Meldung

Öffentliche Vortragsreihe: Schule migrationssensibel gestalten

26.09.2017

Förderung der Bildungssprache als Schlüssel für den Schulerfolg




Plakat zur Vortragsreihe (Ausschnitt)
Plakat zur Vortragsreihe (Ausschnitt)
© IDeA-Zentrum
In Kooperation mit der Hessischen Lehrkräfteakademie, der Goethe-Universität Frankfurt und dem Hessischen Kultusministerium veranstaltet das vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) koordinierte Forschungszentrum IDeA (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk) im Wintersemester 2017/2018 eine öffentliche Vortragsreihe im Saalbau Frankfurt-Bornheim, Arnsburger Straße 24, 60385 Frankfurt am Main. Pädagogische Fachkräfte, Studierende sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an sechs Nachmittagen jeweils von 16.00 bis 18.00 Uhr Vorträge zum Thema „Schule migrationssensibel gestalten - Förderung der Bildungssprache als Schlüssel für den Schulerfolg“ zu hören und sich im Anschluss bei einem kleinen Imbiss mit den Referentinnen und Referenten auszutauschen. Die Veranstaltung ist für Lehrkräfte akkreditiert. Der Eintritt ist frei.

Termine und Themen im Überblick:

Mittwoch, 25.10.2017

Prof. Dr. Petra Schulz, Goethe-Universität Frankfurt und IDeA-Zentrum

Vom Sprachprofi zum Sprachförderprofi: Welches Wissen über Sprache ist erforderlich, um Sprachdiagnostik und -förderung wirksam in der pädagogischen Praxis zu verankern?
Eigentlich sind wir alle Sprachprofis: Wir haben ein großes Repertoire an unbewussten Regeln und Fakten über unsere Muttersprache und wissen, was beispielsweise im Deutschen oder Türkischen richtig ist und was nicht. Um Kinder in ihrer sprachlichen Entwicklung effektiv fördern zu können, reicht dies jedoch bei weitem nicht aus. In Kindergarten und Schule benötigen wir Sprachförderprofis: Professionell geschulte Praxiskräfte, die ausgehend von ihrem Wissen über Sprache, Spracherwerb und Mehrsprachigkeit den Entwicklungsstand der Kinder adäquat beurteilen und anschließend geeignete und passgenaue Fördermaßnahmen entwickeln können. In diesem Beitrag wird aufgezeigt, warum diese anspruchsvollen Aufgaben eine zentrale Rolle für den Bildungserfolg insbesondere der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache spielen.


Donnerstag, 09.11.2017

Prof. Dr. Ilonca Hardy, Goethe-Universität Frankfurt und IDeA-Zentrum

„Was bedeutet Anziehungskraft?“ Wie Sprachbildung beim fachlichen Lernen umgesetzt werden kann
Dass Sprache mit unterrichtlichem Handeln eng verknüpft ist, scheint offensichtlich. Die besondere Herausforderung der Sprachverwendung in fachlichen Kontexten für Schülerinnen und Schüler wird jedoch erst seit Kurzem systematisch untersucht. So ist beispielsweise in den Naturwissenschaften und der Mathematik eine spezifische Sprachverwendung für verständnisorientiertes Lernen besonders wichtig. Unterschiede zwischen der Verwendung des Alltagsbegriffs „Anziehen“ und der Anziehungskraft im physikalischen Sinn können dann ein Lernhindernis besonders für Kinder mit niedriger Sprachkompetenz sein. Im sprachsensiblen Fachunterricht werden deshalb Fachkontexte und Sprachhandlungen so verknüpft, dass Lernende auf unterschiedlichen Niveaus profitieren können. Im Vortrag werden Konzepte und Befunde zur Förderung von Sprachkompetenz und der Bedeutung der Bildungssprache in unterschiedlichen Fächern vorgestellt und an Beispielen erörtert.


Donnerstag, 23.11.2017

M.Ed. Christoph Müller, Leibniz-Universität Hannover

Ein sicherer Ort für geflüchtete Kinder und Jugendliche? Schule traumasensibel gestalten
Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind durch die fluchtauslösenden Ursachen, die Flucht selbst und die Aufnahmesituation hierzulande in der Regel schwer belastet oder traumatisiert. Wie sich ihr Leiden entwickelt und ob sich etwa traumabezogene Symptome ausbilden, hängt dabei im besonderen Maße davon ab, welche Erfahrungen Kinder und Jugendliche nach der Flucht im Aufnahmeland machen. Dadurch kommt der Schule – als der einzigen pädagogischen Institution, die durch die gesetzliche Schulpflicht zumindest theoretisch auch alle geflüchteten Kinder und Jugendlichen erreicht – eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu. Was können Lehrerinnen und Lehrer und andere pädagogischen Fachkräfte in der Schule beachten, um nicht zu einer weiteren Traumatisierung beizutragen, sondern die Kinder und Jugendlichen bestmöglich im potenziell traumatischen Prozess zu unterstützen? Diese Frage wird in dem Vortrag anhand aktueller Forschungsergebnisse erörtert und mit Rückgriff auf die Rahmenkonzeption der Sequentiellen Traumatisierung sowie unter Bezug auf konzeptionelle Grundlagen der Traumapädagogik und der psychoanalytischen Pädagogik beantwortet.


