Bericht

Mit Pippi macht Museum Spaß!

17.11.2005

60 Jahre und kein bisschen weise? Pippi Langstrumpf feiert in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag. Groß und Klein sind dabei.




Pippi Langstrumpf-Ringelsocken, Quelle: Photocase
Pippi Langstrumpf-Ringelsocken, Quelle: Photocase
Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi genannt, wird dieses Jahr sechzig Jahre alt. Und man muss zugeben: Sie hat sich wirklich gut gehalten. Immer noch springt sie in Hemd, Zöpfen und Ringelsocken über Buchseiten und durch Kinderköpfe. Anlässlich ihres Geburtstages darf man Pippi vom 11. Dezember 2005 bis zum 23. April 2006 auf einer Sonderaustellung des Wolfgang Bonhage-Museums im hessischen Korbach besuchen. Kräftig gefeiert wurde auch schon im Sommer: Bereits im August dieses Jahres konnte man Pippi hautnah und in Farbe bewundern – und das in 1007-facher Ausfertigung! Denn beim dritten weltgrößten Pippi Langstrumpf-Treffen am 2. August 2005 in Osnabrück hat die Stadt den Weltrekord erreicht. Mit 1007 Pippis allen Alters und Geschlechts, in langen Strümpfen und mit abstehenden Zöpfen, schlug Osnabrück knapp den bisherigen Rekordhalter Fürstenwalde. Und hat sich so einen Eintrag ins „Guiness-Buch der Rekorde“ verdient.

Seit sechzig Jahren fasziniert Pippi Langstrumpf Eltern und Kinder. Sie ist nämlich nicht nur das stärkste Mädchen der Welt. Nein, sie hat auch immer die allerbesten Ideen. So erzählt Lindgren: "Gerade an diesem Morgen war Pippi dabei, Pfefferkuchen zu backen. Sie hatte eine riesengroße Menge Teig gemacht und auf dem Küchenfußboden ausgerollt. "Denn weißt du", sagte Pippi zu ihrem kleinen Affen, "wie weit reicht eigentlich ein Backblech, wenn man mindestens fünfhundert Pfefferkuchen backen will?" Kein Wunder, dass Thomas und Annika ihre Pippi so gerne besuchen, um mit ihr die merkwürdigsten Abenteuer zu erleben! Was zwanzig Jahre in Buchform wirken durfte, fand dann auch Eingang in andere Medien. Die Filmversion wurde im Mai 1969 unter der Regie von Olle Hellborn in einem Nürnberger Kino uraufgeführt. Das war fünf Tage nach dem zehnten Geburtstag der Hauptdarstellerin Inger Nilsson. Auf Astrid Lindgrens Trauerfeier sagte der mittlerweile 47-jährige ehemalige Kinderstar in seiner Dankesrede an die Schwedin: „Jetzt ist Pippis Mama im Himmel, ganz wirklich.“

Lebt in ihren Büchern weiter: Astrid Lindgren
Die schwedische Kinderbuchautorin, die am 14. November 1907 im schwedischen Smaland geboren wird, heiratet 1931 Sture Lindgren. Sie bringt zwei Kinder zur Welt, Lars und Karin. Ihre Karriere als Schriftstellerin beginnt sie 1944. Lindgren erzählt, wie es dazu kam: „Die beiden wollten immer, dass ich ihnen Geschichten erzähle. 1941 lag meine 7-jährige Tochter Karin mit einer Lungenentzündung im Bett. Jeden Abend, wenn ich an ihrem Bett saß, quengelte sie auf typisch kindliche Art: „Erzähl' mir was!" Und als ich sie eines Abends ziemlich erschöpft fragte: „Was soll ich dir denn erzählen?", da antwortete sie: „Erzähl' mir was von Pippi Langstrumpf!" Sie hatte den Namen gerade in dem Augenblick erfunden. Ich fragte sie nicht, wer Pippi Langstrumpf war, sondern fing einfach an zu erzählen. (…) Eines Tages im März 1944 schneite es in Stockholm. Als ich am Abend am Vasapark entlang ging, lag auf dem Bürgersteig Neuschnee, darunter war jedoch eine glatte Eisschicht. Ich rutschte aus und verstauchte mir den Fuß so stark, dass ich eine Zeit lang das Bett hüten musste. Um mir die Zeit zu vertreiben, fing ich an, die Pippi-Geschichten in Steno aufzuschreiben. Seit meiner Bürozeit bin ich gut im Stenografieren, und noch heute schreibe ich meine Bücher zunächst als Stenogramm. Im Mai 1944 wurde Karin zehn Jahre alt. Da kam mir die Idee, die Pippi-Erzählung ins Reine zu schreiben und ihr das Manuskript zum Geburtstag zu schenken.“

Das Buch „Pippi Langstrumpf“ erscheint fünf Jahre später in der deutschen Erstausgabe. Ihre vielen Auszeichnungen verdankt Astrid Lindgren ihrem Engagement und ihrer wunderbaren Phantasie. Unter anderem erhält sie den Schwedischen Staatspreis für Literatur, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels und die Goldmedaille des Schwedischen Tierschutzes. Astrid Lindgren stirbt am 28. Januar 2002 in Stockholm.

Die „Villa Kunterbunt“ ist jetzt in Hessen zu bestaunen
Ausführlich zeigt das Wolfgang-Bonhage-Museum im hessischen Korbach mit einer Sonderausstellung das spannende Leben und Wirken der Autorin. Vom 11. Dezember 2005 bis zum 23. April 2006 kann man dort die Welt der Pippi Langstrumpf besuchen. Groß und Klein können sich während dieser Zeit mit Erfrischungen aus dem Limonadenbaum stärken. Auch ein Pferd mit Namen "Kleiner Onkel" auf der Veranda der Villa Kunterbunt trägt zum Vergnügen bei. Mit Lesungen, Theaterstücken, Führungen und Workshops bietet das Museum eine breite Auswahl an Aktivitäten rund um die beliebte Kinderbuchgestalt. So können die Kinder etwa lernen, wie man Pfefferkuchen backt und sie können schwedische Kinderlieder singen, oder selbst in Pippis Fußstapfen treten. Denn natürlich stehen auch ihre viel zu großen Schuhe bereit. Zudem werden Originalillustrationen aus deutschen und schwedischen Pippi Langstrumpf-Büchern ausgestellt, unter anderem von Ingrid Vang Nyman, Walther Scharnweber, Rolf Rettich, Cornelia Ellinger und Katrin Engelking. Einer gebührenden Feier zu Pippis Sechzigstem steht also nichts mehr im Wege.

Wo?
Wolfgang Bonhage-Museum Korbach
Kirchplatz 2
34497 Korbach
Tel.: 05631 / 53 289

Wann?
11.Dezember 2005 bis 23. August 2006
Beginn: 11.15 Uhr

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 11 bis 16.30 Uhr
Nach Anmeldung für Schulklassen und Gruppen
auch außerhalb der Öffnungszeiten!

Eintritt:
Erwachsene 3 Euro
Kinder ab sechs Jahren 1 Euro

Autorin: Julia Trompeter


Redaktionskontakt: redaktion@lesen-in-deutschland.de