Bericht

Büchereizentrale Schleswig-Holstein geht in die Bildungsoffensive

22.05.2008

Kooperationen zwischen Bibliotheken und Schulen werden gefördert





Bibliotheken sind Bildungspartner für Schulen
Bibliotheken sind Bildungspartner für Schulen
Quelle: „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“


Zur Förderung von Kooperationen zwischen Bibliotheken und Schulen hat die Büchereizentrale Schleswig-Holstein im Oktober 2005 eine eigene Arbeitsstelle eingerichtet. Diplom-Bibliothekarin Kathrin Reckling-Freitag, Leiterin der „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“, zieht eine erste Bilanz.

Die Förderung von Kooperationen zwischen den Bildungspartnern Bibliothek und Schule ist ein Schwerpunkt der Arbeit der Büchereizentrale Schleswig-Holstein. Wie wichtig das Thema im Norden genommen wird, zeigt, dass der Büchereiverein eine neue Stelle zur Förderung der Zusammenarbeit von Bibliotheken und Schulen eingerichtet hat. Die „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“, mit einer ¾ bibliothekarischen Stelle besetzt, ist eine weitere Reaktion auf die Rahmenvereinbarung, die im Frühjahr 2005 zwischen dem Bildungsministerium und dem Büchereiverein abgeschlossen wurde, und soll als Katalysator zwischen Bibliotheken und Schulen die Kooperationen in Schwung bringen.

Die Ziele der Arbeitsstelle sind neben der konkreten Förderung von Kooperationen und Kooperationsverträgen auch die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen schulischen und bibliothekarischen Institutionen. Die Arbeit an der Basis soll durch überregionale Einrichtungen wie z.B. die Büchereizentrale und das Lehrerfortbildungsinstitut IQSH gefördert und begleitet werden. Die Arbeitstelle entwickelt Konzepte und unterstützt bei Pilotprojekten Bibliotheken und Schulen bei der Umsetzung der Rahmenvereinbarung. Bereits vorhandene örtliche Kooperationen sollen durch konkrete Vereinbarungen gefestigt und erweitert werden. Ebenso sollen neue Kooperationen zwischen Bibliotheken und Schulen initiiert werden.

Ermittlung der aktuellen Situation
Für die Entwicklung eines Konzeptes für die Arbeitsstelle war es eine grundlegende Notwendigkeit, den Ist-Stand der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen in Schleswig-Holstein zu erfassen und zu untersuchen. Eine Umfrage unter überwiegend hauptamtlichen Bibliotheken lieferte Ergebnisse, die für die Erarbeitung der Konzepte und Dienstleistungen der Arbeitsstelle genutzt werden konnten. Die Bedarfsermittlung gab also der zukünftigen Entwicklung der Arbeitsstelle die Richtung vor.
Die Auswertung der Umfrage ergab, dass die Zusammenarbeit mit Schulen bereits in vielen Bibliotheken praktiziert wird. Von einem flächendeckenden Kooperationsnetz im ganzen Bundesland kann man jedoch noch nicht sprechen. In vielen Bibliotheken sind die Angebote für die Schulen durchaus noch entwicklungsfähig. Es fehlen oft gesamtstädtische Konzepte. Besonders die Zahl der Klassenführungen liegt deutlich unter den Erwartungen. Die Untersuchung ergab auch, dass viele Hindernisse die Kooperationen erschweren können. Geringe personelle und finanzielle Ausstattung der Bibliotheken waren die meistgenannten „Kooperationshemmer“. Zwischen den Ansprüchen der Politik und den realen Möglichkeiten der Bibliotheken und Schulen vor Ort sind große Unterschiede zu erkennen.

Beratung zur Kooperation mit den Schulen
In vielen Bibliotheken führten die durch die Umfrage gewonnenen Erkenntnisse bereits zu Veränderungen in der Praxis. Aus den Gesprächen und Interviews im Rahmen der Befragung hat sich oft eine ausführliche Beratung zur Kooperation mit Schulen ergeben.
Das Beratungsangebot der „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“ kann sich von der Beantwortung von Anfragen, über den Besuch gemeinsamer Arbeitsgruppen bis hin zur Moderation und inhaltlichen Begleitung der Kooperationsverhandlungen erstrecken. Stets wird besonderer Wert auf den Aspekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ gelegt, denn die Bibliothek vor Ort muss die Kooperation tragen und in der Praxis gestalten, sich mit ihren Möglichkeiten, Ideen und Wünsche einbringen. Hieraus ergibt sich aber auch, dass es kein allgemeines Konzept gibt, das für alle Bibliotheken seine Gültigkeit hat. Ein individuell angepasstes Konzept verspricht mehr Erfolg und nimmt die örtlichen Gegebenheiten ernst. Dabei ist der gemeinsame Verhandlungsweg mit den Schulen wertvoller als die abschließende schriftliche Fixierung. Ein Vertrag dokumentiert allerdings der Politik gegenüber eine besonders verbindliche Form der Zusammenarbeit und hebt den Stellenwert dieser bildungspolitischen Arbeit deutlich hervor. Diese hilft den Bibliotheken bei der eigenen Profilschärfung und zeigt, wie wichtig der Bildungspartner Bibliothek in einer angemessenen Schul- und Bildungspolitik ist.
Die „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“ bemüht sich, bei ihren Beratungen zur Bibliotheksarbeit vor Ort, die Schulbibliotheken (in welcher Form auch immer sie vorhanden sind) mit einzubeziehen. Ein sinnvolles Miteinander (oder sogar ein stadtweites Bibliothekskonzept), das die Ressourcen beider Seiten nutzt und so zu Synergieeffekten führt, wird als erstrebenswert angesehen. Anfragen von Schulbibliotheken werden daher in enger Absprache mit den Bibliotheken des Ortes beantwortet, um so die Chance einer Annäherung von Bibliotheken und Schulbibliotheken zu unterstützen.

