Landesporträt

Leseland Niedersachsen - Kompetent und gut vernetzt

Lesenetzwerke und lokale Initiativen zur Leseförderung




© Akademie für Leseförderung NI
© Akademie für Leseförderung NI
Leseförderer wirken überall in Niedersachsen, bilden lokale Netzwerke und lassen sich viel einfallen, um Kinder und Jugendliche in ihrer Lesesozialisation zu unterstützen und die Lesekompetenz zu fördern. Als feste Einrichtung in Niedersachsen unterstützt die Akademie für Leseförderung Niedersachsen Projekte, Initiativen und Lesenetzwerke im ganzen Land. Das folgende Porträt gibt einen Überblick über Akteure der Leseförderung in Niedersachsen und stellt landesweite Projekte sowie ausgewählte lokale Leseförderangebote vor.

Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Die zentrale Einrichtung für die Leseförderung in Niedersachsen ist die Akademie für Leseförderung. Sie hat ihren Sitz in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover und ist eine Kooperationseinrichtung des Niedersächsischen Kultusministeriums und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie der Stiftung Lesen. Ihre Aufgabenbereiche umfassen die Beratung, Schulung und Fortbildung von Eltern, Erziehenden, Bibliothekarinnen und Bibliothekaren, Lehrkräften sowie Ehrenamtlichen als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Leseförderung. Die Akademie ist mit einem Fortbildungsprogramm in ganz Niedersachsen unterwegs. Zudem können interessierte Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Bibliotheken oder andere Bildungseinrichtungen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie für eine Fortbildung zu sich einladen. Bei der Ausbildung der Ehrenamtlichen arbeitet die Akademie mit von ihr ausgebildeten Referentinnen und Referenten zusammen. Die Akademie initiiert und unterstützt die Einrichtung von regionalen Lesenetzwerken.

Akteure der Leseförderung
Neben der Akademie für Leseförderung unterstützen weitere landesweite Einrichtungen die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen in Niedersachsen. Die Büchereizentrale Niedersachsen initiiert landesweite Projekte wie den Julius-Club oder Lesestart Niedersachsen. Der Friedrich-Bödecker-Kreis in Niedersachsen e.V. organisiert Autorenlesungen und Schreibwerkstätten für Schülerinnen und Schüler. Der Verein Mentor – Die Leselernhelfer, Landesverband Niedersachsen e.V. qualifiziert ehrenamtliche Leselernhelferinnen und -helfer, die Kinder beim Lesenlernen unterstützen.

Zusätzlich zu den landesweiten Angeboten gibt es in Niedersachsen zahlreiche regionale Einrichtungen, Projekte und Initiativen, die auf der Website der Akademie für Leseförderung unter Lesenetzwerke und regionale Initiativen erfasst sind.

Landesweite Projekte
Lesestart Niedersachsen - Frühkindliche Leseförderung durch Öffentliche Bibliotheken“ ist ein Projekt der Büchereizentrale Niedersachsen in Kooperation mit der Stiftung Lesen, der Akademie für Leseförderung und den Öffentlichen Bibliotheken in Niedersachsen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt das Projekt mit einem hohen finanziellen Beitrag.
Zentrales Ziel von Lesestart Niedersachsen ist es, die Beschäftigung mit Sprache, Literatur und Büchern möglichst frühzeitig in den Alltag der Kinder und Lesen als festen Bestandteil in den Familien zu verankern. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den niedersächsischen Öffentlichen Bibliotheken, die als lokale Ansprechpartner für die Verteilung von Lesestart-Sets vorwiegend über die Kinderärzte sorgen und mit vielfältigen Begleitveranstaltungen wie Bücher-Baby-Gruppen das Projekt unterstützen.

