Bericht

Mehr Gewicht fürs Kindergedicht

03.09.2018

Ein Projekt zur Förderung der kindlichen Sprachphantasie




Titelseite der Anthologie
Titelseite der Anthologie
© Mixtvision Verlag
Im Jahr 2016 hoben die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, die Stiftung Internationale Jugendbibliothek und die Stiftung Lyrik Kabinett eine gemeinsame Veranstaltungs- und Werkstattreihe aus der Taufe. Unter dem programmatischen Titel „Mehr Gewicht fürs Kindergedicht“ setzten sie sich gemeinsam zum Ziel, mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die kreative Vielfalt der Kinderlyrik zu wecken und die ihr innewohnende Kraft, kindliche Sprachphantasie zu fördern, erfahrbar zu machen.
Mit Michael Augustin, Tanja Dückers, Heinz Janisch, Mathias Jeschke, Arne Rautenberg und Ulrike Almut Sandig kamen an einem sonnigen Frühlingswochenende sechs Lyrikerinnen und Lyriker aus Deutschland und Österreich auf Schloss Blutenburg in München zusammen, um mit Sprache zu spielen und neue Reime zu drechseln. In lebhaftem Austausch und in zurückgezogener Arbeit entstand eine Vielzahl von Kindergedichten, die, taufrisch wie sie waren, am folgenden Tag bereits dem Publikum präsentiert wurden.

Für die Texte gab es viel Beifall – und so startete im Sommer 2017 der zweite Teil des Projekts: Nadia Budde, Julia Friese, Regina Kehn und Michael Roher wurden wiederum eingeladen, ein Wochenende lang, ausgewählte Gedichte aus der Autorenwerkstatt zu illustrieren. Dabei entdeckte jeder der vier Illustratorinnen und Illustratoren andere Lieblingsgedichte, zu denen er oder sie eifrig Ideen zu Papier brachte. Es wurde gezeichnet, gedruckt und gemalt, geschnipselt, geklebt und collagiert.

Das Ergebnis der beiden Workshops wird nun, ein weiteres Jahr später, im Mixtvision Verlag veröffentlicht. 60 frische Verse und flotte Illustrationen sind in der Anthologie „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest. Tiergedichte für Kinder“ versammelt. Begleitend dazu präsentiert die Internationale Jugendbibliothek vom 9. September 2018 bis zum 17. Februar 2019 eine Ausstellung mit den Originalillustrationen unter demselben Titel.

Der Erfolg des Projekts, das als Experiment mit ungewissem Ausgang gestartet wurde, wird mit einem großen Abschlussfest am Sonntag, dem 9. September 2018 von 15 bis 17 Uhr auf Schloss Blutenburg und am Montag, dem 10. September um 20 Uhr im Lyrik Kabinett in München gefeiert.

Wenn Quasselasseln Quatsch quasseln
Ein großes Lyrikfest für Familien findet am 9. September 2018 von 15 bis 17 Uhr in der Internationalen Jugendbibliothek auf Schloss Blutenburg in München statt. Nach einem „tierisch-vergnüglichen“ Bühnenprogramm mit den Lyrikerinnen und Lyrikern Michael Augustin, Tanja Dückers, Heinz Janisch, Mathias Jeschke, Arne Rautenberg und Ulrike Almut Sandig und dem Body-Percussionisten Clemens Künneth können Kinder ab 5 Jahren zusammen mit den Autorinnen und Autoren in verschiedenen Wortwerkstätten weiter reimen und dichten, was das Zeug hält. Geht die Hummel lieber auf den Rummel oder auf einen Einkaufsbummel? Hat Herr Specht nun wirklich recht? Und mag der Kolibri tatsächlich Kohlrabi? Das und vieles mehr lässt sich sicher herausfinden! Außerdem laden die drei Illustratorinnen Nadja Budde, Julia Friese und Regina Kehn in ihre Druck- und Dichterwerkstatt zum Reimen, Radieren, Drucken und natürlich Illustrieren ein. Natürlich geht es auch dabei um Tiere, aber nicht nur ... Für die Erwachsenen gibt es währenddessen Führungen durch die Ausstellung „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest. Allerlei Getier in Versen und Bildern“ mit der Kuratorin und Projektkoordinatorin Dr. Ines Galling. Und zum Abschluss um 17 Uhr Himbeerbrause für alle! Der Eintritt ist frei.

