Bericht

„Schulbibliotheken müssen eine dauerhafte Finanzierung erhalten“

14.09.2005

Zur Organisation von Schulbibliotheken


Schulbibliotheken: Ein wichtiger Baustein zur Leseförderung
Schulbibliotheken: Ein wichtiger Baustein zur Leseförderung
Lese- und Medienkompetenz sind wichtige Schlüsselkompetenzen, die Jugendliche brauchen, um den Ansprüchen der heutigen Wissensgesellschaft gerecht zu werden. Ihr Fehlen führt oft in die berufliche Perspektivlosigkeit. Umso wichtiger ist es, dass diese Kompetenzen schon früh erworben werden, in der Familie, im Kindergarten, in der Schule. Die Schulbibliotheken, da sind sich Pädagogen und Bibliothekare einig, sollten im Bildungsnetz der Schule eine wesentliche Rolle spielen. Der Vorteil des „Lernortes Schulbibliothek“ bei der Förderung der jungen Leser und Mediennutzer liegt in seiner Vielfalt und in der Flexibilität der dort anzuwendenden Unterrichtsmethoden.

Eine Rarität: Die Schulbibliothek
Bedauerlicherweise verfügen nur etwa 15 Prozent aller Schulen in der Bundesrepublik Deutschland über eine den fachlichen Standards entsprechende Bibliothek. „Eine wesentliche Ursache liegt sicher darin, dass bildungspolitisch, institutionell und rechtlich klare Zuständigkeiten für die Schulbibliotheken fehlen“, so Regina Pantos, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJUM) der GEW. Als Folge sind viele Bibliotheken schlecht ausgestattet, haben unattraktive Bestände und ungünstige räumliche Voraussetzungen, schließen bald wieder, weil Schulträger nicht kooperieren oder leiden an schlecht ausgebildetem Personal. In vielen Schulbibliotheken werden aus Geldmangel unausgebildetes Lehrpersonal oder Eltern eingesetzt. „Dabei setzt die erfolgreiche und nachhaltige Arbeit mit der Schulbibliothek gerade Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter voraus, die über bibliothekarische und pädagogische Qualifikationen verfügen“, betont Regina Pantos.

Das Schulbibliotheksmanifest der UNESCO
Auch die UNESCO stellte 2001 in ihrem Schulbibliotheksmanifest „Lehren und Lernen mit der Schulbibliothek“ heraus, dass „Schüler eine höhere Kompetenz beim Lesen, Schreiben, Lernen und Problemlösen sowie bei der Informations- und Kommunikationstechnologie erwerben, wenn Bibliothekare und Lehrer zusammenarbeiten.“ Sie bittet daher alle Regierungen, die durch ihre Kultusministerien für die Bildung verantwortlich sind, Strategien, Leitlinien und Pläne zu entwickeln, welche die Grundsätze dieses Manifests umsetzen. „Die Schulbibliothek stellt Informationen und Ideen zur Verfügung, die grundlegend für ein erfolgreiches Arbeiten in der heutigen informations- und wissensbasierten Gesellschaft sind. Die Schulbibliothek vermittelt den Schülern die Fähigkeit zum lebenslangen Lernen, entwickelt ihre Phantasie und befähigt sie so zu einem Leben als verantwortungsbewusste Bürger“, unterstreicht sie. Schulbibliotheken „müssen eine angemessene und dauerhafte Finanzierung für ihr Fachpersonal, für die Bestände sowie die technische Ausstattung und Einrichtung erhalten.“ Davon sind viele Schulbibliotheken in Deutschland weit entfernt.