„Mein Papa liest vor!“ in Niedersachsen: Dieses vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Stiftung Lesen initiierte landesweite Projekt hat das Ziel, Eltern, und hier insbesondere Väter, zum Vorlesen zu bewegen. Die Arbeitgeber, die sich an diesem Projekt beteiligen, erhalten von der Stiftung Lesen wöchentlich Vorlesegeschichten, die sie über das firmeneigene Intranet für Eltern bereitstellen. Diese können sich die Geschichten herunterladen, ausdrucken und zum Vorlesen mit nach Hause nehmen.

„Lesescouts Niedersachsen“: Seit dem Schuljahr 2012/13 werden an Sekundarschulen in Niedersachsen Lesescout-Arbeitsgemeinschaften eingerichtet. Lesescouts sind lesebegeisterte Schülerinnen und Schüler, die ihre Freude an Büchern und am Lesen an Gleichaltrige weitergeben wollen. Sie werden in einem Seminar auf die Aufgabe vorbereitet, für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die ganze Schulgemeinschaft Angebote zur Förderung der Lesekultur an der Schule zu machen. Dabei sollen sie, wenn möglich, die Schulbibliothek oder die lokale Öffentliche Bibliothek mit einbeziehen. Dieses Projekt führt die Stiftung Lesen mit Unterstützung der Akademie für Leseförderung Niedersachsen im Auftrag des Niedersächsischen Kultusministeriums durch.

Der „Julius-Club“ ist ein Leseförderprojekt der VGH-Stiftung und der Büchereizentrale Niedersachsen, das in den Sommerferien angeboten wird. Unter dem Motto „Jugend liest und schreibt“ haben 11- bis 14-Jährige die Möglichkeit, an einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm teilzunehmen, in welchem ihnen vor allem Spaß am Lesen vermittelt wird, aber auch ihre Lesekompetenz, Ausdrucksfähigkeit und ihr Textverständnis gefördert wird. Kooperationspartner sind die Akademie für Leseförderung Niedersachsen, das Niedersächsische Kultusministerium, das Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg.

Im Rahmen des Projekts „Lesementoring“ helfen ältere Schülerinnen und Schüler jüngeren dabei, lesen zu lernen und Freude am Lesen zu entwickeln. Die Lesementorinnen und Lesementoren werden für ihre Aufgabe von einem Team speziell geschulter Fachkräfte aus Bibliotheken und Kultureinrichtungen ausgebildet, beraten und unterstützt. Das von der Stadt Hannover initiierte Projekt ist mittlerweile in vielen Orten Niedersachsens etabliert.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Niedersachsen beteiligt sich mit zehn Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundkitas und Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen die BiSS-Module „Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich“ im Elementarbereich, „Gezielte sprachliche Bildung in fachlichen und alltäglichen Kontexten“, „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ im Primarbereich sowie „Lese- und Schreibstrategien im Verbund vermitteln“, „Selbstreguliertes Lesen und Schreiben“, „Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten“ und „Medieneinsatz: Schreiben und Lesen mit digitalen Medien“ in der Sekundarstufe. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Schulbibliotheken in Niedersachsen
Viele niedersächsische Schulen haben Schulbibliotheken, die eine wichtige Rolle in der Leseförderung, dem Fachunterricht und im Schulleben spielen. Zudem sind Schulbibliotheken ideale Lernorte für den Umgang mit verschiedenen Medien. Das Netzwerk Niedersächsischer Schulbibliotheken ist ein Netzwerk von Leiterinnen und Leitern von Schulbibliotheken. Jährlich findet an einem anderen Ort der Niedersächsische Schulbibliothekstag statt. Informationen über Schulbibliotheken in Niedersachsen befinden sich auf der Internetseite des Niedersächsischen Kultusministeriums.

