Bericht

Leseempfehlungen von Jugendlichen für Jugendliche

28.07.2017

Die Favoriten des Jugendleseclubs JuLiD aus Dreieich




JuliD-Plakat 2017
JuliD-Plakat 2017
© Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich
Als einen „Treffpunkt für Gleichgesinnte“, wo man „lesen und zusammenkommen“ und „Einblicke in Bücher bekommt, welche man normalerweise nicht liest“ bezeichneten die Jugendlichen aus Dreieich und Umgebung ihren Jugendleseclub JuLiD (=Jugend-Literatur Dreieich) bei einer anonymen Befragung. Seit September 2009 treffen sich die Clubmitglieder monatlich in der Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich – Weibelfeldschule, um unter der Leitung von Diplom-Bibliothekarin Linda Hein aktuelle Jugendliteratur zu sichten, zu lesen und zu bewerten. Nach jedem Schuljahr werden fünf Titel und eine Buchreihe als Favoriten ausgewählt. Für ihr Engagement wurde die Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich - Weibelfeldschule bereits zweimal mit dem Hessischen Leseförderpreis ausgezeichnet und im Jahr 2015 auch mit dem „Ist doch Ehrensache“-Preis des Kreises Offenbach.

Im Schuljahr 2016/2017 lasen die 18 Mitglieder des Jugendleseclubs 112 Neuerscheinungen aus dem Jahr 2016, gaben 232 Bewertungen dazu ab und schrieben Rezensionen zu 55 Büchern. Alle Jurymitglieder durften selbst bestimmen, was sie lesen und bewerten wollen. Bewertet wurden jeweils das Cover, das Thema, die Umsetzung, Spannung, Sprache und die Charaktere eines Buches.

Die Siegertitel 2017
Unter den Siegertiteln wurde keine Rangfolge festgelegt, weil so tolle, aber unterschiedliche Bücher nicht miteinander konkurrieren sollten. Diese Titel werden im Sommer unter anderem in umliegenden Stadtbüchereien und Buchhandlungen und auch in weiter entfernten Regionen Hessens mit dem aktuellen JuLiD-Plakat besonders beworben.

Colleen Hoover: Maybe someday!
ISBN 978-3-423-42897-2, dtv

Unglaublich gefühlsintensive Liebesgeschichte mit wunderschönen Songs – sogar zum Anhören. An sich ist ihre Geschichte keine große Besonderheit, aber der umwerfende, emotionale Schreibstil von Colleen Hoover fesselt ab der ersten Seite. Die Charaktere sind vielschichtig und tiefgründig, sodass man sich super in sie hineinversetzen und sich mit ihnen identifizieren kann. Wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen. Absolut lesenswert.
Franziska, 21 Jahre

Stephanie Tromly: Digby ; #1 – Tot ermittelt es sich schlecht
ISBN 978-3-7891-4809-5

Zuallererst muss gesagt werden, dass die Charaktere dieses Buches einem direkt ans Herz wachsen. Natürlich ist es ein Krimi ... und natürlich erinnert Digby auf seine spezielle Art und Weise irgendwie an einen Sherlock Holmes, der wohl etwas zu viel Energie abbekommen hat. Dennoch ist er ein so individueller und toller Charakter, dass man gar nicht anders kann, als ihn zu mögen. Durch sein aufgedrehtes Verhalten ist ständig die Frage im Raum: Was passiert als Nächstes? Was hat er diesmal für einen Plan? Und wird er es schaffen, seine kleine Schwester endlich zu finden? Besonders die letzte Frage beschäftigt einen bis zum Schluss, doch ob sie geklärt wird, muss schon selbst herausgefunden werden. Aber natürlich ist Digby nicht allein, besonders eine weitere Person hilft ihm bei seinem Rätsel: Zoe. Sie ist der weibliche Hauptcharakter der Geschichte. Eine aufmüpfige, selbstbewusste und störrische junge Frau, die einfach in das Chaos namens Digbys Leben hineingezogen wird, und sich gleichzeitig in ihrem neuen Leben in einer neuen Stadt zurechtfinden muss, was ihr auch nicht direkt leichtfällt. Doch schnell wird klar, dass Digby und Zoe ein gutes Team abgeben und gemeinsam ihren Fall – wenn man dies so nennen kann – lösen werden. Kurz zusammengefasst: Durch den Witz und ihren Charme lernt man die beiden Hauptcharaktere kennen und lieben, genauso wie ihre Hintergründe und die Situationen, die einem irgendwoher immer vertraut und zugleich ungewöhnlich vorkommen. Es macht schlichtweg Freude, zu lesen und das Buch lässt sich nur empfehlen. Daumen hoch!
Michelle, 18 Jahre

