Bericht

Welches Buch macht das Rennen?

13.07.2005

Die Bürgerinnen und Bürger der Rhein-Neckar-Region wählen das „Buch im Dreieck“


Am 22. Juli wird „Das Buch“ bekannt gegeben!
Am 22. Juli wird „Das Buch“ bekannt gegeben!
„Also mir gefällt das Buch ’Die Sehnsucht der Schwalbe’ von Rafik Schami gut. Es lehrt einen, seine Gedanken, Vorurteile und Reaktionen gegenüber anderen zu überdenken“, meint Fabian. „Ja, das sehe ich ähnlich“, antwortet ihm Silke, „aber ’Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus’ von Friedrich Christian Delius ist ebenfalls sehr interessant. Es zeigt uns, wie gut es uns geht und was für ein Leid andere Kinder erfahren.“ Fabian und Silke diskutieren gerne über Literatur. Als die Initiatoren des Projektes „1 Buch im Dreieck“ die Bevölkerung der Rhein-Neckar-Region dazu aufriefen, das „Eine Buch“, das im März 2006 von den Bewohnern der Region gemeinsam gelesen werden soll, auszuwählen, bildeten sie zusammen mit ihren Freunden Anton und Sabrina eine Lesegruppe, um sich an der Wahl zu beteiligen.

1 Buch im Dreieck
Das ungewöhnliche und bislang einzigartige Projekt in Deutschland sieht vor, dass möglichst viele Menschen in einer Region gleichzeitig ein Buch lesen und an den verschiedensten Orten – ob am Arbeitsplatz, zu Hause, in der Bücherei, in der Bahn, im Cafe oder auf der Straße – mit bekannten und unbekannten Menschen darüber reden. Das „Eine Buch im Dreieck“ soll den Menschen überall begegnen und zum gemeinsamen Gesprächsstoff einer ganzen Region werden. Auf diese Weise werden der Spaß am Lesen, das bürgerschaftliche Engagement, die selbstverantwortliche Kulturarbeit und die Vernetzung der Region Rhein-Neckar gefördert, wünscht sich Projektleiter Wolfgang Widder von der Stadtbibliothek Heidelberg. Organisiert wird das Projekt „1 Buch im Dreieck“ von zahlreichen öffentlichen Büchereien der Region. Die großen Stadtbibliotheken aus Heidelberg, Ludwigshafen und Mannheim haben die Projektkoordinierung übernommen.

Die Bevölkerung unterbreitet ihre Buchvorschläge
Der Höhepunkt der Aktion ist in der Zeit vom 4. bis zum 26. März 2006. In diesen Tagen wird das „Gespräch um das Buch“ von zahlreichen Veranstaltungen begleitet, die in fast allen Orten und Städten der Region stattfinden. Buchläden, Bibliotheken, Theater, Kinos und andere Orte werden zu Begegnungsstätten für die Lesenden und organisieren spannende Leseabende, Wettbewerbe, Theateraktivitäten, Literaturbusfahrten, Ausstellungen und Vorträge. Die Inhalte der Veranstaltungen orientieren sich an dem „Einen Buch“, das noch in diesem Monat gewählt wird.
Um die Bewohner der Region schon im Vorfeld auf die Aktion aufmerksam zu machen, beteiligten die Bibliotheken sie an der Auswahl des „Einen Buches“. Anfang des Jahres wurde jeder dazu eingeladen, einen Buchvorschlag abzugeben. Eine 15-köpfige Jury, die mit Schülern, Studenten, Pensionären, Journalisten, Buchhändlern, Bibliothekaren und Germanisten der Region besetzt war, wählte im März aus den insgesamt 700 eingegangenen Vorschlägen vier Titel aus. „Die Jury hat besonders darauf geachtet, Bücher auszuwählen, die eine gute, für viele Menschen interessante Geschichte auf sprachlich hohem Niveau erzählen. Darüber hinaus wurde berücksichtigt, dass die Schriftsteller im Fall ihrer Wahl für Lesungen und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen könnten“, kommentiert Wolfgang Widder die Auswahl.

