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Bericht

Erfolgreiche Motivation für das Lesen

19.07.2006

Engagierte Buchhändler, Verleger, Pädagogen und Autoren gründeten 1954 den „Friedrich-Bödecker-Kreis“


Autoren lesen vor Schülern
Autoren lesen vor Schülern
Quelle: Bundesverband Friedrich-Bödecker-Kreis
Der Friedrich-Bödecker-Kreis steht für „Autorenbegegnungen mit Kindern und Jugendlichen“. Dabei sind Autorenbegegnungen viel mehr als „nur Lesungen“, weil sie einen intensiven Kontakt zwischen Autoren und Autorinnen, Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Die Veranstaltungen, die neben der Lesung immer auch Gespräch und Diskussion beinhalten, werden als kurzweiliges Ereignis im Alltag erfahren und wirken über den Tag hinaus. So ist es auch den vielen in ganz Deutschland verteilten Friedrich-Bödecker-Kreisen zu verdanken, dass Kinder und Jugendliche durch die persönliche Begegnung mit einem Autor oder einer Autorin einen völlig neuen Zugang zum Lesen und zur Literatur fanden. „In den Gesprächen über die in Büchern dargestellten Themen, die mit den Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen zu tun haben, lässt sich erfolgreich die Motivation für das Lesen stärken“, sind sich Malte Blümke, der Bundesvorsitzende und Hans Bödecker, der Ehrenvorsitzende des Friedrich-Bödecker-Kreises einig. Den Namen hat der Verein von dem niedersächsischen Pädagogen Friedrich Bödecker, der schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Kinder- und Jugendbuchautoren in die Schule einlud, um neue Formen der Literaturvermittlung zu erproben.

Von Potsdam bis Trier, von Flensburg bis München
Mittlerweile werden über den Friedrich-Bödecker-Kreis jährlich rund 6.000 Lesungen für 240.000 Kinder und Jugendliche in Schulen, Kindergärten, Büchereien und Buchhandlungen von Potsdam bis Trier, von Flensburg bis München realisiert, so die Initiatoren. Der Friedrich-Bödecker-Kreis sei somit eine der größten Institutionen der Leseförderung in Europa, die sowohl flächendeckend „bis in die kleinsten Gemeinden und Schulen“ als auch nachhaltig, Autorenbegegnungen mit Kindern und Jugendlichen ermögliche.

Inzwischen gibt es in allen Bundesländern Friedrich-Bödecker-Kreise. Als gemeinnützige Vereine agieren sie in den jeweiligen Ländern. Ein gemeinsames Ziel all dieser Kreise ist die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen. In pädagogischer Hinsicht möchte der Friedrich-Bödecker-Kreis Kinder und Jugendliche dazu befähigen, aktiv am literarischen Leben teilzunehmen. Dies erreicht er durch Autorenlesungen, die meist in Schulen aber auch in anderen Einrichtungen wie Kindergärten, Bibliotheken, Jugendeinrichtungen, Jugendstrafeinrichtungen und in Eltern- sowie Lehrerfortbildungen stattfinden.

Die Landesverbände des Friedrich-Bödecker-Kreises vermitteln, organisieren und finanzieren Autorenlesungen und wirken darüber hinaus bei der Information und Beratung von überregionalen Veranstaltungen, wie Literaturtagen, Kinder- und Jugendbuchwochen, bei Projekten und Modellversuchen der Leseerziehung, bei Buchaustellungen, bei der Herausgabe von Literaturverzeichnissen der Kinder- und Jugendbuchwochen und bei der Zusammenarbeit mit institutionellen Partnern der Leseerziehung und der Literaturvermittlung mit.

Die vielen verschiedenen Friedrich-Bödecker-Kreise wollen natürlich koordiniert sein. Dafür und für länderübergreifende Aufgaben gibt es den Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise. Heute befindet sich die Bundesgeschäftsstelle in Hannover, gegründet wurde sie 1981 in Mainz. Außerdem stärkt und unterstützt der Bundesverband die Landesverbände bei ihrer Arbeit und pflegt darüber hinaus die Kontakte zum Bund und zu überregionalen und internationalen Institutionen.

Autorenlesungen und Projekte
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedrich-Bödecker-Kreises beobachten und lesen die jährlich erscheinende deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur. Auf diese Weise werden ihnen auch junge Autorinnen und Autoren mit ihrer Erstveröffentlichung bekannt. Der Verein gibt sowohl in Form eines handlichen Buches als auch in Form einer Autorendatenbank viele Hunderte von Autorinnen und Autoren bekannt, die zu Veranstaltungen vermittelt werden können. Es können jedoch auch Autoren und Autorinnen sowie Illustratoren oder Illustratorinnen zu Veranstaltungen vermittelt werden, die nicht in der Autorendatenbank des Bödecker-Kreises aufgeführt sind, wenn sie die Honorarrichtlinien der Landesverbände akzeptieren.

Der Friedrich-Bödecker-Kreis unterstützt nicht nur finanziell, sondern auch mit Checklisten für die Veranstalter die gelingende Organisation von Autorenlesungen. Folgende Schritte sind bei dem Organisieren einer Autorenlesung über den Friedrich-Bödecker-Kreis zu beachten: Anhand des Autorenverzeichnisses wird ein Autor ausgewählt und ein Antrag an den jeweiligen Landesverband des Friedrich-Bödecker-Kreises gestellt. In Rücksprache mit dem Autor oder der Autorin vereinbaren Mitarbeiter des Vereins einen Termin. Anschließend erhalten Autor und Antragsteller eine Terminbestätigung und einen Vertrag. Empfehlenswert ist es, die Kindergartengruppe oder Schulklasse schon vorher in das Werk einzuführen, um die Lesung inhaltlich vorzubereiten. Die Veranstaltung dauert meist 60 bis 90 Minuten und der Bödecker-Kreis weist darauf hin „Je kleiner der Kreis, desto effektiver die Veranstaltung“. Von einer Gruppe, die aus mehr als fünfzig Personen besteht rät der Friedrich-Bödecker-Kreis ab. Auch an die Nachbereitung der Veranstaltung will gedacht sein: „Um den auftretenden Lesehunger zu stillen, stehen Buchhandlungen und Bibliotheken mit Rat und Tat zu Verfügung“, so die Mitarbeiter des Friedrich-Bödecker-Kreises.

In intensiver Zusammenarbeit mit seinen Landesverbänden führt der Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise auch eine Vielzahl von Modellprojekten durch, die von überregionaler, wenn nicht sogar internationaler Bedeutung sind. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die zuständigen Länderministerien unterstützen und ermöglichen diese Veranstaltungen. Einige Beispiele für Projekte und Veranstaltungen sind: die „Deutsch-Niederländisch-Flämische Begegnung“, „Taschenbücher sind Taschengeldbücher“, „Schreibwerkstätten“, „Unzensiert und unfrisiert“, „Schulschreiber“, „COOLTUR“, „Projekte gegen Gewalt und für Integration“ etc.. Es ist schon verblüffend, wie vielseitig und reichhaltig die Angebote des Friedrich-Bödecker-Kreises für Kinder und Jugendliche sind und welch attraktive Chancen sie ihnen eröffnen, aktiv am literarischen Leben teilzunehmen!

Autorin: Katja Haug


Redaktionskontakt: redaktion@lesen-in-deutschland.de