Landesporträt

Nordrhein-Westfalen: Kooperationen für die Leseerziehung

Projekte und Initiativen in Nordrhein-Westfalen




Foto: Nicole Schäfer
Foto: Nicole Schäfer
© LVR-Zentrum für Medien und Bildung
Das Land Nordrhein-Westfalen und die kommunalen Spitzenverbände Städtetag NRW, Städte- und Gemeindebund NRW und Landkreistag NRW fördern seit 2005 unter der Dachmarke Bildungspartner NRW die systematische Kooperation von Schulen und Bibliotheken. Das gemeinsame Ziel ist die bestmögliche Förderung der Lese- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Die Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek sichert Schülerinnen und Schülern vielfältige Zugänge zum Lesen. Dabei kommt neben dem klassischen Buch eine große Bandbreite weiterer Medienformate zum Einsatz. Das Vorhaben wird maßgeblich unterstützt von der Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW bei der Bezirksregierung Düsseldorf und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport sowie vom Verband der Bibliotheken NRW, der LAG Schulbibliotheken NRW und der Kommission Bibliothek und Schule im Deutschen Bibliotheksverband.

Bildungspartner NRW – Bibliothek und Schule
Als Bildungspartner NRW geben kooperierende Schulen und Öffentliche Bibliotheken mit gezielten Maßnahmen innerhalb langfristig verabredeter Partnerschaften neue Impulse zur Förderung des Lesens und der Informationskompetenz. Mitte 2016 kooperieren in NRW rund 175 Öffentliche Bibliotheken mit rund 850 Schulen als eingetragene Bildungspartner NRW. Der Ansatz, vielfältige Lernzugänge und individuelle Lernwege zu eröffnen, ein breites Spektrum an Medien und Kompetenzen professionell zu vermitteln und kulturelle Vielfalt zu fördern, überzeugt immer mehr Schulen, Bibliotheken und Kommunen. Die Geschäftsstelle Bildungspartner NRW koordiniert die Initiative landesweit. Sie berät Schulen und Bibliotheken und unterstützt Kooperationen durch Publikationen, Fortbildungen, Workshops und Kongresse. Darüber hinaus fördert sie die Vernetzung mit der lokal organisierten staatlichen Lehrerfortbildung (Kompetenzteams NRW) sowie mit weiteren Landesinitiativen und Projekten zur Leseförderung.

Bibliotheken und Schulbibliotheken bieten ideale Leseerziehung
Öffentliche Bibliotheken als wichtige Orte der Leseförderung bieten vielfältige Projekte und Aktivitäten wie Lesenächte, Bibliotheksführungen, Bilderbuchkinos und Bücherrallyes. Deren (Weiter)Entwicklung und Vernetzung wird im Förderprogramm Leseförderung der Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW bei der Bezirksregierung Düsseldorf unterstützt.
Im SommerLeseClub der Stadtbibliotheken z.B. erhalten Kinder und Jugendliche, wenn sie mindestens drei Bücher in den Sommerferien gelesen haben, ein Zertifikat, das sie auf ihrem Zeugnis vermerken lassen können.

Rund 350 Bibliotheken, darunter die Öffentlichen Bibliotheken sowie Universitäts-, Fachhochschul- und Spezialbibliotheken, haben sich im Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen e.V. (vbnw) zusammengeschlossen, um gemeinsam Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Bibliotheken professionell und leistungsstark arbeiten können.

Ideale Voraussetzungen für eine ganzheitliche Lese- und Medienerziehung bieten die Schulbibliotheken. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Schulbibliotheken setzt sich dafür ein, die Schulbibliotheken des Landes NRW zu stärken und weiterzuentwickeln. Sie unterstützt die Mitglieder mit Informationen und Beratungen und fordert eine finanzielle Beteiligung des Landes an der Einrichtung und personellen Ausstattung der Schulbibliotheken.

