Landesporträt

Baden-Württemberg: Frederick verführt zum Lesen

22.03.2007

Projekte und Initiativen in Baden-Württemberg


Frederick-Tag in Baden-Württemberg
Frederick-Tag in Baden-Württemberg
Quelle: Fachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen Tübingen


In Baden-Württemberg hat Leseförderung ein Gesicht: und zwar das der Maus Frederick aus dem bekannten Bilderbuch von Leo Lionni. Die Maus Frederick sammelt anstelle von Eicheln und Nüssen Wörter, Farben und Sonnenstrahlen, um den langen Winter mit einem großen Vorrat an wunderschönen Geschichten zu überstehen. Jeder kennt sie und jeder liebt sie, denn sie ist die Namensgeberin für das größte Lesefest im Jahr: den Frederick-Tag. Jedes Jahr im Herbst wird er als zentrales Literaturereignis gefeiert.

Der Frederick-Tag
Angeregt durch den österreichischen „Andersen Tag“ zur Förderung von Kinder- und Jugendbüchern wurde auf Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus, Jugend und Sport 1997 der „Frederick Tag“ als zentrales Literatur- und Lesefest eingerichtet. Motiv dafür war, dass Lesen und Literatur in Baden-Württemberg wieder eine größere Rolle spielen sollten. Inzwischen hat sich der Frederick-Tag als landesweites Literatur-Lese-Fest im Herbst etabliert und findet in diesem Jahr vom 15. – 26. Oktober 2007 statt. An zahlreichen Orten der Leseförderung, in Schulen, Bibliotheken, Buchhandlungen oder Volkshochschulen werden die Besucher mit mehreren Tausend Veranstaltungen im ganzen Land zum Lesen, Staunen und Zuhören verführt.

Literaturtage und andere Aktionen
Auch wenn der Frederick-Tag das größte Literaturereignis im Land ist, so ist es noch längst nicht das einzige. Im März gibt es die Kinder- und Jugendbuchwoche DURCHBLICK in Biberach/Riss, im April die KinderLiteraturtage in Karlsruhe, die Verleihung des Jugendliteraturpreises in Konstanz und im Mai die Verleihung des Jugendliteraturpreises in Freiburg im Breisgau. Außerdem findet im April und Mai der Literatursommer der Landesstiftung mit über 100 Veranstaltungen im ganzen Land statt. Der Juni wird von den Heidelberger Literaturtagen und dem Tübinger Bücherfest erobert und im Oktober sind die Baden-Württembergischen Literaturtage. Diese werden jedes Jahr von einer anderen Stadt ausgerichtet. Für das Jahr 2007 hat Albstadt den Zuschlag bekommen. Das Jahr schließt mit der im Dezember stattfindenden KIBUM (Kinderbuchwoche) in Ulm ab.

Ein regionaler Höhepunkt im vergangenen Jahr war die vom 4. bis 26. März 2006 durchgeführte Aktion „1 Buch im Dreieck“. Das bislang einzigartige soziokulturelle Projekt in Deutschland, ausgerichtet von den öffentlichen Bibliotheken der Region Rhein Neckar, hat es geschafft, dass unzählige Bürgerinnen und Bürger der Region zur gleichen Zeit dasselbe Buch gelesen haben. „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ von Friedrich Christian Delius war wochenlang in der Bahn, bei der Arbeit, in der Schule oder auf einer organisierten Veranstaltung Gesprächsstoff und spannender Ausgangspunkt für viele neue Begegnungen.

LESENETZ - eine landesweite Leseoffensive
Große Unterstützung erfährt die Leseförderung im Land von der LANDESSTIFTUNG Baden-Württemberg. Diese setzt sich besonders für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Dies gilt für das von ihr initiierte Projekt „Sag´ mal was –Sprachförderung für Vorschulkinder“ ebenso wie für das Programm „LESENETZ Baden-Württemberg“. Mit „Sag´ mal was“ verbessert die Stiftung seit Juni 2003 erfolgreich die Sprach- und Lesekompetenz vor allem von Kindern mit Migrationshintergrund. Mit dem Programm „LESENETZ“, das sie von Oktober 2004 bis April 2006 zusammen mit dem Landesverband Baden-Württemberg im Deutschen Bibliotheksverband initiierte, hat sie eine bisher einmalige landesweite Leseoffensive geschaffen. Insgesamt wurden 37 Projekte zur Leseförderung unterstützt, „die sich an Kinder und Jugendliche aus einem leseungewohnten Umfeld richten“. Dabei waren so spannende Aktionen wie „Kicken und Lesen“, das mittlerweile als eigenständiges Projekt der Landesstiftung Baden-Württemberg durchgeführt wird, oder Projekte, die Lesementoren und bilinguale Vorlesepaten ausgebildet haben. Auch nach Ablauf des Programms gehen einige Projekte, wie zum Beispiel Flumi, die Fellbacher Lese- und Mentoreninitiative, weiter.

kicken&lesen - Denn Jungs lesen ander(e)s!
Mit der Verbindung von Fußball und Leseförderung beschreiten die Landesstiftung Baden-Württemberg und der VfB Stuttgart einen ungewöhnlichen Weg, um bei Jungen die Lust am Lesen zu wecken. Jungen werden durch Texte motiviert, die sie mit bereits vorhandenem Wissen in Verbindung bringen können. Dieses Wissen ist zum Thema Fußball bei Jungen meist in hohem Maß vorhanden. Weiterhin ist die Körpererfahrung gerade bei Jungen aus leseungewohnter Umgebung in vielfältiger Form Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Es bietet sich daher an, das Interesse der Jungen am Fußball zu nutzen, um in beiden Bereichen pädagogisch erfolgreich handeln zu können. Über eine jährlich stattfindende Ausschreibung werden Initiativen ausgewählt und unterstützt, die "kicken&lesen" vor Ort umsetzen. Insbesondere Kooperationen mit Schulen, Sportvereinen und Bibliotheken werden gefördert. Über 500 Jungen kamen bisher in den Genuss von spannenden Projekttagen, bei denen gezeigt wurde, dass Lesen mindestens so packend sein kann wie ein Fußballspiel.

