Landesporträt

Baden-Württemberg: Frederick verführt zum Lesen

Leseförderung im Fokus der Öffentlichkeit





© Frederick Tag
© Frederick Tag
Wer ist FREDERICK? Stellt man diese Frage in Baden-Württemberg, so bekommt man schnell eine Antwort: Frederick, die Wörter-Farben-und-Sonnenstrahlen sammelnde Maus, nach dem bekannten Bilderbuch von Leo Lionni, ist Namenspate für den Frederick Tag - das landesweite Literatur-Lese-Fest. Jedes Jahr wird in Baden-Württemberg in den Tagen vor und nach dem 20. Oktober die Leseförderung in den Fokus der Öffentlichkeit gestellt.

Der Frederick Tag
Der Frederick Tag richtet sich an alle Altersgruppen – vom Kleinkind bis zum Erwachsenen, insbesondere aber an die Altersgruppe der Erstleserinnen und -leser bis zum Alter von 12 Jahren. Je lebendiger, früher und interessanter Kinder an den Umgang mit Büchern und Medien herangeführt werden, umso größer ist die Aussicht auf lang anhaltenden Erfolg. Dies gelingt mit einem attraktiven Angebot an Literaturveranstaltungen und Leseaktionen, bei denen neben dem Lesen auch der Spaß mit Büchern nicht zu kurz kommt. Mit dem gemeinsamen Ziel, die Lust am Lesen zu steigern, beteiligen sich jedes Jahr zahlreiche Bildungsträger, wie Bibliotheken, Schulen, Kindergärten, der Friedrich-Boedecker-Kreis, Volkshochschulen, Pädagogische Hochschulen, Buchhandlungen, Verlage, Kulturämter, Landfrauenverbände, Vorlesepaten, Eltern, etc. aus ganz Baden-Württemberg am Frederick Tag, der sich als nachhaltige Stütze im Bereich der schulischen und außerschulischen Leseförderung etabliert hat.

Vier Fachstellen unterstützen die öffentlichen Bibliotheken
Koordiniert wird der Frederick-Tag von der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in Tübingen, die sich, ebenso wie die Fachstellen in Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart, nicht nur während des landesweiten Lesefestes, sondern während des ganzen Jahres im Bereich der Literaturvermittlung und Leseförderung engagiert. Die vier Fachstellen unterstützen die Bibliotheken mit Veranstaltungsangeboten und Ausstellungen, fördern die Kooperation zwischen Bibliotheken und Schulen sowie zwischen Bibliotheken und Kindertagesstätten und planen und organisieren gemeinsam den Sommerlese-Club „Heiß auf Lesen“.
Die öffentlichen Bibliotheken Baden-Württembergs spielen besonders in der außerschulischen Leseförderung eine zentrale Rolle. Sie fördern kreativ und einfallsreich die Lesemotivation junger Menschen und unterstützen die Vermittlung von Lese-, Informations- und Medienkompetenz mit zahlreichen Angeboten von Windelflitzer-Gruppen über Vorleseprojekte und Lesenächte bis zum Bookcasting für Jugendliche.

Die Fachkommission Bibliothekspädagogik engagiert sich für Schulbibliotheken
Die Fachkommission Bibliothekspädagogik des Landesverbandes Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband fördert die Bibliotheksarbeit für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in vorschulischen, schulischen und außerschulischen Institutionen und Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung. Dazu zählen insbesondere die enge Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen und die Förderung der Lesemotivation, der Lesefreude, der Lesekompetenz sowie der Medien-, Recherche- und Informationskompetenz.
Das im August 2014 verabschiedete Schulgesetz ermöglicht Ganztagsgrundschulen eine teilweise Monetarisierung zusätzlicher Lehrerstunden, mit denen die Schulen Angebote externer Anbieter für den Nachmittag einkaufen können. Die Fachstellen für das Öffentliche Bibliothekswesen der Regierungspräsidien in Baden-Württemberg haben ein Angebot für eine ganzjährige Leseförderaktion unter dem Titel „Bibliothek entdecken und erleben. Da staunst du“ entwickelt, das die örtlichen Öffentlichen Bibliotheken ab September 2016 in den Schulen zum Einsatz bringen können.
Auch beim 3. Biberacher Schulbibliothekstag im November 2016 sollen Möglichkeiten der Förderung von Schulbibliotheken sowie pädagogische Ziele und Wirkungen von Schulbibliotheken vorgestellt werden.