Kinder- und Jugendbuchpreise in Niedersachsen
Der Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendliteratur ist der älteste Jugendbuchpreis der Bundesrepublik Deutschland. Er wird zum Andenken an den Schriftsteller Friedrich Gerstäcker von der Stadt Braunschweig seit 1952 verliehen. Ausgezeichnet werden Jugendbücher, die Jugendlichen die Begegnung mit fremden Welten ermöglichen und besonders zur Toleranz anregen.
Mit dem Buxtehuder Bullen wird seit 1971 jährlich das beste in deutscher Sprache veröffentlichte erzählende Jugendbuch prämiert. Die Jury für diesen Jugendbuchpreis der Stadt Buxtehude besteht aus elf Jugendlichen und elf Erwachsenen. 2005 wurde erstmals das Buxtehuder Kälbchen, ein Preis für das beste Bilderbuch, verliehen.
Die Stadt Oldenburg vergibt seit 1977 einen Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Der im Rahmen der Oldenburger Kinder- und Jugendbuchmesse (KIBUM) verliehene Förderpreis wird an Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren vergeben, die erstmals mit einem eigenständigen Werk auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur an die Öffentlichkeit treten.
Die Stadt Hameln zeichnet seit 1984 für Kinder und Jugendliche geschriebene Märchen- oder Sagenbücher, phantastische Erzählungen, moderne Kunstmärchen oder Erzählungen zum Thema Mittelalter mit dem Rattenfänger-Literaturpreis aus.
Der Bad Harzburger Jugendliteraturpreis wird seit 1989 von der Stadt Harzburg verliehen. Die Preistrophäe ist das „Harzburger Eselsohr“ in Silber.
Die Nordstemmer Zuckerrübe ist ein Kinderbuchpreis, der seit 2003 vergeben wird. Der von der VGH-Stiftung ausgelobte Preis wird von Kindern der 3. und 4. Klassen aus Nordstemmer Schulen ausgewählt.

Ausgewählte lokale Leseförderangebote
Die Kinder- und Jugendbuchmesse (KIBUM) in Oldenburg präsentiert jedes Jahr im November mehr als 2.000 Neuerscheinungen im Bereich der Kinder- und Jugendmedien. Sie ist die größte, nicht kommerzielle Messe ihrer Art in der Bundesrepublik Deutschland und wird seit 1974 von der Stadt Oldenburg und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gemeinsam veranstaltet. Eine Vielzahl von Veranstaltungen wie Lesungen und Ausstellungen, z.B. eine jährliche Sonderausstellung der Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, begleitet die Messe.

„Lese-Experten Celle“ ist ein Projekt der Bibliotheksgesellschaft Celle, das seit 2006 gemeinsam mit den Öffentlichen Bibliotheken in Stadt und Landkreis Celle alle zwei Jahre durchgeführt wird. Die Bibliotheken bekommen Pakete mit fünfzehn aktuellen Büchern und die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen werden eingeladen, die Bücher zu lesen und zu beurteilen. Lese-Experten Celle fördert besonders die enge Zusammenarbeit der weiterführenden Schulen mit den Öffentlichen Bibliotheken.

In zahlreichen Städten und Gemeinden werden in Niedersachsen regelmäßig Jugendbuchwochen angeboten, bei denen Kinder- und Jugendbuchautoren Lesungen anbieten. Die größten finden in Hannover, Braunschweig, Göttingen, Lüneburg, Celle, Peine und Leer statt.

Die wichtige Rolle der Eltern bei der Sprachentwicklung ihrer Kinder wird in dem Rucksackprogramm der Stadt Hannover betont. Besonders Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, werden sowohl beim Erlernen ihrer Erstsprache als auch beim Erlernen der Zweitsprache Deutsch unterstützt. Die Eltern werden dazu von qualifizierten und mehrsprachigen Elternbegleiterinnen angeleitet.

Autorinnen:
Viktoria Bothe, Anke Märk-Bürmann, Imke Hanssen
Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek
Waterloostr. 8
30169 Hannover
E-Mail: alf@gwlb.de
www.alf-hannover.de
www.facebook.com/alf.hannover

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 11.12.2015

Zuletzt aktualisiert am: 11.12.2015