stadt verteilt. Es stellt immer eine Herausforderung für die Schulen dar, sich bereits im Mai/Juni Gedanken für eine Veranstaltung Ende Oktober zu machen und den Termin dann zu Beginn des neuen Schuljahres zu fixieren. Doch nur so ist es möglich, das Programmheft professionell produzieren zu lassen und rechtzeitig zu verteilen. Dass sich die Mühe lohnt, hat die diesjährige Aktionswoche wieder bewiesen. Durch die Programmhefte sowie Plakate in A4 und A3 wurde einerseits eine große Öffentlichkeit hergestellt. Andererseits trug das Programmheft ganz entscheidend dazu bei, dass sich die Schulen und Schulbibliotheksteams als Teil der Aktionswoche verstanden haben und die Wertschätzung deutlich wurde, die der Arbeit in den Schulen entgegengebracht wird.

Die Koordination der sba endete nicht mit der Erstellung des Programmheftes, sondern schloss auch die Pressearbeit mit ein, sowohl zentral als auch dezentral. Dafür wurden den Schulen „Lücketexte“ zur Verfügung gestellt, die nur noch angepasst werden mussten. Ergebnis waren mehr als 15 Presseartikel, die im Laufe der Aktionswoche erschienen sind bzw. noch erscheinen werden.
Besonders wichtig war es den Mitarbeiterinnen der sba, bei möglichst vielen Veranstaltungen selbst präsent zu sein. Sie besuchten über 40 Veranstaltungen, was von den Schulbibliotheksteams sehr positiv bewertet wurde. Im stetig weiter wachsenden Schulbibliotheksverbund legt die sba großen Wert auf den persönlichen Kontakt. Die Aktionswoche bot dafür eine besonders gute Gelegenheit, was Rückmeldungen wie die folgende verdeutlichen:
„Es war sehr schön, dass sie heute kommen konnten. Wir sind so stolz darauf und glücklich über unser Projekt, dass wir mit dieser kleinen Truppe aufbauen, halten, weiterentwickeln. Viel zu selten kommt es zu einer solchen Begegnung, die ja wie eine Supervision wirkt. Also herzlichen Dank!“
Auch Ehrenamtliche nutzten die Aktionswoche, um sich Anregungen für die eigene Schulbibliothek zu holen.

Die Mühe hat sich gelohnt
Als Dankeschön und Feedback für alle Beteiligten stellt die sba alle Beiträge mit Fotos in einer Dokumentation zusammen, die den teilnehmenden Schulen Anfang 2009 zur Verfügung gestellt wird.
Auch wenn Organisation und Durchführung sowie die Sicherstellung der Finanzierung der Aktionswoche einen Kraftakt darstellen, ziehen Mitarbeiterinnen der sba auch dieses Mal wieder ein positives Fazit. Der Abstand von 5 Jahren zwischen den Aktionswochen ist besonders gut geeignet, um die Schulbibliotheksentwicklung zu verdeutlichen: Im Vergleich zur ersten Aktionswoche im Jahr 2003 verdoppelte sich die Anzahl der teilnehmenden Schulen und der angebotenen Beiträge. Was wohl 2013 bringen wird?

Autorin:
Eva v. Jordan-Bonin
Schulbibliothekarische Arbeitsstelle
Stadtbücherei Frankfurt am Main
Hasengasse 4
60311 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 212-3 56 49
E-Mail: eva.von-jordan-bonin@stadt-frankfurt.de


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