Sprach- und Leseförderung im Elementarbereich
Mit dem erfolgreichen Programm Sag' mal was - Frühe Mehrsprachigkeit fördern fördert die Baden-Württemberg Stiftung seit 2002 Spracherwerb und Mehrsprachigkeit bereits ab dem Kleinkindalter. Die Sprachfördermaßnahmen und Projekte des Programms richten sich gleichermaßen an Kinder mit Deutsch als Zweitsprache und an Kinder mit Deutsch als Muttersprache. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der Praxis wird das Programm kontinuierlich weiterentwickelt.

Für Vorschulkinder bietet das Kultusministerium Baden-Württemberg seit dem Kindergartenjahr 2010/2011 das Programm SPATZ – Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf – an. Die ganzheitliche Förderung der Sprachkompetenz aller Kinder ist Bildungs- und Erziehungsauftrag jeder Kindertageseinrichtung. Im Orientierungsplan von Baden-Württemberg sind im Bildungs- und Entwicklungsfeld „Sprache“ die grundlegenden Leitlinien dazu beschrieben. Die intensive Sprachförderung (ISK) im Rahmen von SPATZ baut auf der allgemeinen sprachlichen Bildung auf und vertieft diese. Diese Förderung kann von Trägern von Kindertageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf ab dem ersten Kindergartenjahr beantragt werden. Die Angebote orientieren sich in ihrem Aufbau und der Auswahl der Methoden am kindlichen Lernen.

Leseförderung für Schülerinnen und Schüler
Autorenlesungen an Schulen prägen durch die persönliche Begegnung mit dem Autor und der Autorin bei vielen Kindern und Jugendlichen eine nachhaltige Lust am Lesen. Ausgerichtet werden Autorenbegegnungen in Baden-Württemberg traditionell vom Friedrich-Bödecker-Kreis e. V. Baden-Württemberg, der im Auftrag des Landes jährlich rund 500 Autorenlesungen und Schreibwerkstätten an Schulen vermittelt. Finanziell bezuschusst werden die Veranstaltungen durch das Land. Der Schriftstellerverband Baden-Württemberg bietet im Rahmen des Projekts LeseRattenFänger eine nach Themen und Kategorien durchsuchbare Datenbank, in der Veranstalter, oft Schulen, die geeignete Autorin oder den geeigneten Autor für ihre Aktion finden können.

Weil sich die Fähigkeit, gut zuhören zu können, positiv auf die Ausbildung von Schrift- und Sprachkompetenz sowie auf die Entwicklung von Aufmerksamkeit und Konzentration auswirkt, widmet sich das Projekt Ohrenspitzer, ein Angebot der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS), der Förderung der Zuhörkompetenz bei Kindern vom Kindergartenalter bis zum Alter von 14 Jahren. Markenzeichen des Projekts ist der rote Hörkoffer, den Lehrkräfte sowie pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an ihrer Schule moderne Zuhörförderung in den Unterrichtsalltag, in die Ganztagesbetreuung oder in eine Arbeitsgemeinschaft integrieren möchten, bei den beteiligten Medienzentren ausleihen können. Er enthält Hörspiele, didaktische Anregungen und aktuelle Technik zum Produzieren von Hörstücken. Qualifizierte Referenten bieten Fortbildung, Beratung und Unterstützung bei Hörprojekten für bestimmte Zielgruppen an.