Kinderlyrisches Quartett
Für Lyrikliebhaberinnen und -liebhaber sprechen Sven Hansuchek, Felicitas Hoppe, Arne Rautenberg und Jens Thiele am 10. September 2018 um 20 Uhr im Lyrik Kabinett, Amalienstr. 83a in München, über vier Neuerscheinungen der Kinderlyrik, darunter die druckfrische Anthologie „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest. Tiergedichte für Kinder“, die im Münchner Verlag Mixtvision erschienen ist. Sie versammelt die Werke der Dichterinnen und Dichter sowie der Illustratorinnen und des Illustrators, die an dem Projekt „Mehr Gewicht fürs Kindergedicht!“ mitgewirkt haben. Ein tierisches Lesevergnügen für Jung und Alt! Die Diskutantin und die Diskutanten reden über verschmitzte und tiefsinnige Verse, zarte Zeichnungen und farbstarke Bilder.

Als Leseprobe folgen ausgewählte Gedichte aus der Anthologie „Ein Nilpferd steckt im Leuchtturm fest. Tiergedichte für Kinder“.
Können Tiere nicht einfach nur niedlich sein?

warum muss das eichhörnchen
die jungvögel in den zypressen
aus dem nest räubern und fressen?

warum hat die gänseschar
draußen im park ohne ein schlechtes gewissen
die liegewiese vollgeschissen?

warum zerkratzt die katz so überhaupt nicht nett
die ledercouch und legt mir halbe mäuse vors bett?

und warum furzt der hund mit leisem gezisch
während wir essen unterm abendbrotstisch?

das find ich fies das ist gemein
warum können tiere nicht einfach nur süß und niedlich sein?

Arne Rautenberg


Quasselasseln

manche hassen Quasselasseln. andere sind selber welche. die Quasselassel kann's nicht lassen, massenhaften Quatsch zu quasseln und mit ihren vierzehn fetten Gürteln soooooooooooooo zu rasseln! o, was sind die Quasselasseln doch für Knilche! sie wuseln mit nicht weniger als vierzehn blassen Beinchen über alle feuchten Steinchen, nassen Mauern und Terrassen, rasseln unter Picknicktassen, aufblasbaren Pools im Garten und quasseln dabei Quatsch im Matsch, dass es ein Graus ist! jetzt, wo's raus ist, müssen wir zusammenfassen: es ist ein Schlammassel. ach, lassen wir die Quasselassel.

Ulrike Almut Sandig


Kätzchen & Hund

Mein Hund
der heißt Kätzchen,
mein Kätzchen
heißt Hund.

Warum
weiß ich auch nicht,
es gibt keinen Grund.

Wenn sie sich mal streiten,
dann geht's ganz schön rund:

Wau-wau!!!
sagt mein Kätzchen
Miau!!!
sagt mein Hund.

Hört auf
euch zu streiten,
es wird mir zu bunt!
Geht auf eure Plätzchen
und haltet den Mund!

Den woll'n wir nicht halten!
kreischen die Zwei.
Da seh ich es selbst schon:
der Streit ist vorbei.

Mein Hund
der heißt Kätzchen,
mein Kätzchen
heißt Hund.

Warum
weiß ich auch nicht,
es gibt keinen Grund.

Michael Augustin


Stadthund

Wenn du herunter auf die Straße gehst
wer bleibt vor dir stehen
kläfft und zeigt mit allen Körperteilen, wie er sich freut?
DAs ist der Wackel von der Nachbarin Frau Hackel
Und wer bleibt ewig sitzen vor dem Baum?
Das ist bestimmt ein – naja – ein Kackel

Tanja Dückers


Träume

Schlittschuhkrähen und Nashornmöwen
träumen am liebsten von Eisbärlöwen

Fußballmäuse und Tigerfliegen
träumen am liebsten von Zebraziegen

Ballettkatzen und Panthergnus
träumen am liebsten von Leopardenuhus

Jongliertapire und Flamingoaffen
träumen am liebsten von Flohgiraffen

Heinz Janisch

Kätroppchen und der wöse Bolf

Kätroppchen gung dirch
den wanklen Duld.

Schla dich der wöse Bolf berhei,
er zirschte dit men Knähnen.

Der Honuld daß fras Kätroppchen
mit Haat und Haur.

Wund eil die sa westorben gar,
lum drebt nie sicht hehr meute.

Matthias Jeschke

Kontakt:
Carola Gäde
Presse- und Programmarbeit
Internationale Jugendbibliothek
Schloss Blutenburg
81247 München
Tel.: (089) 891211-30
E-Mail: carolagaede@ijb.de
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