Seit 2013 wird das Qualifizierungsangebot für Beschäftigte Öffentlicher Bibliotheken Experten für das Lesen als Zertifikatskurs vom Zentrum für Bibliotheks- und Informationswissenschaftliche Weiterbildung (ZBIW) in Kooperation mit dem Land NRW angeboten. Der Kurs bietet die Möglichkeit, sich berufsbegleitend zum Thema Leseförderung zu professionalisieren. Die Teilnehmenden lernen, individuell für ihre Bibliothek Bedarfe zu erkennen und erfolgreiche Angebote zur Leseförderung zu konzipieren. Oftmals sind dies innovative Angebote für die Kooperation mit Schulen. Steckbrief Projektideen 2015

Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)
Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit 25 Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS). Ausgewählte Verbundkitas und Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen im Elementarbereich die BiSS-Module:
- Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung,
- Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren,
- Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich,
im Primarbereich:
- Gezielte sprachliche Bildung in fachlichen und alltäglichen Kontexten,
- Intensive sprachstrukturelle Förderung,
- Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen,
- Diagnose und Förderung des Leseverständnisses
sowie im Bereich der Sekundarstufe I:
- Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit,
- Lese- und Schreibstrategien im Verbund vermitteln,
- Selbstreguliertes Lesen und Schreiben,
- Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten,
- Medieneinsatz: Schreiben und Lesen mit digitalen Medien.

Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.
Zwei Beispiele für Ansätze zur Leseförderung sind die Verbünde Experten für das Lesen und Leseschule NRW.

Ein weiteres bundesweites Programm, in dem in NRW zahlreiche Einrichtungen aktiv sind, ist Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien. Es wird unter anderem in Kooperation mit dem Deutschen Bibliotheksverband (dbv) durchgeführt.

Lese- und Sprachförderangebote im Elementarbereich
Großer Wert wird in Nordrhein-Westfalen auf die frühe sprachliche Förderung gelegt. Damit alle Kinder die gleichen Chancen beim Eintritt in die Schule haben, erhalten rund 66.000 Kinder im Vorschulalter, darunter viele Kinder aus Zuwandererfamilien, eine durch das Land geförderte zusätzliche Sprachförderung. Die Sprachkompetenz aller Kinder wird künftig bereits zwei Jahre vor der Einschulung überprüft.

Durch das frühzeitige Heranführen an Bücher werden Grundlagen für lebenslange Lesefreude, vielfältige Lernchancen und kulturelles Interesse gelegt. Viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen führen eigene Lesestart-Projekte oder andere Aktionen durch.

Förderung der Lesekompetenz in der Schule
Die Förderung in der deutschen Sprache ist Aufgabe aller Lehrkräfte einer Schule. Richtlinien zur Förderung der Lesekompetenz sind in den Kernlernplänen verankert. Diese Aufgabe ist für Lehrkräfte nicht sprachlicher Fächer eine Herausforderung, der sie sich nicht immer gewachsen fühlen. Das Thema Leseförderung ist Teil des Angebotsspektrums der Kompetenzteams NRW: Sie unterstützen Schulen bei der Fortbildungsplanung und Unterrichtsentwicklung in den Fächern, sie beraten bei der Entwicklung eines gesamtschulischen Leseförderkonzeptes und ebnen den Weg für Bildungspartnerschaften mit der Öffentlichen Bibliothek (und anderen Partnern). Der nordrhein-westfälische Bildungsserver learn:line bietet für Lehrkräfte hilfreiche Empfehlungen und Materialien. Um an offenen Ganztagsschulen die Lese-, Schreib- und Sprachförderung zu unterstützen und zu ergänzen, haben das Schul- und das Kulturressort der Landesregierung sowie der Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen in einer Rahmenvereinbarung die Grundzüge ihrer Zusammenarbeit in offenen Ganztagsschulen festgelegt. Durch bibliothekarische Angebote sollen möglichst viele Kinder, unabhängig vom familiären Umfeld, Zugang zu Büchern und anderen Medien erhalten.

Die Leseförderung im schulischen und außerschulischen Bereich durch Vermittlung von Autorenlesungen ist die vordringlichste Aufgabe des Friedrich-Bödecker-Kreises NRW e.V. Durch die Autorenbegegnungen wird das Interesse der Schülerinnen und Schüler geweckt und es entsteht eine zum Teil lebenslange Freude am Lesen. Mit dem Landesprogramm „Kultur und Schule“ gibt die Landesregierung Künstlerinnen, Künstlern, Kulturinstituten und Einrichtungen der künstlerisch-kulturellen Bildung die Möglichkeit, Projekte in Kooperation mit einer Schule durchzuführen.

