Bericht

Hörbildung für Kinder

19.07.2007

Schlüsselkompetenzen für die Zukunft


Logo der Tagung
Logo der Tagung "Ganz Ohr! Neue Wege der Hörbildung"
Wie die KIM Studie 2006, eine Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland, gezeigt hat, waren CD-Player und Kassettenrekorder auch 2006 noch die Mediengeräte, über die Kinder am häufigsten verfügten, außerdem gehörten „Musik-CDs/Musikkassetten hören“ zusammen mit „Hörspielkassetten hören“ neben dem Fernsehen zu den beliebtesten medialen Freizeitaktivitäten bei Kindern. Der Anteil der Kinder- und Jugendhörbücher am Hörbuchmarkt beträgt inzwischen fast 30 Prozent. Hörmedien gehören für Kinder zu den zentralen Medieninstanzen ihrer Sozialisation.


Hörbildung als zentrale Herausforderung
Es erstaunt deshalb nicht, dass Hörbildung zunehmend in den Blick gerät, wenn es um die Entwicklung von Kindern geht. Vor allem in Anbetracht der Diskussion über die sprachliche Förderung von Kindern steht für viele Expertinnen und Experten außer Frage, dass in Zukunft die Hörbildung eine der zentralen Herausforderungen sein wird, vor allem für Kinder im Elementar- und Grundschulbereich. Dies zeigt sich auch an den verstärkten Aktivitäten im Elementar- und im Grundschulbereich, Erzählen, Zuhören und den Umgang mit Hörmedien in den Fokus bei der Entwicklung von Lernangeboten zu rücken.
Beim „Hören“ handelt es sich um eine Schlüsselkompetenz für die Zukunft. Dies wurde auch im Rahmen des neuen Funkkollegs „Erlebnis Zuhören“ des Hessischen Rundfunks aufgezeigt. Nicht nur Fragen nach unserer akustischen Welt, der Geschichte und der Biologie des Hörens standen im Zentrum der Hörfunkreihe, sondern auch Fragen nach psychologischen Dimensionen und nach Wegen der Zuhörförderung. Wie facettenreich sich das Thema „Hören“ darstellt, kann man zum einen in den Sendungen, die als kostenloses Podcast zur Verfügung stehen, und zum anderen in den beiden Publikationen, die zum Funkkolleg erschienen sind, erkunden.

Projekte und Initiativen engagieren sich für die Schlüsselkompetenz „Hören"
Bundesweit gibt es inzwischen eine Fülle von Initiativen, die sich der Entwicklung der Schlüsselkompetenz „Hören“ zugewandt haben. Zu nennen sind hier unter anderem die „Stiftung Zuhören“, die Initiative „Ohrenspitzer“, die Initiative „Schule des Hörens“, die Initiative „Hören“ sowie das Projekt „Hören mit Qualität“.


Das Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK)
Seit zehn Jahren beschäftigt sich das Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) an der Hochschule der Medien Stuttgart mit der Frage, wie eine qualitätsvolle Hörbildung aussehen kann. Mit den Empfehlungen zur „CD des Monats“ gibt das Institut Hinweise für Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern auf qualitätsvolle Hörspiel- und Hörbuchproduktionen für Kinder, im Rahmen von Forschungsprojekten werden Trends im Umgang der Kinder mit den Hörmedien herausgearbeitet, die Entwicklung didaktisch-methodischer Konzepte für den pädagogischen Einsatz von Hörmedien geben Hilfestellungen für die Praxis und Tagungen sowie Workshops schaffen Plattformen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, sich über Fragen der Hörbildung auszutauschen.

Tagung „Ganz Ohr! Neue Wege der Hörbildung“
Fragen zur Bedeutung von Sprechen und Hören für die kindliche Entwicklung und zur Gestaltung von Konzepten der Hörförderung stehen im Zentrum dieser Tagung am am 25. September 2007 in Stuttgart. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Medienproduzentinnen und Medienproduzenten sowie Pädagoginnen und Pädagogen diskutieren auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse und pädagogischer Konzepte über zukünftige Wege der Hörbildung. Dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die praktische Umsetzung neuer Konzepte gelegt werden.
In den Vorträgen werden physiologische, psychologische und pädagogische Aspekte der Hörbildung in den Blick genommen. Eine Erzählperformance soll einen Einblick in die Möglichkeiten des gesprochenen Wortes geben. Die Frage, wie Qualitätskriterien für Hörspiele für jüngere Kinder aussehen, wird unter Verlags- und Produktionsperspektive diskutiert. In sechs Workshops wird den Teilnehmenden die Möglichkeit gegeben, sich mit Expertinnen und Experten unter verschiedenen Perspektiven über die Zukunft der Hörbildung auszutauschen. Ein besonderer Ohrenschmaus wird die Präsentation eines Surround-Hörspiels für Kinder sein.
Die Tagung richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Pädagoginnen und Pädagogen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Medienschaffende sowie alle an Hörbildung für Kinder Interessierten. Eine Anmeldung ist bis zum 14. September 2007 möglich.
Das Programm der Tagung kann von der Internetseite des des Instituts für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) abgerufen werden.

Materialien:
KIM-Studie 2006
Kinder und Medien Computer und Internet
Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland
Herausgeber: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest
kostenloser Download

Der Aufstand des Ohrs - die neue Lust am Hören
Herausgeber: V. Bernius, P. Kemper, R. Oehler, K.-H. Wellmann
Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2006
EUR 16,90

Erlebnis Zuhören. Eine Schlüsselkompetenz wiederentdecken
Herausgeber: V. Bernius, P. Kemper, R. Oehler, K.-H. Wellmann
Vandenhoeck + Ruprecht Gm, 2007
EUR 29,90

Autor:
Prof. Dr. Richard Stang
Professor für Medienwissenschaft an der Fakultät „Information und Kommunikation“ der Hochschule der Medien Stuttgart und Mitglied im Leitungsteam des Instituts für angewandte Kindermedienforschung (IfaK)

 

Projekte zum Thema im Innovationsportal:

  1. KuBiM Rheinland-Pfalz: Hör-Spiele - Förderung einer demokratisch-partizipativen Musikkultur
  2. KuBiM Bayern: GanzOhrSein - modulares Handlungsmodell zum Hören fördern und Hören machen durch ästhetische Bildung und kulturelle Praxis

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de