Wie organisiere ich eine Schulbibliothek?!
Doch auch, wo der Wert von Schulbibliotheken für die Leseförderung und das Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern erkannt sowie die Einrichtung oder der Ausbau von Schulbibliotheken beabsichtigt werden, stehen die Zuständigen oft vor erheblichen Schwierigkeiten. Die Büchereizentrale Lüneburg empfiehlt daher in ihrem Leitfaden „Tipps für den Aufbau einer Schulbibliothek“, sich Kooperationspartner zu suchen und den Kontakt zu Lehrern an anderen Schulen, zu den örtlichen Öffentlichen Bibliotheken und zu den hierfür eingesetzten Beratern aufzunehmen. Klärt man vorher ab, welche Fachsystematik und Recherche- und Ausleihsoftware an der Öffentlichen Bibliothek verwendet wird, kann man beispielsweise beim Austausch von Medienbeständen eng zusammenarbeiten.

Fragen der Verwaltung, des Personals und der Finanzierung
Geregelt werden muss, ob man eine Selbstständige Schulbibliothek, eine Schulbibliothek als Teil der Öffentlichen Bibliothek oder eine kombinierte Form von Öffentlicher Bibliothek und Schulbibliothek einrichten will. Wichtig ist es auch, klare und eindeutige Festlegungen hinsichtlich der Benutzung der Bibliothek zu treffen und ein sicheres, rationelles Ausleihverfahren zu wählen, rät die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt am Main auf den Seiten schulmediothek.de. Die Benutzungsregelungen sollten in Abhängigkeit der Bibliotheksgröße, der Leistungsziele und der örtlichen Möglichkeiten festgelegt werden. Gut ist es, wenn die Öffnungszeiten denen der Schule entsprechen und Bibliotheken mit Doppelfunktion auch außerhalb dieser Zeiten geöffnet sind. Problematisch ist nach wie vor die personelle Besetzung der Schulbibliotheken. Ohne Frage ist eine Schulbibliothek am handlungsfähigsten, wenn sie von einem hauptberuflichen Schulbibliothekar bzw. einer Schulbibliothekarin geleitet wird. Da kommunale und staatliche Schulträger sich in dieser Hinsicht aber oft uneinsichtig zeigen, und die Zuständigkeit für die Schaffung neuer Stellen nicht geklärt ist, kommt es sehr häufig zum Einsatz unqualifizierten Personals.

Auch eine gesicherte Finanzierung der Sachmittel ist vor allem für die selbständigen, schulinternen Bibliotheken ein großes Problem. Damit die Schulbibliotheksentwicklung nicht zu einem Stillstand kommt, sollte man deshalb nach zusätzlichen Finanzquellen suchen. Ein Finanzierungspaket, in dem mehrere, durchaus unterschiedliche Finanzquellen gebündelt werden, verspricht den meisten Erfolg, so die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt am Main. Das Finanzierungspaket kann sich beispielsweise aus einem im kommunalen Haushaltsplan für die Schule fest geschriebenen Etat für Bücher und Medien sowie aus Spenden, Sponsorengeldern, Stiftungsgeldern und Einkünften aus Bibliotheksaktionen wie Schulfesten oder Basaren zusammensetzen.

Räumliche Gestaltung einer Schulbibliothek
Eine große Rolle spielt auch die Raumplanung. Gut ist, wenn die Schulbibliothek innerhalb der Schule in zentraler Lage, von allen Gebäudeteilen aus gut erreichbar angesiedelt ist. Der Eingangsbereich sollte attraktiv gestaltet sein, Zeitungen und Zeitschriften, schulinterne Informationen und lokale Veranstaltungshinweise können ausgelegt, Ausstellungen präsentiert werden. Bequeme Sitzgelegenheiten laden zum Wohlfühlen ein. Die Ausleih- und Medientheke, an der die wesentlichen Beratungs- und Aufsichtsfunktionen wahrgenommen werden, sollte möglichst zentral platziert ein.