Mit der Verbindung von Fußball und Leseförderung beschreitet die Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit dem und der VfB Stuttgart und dem SC Freiburg einen ungewöhnlichen Weg, um bei Jungen die Lust am Lesen zu wecken. Bei kicken & lesen werden Jungen mit Texten zum Lesen motiviert, die sie mit bereits vorhandenem Wissen in Verbindung bringen können. Ihre Begeisterung für den Fußball hilft ihnen bei der Verbesserung ihrer Lesekompetenz. Auch mit der Bildungsinitiative Lesen in Bewegung eröffnet die Baden-Württemberg Stiftung in Kooperation mit der Stiftung Lesen neue Wege der Leseförderung. Durch die Verbindung mit Bewegungsansätzen sollen die Freude am Lesen geweckt und die motorischen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen gestärkt werden.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Baden-Württemberg beteiligt sich mit 12 Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). 46 Kindertageseinrichtungen haben sich zu sieben Elementarverbünden, 22 Grundschulen zu 5 Primarverbünden und drei weiterführende Schulen haben sich zu einem Sekundarverbund zusammengeschlossen, verteilt über ganz Baden-Württemberg. Diese Kindertageseinrichtungen oder Projektschulen bearbeiten in Kooperation mit weiteren Partnern im Elementarbereich die BiSS-Module „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“, „Intensive Sprachförderung durch dialogisches Lesen in der Kleingruppe“ und „Übergang vom Elementarbereich zum Primarbereich“, im Primarbereich „Gezielte sprachliche Bildung in fachlichen und alltäglichen Kontexten“, „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ sowie im Sekundarbereich „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit“ und „Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten“.
Im Rahmen des Programms werden die in den Verbünden eingeführten Angebote zur Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung für Kinder und Jugendliche im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Effizienz wissenschaftlich überprüft und weiterentwickelt. Die ausgewählten Maßnahmen sollen eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I in den zentralen sprachlichen Kompetenzen ermöglichen.

Anregungen zum Thema Lesen für alle Altersstufen
Informationen und Anregungen zum Thema Lesen für alle Altersstufen, interessante Fachbeiträge und monatliche Buchempfehlungen bietet der Ideenpool Lesen des Landesbildungsservers Baden-Württemberg. Über die Vielfalt des literarischen Lebens im Land, über literarische Museen und Gedenkstätten sowie über baden-württembergische Autorinnen und Autoren informiert das Portal Literaturland Baden-Württemberg, das von der Arbeitsstelle für literarische Museen in Marbach und von der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe gepflegt wird.

Literaturtage und Lesefeste fördern die Lesemotivation
Auch wenn der Frederick-Tag das größte Literaturereignis im Land ist, so ist es noch längst nicht das einzige. Im März gibt es etwa die Kinder- und Jugendbuchwoche DURCHBLICK in Biberach/Riss und die KinderLiteraturtage in Karlsruhe. Im April folgen die Baden-Württembergischen Kinder- und Jugendliteraturtage, die seit 1994 im jährlichen Wechsel jeweils von einer anderen Stadt ausgerichtet werden, die 22. Ausgabe findet 2016 in Heilbronn statt. Von Mai bis Oktober veranstaltet die Baden-Württemberg Stiftung den Literatursommer mit über 100 Veranstaltungen im ganzen Land. Der Juni wird von den Heidelberger Literaturtagen und der Mai vom Tübinger Bücherfest erobert und im Herbst richtet jedes Jahr eine andere Stadt die Baden-Württembergischen Literaturtage aus. Für das Jahr 2016 hat Weinstadt den Zuschlag bekommen. Das Jahr schließt mit der im Dezember stattfindenden Ulmer Kinder- und Jugendbuchmesse (KIBUM) ab.




Hinweis:
Das Landesporträt wurde in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, der Baden-Württemberg Stiftung, der Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen Tübingen, dem Landesinstitut für Schulentwicklung und der Fachkommission Bibliothekspädagogik des Landesverbandes Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband erstellt. Es soll einen Überblick geben über Kampagnen, Programme, Projekte, Initiativen, Aktionen und Akteure der Leseförderung im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte bzw. Verweise im Text ergänzt und aktualisiert.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 04.02.2016

Zuletzt aktualisiert am: 04.02.2016