Leseempfehlung

Heinrich-Wolgast-Preis 2017 für „Exit Sugartown“

05.12.2017

Martin Petersens Buch ist engagierte Jugendliteratur im besten Sinne




© Dressler Verlag
© Dressler Verlag
Am 4. November 2017 wurde auf der Sitzung des Gesamtvorstandes der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM) in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) der diesjährige Preisträger des Heinrich-Wolgast-Preises verkündet. Der mit 2.000 € dotierte Preis zeichnet im zweijährigen Turnus Kinder- und Jugendbücher aus, die sich in besonderer Weise der Darstellung von Arbeitswelten in der Kinder- und Jugendliteratur verpflichtet haben. Der Heinrich-Wolgast-Preis wurde 1986 vom Bildungs- und Förderungswerk (BFW) der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im DGB e.V. gestiftet, um die Darstellung der Arbeitswelt in der Kinder- und Jugendliteratur (KJL) zu fördern. Benannt ist der Preis nach dem Hamburger Volksschullehrer, Literaturpädagogen und Schulreformer Heinrich Wolgast (1860-1920), der 1893 zu den Gründern der „Vereinigten Deutschen Prüfungsausschüsse für Jugendschriften“ gehörte und von 1896 bis 1912 Schriftleiter der Zeitschrift „Jugendschriften-Warte“ war.

Aus den ca. 150 Einsendungen zahlreicher Kinder- und Jugendbuchverlage hat sich die Jury schließlich für ein ganz besonderes Buch entschieden:

Exit Sugartown
Von Martin Petersen
Hamburg: Dressler Verlag, 2016
288 Seiten, 14,99 EUR, ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-7915-0007-2

Aus der Begründung der Jury
Die siebzehnjährige Dawn hat genug von der aufzehrenden, aber letztlich ertraglosen Arbeit und dem ärmlichen Leben in Sugartown. In der Hoffnung auf ein einträglicheres Einkommen und ein besseres Leben in City, einer reichen Stadt jenseits des Meeres, legt sie ihr Schicksal schließlich in die Hände von Fluchthelfern, die ihr einträgliches Geschäft freilich nicht aus reiner Menschenliebe betreiben. Es folgt eine Reise voller Strapazen und Gefahren, in der natürliche wie auch von Menschen geschaffene Grenzen und Hindernisse überwunden werden müssen. Endlich in City angekommen, wird ihr Traum, sich und ihrer Familie durch eine menschenwürdige Arbeit eine gesicherte Existenz zu ermöglichen, jedoch auf eine harte Probe gestellt.
„Exit Sugartown“ ist engagierte Jugendliteratur im besten Sinne: Ganz ohne Pathos, Moralisierung, platte Schuldzuweisung und stereotype Feindbilder, direkt, unmittelbar und schonungslos. Martin Petersen nutzt für seine Geschichte einen lakonisch-nüchternen, fast journalistisch präzisen Erzählton, den er seiner Protagonistin in den Mund legt. Dabei wirkt die Erzählweise weder neutral noch unbeteiligt. „Gerade wegen seiner Sachlichkeit berührt und schockiert dieses Jugendbuch zutiefst. Anhand eines individuellen Schicksals macht es auf zentrale und skandalöse gesellschaftliche Missstände aufmerksam, die strukturelle Ursachen haben und einer dringenden Lösung bedürfen“, so Mario Zehe, Vorsitzender der Jury.

Leseprobe

Neben dem Preisträger wurden weitere zehn Bücher verschiedener Gattungen und Altersstufen für den Preis nominiert. Eine ausführliche Jurybegründung inkl. Übersicht über die Nominierungen ist unter www.ajum.de abrufbar.
Die feierliche und öffentliche Übergabe des Preises findet am 2. März 2018 um 18:30 Uhr in der Hamburger Zentralbibliothek (Hühnerposten 1, 20097 Hamburg) statt.

Über den Autor
Martin Petersen wurde 1950 in Kopenhagen geboren, arbeitete lange Zeit als Lehrer und in der Kinder- und Jugendhilfe. Seit 1989 ist er außerdem als Schriftsteller tätig und hat seitdem elf Romane für Kinder und Jugendliche veröffentlicht.

Der Jury 2016/2017 gehörten an:
Mario Zehe (Leipzig)
Sabine Arndt (Weimar)
Rebekka Starkloff (Altenburg)
Prof. Dr. Michael Ritter (Halle/Saale)

Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und -medien
Die AJuM sichtet und pru¨ft Kinder- und Jugendliteratur und -medien unter dem Gesichtspunkt der Verwendbarkeit in pädagogischen Arbeitsfeldern. Die Ergebnisse dieser von mehr als 500 Pädagoginnen und Pädagogen aus allen Bundesländern getragenen Arbeit fließt unmittelbar in die pädagogische Praxis ein, außerdem in die direkte Beratung von Kindern, Eltern, Lehrkräften, Erziehern sowie in Fortbildungsveranstaltungen und in zahlreiche Publikationen. Die AJuM arbeitet bundesweit und ist Teil der (Bildungs-) Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Weitere Informationen: www.ajum.de


Kontakt:
Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien (AJuM)
der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
c/o Ulrich H. Baselau
Osterstr. 30
26409 Wittmund
E-Mail: ulrich.baselau (at) ajum.de
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