Zoe zieht zu ihrer Mutter in eine Kleinstadt. Dort trifft sie auf Digby, einen sonderbaren Jungen, dessen Schwester vor Jahren verschollen ist. Er legt sich mit allem und jedem an und spielt den Hobbydetektiv - leidenschaftlich. Zoe wird in seine verzwickte Welt hineingezogen und findet sich sofort mit Einbrüchen, Waffen und Entführungen konfrontiert. Der einzige Haken: Bei Digby gibt es keinen Plan B.
Das Buch ist sehr spannend und humorvoll geschrieben. Digbys Einzigartigkeit ist genial und überrascht den Leser wieder und wieder. Der einzige Haken an den Dialogen ist, dass es teilweise nicht erkennbar ist, welcher Charakter spricht. Für Fans von Skullduggery Pleasant ist dieses Buch ein Muss!
Miriam, 17 Jahre

Neu in der Fremde – Von Menschen die ihre Heimat verlassen
ISBN 978-3-407-82133-1 Beltz & Gelberg, 2016

In dem Buch berichten Menschen, die entweder selbst geflüchtet sind oder die Erfahrungen mit Flüchtlingen gesammelt haben von ihren Erlebnissen. Zum Beispiel gründete ein Mann eine Fußballmannschaft für Flüchtlinge, eine Frau nahm Flüchtlinge bei sich auf und ein Mann musste flüchten, weil er seine Meinung gesagt hat.
Da es sich bei diesem Buch nicht um einen klassischen Roman handelt, ist dieses Buch sicherlich nicht für jeden etwas. Das Thema jedoch ist aktuell und hervorragend dargestellt. Die Gefühle der Menschen, die selbst flüchten mussten, werden ebenso gut dem Leser vor Augen geführt wie die Gründe für ihre Flucht. Gerade der Aspekt der Flucht verdeutlicht, dass dies wirklich eine Flucht ist und kein freiwilliges Ereignis. Positiv ist auch, dass hierdurch das vermittelte Medienbild etwas deutlicher und rührender herausgearbeitet wird.
Auf jeden Fall ist anzumerken, dass dieses Buch nicht zum schnellen Lesen gedacht ist, da man automatisch zum Nachdenken angeregt wird und so schon nach einem bzw. zwei Erfahrungsberichten nicht mehr weiterlesen kann.
Alles in allem finde ich, dass dies ein erstklassiges Buch ist, das es wert ist, gelesen zu werden. Es sind zum großen Teil sehr bewegende Geschichten, die gerade in unserer heutigen Zeit zeigen, dass man mit Flüchtlingen gut umgehen und ihnen helfen muss. Oft kämpft man als Leser selbst mit den Tränen. Ein Lesen am Stück ist nicht möglich, da der Leser dazu angeregt wird, sich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Deshalb ist „Neu in der Fremde“ ein verdientes Siegerbuch.
David, 18 Jahre

In diesem anspruchsvollen, pädagogisch wertvollen Buch schildern Flüchtlinge ihre Erfahrungen in Deutschland, zu Wort kommen außerdem Unterstützer und Helfer. Diese Schilderungen sind emotional ergreifend. Die auftauchenden Konflikte entführen in eine tiefgründige Welt aus Schmerz, Angst, Verlust und die Hoffnung auf einen Neuanfang. Trotz des scheinbar immer wieder „durchgekauten“ Themas fesseln die einzelnen Geschichten und Erfahrungen und schaffen eine Basis für Verständnis und Anteilnahme.
Franziska, 21 Jahre

