Bericht

Wie kommt das W in den Baum?

19.04.2017

Eine Buchstabenreise durch Potsdam




Buchstäblich ein kreatives Miteinander
Buchstäblich ein kreatives Miteinander
© Kristina Tschesch
Im Rahmen des Projekts „Lesen macht stark - Lesen und digitale Medien“ entwickelte die Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam ein kreatives Integrationsprojekt für Kinder. Zwölf deutsche und geflüchtete Kinder im Alter zwischen 9 und 11 Jahren unternahmen im Herbst 2016 gemeinsam eine mehrwöchige Buchstabenreise durch Potsdam. Mit Unterstützung der Kooperations- und Projektpartner RAA Potsdam – Demokratie und Integration Brandenburg e.V., Fröbelhort „Sausewind“ und Potsdamer Jugendkultur- und Familienzentrum Lindenpark wurden mit Tablets großformatige Fotos erstellt, digital bearbeitet, kreativ verfremdet, mit Texten versehen und schließlich im Januar 2017 in einer gemeinsamen Ausstellung der Stadt- und Landesbibliothek (SLB) im Bildungsforum Potsdam präsentiert.

Unter dem Motto „Wie kommt das W in den Baum? Eine Buchstabenreise durch Potsdam“ gingen die Kinder auf Exkursion, um Buchstaben in der Stadt zu entdecken: in Bäumen, Mauerritzen, Uferschwüngen, an Häusern oder Gebäuden, am Himmel, auf dem Boden oder auch in Augenhöhe. Bei der gemeinsamen Spurensuche lernten sie ihre (neue) Heimatstadt buchstäblich anders kennen und fotografierten ihre Funde mit Tablets. In Gruppenarbeit wurden die Fundorte dann dokumentiert und die Buchstabenbilder digital verwandelt, künstlerisch und literarisch. Es wurde geschrieben, gemalt, erzählt und gebastelt, Collagen wurden zusammengestellt und Bilder gestaltet.

Die vielen individuellen Buchstabenbilder und –texte komplettierte das Ergebnis der mehrwöchigen Projektarbeit in der Natur, der Bibliothek und in der Kreativwerkstatt: eine Ausstellung, die von der Lebenswirklichkeit der Kinder erzählt. Alle künstlerischen Werke der Kinder und ein jeweiliges Porträtfoto wurden im Großformat in der Bibliothek präsentiert.

Während der Projektarbeit gab es auch viele Überraschungen. Der beliebte Kinderbuchautor Thomas J. Hauck und die Medienpädagogin Marikka Pfeiffer begleiteten die Kinder dabei mit Lesungen und vielen Wort- und Buchstabenspielen. Die Potsdamer Videokünstlerin Kristina Tschesch dokumentierte die Aktion filmisch und verriet den Kindern für ihre Arbeit mit den Tablets auch Geheimnisse der Videokunst und Fotografie.

W steht für die Wünsche der Kinder
Die Ausstellung, konzipiert als Wanderausstellung, offeriert auch eine große gemeinsam gestaltete Tafel mit einem W-Bild aus der Natur. Der Buchtstabe W steht hier für die Wünsche aller teilnehmenden Kinder. Zur Ausstellungseröffnung pinnten Bahare, Mihaela, Eva, Meryem, Vesa, Rana, Finn, Patrik, Leo, Cajus, Moritz und Luca, unter anderem aus Afghanistan und dem Kosowo, ihre Wünsche dort an.

Patrik (9): „Dass alle in Frieden leben, jeder jedem hilft, alle zur Schule gehen dürfen und alles gerecht verteilt ist, keine Kinderarbeit.“

Meryem (10): „Dass alle Kinder gut behandelt werden.“

Eva (9): „Weltfrieden!“

Luca (8): „Mehr Technik und Tablets in der Schule."

Ein nachhaltiges Projekt
Über bildliche Sprache und das Alphabet ermöglichte das Projekt den geflüchteten und den deutschen Kindern ein kreatives Miteinander, forderte den Austausch über ihre Kulturen heraus und schob neue Freundschaften an. Hier wurde Sprache zum Schlüssel bei der Integration!
Die Ausstellung kann in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam ausgeliehen (Selbstabholung) und kostenlos gezeigt werden.

Autor:
Ronald Gohr
Projektleiter
Stadt- und Landesbibliothek im Bildungsforum Potsdam
Am Kanal 47
14467 Potsdam
Tel.: (0331) 289-6471
E-Mail: gohr@bibliothek.potsdam.de
Internet: www.bibliothek.potsdam.de
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