Mittwoch, 06.12.2017

Helmolt Rademacher, Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V.

Demokratielernen in der Zuwanderungsgesellschaft
Demokratie ist nicht auf Dauer gegeben, sie wird immer wieder von größeren oder kleineren Gruppen in Frage gestellt und muss daher verteidigt werden. Momentan erleben wir in Europa, dass es in einigen Ländern massive Versuche gibt, die Demokratie auszuhöhlen bzw. die Grundrechte zu beschneiden. Aber auch in Deutschland gibt es aufgrund der hohen Zuwanderung – insbesondere die Geflüchteten – rechtspopulistische Parteien, die die Unsicherheit der Bevölkerung ausnutzen, um einfache Lösungen anzubieten, die teilweise im Gegensatz zu unserer Verfassung stehen. Durch die neu Zugewanderten gibt es ferner die Herausforderung, dass ein Teil dieser Menschen Demokratie nie erlebt hat und an diese Herrschaftsform erst herangeführt werden muss. Da die Schule der Ort ist, zu dem in der Regel alle Kinder und Jugendlichen gehen, besteht hier die Möglichkeit, schon recht früh demokratische Verhaltensformen einzuführen (Demokratie als Lebensform). Ferner kann Schule auch der Ort sein, um sich mit den aktuellen politischen Herausforderungen zu beschäftigen und dann gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren, wie man sie bewältigen kann.


Donnerstag, 18.01.2018

Prof. em. Dr. Werner Sacher, Nürnberg

Kultursensible Elternarbeit
Eltern haben einen weitaus größeren Einfluss auf den Bildungserfolg ihrer Kinder als alle pädagogischen Institutionen und Professionen. Sie sind somit unverzichtbare Partner in der Bildungsarbeit. Erfolgreich ist eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft allerdings nur, wenn sie einige Qualitätsstandards beachtet. Bei Menschen nichtdeutscher Herkunft sind darüber hinaus auch kulturelle Prägungen und Einstellungen zu berücksichtigen, welche die Kooperation mit pädagogischen Institutionen und Professionen beeinflussen.


Donnerstag, 01.02.2018

Prof. Dr. Diemut Kucharz, Goethe-Universität Frankfurt und IDeA-Zentrum

Sprachliche Heterogenität im Klassenzimmer
Schülerinnen und Schüler einer Klasse unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Geschlechts, ihrer sozio-ökonomischen Herkunft, ihrer Lernvoraussetzungen und -möglichkeiten, sondern auch hinsichtlich ihrer Sprache(n): Manche können eine fast druckreife Präsentation halten, anderen fällt es schwer, überhaupt einen korrekten vollständigen Satz zu formulieren. Einige beherrschen zwei oder mehr Sprachen und können mühelos zwischen ihnen hin und her wechseln. Bei anderen ist die Unterrichtssprache Deutsch die Zweitsprache und man kann als Lehrkraft nicht sicher sein, ob sie alles verstehen, was im Unterricht gesprochen wird. Und im Unterricht wird viel gesprochen – fast ausschließlich in der deutschen Sprache! Welche Möglichkeiten habe ich als Lehrkraft, mit dieser Heterogenität angemessen umzugehen, um den Schülerinnen und Schülern mit ihren unterschiedlichen Sprachen gerecht zu werden?


Das Forschungszentrum IDeA
IDeA (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk) ist ein interdisziplinäres wissenschaftliches Zentrum, das 2008 im Rahmen der hessischen LOEWE-Initiative gegründet wurde. Gründungspartner sind das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), die Goethe-Universität Frankfurt sowie das Frankfurter Sigmund-Freud-Institut. Die Mitglieder des Zentrums verfügen über Expertise in den Bereichen Psychologie, Erziehungswissenschaften, Psycholinguistik, Neurowissenschaften, verschiedener Fachdidaktiken, Soziologie und Psychoanalyse.


Kontakt:
Verena Diel
IDeA-Zentrum
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
Schloßstraße 29
60486 Frankfurt am Main
Tel.: (069) 24708-819
E-Mail: diel@dipf.de
www.idea-frankfurt.eu
Redaktionskontakt: schuster@dipf.de