Bericht

Deutscher Lesepreis 2017

17.11.2017

Zehn herausragende Projekte gewürdigt




Preisverleihung am 9.11.2017 in Berlin
Preisverleihung am 9.11.2017 in Berlin
© Stiftung Lesen / BILDSCHÖN
Vielfältig sind die Projekte, die am 9. November im Berliner Humboldt Carré mit dem Deutschen Lesepreis in den Kategorien individuelles, kommunales und schulisches Engagement sowie „Ideen für morgen“ ausgezeichnet wurden, darunter eine App zur Erkennung von Lese- und Rechtschreibstörungen, ein Lese- und Theaterclub für Kinder ab 12 Jahren, ein Leseclub im Fußballstadion und eine Buchstabenreise durch Potsdam. Der Deutsche Lesepreis wird von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung ausgelobt, unterstützt von FRÖBEL e.V., der PwC-Stiftung Jugend - Bildung - Kultur und der Arnulf Betzold GmbH. Er steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien. „Gute Konzepte der Leseförderung sind der Schlüssel zu Bildung und demokratischer Teilhabe. Lesen befähigt uns, Selbsterlebtes zu reflektieren, Horizonte zu erweitern und fremde Gedankenwelten zu verstehen. In unserer Gegenwart des schnellen Informationsflusses ist Lesekompetenz mehr denn je gefordert. Ich gratuliere allen Preisträgerinnen und Preisträgern und danke ihnen für ihren großartigen Einsatz“, so die Schirmherrin.

Sonderpreis „Ideen für morgen“
Mit diesem Preis fördert die Commerzbank-Stiftung innovative Konzepte, die für Impulse sorgen. Mit Hilfe des Preisgeldes in Höhe von 6.000 € soll die Realisierung eines Konzeptes über insgesamt zwei Jahre unterstützt werden. Darüber hinaus begleiten die Initiatoren die Preisträgerin mit Rat und Tat.

Spielerische Erkennung der Lese-/Rechtschreibstörung
Maria Rauschenberger, Oldenburg/ Barcelona
Im Rahmen ihrer Promotion arbeitet Maria Rauschenberger an einer Methode, mit der eine Lese-Rechtschreib-Störung (LRS) mit Hilfe einer App möglichst frühzeitig erkannt werden kann.
Weitere Informationen: https://mariarauschenberger.net/

Herausragendes individuelles Engagement
Mit dem Preis für herausragendes individuelles Engagement, gestiftet von der PwC-Stiftung Jugend – Bildung – Kultur, werden Personen auszeichnet, die sich in außergewöhnlicher Weise für die Leseförderung verdient gemacht haben. Dies kann aktives ehrenamtliches Engagement ebenso sein, wie die Initiierung und Umsetzung eigener Ideen zur Förderung der Lesefreude und der Lesekompetenz für unterschiedliche Alters- und Zielgruppen. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Lese- und Theaterclub Turmgeflüster
Christine Dietzinger, Adelshofen
In Theaterworkshops und Schreibwerkstätten, bei Kreativ-Wochenenden und Bildungsfahrten wird Kindern ab zwölf Jahren die Chance geboten, sich ihrer individuellen Fähigkeiten und Stärken bewusst zu werden und wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Weitere Informationen: https://www.turmgefluester-verein.de

2. Preis: Bibliothek der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg
Ulf-Andre Thur, Berlin
Die engagiert geführte und täglich zugängliche Bibliothek für straffällig gewordene Jugendliche bietet ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit pädagogischem Anspruch.
Weitere Informationen: http://www.berlin.de/justizvollzug/

3. Preis: Leseclubs in Theorie und Praxis
Prof. Dr. Ina Brendel-Perpina, Eichstätt
Das Lehr- und Forschungsprojekt „Leseförderung im Leseclub“ begleitet den Leseclub Frensdorf und bietet Studierenden der Deutschdidaktik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg die Möglichkeit, durch aktive Beteiligung an der Konzeptentwicklung und wissenschaftlichen Begleitung lesefördernder Aktivitäten theoretische Grundlagen der Leseförderung in ihrer Umsetzung zu erproben und zu reflektieren.
Weitere Informationen: https://www.uni-bamberg.de/germ-didaktik/

