Bericht

Sprachförderung in den Herbstferien

07.10.2008

Deutschunterricht am Vormittag und Workshops am Nachmittag


Im Sprachcamp des ibbw
Im Sprachcamp des ibbw

Im Projekt „PROSA – Projektorientierte Sprachförderangebote an Gymnasien in Berlin“ werden innovative Konzepte handlungsorientierter Sprachförderung entwickelt und erprobt, die es Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Herkunftssprache ermöglichen, ihre Kenntnisse in der Fach- und Bildungssprache zu verbessern. Denn nur 12 Prozent der Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund schaffen den Sprung auf ein Gymnasium, demgegenüber sind es bei Kindern deutscher Eltern 28 Prozent. Eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben von den deutschen Jugendlichen rund 45 Prozent, während es bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund nur 17 Prozent sind.
Wie können Schülerinnen und Schüler, die zweisprachig aufwachsen, so gefördert werden, dass sie die Anforderungen eines Gymnasiums erfüllen können? Ein wesentliches Erfolgskriterium liegt – wie auch der Bundesbildungsbericht zum zweiten Mal anmahnt – in der gezielten Sprachförderung. Erfahrungen an den Schulen zeigen immer wieder, dass selbst Kinder mit guten Kenntnissen der Alltagssprache im Unterricht an ihre Leistungsgrenzen stoßen, wenn Kenntnisse in der Bildungs- und Fachsprache benötigt werden.

PROSA – Projektorientierte Sprachförderangebote an Gymnasien in Berlin
Das Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.V. (ibbw) führt in Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Mercator-Stiftung ein Modellprojekt im Berliner Bezirk Neukölln durch, in dem projektorientierte Sprachförderangebote für Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache entwickelt und erprobt werden. Übergeordnetes Ziel des Projektes ist es, die Anzahl der Abiturientinnen und Abiturienten mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Dabei setzt das ibbw zum einen auf die Durchführung von Sprachcamps, zum anderen auf Sprachunterricht am Nachmittag und sprachfördernde kulturelle Angebote an Samstagen. Durch die Verknüpfung der Sprachförderung im außerschulischen Bereich mit sprachfördernden Angeboten im Fachunterricht soll eine Verbesserung der Kenntnisse in der Fach- und Bildungssprache erreicht werden. Die einzelnen Maßnahmen und Angebote des Projektes richten sich sowohl an Schülerinnen und Schüler der beteiligten Schulen als auch an Coaches und Lehrkräfte, die im ergänzenden Förderbereich tätig sind.
Zurzeit sind vier Schulen, drei Gymnasien und eine Realschule, mit einem sehr hohen Migrantenanteil am Projekt beteiligt. Weitere Schulen werden in das Projekt aufgenommen.