Kontakt- und Informationsstelle
Die Arbeitsstelle versteht sich auch als Kontakt- und Informationsstelle für Fragen aus dem Bereich Bibliothek und Schule von bibliothekarischer und schulischer Seite. Um diesen Schnittpunkt zu beleben, beteiligt sich die Arbeitsstelle an verschiedenen Projekten, die gemeinsam mit schulischen Institutionen durchgeführt werden, und präsentiert das Thema Bibliothek und Schule z.B. auf dem Landesfachtag Deutsch, in der Lehrerfortbildung und auf dem Schleswig-Holsteinischen Bibliothekstag.
Um die verschiedenen Informationen den Kolleginnen und Kollegen bereitzustellen, werden verschiedene Kommunikationswege genutzt: Mailingliste für Schleswig-Holsteinische Bibliotheken, Mitteilungsblatt für Schleswig-Holstein (MSH), Newsletter und Diskussionsgruppe zur Einführung des SommerLeseClubs in Schleswig-Holstein 2008, Weblog und vor allem das Online-Angebot der Arbeitsstelle auf der Internetseite der Büchereizentrale.


Arbeitshilfen und Publikationen zum Download
Auf der Internetseite der Arbeitsstelle stehen Materialien und Arbeitshilfen zum kostenlosen Download zur Verfügung. www.bz-sh.de/schule/absmat.php.
Die Publikationen unterstützen die Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken bei ihrer Arbeit und stellen Informationen, die sonst in jeder Bibliothek einzeln erarbeitet werden müssten, effektiv für alle zur Verfügung.
  • ABS 1: „Verankerung der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen in den Lehrplänen Schleswig-Holsteins und den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz“ (9/2006)
  • ABS 2: „Und wie fange ich es an? Kooperationsvereinbarungen zwischen Bibliotheken und Schulen – theoretische und praktische Anregungen“ (4/2007)
  • ABS 3: „Wir arbeiten schon lange zusammen… - Auswertung der Fragebogenaktion 2005/2006 zum Stand der Zusammenarbeit von Bibliotheken und Schulen“ (9/2007)
  • ABS 4: „Schulbibliotheken und Schülerbüchereien in SH – Umfrage zum Stand von Schülerbüchereien in Schleswig-Holstein 2007“ (Veröffentlichung geplant Sommer 2008)

Fortbildungen sowohl für Bibliothekare als auch für Lehrer
Die Arbeitsstelle initiiert Fortbildungen zum Thema „Bibliothek und Schule“, führt in Kooperation mit anderen Einrichtungen Fortbildungen, Workshops und Veranstaltungen durch und informiert über Fortbildungsangebote anderer Institutionen aus Schleswig-Holstein, die sich sowohl an Bibliothekare, als auch an Lehrer richten. Neben landesweiten Lehrerfortbildungen haben sich stadtweite Angebote für die Lehrer einer Stadt in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Bibliothek als besonders erfolgreich erwiesen. Themen solcher Fortbildungen reichen von allgemeinen Einführungen (z. B. „Von der Klassenführung bis zum Bibliotheksunterricht – Angebote Öffentlicher Bibliotheken für den Unterricht“) bis zu speziellen Themen (z. B. „Bibliothek als Unterrichtsmethode – Einbindung der Bibliothek in nichtsprachliche Unterrichtsfächer“, „Workshop für Schülerbücherei-Betreuer“).

Ausblick
Im Herbst 2007 wurde eine Umfrage unter allen Schulen Schleswig-Holsteins durchgeführt, die den Stand der vorhandenen Schulbibliotheken, Schülerbüchereien und Schulmediotheken des Landes ermitteln soll. Ohne genaue Kenntnisse über den Ist-Stand können auch hier keine tragenden, effektiven Konzepte von der Arbeitsstelle entwickelt werden. Eine Auswertung dieser Umfrage wird im Sommer 2008 veröffentlicht.
2008 wird der SommerLeseClub in 31 Büchereien in
Schleswig-Holstein unter der Federführung der „Arbeitsstelle Bibliothek und Schule“ eingeführt. Als Fördermaßnahme für die Kooperation mit den Schulen bietet er viele Anknüpfungspunkte, Kontakte aufzufrischen oder neu aufzubauen und aufeinander zuzugehen.

Autorin:
Dipl.-Bibl. Kathrin Reckling-Freitag
Büchereizentrale Schleswig-Holstein
Arbeitsstelle Bibliothek und Schule
Wrangelstr. 1
24768 Rendsburg
E-Mail: reckling-freitag@bz-sh.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de