Bremen: Vier für Bremen |
09.08.2007 |
Projekte und Initiativen in Bremen
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| Postkarte "Lesen macht schlau" der BremerLeseLust |
Tiere die lesen können? In Bremen kein Problem. Die Initiative „BremerLeseLust“ hat den vier Bremer Stadtmusikanten das Lesen beigebracht und wirbt mit diesem Logo für die Förderung der Lesekultur in Schulen. Lebensgroß und künstlerisch gestaltet stehen die lesenden Vier in der ganzen Stadt und erinnern daran, wie wichtig das Lesen auch schon für die Kleinen ist.
Die BremerLeseLust
Die BremerLeseLust ist eine gemeinsame Aktion der Bremischen Bürgerschaft, der Bremer Stadtbibliothek, der Bremer Literaturstiftung, der Bürgerstiftung Bremen und der Handelskammer Bremen. Sie wurde im Herbst 2002 gegründet, um das Lesen unter Kindern und Jugendlichen wieder populärer zu machen und ist in vielen Bereichen aktiv: Lesebotschafter veranstalten Vorlesestunden in Schulen sowie an ausgefallen Orten und öffentlichen Plätzen. Dazu kommen Aktionswochen, wie „LeseLust trifft Werder Bremen“ oder „LeseLust trifft Arbeit und Wirtschaft“. Im Mittelpunkt steht immer die Lust am Lesen, nicht nur ruhig zu Hause, sondern auch als Event. Neu ist die Postkartenaktion „12 für Bremen“, bei der zwölf verschiedene Postkarten zu Gunsten der Leseförderung breit gestreut verkauft werden. Die Schulen erhalten vom eingenommen Geld Büchergutscheine für ihre Schulbibliotheken.
Jährlich schreibt die BremerLeselust einen großen Wettbewerb für alle Altersklassen aus. Im Jahr 2007 war dies der Stadtmusikantenwettbewerb mit einer Ausstellung aller Einsendungen im Haus der Bürgerschaft. Die Preisverleihung fand im Rahmen des von der LeseLust initiierten 1. Bremer StadtmusikantenFestes statt, welches unter dem Motto „Bremen laut und stark“ am 13. und 14. Juli 2007 auf dem Bremer Marktplatz stattfand und sich mit dem größten Stadtmusikantenzug der Welt gleich einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde sicherte.
Literarische Höhepunkte
Weitere herausragende Ereignisse in der Bremer Literaturszene sind die “Literarische Woche Bremen“, das „poetry-on-the-road – Internationales Literaturfestival“ und der Vorlesewettbewerb „Schülerinnen und Schüler lesen platt“. Die „Literarische Woche Bremen“ wird gemeinsam von der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung und der Stadtbibliothek Bremen jeweils im Januar ausgetragen. In dieser Zeit gibt es zahlreiche Lesungen, Ausstellungen, Workshops und Filme. Zentrales Ereignis ist die Verleihung des Bremer Literaturpreises.
„poetry on the road“ präsentiert den Formen- und Medienreichtum zeitgenössischer internationaler Poesie und zeigt Lyrik in der Verbindung mit anderen Künsten als visuelle Poesie, experimentelle Lautpoesie in der Performance und als Rap. Jedes Jahr im Mai treten Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hochinteressanten Neuentdeckungen auf. Stimmkünstler, Poeten und Wortakrobaten machen Sprache zu einem multilingualen Konzert.
Beliebt an Bremens Schulen ist der Vorlesewettbewerb „Schülerinnen und Schüler lesen platt“. Der Senator für Bildung und Wissenschaft, das Institut für niederdeutsche Sprache (INS), das Landesinstitut für Schule (LIS) und die Sparkasse Bremen richten diesen Wettbewerb gemeinsam aus. In vier Altersgruppen, von der 3. bis zur 13. Klasse, können Schülerinnen und Schüler einzeln oder in kleinen Gruppen im dialogischen Lesen plattdeutsche Texte zum Besten geben.
Innovative Leseförderung in der Stadtbibliothek Bremen
Die Stadtbibliothek spielt bei der Leseförderung in Bremen eine wichtige Rolle. Jede der sieben Bibliotheken (plus Busbibliothek) arbeitet eng mit den umliegenden Schulen zusammen und bietet den Klassen lebendige, abwechslungsreiche Klassenführungen, die sich am Alter der Kinder orientieren und nach dem Prinzip eines „Spiralcurriculums“ so aufeinander aufbauen, dass die Schülerinnen und Schüler bei jedem neuen Besuch die Angebote der Bibliothek besser kennen, nutzen und schätzen lernen.
