Meldung

Literatur auf dem Scheiterhaufen – Der Geist im Feuer

08.05.2008

Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Bücherverbrennung




Die leere Bibliothek unter dem Bebelplatz in Berlin
Die leere Bibliothek unter dem Bebelplatz in Berlin
© Akademie der Künste
„Literatur auf dem Scheiterhaufen – Der Geist im Feuer“ unter diesem Titel erinnern die Akademie der Künste, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, das P.E.N. Zentrum Deutschland und der Verband deutscher Schriftsteller am 9. Mai 2008 um 11 Uhr mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin an den 75. Jahrestag der Bücherverbrennung. Die Rede zum Gedenken hält Bundespräsident Horst Köhler, die Begrüßung übernimmt der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck.

Der 10. Mai 1933 als Mahnung
Der Vorsteher des Börsenvereins, Gottfried Honnefelder, erklärt anlässlich des Jahrestages: „Die Verbrennung von Büchern war 1933 ein großer Schritt hin zum Untergang Deutschlands. Dieser Tag sollte uns deshalb stets als Mahnung dienen, immer wieder aufs Neue um die Freiheit des Wortes und des Publizierens weltweit zu kämpfen.“
Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, sagt: „Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten war vor allem auch ein intellektuelles Versagen. Diese Aktion ist keine Sache des simplen Volkszorns gewesen, sondern ging von den NS-Studentenschaften, Professoren und Bibliothekaren aus. Wenn solche barbarischen Aktionen zu einer kulturell-intellektuellen Bewegung werden, muss man anfangen, sich zu fürchten.“
„Bücherverbrenner demonstrieren stets ihren totalitären Vernichtungswillen. Kultur ist wie eine flüchtig dünne Humusschicht, die Verwüstung unserer humanistischen Errungenschaften nach wie vor eine akute Bedrohung“, sagt Imre Török, Vorsitzender des VS – Verband deutscher Schriftsteller.
„Wo die Flammen Bücher verzehren, sollen der freie Geist und die Toleranz vernichtet werden. Das gilt auch heute in vielen Staaten, wo mächtige Diktatoren und religiöse Fanatiker die unabhängigen Schriftsteller und Künstler verfolgen. Wer von 1933 redet, darf über die Intellektuellenverachtung in unseren Tagen nicht schweigen“, sagt Wilfried F. Schoeller, Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland.

Lesungen aus verbotenen und verbrannten Büchern
Günter Lamprecht, Jutta Wachowiak, Volker Braun, Ingo Schulze und Herta Müller lesen bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Plenarsaal der Akademie der Künste aus verbotenen und verbrannten Büchern unter anderem von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bert Brecht und Anna Seghers. Schülerinnen und Schüler der »Dathe-Oberschule« in Berlin Friedrichshain und der Sekundarschule »Maxim Gorki« in Schönebeck schlagen die Brücke zur Gegenwart und zitieren aus aktuellen Meldungen zu neonazistischen Übergriffen.

Kontakt:
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