Welches der vier Bücher wird „Das Buch“ im Dreieck?
Seit April stehen die vier ausgewählten Werke für alle zur Diskussion und Auswahl. Die Bürgerinnen und Bürger können als Lesegruppe oder Einzelperson darüber entscheiden, welches der vier Bücher zum Favorit der Region gekürt wird. Zur Auswahl stehen „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius, „Das blaue Kleid“ von Doris Dörrie, „Die Sehnsucht der Schwalbe“ von Rafik Schami und „Die Unberührten“ von Robert Schneider.
Lesegruppen können aus Familien, Wohngemeinschaften, Nachbarn, Freundeskreisen, Deutsch-AGs, Schulklassen oder Arbeitsteams, mindestens aber aus drei Personen gebildet werden. Die Anregung, sich in Leseteams zusammenzuschließen, kam von den Bibliotheken, um die Auseinandersetzung mit der Literatur schon in der Auswahlphase zu fördern. Lesegruppen teilen gemeinsame Leseerlebnisse, indem sie sich die Bücher gegenseitig vorstellen, sich Passagen daraus vorlesen und über die Bücher diskutieren. Beachten sollten die Lesegruppen bei der Auswahl nur, dass das Buch möglichst verschiedene Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Lebensstils anspricht. Abgestimmt wird dann mit einer Stimme. Einzelne Büchereien und Buchhandlungen haben während der letzten Wochen und Monate Lesungen und Diskussionsrunden angeboten, damit sich die Leseinteressierten mit den vier Werken auseinandersetzen können und leichter zu einer Entscheidung finden. Auch hier konnten die Lesenden sich zu Lesegruppen zusammenschließen.
Die Wahl erfolgt mit Abstimmungskarten, die in den Büchereien und vielen Buchhandlungen des Rhein-Neckar-Dreiecks erhältlich sind, oder aber auch per Internet. Abgestimmt werden kann noch bis zum 20. Juli 2005! Am 22. Juli wird die Rhein-Neckar-Region dann erfahren, welches „ihr“ Buch im Dreieck wird. Rechtzeitig also, um die Sommerferien direkt mit der neuen Lektüre zu starten.

Vorbild: „One City, One Book”
Mit dem Projekt „1 Buch im Dreieck“ wird erstmals in Deutschland das Modell „Eine Stadt liest ein Buch“ weit über die Grenzen einzelner Städte und Gemeinden hinausgetragen. Ursprünglich stammt das Modell „One City, One Book“, das die Lesefreude einer ganzen Stadt wecken will und ein Buch zum Gemeinschaftserlebnis macht, aus den Vereinigten Staaten. Vor einigen Jahren wurde die Idee auch von europäischen Bibliotheken aufgegriffen und in einigen Städten, darunter Wien, Köln, Hamburg, Bad Hersfeld, Düsseldorf, Luzern und Freiburg, unter dem Titel „Eine Stadt liest ein Buch“ adaptiert. Wolfgang Widder ging 2004 einen Schritt weiter und initiierte in den beiden Städten Wiesloch und Walldorf das Projekt „2 lesen 1“: Im März 2004 drehte sich in den beiden Nachbarstädten alles um „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny. Erfolgreich gelang es den Akteuren des Projektes, in beiden Städten das kulturelle und soziale Leben zu bereichern, das Lesen zu fördern und Alt und Jung näher zusammenzubringen. „Das Projekt stieß auf eine unglaubliche Resonanz auch bei Leuten, die sonst nicht lesen“, freut sich Wolfgang Widder.

Unterstützung von Sponsoren
Mit dem Projekt „1 Buch im Dreieck“ begibt man sich jetzt auf neue, noch breitere Pfade. Dieses Mal soll eine ganze Region, und das sind immerhin 2,4 Millionen Menschen, ein Buch lesen! Und es sieht gut aus. So gut wie alle Orte und Städte der Region beteiligen sich an diesem Riesenprojekt und sitzen in den Startlöchern, um die vielfältigen und interessanten Veranstaltungen rund um „Das Buch“ vorzubereiten. Unterstützt wird das Projekt tatkräftig von der Initiative „Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck“, der BASF Aktiengesellschaft, der Heidelberger Druckmaschinen AG und anderen Sponsoren. Der Mannheimer Bürgermeister Dr. Kurz hat die Themenpatenschaft übernommen.

Alle warten jetzt nur noch gespannt auf den 22. dieses Monats, wenn „Das Buch im Dreieck“ bekannt gegeben wird, damit das Buch und sein Autor bzw. seine Autorin ausgiebig gefeiert werden können.

Autorin: Petra Schraml


Redaktionskontakt: schraml@digitale-zeiten.de