Neben den spielerischen Klassenführungen, von denen rund 1500 jährlich stattfinden, gehören die Aktionswochen im November, das jährliche Ferienprogramm und die wöchentlich stattfindenden Bilderbuchkinos für Kindergartenkinder und ihre Eltern zum festen Programm der Bremer Bibliotheken.
Um auch Jugendliche zum Lesen zu motivieren, organisiert die Stadtbibliothek Bremen für Teenager interaktive Formen der Literaturvermittlung, wie literarische Workshops mit Schauspielern oder Künstlern aus der Poetry-Slam-Szene. Für Jugendliche wird auch der SommerLeseClub (SLC) angeboten. Jeder Teilnehmer bekommt ein Logbuch, in das die Bücher eingetragen werden, die in den Ferien gelesen werden. Die SLC-Bücher sind in einem bestimmten Regal zu finden und an den runden Aufklebern mit Sprungbrett-Motiv zu erkennen. Diese Bücher dürfen nur Mitglieder vom SommerLeseClub ausleihen! Mindestens drei SLC-Bücher sollten gelesen werden, zu denen bei der Abgabe zwei bis drei Fragen beantwortet werden müssen. Zum Abschlussfest werden SLC-Zertifikate vergeben und Gewinne verlost.
Die innovative Leseförderungsarbeit der Stadtbibliothek Bremen wurde mehrfach ausgezeichnet: Im Jahr 2005 erhielt sie den AusLesepreis der Stiftung Lesen für das Kindergartenprojekt „Kinder entdecken die Welt der Schrift und Zeichen“, im Jahr 2007 erhielt sie den „Futurino“ der Henkel Stiftung für ihr Projekt „Nachhaltige Leseförderung mit dem Bibliotheks-Minibuch“.
Frühe Leseförderung in Kindergarten und Schule
Im Sommer 2003 wurde das Pilotprojekt „Kinder entdecken die Welt der Schrift und Zeichen“ (KeSZ) in Kooperation zwischen dem Senator für Soziales und der Stadtbibliothek Bremen ins Leben gerufen. Ganz spielerisch werden schon Kindergartenkinder in „literarischen Ausflügen“ neugierig gemacht auf Buchstaben, Geschichten und natürlich auch auf die Bibliothek. Materialboxen und Infoveranstaltungen unterstützen das Programm, das im April 2005 mit dem AusLese-Preis der Stiftung Lesen und der Commerzbank Stiftung ausgezeichnet wurde.
Der Friedrich-Bödecker-Kreis Land Bremen e.V. organisiert schon für Kleine persönliche Autorenbegegnungen in Kindertagesstätten und Schulen, in Bibliotheken, in Gruppen und Vereinigungen. Besonders zum „Bücherfrühling“ und zum herbstlichen „Autorentreffen Bremerhaven“ werden mehrere Autoren nach Bremerhaven eingeladen, wo zahlreiche Schulbegegnungen und öffentliche Veranstaltungen stattfinden. Darüber hinaus gestaltet der Friedrich-Bödecker-Kreis Schreib- und Lesewerkstätten, literarische Nachmittage und Abende, Preisausschreiben, Aufsatzwettbewerbe sowie Familienbegegnungen.
Unterstützung beim Lesenlernen
Lesenlernen ist für viele Schülerinnen und Schüler ein schwieriger Prozess. Deshalb gibt es zahlreiche Initiativen, die Kinder unterstützen. Dazu gehört die Aktion „Das erste Buch.“ Jedes Kind, das in Bremen, Bremerhaven, Oldenburg und Essen eingeschult wird, bekommt vom Verein „Das erste Buch e.V.“ zum Nikolaustag ein Buch geschenkt. Die Geschichten aus dem Buch sind von Kindern einer vierten Klasse für Kinder geschrieben und orientieren sich phantasievoll am Alphabet.
Im Rahmen des Projekts Lesezeit werden von der Freiwilligen-Agentur Bremen seit August 2005 mit Mitteln des Bundesfamilienministeriums Erwachsene dafür ausgebildet, Kindern in der Schule als Lesehelfer zur Seite zu stehen: Einmal in der Woche hört ein Erwachsener den Kindern geduldig zu, korrigiert die Aussprache, überprüft das Wortverständnis und lobt die Fortschritte. Mit einer Förderung des Senators für Bildung und Wissenschaft wird das Projekt kontinuierlich ausgeweitet.
Kinder, bei denen eine Leseschwäche bereits am Ende des ersten Schuljahres festgestellt wird, erhalten die Möglichkeit, in kleinen Gruppen von sechs Kindern, zehn Wochen lang, 20 Stunden in der Woche individuell durch speziell ausgebildete Lehrkräfte gefördert zu werden. Diese Leseintensivkurse werden von der Senatorin für Bildung und Wissenschaft organisiert und verantwortet.
