Bericht

Warum die Menschen keinen Frieden halten

21.09.2006

Ein Jugendsachbuch über den Krieg


Cover des Buches
Cover des Buches
Das Thema ist von trauriger Aktualität: Warum gab und gibt es immer wieder Kriege – und das, obwohl die Mehrheit der Menschen eine tiefe Sehnsucht nach Frieden hat? Können wir einfach nicht anders? Gehören Aggression und Machtstreben zur menschlichen Natur?

Tatsächlich scheint Krieg auf die „Gattung Mensch“ beschränkt zu sein – mit diesem Phänomen beginnt das erste Kapitel. Zwar gibt es auch im Tierreich Aggressionen gegen „Artgenossen“ – gleichzeitig aber eine angeborene Tötungshemmung, die verhindert, dass eine Art sich selbst schwächt oder gar vernichtet. Für das „vernunftbegabte Lebewesen“ Mensch gilt dies offenbar nur in eingeschränktem Maße. Was bei ihm nicht im Erbgut festgeschrieben ist, muss er sich im Rahmen überlieferter Gesetze, Moralvorstellungen und Werte erwerben.

Der provokanten Frage „Krieg – ein Naturgesetz?“ schließen sich weitere Fragestellungen an: Beispielsweise nach dem Verhältnis von Krieg und Religion oder nach der Rolle des Krieges im Spiel und in der Kunst. Nicht nur, dass viele Spiele einen kriegerischen Hintergrund haben (vom Schach bis hin zum modernen Computerspiel) – der Krieg ist Gegenstand von Literatur und Malerei, von Musik und Film. Selbst aus der Religion ist er nicht wegzudenken - steht doch am Anfang der biblischen Menschheitsgeschichte der Bruderkrieg zwischen Kain und Abel.

Mit den so genannten Religionskriegen beginnt dann auch die geschichtliche Auseinandersetzung, zunächst mit den Kreuzzügen, dann mit dem Dreißigjährigen Krieg. Dabei gelingt es dem Autor immer wieder, interessante Gegenwartsbezüge herzustellen, z.B. wenn es um den Begriff des „heiligen Krieges“ geht. Dieser wird heute vor allem mit dem Islam in Verbindung gebracht, taucht aber erstmals im Zusammenhang mit den Kreuzzügen auf, ist also ursprünglich eine „christliche“ Wortschöpfung.
 
Den Religionskriegen folgen weitere „Formen“ des Krieges: Von kolonialem Krieg und Bürgerkrieg bis hin zum Ersten und Zweiten Weltkrieg als Formen des „totalen“ Krieges.
Dabei geht es nie um bloße Zahlen und Fakten, sondern darum, Zusammenhänge herzustellen: Zusammenhänge zwischen alten, willkürlich gezogenen Grenzen früherer Kolonialgebiete und heutigen Konflikten zwischen Staaten der so genannten Dritten Welt. Zusammenhänge zwischen deutschem „Sendungsbewusstsein“ im Kaiserreich und den Verbrechen der Nationalsozialisten.
Die „Geschichte des Krieges“ wird bis in die Gegenwart fortgeschrieben. Daher befassen sich die letzten Kapitel mit internationalem Terrorismus und der Entwicklung neuer Waffensysteme.
 
Das Buch bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Fülle an Themen zur Auseinandersetzung. Was es erfreulicherweise nicht bietet, sind vorgefertigte Antworten. Denn, wie der Autor selbst an einer Stelle formuliert: „Auf die Frage: ‚Warum Krieg?’ wird es kein allerletztes, vielleicht sogar hoffnungsvolles ‚Darum’ geben. Aber gerade deshalb ist es wichtig, das Kriegerische im Menschen zu ergründen, es als selbstverschuldetes Übel, als vermeidbare Gewalttat zu erkennen. Nur so kann man diesem Irrsinn entgegentreten.“

Zum Autor:
Gerhard Staguhn, 1952 in Bayern geboren, lebt als freier Autor und Wissenschaftsjournalist in Berlin. Zuletzt erschienene Sachbücher u.a.: „Die Rätsel des Universums“ (1998), „Die Jagd nach dem kleinsten Baustein der Welt“ (2000), „Gott und die Götter – die Geschichte der großen Religionen“(2003).

Zum Buch:
Gerhard Staguhn: Warum die Menschen keinen Frieden halten. Eine Geschichte des Krieges.
München: Hanser, 2006
255 S., 16,90 EUR

Autorin: Gretel Unterstenhöfer


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