Virginia Boecker: Witch Hunter ; 1
ISBN 978-3-423-76135-2, dtv

Als Hexenjägerin dient die Protagonistin Elizabeth ihrem Lehrmeister Blackwell, der sie aus der Armut gerettet hat, um ihr ein besseres, angesehenes Leben zu schenken. Als einzige weibliche Hexenjägerin findet sie trotz ihrer Fähigkeiten nur wenig Anerkennung bei ihren Kameraden. Nur ihr engster Freund und heimlicher Schwarm Caleb scheint für sie da zu sein. Als sie sich dem Benutzen von magischen Kräutern schuldig macht, wird Elizabeth ohne Gnade in den Kerker geworfen. Im letzten Moment wird sie von Blackwells Erzfeind, Nicholas Perevil, gerettet, der sie für eine Hexe hält. Der Hexenmeister sieht in ihr eine Möglichkeit gegen Blackwell vorzugehen, der ein falsches Spiel treibt. Jetzt muss Elizabeth sich entscheiden, wem ihre Treue gilt.
Die Welt und die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet. Elizabeths Gewissenskonflikt macht es möglich, sich leicht mit ihr zu identifizieren. Ihrer Handlungen, Entscheidungen und Gedanken sind nachvollziehbar. Im Laufe der Handlung entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Elizabeth und einem anderen Charakter, die vor immer wieder neue Hindernisse gestellt wird, aber nicht vorhersehbar daherkommt. Durch die vielseitigen Charaktere, die detailliert ausgearbeitete Welt und die darin lebenden magischen Wesen bekommt man ein klares Bild und allerschönstes Kopfkino. Die Spannung reißt zu keinem Zeitpunkt ab, sodass man den Roman gar nicht mehr aus der Hand legen will.
Eine emotionale Fantasy-Story, in der die Protagonistin sich zwischen richtig und falsch entscheiden muss. Tiefgründige Charaktere, die man sofort ins Herz schließt, eine spannende Story mit Magie, Verrat, Verfolgung und Rebellion, ein fesselnder, flüssiger Schreibstil und ein unglaubliches Cover. Einziges Manko: Es gibt leider nur einen zweiten Teil.
Franziska, 21 Jahre

Cassandra Clare: Lady Midnight (The Dark Artifices #1)
ISBN: 9781442468351, Goldmann

Fünf Jahre sind seit den Ereignissen des Dunklen Krieges vergangen, doch nach wie vor glaubt Emma nicht daran, dass Sebastian Morgenstern ihre Eltern ermordet hat. Als auf einmal Leichen auftauchen, die mit den gleichen Zeichen beschrieben sind, wie die ihrer Eltern, ist sie fest entschlossen, zu ermitteln. Doch der Kalte Frieden hält sie davon ab, denn einige der Toten waren Feenwesen. Die Feen verlangt es nach Antworten und Rache, deswegen unterbreiten sie Emma und den Blackthorns einen Handel, den diese nicht ausschlagen können. Der Kalte Frieden ist aber nicht das einzige Schattenjäger-Gesetz, das Emma und Julian Probleme bereitet, denn eines der schlimmsten Vergehen, das ein Schattenjäger begehen kann, ist, sich in seinen Parabatai zu verlieben ...
Ich liebe Cassandra Clares Bücher einfach. Auch Lady Midnight hat da keine Ausnahme gebildet. Cassandra Clare spielt wieder unaufhörlich mit den Gefühlen ihrer Leser. Besonders Emma und Julian haben mein Herz gebrochen. Ich war begeistert davon, wie Cassandra Clare das Gedicht von Annabel Lee in das Buch integriert und es interpretiert hat. Außerdem ist und bleibt Cassie einfach die Beste, wenn es darum geht, neben der offensichtlichen Überlappung ihrer Reihen, auch unzählige kleine Querverweise und mini Cameos einzubauen und ihren Lesern damit das Lesen zu versüßen. Ein absolut fesselndes Buch und ein Muss für alle Fans von Cassandra Clares Schattenjäger-Büchern.
Vanessa, 17 Jahre

Beste Buchreihe: Marissa Meyer: Die Luna-Chroniken

Band 1: Wie Monde so silbern
ISBN: 978-3-551-58335-2 (2013)

Band 2: Wie Blut so rot
ISBN: 978-3-551-58287-4 (2014)

Band 3: Wie Sterne so golden
ISBN: 978-3-551-58288-1 (2014)