Diverse Zeitungsprojekte unterstützen die Leseförderung von Schülerinnen und Schülern. Im Rahmen des Projekts ZEUS-Kids – Zeitungsprojekt für die Grundschule durchstöbern Viertklässler jeden Morgen mit Begeisterung ihre eigene Zeitung. ZEUS Zeitung und Schule, das medienpädagogische Projekt der Journalistenschule Ruhr, weckt seit 1997 bei Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I und II das Interesse an Artikeln, Erzählungen und Gedichten. Sie recherchieren, führen Interviews und schreiben über ihre Themen auf den ZEUS-Seiten in den Lokalteilen. KLASSE! und KLASSE! KIDS, das Medienprojekt der Westdeutschen Zeitung, wird seit 2006 angeboten. Schülerinnen und Schüler lernen, welche journalistischen Darstellungsformen es gibt, wie eine Zeitung aufgebaut ist und wie sich Zeitungen voneinander unterscheiden.

Sprach- und Leseförderung bei Kindern aus Zuwandererfamilien
Um Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besser integrieren zu können, und das sind in NRW immerhin ca. 40 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, fördert das Land Projekte wie Sprachschätze Wuppertal: Anliegen ist Durchgängige Sprachbildung i.S.v. Deutsch als Zweitsprache im Kontext inklusiver Schulentwicklung. In dem Projekt wird mit Ergebnissen des FörMig-Proramms (Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, 2004-2009) weitergearbeitet.
Die Landesweite Koordinierungsstelle (LaKI) unterstützt die Kommunalen Integrationszentren bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen nicht nur mit Migrationshintergrund. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Themen „Durchgängige sprachliche Bildung“ und „Zusammenarbeit mit Eltern“ ein. Angeboten werden beispielsweise bewährte Programme wie Griffbereit, Rucksack Kita und Hocus und Lotus im Bereich der der frühen Bildung. Das Programm Rucksack Schule bietet konkrete Orientierungshilfen für die sprachliche Bildung mehrsprachig aufwachsender Schülerinnen und Schüler und mit dem Programm Koordinierte Alphabetisierung im Anfangsunterricht (Koala) werden zweisprachig aufwachsende Kinder in Deutsch und Türkisch alphabetisiert.

Ehrenamtliche Vorleseprojekte
LeseWelten ist die Vorleseinitiative der Kölner Freiwilligen Agentur e.V. Rund 170 geschulte Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler bieten Vorlesestunden für Kinder zwischen zwei und zehn Jahren in Kindertagesstätten, Grundschulen, Bibliotheken, Museen, Flüchtlingswohnheimen und Kinderkliniken an. Der Vision der Initiative nach soll jedes Kind in Köln mindestens einmal die Woche in den Genuss einer Vorlesestunde kommen. Mit Vorleseaktionen im vereinseigenen Lesezelt, Autorenlesungen, Veranstaltungen mit Märchenerzählerinnen und -erzählern der Europäischen Märchengesellschaft, Buchvorstellungen, Fortbildungen, Spielaktionen rund um das Buch und vielen anderen Aktionen interessiert der Verein zur Förderung der Kinder- & Jugendliteratur viele Kinder und Jugendliche für das Lesen.

