Bericht

Lesen leicht gemacht

10.03.2005

Wie Eltern bei ihren Kindern die Lust am Lesen wecken können




Bücher als fliegende Transportmittel
Bücher als fliegende Transportmittel

Lilli ist mit ihrer Mutter im Buchladen. Sie darf sich ein neues Buch aussuchen. Sie stöbert zufrieden zwischen den Regalen mit den Bilderbüchern und klappt nacheinander einige Bücher auf. Nach einigem hin und her entscheidet sie sich für ein Buch mit vielen Pferden. Lillis Mutter schaut sich das Buch an, schmunzelt und bezahlt. 

Die Lesefreude beginnt im Elternhaus
Dass Kinder mehr lesen müssen, wissen wir spätestens seit PISA. Den Jugendlichen in unserem Land ist im internationalen Vergleich eine unterdurchschnittliche Lesekompetenz bescheinigt worden. Texte können fächerübergreifend nicht richtig gelesen und verstanden werden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist es heute wichtiger denn je, den Kindern die Lust am Lesen schon möglichst früh zu vermitteln. Kleinkinder und Kindergartenkinder genießen es, vorgelesen zu bekommen und haben großen Spaß an Büchern, noch bevor sie selbst lesen können. Mit bunten Büchern und spannenden Geschichten können Eltern ihre kleinen Kinder schon früh fürs Lesen begeistern und ihr Leseverhalten nachhaltig prägen.  

Alle Kinder lesen gerne
Die Freude am Lesen wecken Eltern am leichtesten durch das Vorlesen. So wie die Mutter von Lilli. Sie liest am Abend Lilli das erste Kapitel des neuen Buches vor. Es ist spannend, vor allem für Lilli. Sie liebt Tiere und besonders Pferde. Aufgeregt folgt sie deshalb den Worten der Mutter, wenn diese von den Abenteuern vorliest, die Tine und Nina mit den Pferden erleben. Alle Kinder lieben Geschichten. Genauso gerne wie sie selber welche erfinden, hören sie auch den Geschichten anderer zu. Beachtet man einige Regeln, kann man Kinder leicht für das Vorlesen begeistern.  

Eine gemütliche Atmosphäre schaffen
Zunächst ist es wichtig, die richtige Atmosphäre zu schaffen. Lesestunden sollten gemütlich sein. Lilli kuschelt sich gerne in Mamas Arm, während die Mutter in einem bequemen Sessel sitzt. Beide könnten aber auch auf dem Sofa sitzen oder im Bett liegen. Die Wahl des Platzes ist den Vorlieben von Vorleser und Zuhörer überlassen. Nur bequem muss es sein! Lesen soll schließlich Spaß machen und nie als Pflichtübung verstanden werden. Förderlich ist auch eine gemütlich eingerichtete Bücherecke mit altersgerechten Büchern, die den Interessen des Kindes entgegenkommen. Hier lassen sich schöne Lesestunden verbringen. Die Lesefreude, die die Kinder an einem solchen Ort ihrer Kindheit entfalten hält meist ein Leben lang an.  

Auch der Inhalt ist entscheidend
Wichtig ist natürlich auch die Wahl des Buches. Die Geschichte muss dem Kind gefallen. Am besten beteiligt sich das Kind bei der Buchauswahl – es kann sich so besser mit den Darstellern identifizieren und hört interessierter zu. Gut ist es wie die Mutter von Lilli mit dem Kind in den Buchladen oder in die Bücherei zu gehen. Dies könnte zu einer schönen Gewohnheit von Eltern und Kindern werden.  

Mit der Gutenachtgeschichte fängt es an
Nach wie vor ist die Gutenachtgeschichte der beste Einstieg für Kinder, die Welt von Wörtern, Texten und Geschichten kennenzulernen. Wenn die Kinder schon lesen können, so wie Lilli, kann man sich mit dem Vorlesen auch abwechseln. Auf keinen Fall aber sollte man die Geduld verlieren. Kinder lesen oft langsamer als Erwachsene. Sie müssen merken, dass die Eltern stolz auf sie sind, wenn sie die Lust nicht verlieren sollen. Schön sind auch regelmäßig stattfindende Familienleseabende, bei denen abwechselnd vorgelesen wird. Im Grunde kann man Kindern alles vorlesen, wichtig ist nur, dass es das Kind interessiert! Ein aufregendes Erlebnis für Kinder in jedem Alter ist auch der Besuch öffentlicher Lesungen. Der persönliche Bezug zu einem „leibhaftigen“ Kinderbuchautor kann das Leseinteresse steigern. Die meisten örtlichen Bibliotheken bieten daher regelmäßig Autorenlesungen an.
 
Vorlesen, aber richtig!
Auch beim Vorlesen sollte man einige kleine Regeln beachten, um das Interesse der Kinder dauerhaft auf sich und das Buch zu lenken. Wichtig ist es langsam zu lesen, die Wörter deutlich auszusprechen und die Lautstärke beim Vorlesen zu wechseln. Spannende Inhalte spricht man am besten leise, fröhliche laut und heiter. Gut ist es auch, seine Stimme den Figuren anzupassen. Ein Häschen spricht anders als ein Löwe oder ein Elefant. Wenn man dies vor dem Vorlesen einübt, klappt es besser und erzeugt beim Vorlesen mit der entsprechenden Mimik und Gestik die richtige Spannung. Baut man an den passenden Stellen dann noch kurze Pausen ein und zögert die Auflösung etwas hinaus, ist die Lesefreude perfekt.  

Fragen sind erlaubt

„Warum sind die Pferde weggelaufen?“ will Lilli von ihrer Mutter wissen. „Sie haben sich vor dem vorbeifahrenden Auto erschreckt“, erklärt sie. Kinder unterbrechen das Vorlesen immer wieder durch Fragen. Sie vollziehen auf diese Weise das Gesagte nach und lernen dabei. Dies ist typisch und durchzieht das ganze Vorlesen. Darauf sollte man nicht genervt reagieren. Besser ist es, mit den Fragen zu rechnen oder sogar selbst dem Kind ab und zu Fragen zu der Geschichte zu stellen. So werden die Kinder aktiv am Geschehen beteiligt. Manchmal ergeben sich daraus auch sehr spannende Gespräche. Gefällt einem Kind die Fragerei nicht, sollte man es lieber lassen, da es sonst die Lust verliert.  

Morgen geht es weiter

Vorlesen soll vor allem Spaß machen. Nach dem Vorlesen kann man sich noch etwas Zeit nehmen, um über das Gelesene zu sprechen. In Ruhe lassen sich die Zusammenhänge noch einmal klären und Vater oder Mutter kann nachhorchen, ob alles verstanden wurde.   Geschickt ist es auch, an besonders spannenden Stellen des Buches aufzuhören und die Fortsetzung am nächsten Abend weiterzulesen. So kann sich das Kind den ganzen Tag auf die gemütliche Lesestunde am Abend freuen.


Weiterführende Links:

Seiten des Deutschen Bildungsserver:
- Lesetipps für Eltern und Lehrende  
- Lesetipps von Kindern für Kinder


Autorin: Petra Schraml
Redaktionskontakt: redaktion@lesen-in-deutschland.de