Herausragendes kommunales Engagement für die Leseförderung
In dieser Kategorie, gefördert von FRÖBEL e. V., werden Kindertagesstätten, Bibliotheken, Vereine, Unternehmen, Universitäten sowie Organisationen und kommunale Träger ausgezeichnet, die sich in außergewöhnlicher Art und Weise für die Leseförderung vor Ort verdient gemacht haben. Die Bildung lokaler Netzwerke im Sinne einer institutionsübergreifenden und sich wechselseitig ergänzenden Projektzusammenarbeit wurde bei der Auswahl der Preisträger besonders berücksichtigt. Drei Preisträger erhalten ein Preisgeld von insgesamt 4.500 € (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Leseförderung im Netzwerk Lesen
Medien- und Informationszentrum Stadtbücherei Biberach
Das „Netzwerk Lesen“ der Stadtbücherei Biberach, in dem sich fast alle kommunalen Bildungseinrichtungen zusammengeschlossen haben, ermöglicht eine flächendeckende Förderung der Lese- und Medienkompetenz mit einem umfangreichen zielgruppenspezifischen Medien- und Serviceangebot.
Weitere Informationen: https://miz.biberach-riss.de/

2. Preis: Leseclub im Stadion
Fanprojekt Dresden e. V.
Im „Leseclub im Stadion“ wird die besondere Atmosphäre des Stadions genutzt, um Kindern Lesekompetenz und Lesefreude zu vermitteln. Zweimal wöchentlich erfolgt der Anpfiff zum „Lesetraining“ für fünfzehn Jungen und Mädchen. Spielerisch und zielgruppenspezifisch werden die Kinder mit abwechslungsreichen Aktionen rund um die Themen Sprache, Kultur und Sport an Bücher, Zeitschriften und Medien herangeführt. Hin und wieder sind auch Profis von Dynamo Dresden im Leseclub zu Gast.
Weitere Informationen: https://www.fanprojekt-dresden.de/lernzentrum/leseclub/

3. Preis: Wie kommt das „W“ in den Baum? Eine Buchstabenreise durch Potsdam
Stadt- und Landesbibliothek Potsdam/Bibliotheksförderverein
In mehrwöchiger Projektarbeit gingen geflüchtete und deutsche Kinder gemeinsam auf Buchstabensuche in ihrer Stadt. Was sie auf Bäumen, in Mauerritzen, Uferschwüngen, an Häusern oder Gebäuden, am Himmel, auf dem Boden oder auch in Augenhöhe entdeckten, wurde mit Tablets fotografiert und in Gruppenarbeit künstlerisch und literarisch zu Buchstabenbildern verarbeitet, die in einer Ausstellung präsentiert wurden.
Weitere Informationen: http://www.bibliothek.potsdam.de/

Herausragende Leseförderung an Schulen - Gestiftet von Arnulf Betzold GmbH
In dieser Preiskategorie wird schulisches Engagement ausgezeichnet, das die Lesemotivation und Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern mit einem systematisch aufeinander aufbauenden Programm zum Schwerpunkt „Lesen“ entwickelt und stärkt. Dazu gehören fächerübergreifende Maßnahmen in und außerhalb des Unterrichts, die infrastrukturelle Ausstattung der Schulen mit Lesematerial und eigenen Leseorten, der aktive Einbezug der Elternschaft sowie außerschulische Kooperationen. Der Preis wird von der Arnulf Betzold GmbH, Lehrmittelverlag/Schulversand gefördert. Insgesamt stehen 4.500 € Preisgeld zur Verfügung (1. Preis: 2.000 €, 2. Preis: 1.500 €, 3. Preis: 1.000 €).