Band 4: Wie Schnee so weiß
ISBN: 978-3-551-58289-8 (2016)

Grimms Märchen im Science Fiction Genre. Vier unglaubliche Heldinnen, deren Märchengeschichte auf altbekannte und völlig neue Art erzählt wird. Von spannenden Abenteuern, über Verrat, politische Konflikte und verschwundene Prinzessinnen bis zum wohlverdienten Märchenprinzen. Eine Reihe mit Suchtpotenzial, die bis zur letzten Seite fesselt. Zum ersten Band: sehr gelungene Neuinterpretation des Aschenputtel-Märchens. Die Story überzeugt durch gut ausgearbeitete und glaubwürdige Charaktere sowie einen dramatischen Spannungsbogen und intensive Gefühle. Die Science-Fiction-Elemente transportieren das beliebte Märchen in die Zukunft, wo Cyborgs und Mondbewohner alltäglich sind. Der Auftakt einer spannenden Reihe, in der immer wieder besondere Schlüsselszenen aus dem Märchen aufgegriffen werden. Geeignet für jeden der Spaß an etwas Neuem, und gleichzeitig Bekanntem hat.
Franziska, 21 Jahre

Als ich das Buch angefangen habe, habe ich eine moderne Version von Aschenputtel erwartet und landete in einer futuristischen Welt voller Androiden, Außerirdischen und ID-Chips. Im ersten Moment ist das Ganze etwas verwirrend aber nach kurzer Zeit findet man sich gut zurecht. Insgesamt ist die Geschichte sehr spannend und hat sehr viele unerwartete Wendungen, sodass das Ende sehr unerwartet kommt. Sehr schön finde ich, dass Zitate aus dem Märchen verwendet werden. Insgesamt ist „Wie Monde so silbern“ ein sehr schönes Buch, das einen in eine völlig fremde Welt entführt und bis zur letzten Seite festhält.
Madeleine, 19 Jahre (zu Band 1)

Ich war wie gefesselt von dieser Reihe. Abgesehen von „Wie Schnee so weiß“ und „Stars Above“ habe ich alle Bücher jeweils an einem Tag gelesen. Ich war etwas zögerlich, die Reihe anzufangen, als ich hörte, dass Cinder ein Cyborg ist, doch diese Bedenken warf ich über Bord, als ich einmal angefangen hatte zu lesen: Ich fand es toll, wie die Autorin die Märchen zwar zu Grund gelegt hat, aber eigentlich etwas komplett Neues geschaffen hat. Ich war überrascht – im positiven Sinne – als ich festgestellt habe, dass Marissa Meyer tatsächlich die originalen Märchen als Vorlage nahm, was vor allen Dingen bei „Wie Sterne so golden“ und „The Little Android“ rauskam. Am Anfang des zweiten Bandes hatte ich zuerst Probleme, da ich eigentlich wissen wollte, wie es mit Cinder weitergeht und mich Scarlett erst mal wenig interessiert hat. Glücklicherweise habe ich dann festgestellt, dass Cinder als Point of View Charakter erhalten blieb und nur mit jedem Buch ein oder mehrere Point of View Charaktere hinzukamen. Irgendwie wurde ich mit Scarlett in „Wie Blut so Rot“ trotzdem nicht wirklich warm. Erst in „Wie Schnee so weiß“ begann ich, sie wirklich zu mögen. „Fairest“ war verstörend und spanend zugleich. Es war sehr interessant einen Einblick in Levanas Kopf zu bekommen und zu erfahren, wie sie entstellt wurde und mitzubekommen, wie sie sich verändert. Es hat mich nur gestört, dass es keine Kapitel gab. Leider gehören die Luna Chroniken zu den Büchern, die sich aller YA Klischee bedienen und die man entsprechend leicht vorhersagen kann. Das tut der Reihe allerdings keinen Abbruch. Alles in allem sind die Luna Chroniken eine mehr als empfehlenswerte Reihe, die das Lob verdient, dass man von allen Seiten über sie hört.
Vanessa, 17 Jahre


Kontakt:
Linda Hein
Schul- und Stadtteilbücherei Dreieich - Weibelfeldschule
Am Trauben 17
63303 Dreieich
Tel.: (06103) 961850
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