Die starke Rolle der Bibliotheken
Ein wichtiger Aspekt des Programms „LESENETZ Baden-Württemberg“ war es, die zentrale Rolle, die öffentliche Bibliotheken in der außerschulischen Leseförderung spielen, hervorzuheben und zu stärken. Insbesondere Bibliotheken im ländlichen Raum wurde die Chance gegeben, neue Wege zur Leseförderung und neue Kooperationen zu erproben. Denn zugelassen zu dem Programm waren nur Einrichtungen, die sich gemeinsam mit mindestens einer Bibliothek zu Lesenetzwerken zusammengeschlossen und gemeinsam Projekte entwickelt haben. Bibliotheken fördern seit langem, kreativ und einfallsreich die Lesemotivation junger Menschen. Sie bieten zuverlässig und vielfältig Informationen und Wissen und veranstalten kinderfreundliche Aktionen, wie Lesenächte und Bibliotheksführerscheine oder geben Vorleseempfehlungen heraus. Baden-Württemberg ist mit Bibliotheken sehr gut ausgestattet und hat mit der Errichtung der Mediathek in Neckarsulm eine zeitgemäße Antwort auf ein breites Medienbedürfnis geschaffen.

Leseförderung an Schulen und Kindergärten
Immer beliebter werden auch Autorenlesungen an Schulen. Die persönliche Begegnung mit dem Autor und der Autorin prägt bei vielen Kindern und Jugendlichen eine lebenslange Lust am Lesen. Ausgerichtet werden Autorenbegegnungen in Baden-Württemberg traditionell vom Friedrich-Bödecker-Kreis, der seit 1979 Autorenlesungen an Schulen anbietet und rund 500 Lesungen und Schreibwerkstätten an Schulen des Landes jährlich veranstaltet und bezuschusst. Und auch der Schriftstellerverband Baden-Württemberg hat mit dem Projekt „LeseRattenFänger“ ein sehr übersichtliches Angebot ins Leben gerufen, mit dem Veranstalter, oft Schulen, den geeigneten Autor für ihre Aktion finden können.

Sehr gut wird auch das Projekt „Horizonte erweitern“ von allen Schularten angenommen. Im Projekt des Landesinstituts für Schulentwicklung, das von der Andrea Braun Stiftung gefördert wird, lesen Schülerinnen und Schüler über die Herbst-, Weihnachts-, Winter-, Oster- und Pfingstferien fünf Sachbücher, die anschließend besprochen werden.

Eine Besonderheit für Schüler, Schülerinnen und Kindergartenkinder hat sich die Initiative Ohrenspitzer einfallen lassen. Weil Lesen viel mit Hören und Zuhören zu tun hat, hat sich die Initiative darauf spezialisiert, das Zuhören von Kindern zu schulen. Das Projekt „Ohrenspitzer“ ist ein medienpädagogisches Kooperationsprojekt des Landesmedienzentrums Rheinland-Pfalz (LMZ RP), des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg (LMZ BW) und der Stiftung MedienKompetenz Forum Südwest (MKFS). Sie stellen Einrichtungen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg einen Hör-Koffer mit über 50 verschiedenen Hörgeschichten zur Verfügung, in dem sich auch didaktisch-methodisch aufbereitete Begleitmaterialien befinden. Wegen seines großen Erfolgs geht das Projekt jetzt schon ins vierte Jahr und versorgt mittlerweile 62 „Ohrenspitzer“-Schulen und –Kindergärten mit dem Hörkoffer.

Interessante Portale runden das Angebot ab
Abgerundet wird das vielfältige Lese-Angebot in Baden-Württemberg mit informativen Portalen und Zeitschriften. Unter anderem bietet der „Ideenpool Leseförderung“ des Landesbildungsservers interessante Fachbeiträge, monatliche Buchempfehlungen des Arbeitskreises Leseerziehung und ein Diskussionsforum zum Thema Leseförderung. Anstelle der früheren Rubrik „Bedeutung des Lesens“ findet sich nun das „Buch im Frühen Fremdsprachenunterricht“ auf der Seite, das Empfehlungen für den Einsatz von picture-books sowie praktische Unterrichtsbeispiele gibt. Die Zeitschrift „Lehren und Lernen“ des Landesinstituts für Schulentwicklung veröffentlicht zweimal im Jahr das „Abenteuer Lesen“, das sich mit aktuellen Themen der Leseförderung beschäftigt und Buchempfehlungen für Unterricht, Schulbibliothek und Freizeit veröffentlicht. Und das Portal „Literaturland Baden-Württemberg“ präsentiert die Vielfalt des literarischen Lebens. Jeder Besucher kann alle wichtigen Informationen über literarische Museen und Gedenkstätten sowie über baden-württembergische Autorinnen und Autoren direkt abrufen.

Autorin: Petra Schraml



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