Die Sprachcamps
In den Osterferien 2008 wurde erstmals ein viertägiges Sprachcamp für Schülerinnen und Schüler der Neuköllner Albert-Schweitzer-, Albrecht-Dürer-, Ernst-Abbe- und Heinrich-Heine-Schule an einem außerschulischen Ort durchgeführt.
Die Ferienkurse sind ganztägig organisiert. Am Vormittag findet der Sprachförderunterricht statt und am Nachmittag stehen Kreativangebote oder Angebote mit lebensweltlichem Bezug im Programm.
Der Entwicklung des Sprachcampkonzepts lag die Leitidee zu Grunde, dass der Spracherwerb und die Verbesserung von Sprachkenntnissen am besten gelingen, wenn Sprechanlässe über interessante Themen geschaffen werden und die Handlung im Medium Sprache erfolgt.
Ein besonderes Anliegen war es, den Sprachunterricht am Vormittag mit dem Freizeitangebot am Nachmittag sinnvoll und sprachfördernd zu verbinden. Strukturell erfolgte die Verknüpfung über Brückenstunden, in denen die Sprachlehrerinnen und -lehrer nach dem Regelunterricht Themen des Workshops aufgriffen und vertieften, indem Workshopaktivitäten vor- bzw. nachbereitet wurden. Die personelle Verknüpfung erfolgte über Sprachförderlehrerinnen und -lehrer, die den Workshop-Leiterinnen und -Leitern assistierten und bei sprachlichen Problemen intervenierten.
Die Nachmittage wurden von Workshop-Leitern gestaltet, meist Sozial- oder Freizeitpädagogen mit entsprechenden Erfahrungen und Fachkenntnissen aus dem Bereich der Werkstattthemen (z.B. Präsentation, Fotografie, Podcast-Erstellung, Mediengestaltung). Diese wurden in einem zweitägigen Workshop gemeinsam mit den Sprachförderlehrerinnen und -lehrern auf ihre Aufgabe vorbereitet. Zum Abschluss des Sprachcamps fand eine Projektpräsentation mit allen Beteiligten, Eltern und Lehrerinnen und Lehrern statt.
Diesem Ansatz liegt die Hypothese zu Grunde, dass die Verknüpfung von Theorie und Praxis eine nachhaltige Wirkung auf die Sprachentwicklung hat und dem bekannten Effekt sukzessiven Rückgangs schnell erworbenen Wissens entgegenwirkt. Wesentlich für das Gelingen der Sprachferienkurse war die fachliche und pädagogische Qualifikation und Erfahrung der Workshop-Leiterinnen und -Leiter.

Das Sprachförderkonzept
Die Grundlage für den Unterricht im Sprachcamp bildet das von Frau Prof. Heidi Rösch entwickelte Konzept „DaZ-Ferienkurse für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I“. In den Ferienkursen geht es darum, Stolpersteine der deutschen Sprache zu ermitteln, Sprachkompetenz zu entfalten und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit zu verbessern. Lehramtsstudentinnen und -studenten werden speziell für das 10-tägige Sprachcamp geschult und erhalten mit dem Konzept Arbeitsanleitungen und -materialien für den täglichen dreistündigen Sprachförderunterricht.
Das ibbw hat dieses Konzept inhaltlich auf den Kompetenzbereich „Medien“ ausgerichtet. Medienkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation in der Wissensgesellschaft, die in Ausbildung, Beruf und darüber hinaus für die Lebensplanung und -gestaltung von zentraler Bedeutung ist. Das angepasste Konzept enthält Textbeispiele aus dem Medienbereich, stellt unterschiedliche Medien und deren Funktionsweise vor und gibt Impulse für die Diskussion über die eigene Mediennutzung und -kompetenz. Im Projektverlauf werden weitere Konzepte zu den Themenbereichen Berufs- und Studienorientierung sowie Kultur entwickelt und erprobt. Das Sprachferienkonzept von Frau Prof. Heidi Rösch sowie die einzelnen Fördermodule werden zurzeit für eine Veröffentlichung vorbereitet und können dann beim ibbw bestellt werden.

Herbst-Sprachcamp vom 27. bis 31. Oktober 2008
Bis zum 10. Oktober können sich Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klasse, die ihre mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit verbessern möchten, für das Sprachcamp anmelden. Es findet vom 27. bis 31. Oktober 2008 in der Werkstatt der Kulturen in Berlin-Neukölln statt. In kleinen Lerngruppen können sich die Teilnehmer intensiv mit der deutschen Sprache beschäftigen. Am Ende der Woche werden die Ergebnisse der Workshops vor Eltern, Lehrern und Freunden präsentiert. Ein Zertifikat bescheinigt die Teilnahme am Sprachförderunterricht und am Workshop.
Für das Herbst-Sprachcamp kann man sich über ein Online-Formular anmelden.

Kontakt:
Uwe Dezhgahi
Institut für berufliche Bildung und Weiterbildung e.V. – ibbw
Tel.: (0551) 548 22-24
E-Mail: uwe.dezhgahi@ibbw.de


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de