1. Preis: Weibelfeldschule, Dreieich
Die Verknüpfung der Leseförderung mit dem Schulalltag, das systematisch aufeinander aufbauende Konzept der verschiedenen Projekte (Probeleser, JuLiD, Literanauten, Schulzeitung und mehr) und der charmante Lesebazillus überzeugten die Preisjury. Gelobt wurde der Mut der Schule, eine Fachkraft für die Leseförderung langfristig an die Schule zu binden.
Weitere Informationen: https://www.wfs-dreieich.de/

2. Preis: Grundschule Kirchdorf, Hamburg
Eine verbindlich festgelegte, tägliche Lesezeit am Vormittag, Vorlesegespräche, eine durchgängig geöffnete Bücherei, die Leseprojektwoche, Lesewettbewerbe in Deutsch und Türkisch, Besuche der Bücherhalle und der ansässigen Buchhandlung, der Bücherflohmarkt, die Teilnahme am Fly-Projekt und am bundesweiten BiSS-Projekt tragen dazu bei, in der Brennpunktschule stabile Lesegewohnheiten und einen lustvollen Umgang mit Büchern zu etablieren.
Weitere Informationen: http://gskirchdorf.hamburg.de/

3. Preis: Förderzentrum „Clemens Winkler“, Brand-Erbisdorf
In der Förderschule wird die Leseförderung mit vielen kreativen Projekten umgesetzt: vom Lesepicknick über redaktionelle Betätigung bis hin zum Buchmessebesuch.
Weitere Informationen: http://www.fzbed.de

Festveranstaltung im Berliner Humboldt Carré
Auf der Festveranstaltung mit rund 270 geladenen Gästen aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Kultur im Berliner Humboldt Carré betonte der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen Dr. Jörg F. Maas: „Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr zeigen können, wie aktiv, ideenreich und lebendig die Leseförderung hierzulande ist. Ohne die Arbeit der Preisträgerinnen und Preisträger wäre es nicht möglich, nachwachsenden Generationen Lesefreude und Bildungschancen zu vermitteln. Nur durch Kooperationen auf lokaler, regionaler und bundesweiter Ebene können wir auch in Zukunft die Bedeutung des Lesens für die Gesellschaft sichtbar machen und engagierte Initiativen fördern.“

Astrid Kießling-Taskin, Vorstand des Initiativpartners Commerzbank-Stiftung, ergänzte: „Leseförderung muss zeitgemäß sein und mit den Lebensumständen der Menschen Schritt halten. Mit dem Sonderpreis ‚Ideen für morgen‘ verschaffen wir aussichtsreichen Projekten Raum zum Wachsen. So können wir dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche auch in Zukunft erfahren, wie sehr Lesen ihr Leben bereichern kann.“

Hintergründe zum Deutschen Lesepreis
Die Fähigkeit zu lesen ist für den Zusammenhalt und Erfolg einer Gesellschaft entscheidend: Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zum Buch oder E-Book greifen, verstehen komplexe Sachverhalte meist besser als Altersgenossen mit weniger Leseerfahrung. Zudem begegnen sie anderen Menschen häufig mit mehr Empathie und können ihre Anliegen deutlicher formulieren. Allerdings weisen PISA-Studien und OECD-Berichte für die Lesekompetenz deutscher Kinder seit Jahren große Defizite auf: 16,2 Prozent der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler verfügen nur über eine (sehr) schwache Lesekompetenz. Darüber hinaus sind hierzulande rund 7,5 Millionen Erwachsene funktionale Analphabeten. Der Deutsche Lesepreis möchte daher das breite gesellschaftliche und individuelle Engagement derer würdigen, ohne die eine flächendeckende und nachhaltige Vermittlung von Lesefreude und -kompetenz nicht möglich wäre.

Kontakt:
Thomas Kleinebrink
Stiftung Lesen
Römerwall 40
55131 Mainz
E-Mail: thomas.kleinebrink@stiftunglesen.de
Tel.: (06131) 28890-17
Internet: www.deutscher-lesepreis.de
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de