Bericht

Der Ausbau schulbibliothekarischer Arbeit

07.05.2008

Herausforderung für das deutsche Bibliothekswesen


Lernen in der Bibliothek
Lernen in der Bibliothek
Quelle: Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)


Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) hat sich bereits 1986 für den Ausbau von Schulbibliotheken eingesetzt, unter anderem in seiner Denkschrift „Zur Entwicklung der Schulbibliotheken in der Bundesrepublik Deutschland“, in der er Bundesländer und Kommunen aufgefordert hat, die Einrichtung und Entwicklung von Schulbibliotheken stärker zu fördern. Die Forderungen und Feststellungen aus dieser dbv-Denkschrift gelten heute unverändert, an dem völlig unzureichenden Ausbaustand leistungsfähiger Schulbibliotheken hat sich seit dieser Zeit nur wenig verändert. Grundlegend geändert haben sich allerdings seit der Veröffentlichung der „Pisa-Studie 2000“ in Deutschland die Bildungsdebatte und die Rahmenbedingungen der Bildungs- und der Bibliothekspolitik. Auf die Schulen sind - als vielleicht wichtigste Konsequenz der Pisa-Diskussion – qualitativ neue Herausforderungen zugekommen, die sie nur im Rückgriff auf zusätzliche Lernressourcen bewältigen können: vor allem die Forderung nach neuen Formen selbstständigen und eigenmotivierten Lernens und nach einer stärkeren Gewichtung der fachübergreifenden Schlüsselqualifikationen, Lese-, Medien- und Informationskompetenz.

Unterschiedliche Modelle für das Miteinander von Schule und Bibliothek
Die gebotene fächerübergreifende Einbindung von Leseförderung und die Vermittlung von Informationskompetenz im Unterricht bedingen ein enges räumliches wie inhaltliches Miteinander von Schule und Bibliothek. Dieses kann nach unterschiedlichen Modellen erfolgen – von der eigenständigen Schulbibliothek über eine auf festen Absprachen basierende Kooperation mit einer leistungsfähigen Bibliothek bis hin zur Betreuung durch eine schulbibliothekarische Arbeitsstelle oder Fachstelle. Dabei ist die Schulbibliothek der Ort, der – attraktiv gestaltet, leistungsfähig ausgebaut und unterrichtlich eingebunden – diese Anforderungen in besonderer Weise unterstützt und fördert.
Auch der Auf- und Ausbau von Schulbibliotheken, der im Rahmen der Ganztagsschulentwicklung in Gang gekommen ist, erfordert bibliothekarisches und schulbibliothekarisch-curriculares Know-how in den Schulen, erfordert - da dies in der Regel nicht vorhanden ist - eine Kooperation von Schule und Bibliothek. Gleiches gilt für die Qualifizierung von Lehrern zur Leitung, aber auch zur unterrichtlichen Nutzung der Schulbibliothek: Auch hier führen nur ein enger Dialog zwischen pädagogischen und bibliothekarischen Fachkräften und darauf aufbauende Qualifizierungsangebote weiter.

Vorhandene Ressourcen nutzen und ausgestalten
Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken bieten bereits ein breites Angebotsspektrum für die Zusammenarbeit mit schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen an. Sie unterstützen im Rahmen ihrer Profile und Möglichkeiten die Umstrukturierung der schulischen Bildung und stellen die notwendigen fachbibliothekarischen Hilfen und Lernressourcen zur Verfügung. Die aktive Bildungspartnerschaft mit Schulen gehört zu den Basisaufgaben von Bibliotheken. Da die Bedingungen für solche Bildungspartnerschaften sehr unterschiedlich sind, empfiehlt der dbv, den Auf- und Ausbau schulbibliothekarischer Dienstleistungsangebote an jeweils vorhandene Ressourcen anzudocken und individuell sowie pragmatisch auszugestalten. Notwendige professionelle Standards, wie sie von der dbv-Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ erarbeitet und publiziert werden, sollten dabei nicht unterlaufen werden.

Bibliotheken als Bildungspartner der Schulen
Die inzwischen auf Länderebene vorliegenden Kooperationsvereinbarungen zwischen Schulministerien und den Landesverbänden des dbv gehen genau diesen Weg einer sukzessiven Verdichtung der Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek, die an gegebene Strukturen anschließt, mit dem Ziel der Förderung von Lesemotivation und Informationskompetenz bei Kindern und Jugendlichen. Bibliotheken greifen ihre Rolle als Bildungspartner der Schulen aktiv auf und gestaltenneue Formen unmittelbarer Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bibliotheken in den „bibliotheksnahen“ Lernfeldern der Lese-, Informations- und Medienkompetenz. Beim Ausbau schulspezifischer Dienstleistungen der Bibliotheken sowie beim Auf- und Ausbau der Schulbibliotheken darf es zu keiner Umverteilung kommunaler Ressourcen zu Lasten der öffentlichen Bibliotheken kommen. In Kommunen, in denen leistungsfähige öffentliche oder wissenschaftliche Bibliotheken vorhanden sind, werden Kooperationen und Vernetzungen angestrebt. Denn nur die Einbindung schulbibliothekarischer Angebote in eine lokale und regionale Bibliotheksstruktur sorgt für einen effektiven Ressourceneinsatz, sichert fachliche Unterstützung und gewährleistet so nachhaltig die Wirksamkeit schulbibliothekarischer Arbeit. Die Profilierung der Bibliotheken als aktive Bildungspartner der Schulen macht diese nicht nur zum unverzichtbaren Lernumfeld von Schule, sondern gibt ihnen auch eine wichtige bildungspolitische Legimitation.

Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Bundesgeschäftsstelle
Straße des 17. Juni 114
10623 Berlin


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de