Schreibwerkstätten und Autorentreffs
Die Initiative SchreibLand NRW, die vom Land NRW und dem Verband der Bibliotheken des Landes NRW e.V. (vbnw) finanziell gefördert wird, schafft eine Plattform für Kinder und Jugendliche, die kreatives Schreiben lernen möchten, sowie für alle Veranstalter von Schreibwerkstätten für diese Zielgruppe. Ziel ist es, vorhandene Angebote zu sammeln und sichtbar zu machen, neue Schreibwerkstätten zu initiieren und so eine Struktur für junges Kreatives Schreiben zu entwickeln. Die Bibliotheken NRW als erste Anlaufstellen für Lese- und Schreibbegeisterte spielen dabei eine zentrale Rolle. Interessierte Kinder und Jugendliche finden die Bibliotheken u.a. durch die enge Zusammenarbeit mit ihren Partnerschulen.
In Schreibwerkstätten vermittelt die Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Literatur (Jugendstil NRW), was es heißt, die eigenen inneren Bilder sprachlich zu fassen und zu Papier zu bringen. Theaterpädagogische Umsetzungen von Jugendliteratur oder auch die Herstellung von Hörspielen, Schattentheatern, Märchenkisten und Geschichtenrucksäcken gehören in ihr Repertoire. Das Literaturbüro in der Euregio Maas-Rhein e.V. bietet offene Autorentreffs, Lyriktreffs, öffentliche Lesungen und vergibt den Euregio-Schüler-Literaturpreis an eine Schriftstellerin oder einen Schriftsteller, von der/dem ein neuerer Roman in allen drei Sprachen – französisch, deutsch und niederländisch – vorliegt. In der Open-Air-Lesereihe Leselust auf dem Lousberg finden seit über 20 Jahren Literaturinteressierte die Gelegenheit, bekannte und nicht ganz so bekannte Autoren aus der Region und darüber hinaus live zu erleben. Seit 2007 bietet das Junge Literaturhaus Köln für Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren Lesungen, Workshops zum kreativen Schreiben und Illustrieren und viele andere literarische Aktionen.

Weitere literarische Höhepunkte
Zu einem literarischen Höhepunkt hat sich in den vergangenen Jahren die lit.COLOGNE entwickelt. An rund zehn Tagen im März gestalten Autorinnen und Autoren viele spannende Lesungen. Zahlreiche Aktionen werden im Rahmen der lit.kid.COLOGNE ausschließlich für Kinder und Jugendliche angeboten. Nach dem Losverfahren werden für die Reihen VorSchulBuch für Vorschulkinder und Klasse-Buch für Schulklassen Freikarten für Lesungen an Vorschulen und Schulen vergeben. In der Nacht der Bibliotheken öffnen Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken ihre Tore für spannende Veranstaltungen zu einem bestimmten Thema. Seit 2005 findet Literatürk, ein speziell türkisch-deutsches Literaturfestival, jährlich im Oktober in Essen statt. Es trägt dazu bei, türkisch-deutsche Literatur zu fördern und ihren Verfasserinnen und Verfassern ein Podium zu bieten. Im Juni verwandelt sich die Düsseldorfer Königsallee für mehrere Tage in die größte Freiluftbuchhandlung Deutschlands. Beim Düsseldorfer Lesewettstreit im April treten fünf Kinder aus den Klassenstufen vier bis sechs gegeneinander an. Und einmal im Jahr finden in der Landeshauptstadt die Düsseldorfer Märchenwochen statt. Das Rheinische Lesefest Käpt’n Book hat sich längst über die Stadtgrenzen Bonns hinaus ausgeweitet.

Einen Kinderbuchpreis für besonders qualitätvolle Bücher, die speziell für Kinder im Erstlesealter geeignet sind und sich auch im Schulunterricht einsetzen lassen, verleiht das Land jährlich seit 1989. Das Bilderbuchmuseum Burg Wissem vergibt den Troisdorfer Bilderbuchpreis, der als einziger deutscher Preis speziell Illustrationen zu Bilderbüchern auszeichnet. Und seit 1983 fördert und betreut die Landeszentrale für politische Bildung NRW jährlich den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher.


Autorinnen:
Petra Schraml, Anja Warnkross (Bildungspartner NRW), Julia Rittel (Fachstelle für ÖB)

Kontakt:
Anja Warnkross
Bildungspartner NRW
LVR-Zentrum für Medien und Bildung
Bertha-von-Suttner-Platz 1
40227 Düsseldorf
Tel.: (0211) 27404-2026
E-Mail: anja.warnkross@lvr.de
www.bildungspartner.schulministerium.nrw.de

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 30.06.2016

Zuletzt aktualisiert am: 30.06.2016