Der bevorzugt offene, großflächige und transparente Bibliotheksraum selbst wird am besten in überschaubare Funktionsbereiche gegliedert, deren Abtrennung durch flexible Elemente wie Stellwände oder Regalzwischenwände erfolgt. Damit sich Lehrer und Schüler wohl fühlen, sollte das Mobiliar nicht nur nach nützlichen Aspekten, sondern auch nach ästhetischen ausgesucht werden und es sollte die Arbeitsabläufe optimal unterstützen. Heutige Unterrichtskonzepte sehen das selbständige Lernen unter Einbezug der Schulbibliothek als eine zentrale Aufgabe an. Daher sollten sowohl Print- wie auch audiovisuelle und computerbasierte -Medien (CD-ROM, DVD) zusammen mit einer ausreichenden Zahl von Arbeitsplätzen für einzelne Schüler, aber auch für ganze Klassen zur Verfügung stehen, die mit der nötigen Technik – Multimedia-Computer mit Netzwerk- bzw. Internet-Anschluss – ausgestattet sind. Als Richtgröße für die Ermittlung des Flächenbedarfs einer Schulbibliothek kann ein Wert von ca. 30 Quadratmetern pro 1000 Medien genommen werden.

Wichtig: Der Bestandsaufbau
Die Leistungsfähigkeit der Schulbibliothek hängt sehr von ihrem inhaltlichen Angebot ab. Bestandsaufbau und kontinuierliche Pflege des Angebots gehören daher zu den zentralen Aufgaben der Bibliotheksleitung. Bereiche des Bestandes sind Nachschlagewerke und Standardliteratur, Tages- und Wochenzeitungen sowie Zeitschriften, audiovisuelle und elektronische Medien wie DVDs, Videos, CD-Roms, Dias, Overheadfolien, Lernsoftware, Erzählende Literatur für Kinder und Jugendliche, Werke der Weltliteratur, Klassensätze bestimmter Werke zur unterrichtlichen Nutzung und Angebote im Internet. Die Grundlage des Bestandsaufbaus in Schulbibliotheken ist eine kontinuierliche kritische Sichtung des Medienmarktes und ein ausreichender Medienetat. Aus der Fülle das Wichtige und Richtige auszuwählen, gehört zu den verantwortungsvollsten Aufgaben der Bibliotheksarbeit. Die erste Sichtung des Angebots erfolgt am besten über Verlagsprospekte, das Buchhandelsangebot, speziell für Schulbibliotheken erscheinende Bestandslisten und Rezensionen in Zeitschriften.

Systematische oder thematische Bestandserschließung?
Um den Schülerinnen und Schülern die Mediensuche zu erleichtern, ist wie in jeder anderen Bibliothek auch ein Ordnungs- und Orientierungssystem notwendig. Medien können systematisch oder thematisch nach Interessenkreisen aufgestellt werden. Es wird zwischen Sachliteratur und erzählender Literatur unterschieden. AV-Medien sollten so in den Buchbestand integriert werden, dass die vorhandenen Medien zu einem Sachthema im Regal beieinander stehen. Diese Aufstellung erleichtert die Suche sowohl für Schüler als auch für Lehrer, teilt die Büchereizentrale Lüneburg ihre langjährigen Erfahrungen mit. Der thematischen oder systematischen Zuordnung der Medien folgt eine verbale Sacherschließung über Schlagwörter. Hierbei wird der Inhalt eines Mediums durch einen oder mehrere Begriffe erfasst und ist darüber im Zettel- oder EDV-Katalog wieder auffindbar. Die wichtigsten konventionellen Kataloge sind der Alphabetische Katalog, der Titelkatalog und der Systematische oder Sachkatalog. Die Anwendung eines Regelwerkes zur Gewährleistung der Einheitlichkeit ist dabei sinnvoll.

Jede Schule braucht ihre Bibliothek
Aufbau und Pflege einer Schulbibliothek sind intensiv und kosten Zeit und Geld. Umso wichtiger ist es, dass Schulen, Lehrkräfte, Bibliothekare und Schulträger an einem Strang ziehen. Wenn eine Bibliothek dann aber richtig funktioniert, ist sie für alle ein großer Gewinn, denn Schulbibliotheken, wie die UNESCO in ihrem Manifest betont, „sind von hervorragender Bedeutung für jede langfristige Strategie zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten, der Bildung, der Informationsbeschaffung und der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung.“ Und damit leisten sie einen großen Beitrag zur Ausbildung der Schülerinnen und Schüler.

Autorin: Petra Schraml


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