Weil das Zuhören entscheidend für den Spracherwerb und das Lesenlernen ist, wurde im Schuljahr 2003/04 das Projekt „Zuhören“ an Bremer Grundschulen gestartet. Mit Medienpaketen und zum Teil auch mit Aufnahmegeräten unterstützt der Senator für Bildung und Wissenschaft die Gründung von Hörclubs.
Zur Förderung neuer Kinder- und Jugendliteratur gibt es an fast allen Bremer Grundschulen Leseclubs, in denen Schülerinnen und Schüler neu erschienene Kinder- und Jugendbücher lesen, darüber Artikel in Schülerzeitungen schreiben und regelmäßig in der Kinderzeit im Nordwestradio einzelne Bücher vorstellen. Die Buchpakete, die die Leseclubs erhalten, werden nach einer Kinder- und Jugendbuch-Liste erstellt, die Radio Bremen unter Beteiligung einer Bremer Kinderjury gemeinsam mit dem Saarländischen Rundfunk vierteljährlich herausgibt. Als Buchexperten ihrer Schule bewerten die Kinder die Bücher und geben Lesetipps. Ihre Lieblingsbücher werden einmal im Jahr, während der Kinder- und Jugend-Medientage, als die „10 BREMER BESTEN“ in der Stadt bekanntgemacht und gewürdigt. Radio Bremen stellt außerdem gemeinsam mit der „ZEIT“ alle vier Wochen ein ansprechendes Kinderbuch vor. Aus den zwölf prämierten Büchern wird einmal jährlich der „Luchs des Jahres“ gewählt.
Förderung der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Bremen hat von allen Bundesländern den höchsten Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie werden deshalb besonders gefördert. In der Grundschule gibt es schulübergreifend Vorkurse von freien Trägern. Um die Wiederholerquoten zu senken, werden seit 2004 in den Ferien „Sommercamps“ angeboten, in denen Deutschunterricht, Theaterprogramm und Freizeitunternehmungen die drei Grundpfeiler bilden. Das Bremer Aktionsprogramm „Schule macht sich stark – Wege aus der Krise“ zielt auf die Förderung und Sicherung von Basiskompetenzen sowie auf das Lernen von Selbständigkeit und Übernahme von Verantwortung.
Das Land Bremen beteiligt sich seit 2005 mit drei Programmelementen am Modellprogramm „FÖRMIG – Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK). In „Performative Spiele zur Sprachförderung von Schüler/innen mit Migrationshintergrund in der SEK I“ wird ein Sprachförderungsmodell für Schulen der Sekundarstufe I entwickelt, das auf Basis des performativen Spiels – die Verbindung von Sprache mit Handlung und Körperbewegung in der Gruppe und vor Zuschauern – aufbaut. Das Projekt „Erzählwerkstatt – Geschichtenerzählen zur Förderung des Zweitspracherwerbs im Elementar- und Primarbereich“ erprobt Formen der Sprachförderung von Migrantenkindern. Und das Projekt „Förderung von Sprachkompetenz und Selbstwirksamkeit (SuS) – Verbesserung der Zugangschancen zur Berufsbildung für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ will Jugendlichen den Übergang in die Berufsbildung erleichtern und den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung unterstützen. Schwerpunkt ist der Spracherwerb in der beruflichen Qualifizierung.
Begegnungsstätten für Literaturinteressierte
Zu wichtigen Umschlagplätzen für Literatur haben sich das Bremer Literaturkontor und das Bremer Literaturhaus entwickelt. Das Bremer Literaturkontor ist eine zentrale Informations-, Begegnungs- und Beratungsstätte für alle am literarischen Leben Interessierten. Im Auftrag der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung organisiert das Literaturkontor die alljährliche „Literarische Woche Bremen“ und betreut im Auftrag des Senators für Kultur die Vergabe des Bremer Autorenstipendiums. Darüber hinaus gibt das Literaturkontor das Handbuch „Literaturszene Bremen, Bremerhaven & umzu“ sowie die Datenbank „Bremer Autorenkatalog“ heraus.
Das Bremer Literaturhaus informiert über aktuelle Ereignisse der Bremer und Bremerhavener Literaturveranstalter und präsentiert den Literaturkalender als monatliches Kursbuch der Literaturszene im Norden. Als virtuelle Produktionsstätte ist das Portal Literaturhaus ein Forum für Autoren, Verlage, Bibliotheken, Buchhandel, Projekte, Initiativen und Leser. Gäste der Stadt haben eine Auftrittsplattform und eine immer offene Bühne.
Autorin: Petra Schraml
Projekte und Initiativen mit bundesweiter Ausrichtung
Redaktionskontakt: redaktion@lesen-in-deutschland.de

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